Forum


 

Nepp-Verlage: Die schönsten Seiten des Schwachsinns

Mit vollmundiger Werbung locken Zuschussverlage Möchtegern-Autoren. Die müssen ordentlich zahlen, wenn sie sich gedruckt sehen wollen. Eine Aktivistengruppe machte die Probe aufs Exempel - und entdeckte eine Branche zwischen Nepp und Dada.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...645279,00.html
  1. #10

    Die Sache mit dem Brot

    Wenn ich ehrlich sein soll, was man im Spiegel-Artikel liest ist gar nicht so schlimm. Wenn man sich im Internet aufhält, dann liest man bei weitem schlimmeres. Die Geschichte ist auch nicht weniger abgefahren als Per Anhalter durch die Galaxis und die Texte sind immer noch recht okay. Gerade die Brotgeschichte, empfand ich jetzt nicht als Totalausfall, ganz im Gegenteil was ich da so lese hat schon eher den Beigeschmack von Leuten die normalerweise was "besseres" (was immer das auch ist) schreiben und sich jetzt an was vermeintlich Schlechterem versuchen.
    Die erweiterte Version, welche die Verlage bekommen haben, kann natürlich wirklich viel schlimmer sein, vom Artikel ausgehend, finde ich das aber wirklich nicht so schlimm. Werke wie "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" sind sicherlich auch nicht besser und dieses "Bi(s) zum Morgengrauen" dürften wohl irgendwie auf demselben Niveau sein und verkaufen sich spitzenmäßig.
  2. #11

    Wunderbar

    Ein wunderbarer Text den der "Herr Beutlich" verfasst hat. ;-D
    Schöner kann man diese Verlage auch gar nicht vorführen.

    Ich begrüße es auch, dass auf diese Art auf Verlage dieses Kalibers aufmerksam gemacht wird. Woher soll ein neuer Autor denn wissen, wie es im Verlagswesen abläuft? Was üblich ist und was nicht? Da kann es bei der Recherche diesbezüglich doch nur hilfreich sein auf Informationen dieser Art zu stoßen.
  3. #12

    Tränen gelacht

    Zitat von christianf Beitrag anzeigen
    Auf www.autorenkalender.de gibt es Zusatzmaterial wie das ungekürzte Anschreiben, das Expose und das "komplette" Manuskript.
    Ich wollte, und ich habe Tränen gelacht. Echt witzig ... jedenfalls auf Exposé-Länge. Über 800 Seiten wären vielleicht ein bisschen viel geworden. Aber ein wirklich mieser Schreiber hätte auch auf den paar Seiten den gewollt schlechten Stil nicht durchgehalten. Da müssen sich die drei echt witzigen Herren doch noch mehr Mühe geben :-) Herzlichen Dank jedenfalls für diesen Text!
  4. #13

    Neu ist das nun wirklich nicht und diese seltsamen Verlage gibts auch noch in deutlich nervigerer Version. Als Wissenschaftler z.B. erhält man regelmäßig Anschreiben von irgendwelchen Verlagen, die die eigene Doktorarbeit veröffentlichen wollen. Oder von denen man gebeten wird doch bitte einen Artikel für ihr Buch zu schreiben (oftmals ausdrücklich gerne auch 2 und zu beliebigem Thema). Der Haken an der Sache sind natürlich die Kosten...mehrere hundert bis tausend Euro ausserdem verpflichtet man sich bei Zustimmung meist auch noch gleich ein paar Exemplare des Buches zu kaufen...nochmal ein paar hundert Euro.

    Betrug ist es übrigens nicht, denn die Bücher bekommt man schon, Digitaldruck sei Dank ist das ja heute kein Problem mehr, und auch andere können die Bücher dann auf der Website des Pseudoverlags kaufen. Der Sinn sowie die Qualität der Bücher ist natürlich unter aller Sau und ausser den Autoren wird die auch kaum jemals jemand zu Gesicht bekommen.

    Das gleiche gibts übrigens auch bei Firmenneugründungen. Da wird man dann von irgendwelchen seltsamen Wirtschaftsmagazinen angeschrieben man möge doch ein Firmenprofil oder sonstwas einschicken, dann würde das gegen eine kleine Gebühr bei Ihnen abgedruckt, etc....
  5. #14

    Foucaultsche Pendel

    Erinnert mich an das Foucaultsche_Pendel (http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Foucaultsche_Pendel) in der auch ja ein Zuschussverlag vorkommt.
  6. #15

    Zustimmung!

    Zitat von mschee Beitrag anzeigen
    Zum Beispiel die Stelle "Es heisst ja auch Brot für die Welt. Nicht Brot mit Butter drauf für die Welt."

    Super!

