Neoliberalismus nach*Lehman-Pleite: Das unzähmbare Monster

Seit dem Crash der US-Bank Lehman gilt der freie Markt als gescheitert. Selbst Erzkonservative flirten*inzwischen*mit dem Sozialismus, der Staat mischt wieder mit. Der*Neoliberalismus aber lebt - er hat sich so stark ins Finanzsystem eingenistet, dass man ihn kaum noch wegregulieren kann.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...786013,00.html
  1. #1

    Nur Details

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Seit dem Crash der US-Bank Lehman gilt der freie Markt als gescheitert. Selbst Erzkonservative flirten*inzwischen*mit dem Sozialismus, der Staat mischt wieder mit. Der*Neoliberalismus aber lebt - er hat sich so stark ins Finanzsystem eingenistet, dass man ihn kaum noch wegregulieren kann.
    So ein dummes Zeug. Dass Märkte nicht frei toben sollten, sondern reguliert werden müssen, ist seit über 100 Jahren bekannt und wird entsprechend praktiziert. Reden mag man allenfalls über die Details.
  2. #2

    Wenn man die falschen Werkzeuge wählt ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Seit dem Crash der US-Bank Lehman gilt der freie Markt als gescheitert. Selbst Erzkonservative flirten*inzwischen*mit dem Sozialismus, der Staat mischt wieder mit. Der*Neoliberalismus aber lebt - er hat sich so stark ins Finanzsystem eingenistet, dass man ihn kaum noch wegregulieren kann.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...786013,00.html
    ... darf man sich nicht wundern, wenn der Nagel schief in der Wand steckt.

    Ich frage mich, ob der SPON-Admin wohl meinen Beitrag freischaltet - immerhin ist mein "Gleiche-Chancen-Beitrag" in einem der Piraten-Themen auch nicht freigeschaltet worden, trotz der im Kern steckenden Wahrheit. Nun denn.

    Egal, wie man es auch nennt, mit "Liberalismus" hat das aktuelle Finanzsystem nicht viel zu tun. Auch nicht mit "Sozialismus" - außer natürlich, man reduziert den Sozialismus auf jene Mutation, die da am Ende der DDR existierte: merk- und realitätsbefreite Politiker haben mit ihrer Bereicherungs- und Umverteilungspolitik den Staat in die Pleite geritten.

    So ähnlich ist das ja heute auch. Geld wird - darf ich so offen sein - einfach richtig offen veruntreut. Steuergelder? Statt für die staatl. Verpflichtungen ggü. der Bevölkerung aufgewendet zu werden, werden diese Gelder kurzerhand in irgendwelchen Fonds, Bonds, Rettungspaketen, Konjunkturpaketen, fremden Staaten usw "versenkt". Das Ganze wird dann garniert mit tollen Versprechungen - etwa, dass die gezahlten Gelder doch zurückkämen, genau wie bei einer gelungenen Investition. Oder dass dadurch die Bevölkerung profitieren würde, weil ... ja, warum eigentlich? Mir konnte bisher noch keiner begreiflich machen, inwiefern mir 500 Mrd. Euro "Extra-Staatsschulden" meine Zukunft rosiger machen können.

    Statt mit "Pseudosozialismus" hunderte Milliarden Euro Volksvermögen zu verschwenden, hätte man wirklich auf die vielbeschworenen "Selbstreinigungskräfte des Marktes" vertrauen sollen, lies: ein paar Pleitebanken mehr hätten das System hinreichend gereinigt. Statt dessen wird kräftig gepäppelt und chronisch zahlungsunfähigen Nationen noch der Hintern gepampert, damit irgendwann, vielleicht, wenn ja nix dazwischen kommt, dann doch sogar mal ein Nutzen herausspringt.

    Ganz ehrlich: eine Wahrsagerin könnte Geld mit ihren Vorhersagen weit besser anlegen als jeder dieser "Nieten im Nadelstreifen". Weiter weg als von Kaffeesatzleserei ist das nicht; das und viel, viel Hoffnung. Leider wäre eine Rosskur heilender gewesen statt irgendwelches Rumgepfusche.

    Ob der SPON-Admin wohl freischaltet? Ist ja doch harter Tobak ...
  3. #3

    verstehe ich das richtig?

    Zitat von Tango Beitrag anzeigen
    So ein dummes Zeug. Dass Märkte nicht frei toben sollten, sondern reguliert werden müssen, ist seit über 100 Jahren bekannt und wird entsprechend praktiziert. Reden mag man allenfalls über die Details.
    ....als wenn man mit dem Märkten über Details reden könnte was für eine Naivität!
  4. #4

    Bei SPON schreibt für Sie: Lieschen Müller

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Seit dem Crash der US-Bank Lehman gilt der freie Markt als gescheitert. (...)
    Nun ja. Wenn der "frei Markt" denn vor drei Jahren gescheitert sein soll, würde dies ja, rein logisch, voraussetzen, dass er vorher bestanden hätte. Das wiederum wäre eine echte Nachricht gewesen. Stattdessen listet der Autor allerlei Staatseingriffe lange vor dem 15.09.2011 (z.B. zu billiges Geld zu lange im Übermaß) auf, die ursächlich waren für den Schlamassel. Außerdem glaubt man mal wieder, Lieschen Müller hätte zum Bleistift gegriffen, wenn munter darauf los fabuliert wird, dass Liberalismus die Abwesenheit von Regeln wäre. Das ist schlichtweg Quatsch.
  5. #5

    o

    Mit Neoliberalismus hat das Finanzsystem noch nie was zu tun gehabt, bloß weil es an paar Stellen dereguliert wurde.

