Zitat von Spiegel
Ob auf hoher See oder unter Tage: Auf Kameraden muß Verlaß sein - vor allem, wenn einer in der Patsche sitzt. Der Polizeibeamte, der sich am 30. Mai 1994 in der Hamburger Innenstadt vor den Fernsehjournalisten Oliver Neß hockte, konnte darauf bauen.
Seine Kameraden drückten den ARD-Mann während einer Demonstration auf den Asphalt des Gänsemarktes, der Polizeibeamte zog seinem wehrlosen Opfer einen Schuh aus und verdrehte ihm den Fuß mit solcher Gewalt, daß die Bänder rissen. Amnesty International bewertete das Vorgehen als Folter, es gab eine Anklage gegen die Polizisten. Aber ein weiteres Mal konnte sich der Beamte, der den Journalisten Neß so schwer verletzt hatte, auf seine Kameraden verlassen.
Polizisten, die fünf Meter vom Ort der Körperverletzung entfernt standen, hatten "nichts mitbekommen" von der brutalen Tat, und Kameraden gab es wohl auch anderswo. Auf Videoaufnahmen der Polizei, die das Geschehen dokumentierten, wurden entscheidende Sequenzen gelöscht; Funkmitschnitte des Einsatzes gingen verloren.