    Jedenfalls besser als irgendwas von - sagen wir mal - Dan Brown... Und der ist ja auch gedruckt worden.
    Diese "Brot"-Stelle hat irgendwie was Homer-Simpson-mäßiges. So was von unfaßbar doof, aber auf seine ganz eigene, beknackte Art doch so weise ;)))))

    Und der Gedanke mit Brown und Konsorten ist mir auch gekommen. Als ob die etablierten Verlage bloß Hochkultur vom Kaliber Goethe oder Schiller veröffentlicht werden. Ein Brown, ein Schätzing oder ein Berndorf schreiben genauso viel Murks, nur das es da keiner (oder kaum einer) merkt, weil erstens eine enorme Marketingmaschine dahinter steht, im Falle von Herrn Schätzing sogar der Autor selbst. Als ehemaliger Chef einer Werbeagentur weiß der schon, wie man auch den letzten Scheiß noch zu nem guten Preis vertickt.

    Zum zweiten gehen diesen Autoren nach gutem Beginn auch schnell die Ideen aus. Die letzten Eifel-Krimis von Berndorf waren nicht mehr zu ertragen, nur noch nach Schema F runtergeschrieben, mit immer epischeren Beschreibungen der Landschaft oder dessen, was im Lokal von XYZ gerade mal wieder zusammengekocht wird. Den selben Effekt kann man auch bei Brown und, in abgemilderter Form, bei den Wallander-Krimis von Mankell beobachten, die Reihe wurde auch nicht zufällig beendet...
  7. #16

    Günter Wallraff für Arme

    Zitat von Friedrich G. Alte Beitrag anzeigen
    Ich wollte, und ich habe Tränen gelacht. Echt witzig ... jedenfalls auf Exposé-Länge. Über 800 Seiten wären vielleicht ein bisschen viel geworden. Aber ein wirklich mieser Schreiber hätte auch auf den paar Seiten den gewollt schlechten Stil nicht durchgehalten. Da müssen sich die drei echt witzigen Herren doch noch mehr Mühe geben :-) Herzlichen Dank jedenfalls für diesen Text!
    ... wirklich gemein... also wirklich gemein ist doch nur die Verächtlichmachung von Heilpraktikern, Geschiedenen, Beschäftigten in Dresden-Prohlis (gibt es das wirklich?) und Vereinsmeiern.

    Warum haben die ach so orginellen "Spaßmacher" ausgerechnet ein Mitglied der bildungsfernen Schicht als Protagonist ausgewählt? Weil sich der Akademiker natürlich nie im Zuschussgeschäft versucht? Natürlich ist der Arbeiter aus dem Osten das bessere Opfer, vor allen Dingen durch die Überspitzung - trotzdem: Diese Aktion ist doch Scheibenschießen auf ein unbewegliches Objekt. Besondere Leistung gehört nicht dazu, ein besonderes orginelles Element fehlt auch, sozusagen Günter Wallraff für Arme. Bildungsbürger mit Messiaswahn.
  8. #17

    Wo ist das Problem?

    Ein Dienstleister erfüllt Hobbyautoren den Traum vom eigenen Buch. Das Buch wird gestaltet, gedruckt und mit einer ISBN-Nummer versehen. Dafür zahlt der Autor Geld, etwas Bauchpinselei gibts gratis dazu. Ich kann da nichts grundsätzlich unseriöses dran entdecken, solange sich der Preis im Rahmen hält. Glaubt denn jemand, dass Suhrkamp und Kiepenheuer&Witsch kein Geld verdienen wollen? Die haben halt nur ein anderes Klientel.
  9. #18

    Alternative??

    Aber was ist dann die Alternative zu den Bezahlverlagen, wenn man wirklich ernsthaft etwas veröffentlichen will?
  10. #19

    "Verlag sucht Autoren"

    Zitat von Donnerhall Beitrag anzeigen
    Ich kann da nichts grundsätzlich unseriöses dran entdecken, solange sich der Preis im Rahmen hält.
    Wer hat denn was gegen eine ehrliche Dienstleistung, die auch genau als solche angeboten wird? Solche Dienstleister gibt es ja (z.B. BoD), und es gibt Veröffentlichungen, für die sind sie ideal.

    Unseriös wird die Sache dann, wenn offensichtlich untalentierten Hobbyautoren suggeriert wird, ihre Veröffentlichung sei der in einem echten Buchverlag gleichzusetzen, und sie hätten nun eine reelle Chance, mit ihrem Buch reich und berühmt zu werden. Und genau das ist die seit Jahren bewährte Masche der Verlage, von denen in dem Artikel die Rede ist. Den Frieling-Verlag, einer der teursten, gibt es schon seit mindestens zwanzig Jahren.

    @gucky2009: Ja, genau. In Ecos "Das Foucaultsche Pendel" findet sich eine sehr treffende Beschreibung eines solchen "Vanity-Verlags".








TOP



TOP