    Sorry, aber wenn staatliche Notenbanken ein gesetzliches Zwangsmonopol auf Herstellung von Geld haben, wenn der Staat Dinge wie Eigenkapitalquoten gesetzlich vorschreibt, wenn er gleichzeitig gesetzlich vorschreibt, dass Banken Kredite an schlechte Schuldner vergeben müssen (Community Reinvestment Act), wenn er eine Ideologie verfolgt, dass jeder ein Haus haben soll etcpp. dann ist das Sozialismus und nichts anderes.

    Von daher ist der Artikel in meinen Augen in weiten Teilen falsch. Der Autor sollte IMHO den Staatspseudokapitalismus kritisieren.
  6. #6

    -

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Seit dem Crash der US-Bank Lehman gilt der freie Markt als gescheitert. Selbst Erzkonservative flirten*inzwischen*mit dem Sozialismus, der Staat mischt wieder mit. Der*Neoliberalismus aber lebt - er hat sich so stark ins Finanzsystem eingenistet, dass man ihn kaum noch wegregulieren kann.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...786013,00.html
    Irgendwie beschleicht einen beim Lesen dieses Ergusses das dumpfe Gefühl, dass hier kein Experte spricht, der sich mit den Fachfragen auskennt, sondern dass hier jemand seine private Meinung zum Besten gibt, die er auch in anderem Rahmen zum Besten geben könnte, etwa abends im Freundes- oder Kollegenkreis oder am Stammtisch.

    Mich erstaunt beispielsweise, dass sich der Autor derart auf die Bankenkrise konzentriert. Zum einen hatte die Bankenkrise ja ihre Ursachen auch in staatlichen Vorgängen, denn in den USA sind die Hausbauer und Hauskäufer ja auch deshalb so leicht an Darlehen der Banken gekommen, weil das politisch so gewollt war. Zum anderen aber gab es ja neben der Banken- auch noch die Staatskrise, und während die Bankenkrise seit einiger Zeit vorläufig überwunden scheint, beschäftigt uns die Staatenkrise nun schon seit längerer Zeit. All die Gelder, die Deutschland und die EU für Griechenland ausgegeben haben, sind dieser Staatskrise geschuldet. Warum verliert der Autor hierüber kein Wort?

    Die Ursache für die griechische Pleite war doch nicht, dass der Staat zu schwach gewesen wäre. Der griechische Staat ist / war ganz im Gegenteil überaus fett, er verfügt(e) über einen riesigen Beamtenapparat, zahlreiche Immobilien, staatseigene Unternehmen etc. pp. Hierfür ist all das Geld ausgegeben worden, das heute fehlt und von Europäern nachgeschossen werden muss.

    Wenn also der Autor aufgrund der Bankenkrise dem starken Staat das Wort reden will, übersieht er dabei die Staatenkrise und ihre Folgen und Ursachen.

    Natürlich stehen im Hintergrund bei Griechenland, Spanien und Co. auch die Banken, die die Kredite vergeben haben, und an die letztlich die EU-Hilfsgelder gezahlt werden bzw. würden. Aber das ändert nichts an der Verantwortung der Staaten für ihre Schulden.
  7. #7

    Omg...

    Lieber Artikelautor! Alles, was Sie da beschreiben und als "Neoliberalismus" bezeichnen, ist keiner. Das ist alles der klassische Liberalismus, dem sich übrigens auch Friedrich von Hayek und Milton Friedman zugehörig fühlten -- und zwar nach ihren eigenen Aussagen! Sollten diese Leute nicht am Besten wissen, wofür sie eintreten bzw. -traten?

    Klassische Liberale wollen einen schwachen Staat, der sich in den Markt möglichst nicht einmischt und ihn also auch nicht reguliert -- also genau das, was Sie beschreiben. Neoliberale wollen hingegen explizit einen starken Staat, der den Markt reguliert und Marktversagen verhindert -- also haargenau das, was den Finanzmärkten doch wohl offensichtlich abgeht.
  8. #8

    Ordoliberalismus

    Eucken, Müller-Amrack, Erhardt alles Ordoliberalismus und den nennen wir in D Soziale Marktwirtschaft.
    Ach ja die ist unbestritten eine Form des Neoliberalismus, schon immer gewesen.
    Wer jetzt versucht die Klientelpolitik von Reagen, Thatcher und Co als Neoliberalismus zu verkaufen, braucht wohl nur ein Schlagwort.

    Soziale Marktwirtschaft = Neoliberalismus
    Regan, Thatcher = Klientelpolitik
    Milton Friedman = klassischer Liberaler (also kein Neuer neo)
    Aber schreiben Sie ruhig weiter, wir sagten früher auch Atomenergie und später als wir alle Kernenergie sagten fiel der Unfug trotzdem um.

    Was falsch ist wird auch nicht richtiger wenn man ihm ein ungeliebtes Etikett anhängt.
  9. #9

    Schon...

    Zitat von exxtreme2 Beitrag anzeigen
    Mit Neoliberalismus hat das Finanzsystem noch nie was zu tun gehabt, bloß weil es an paar Stellen dereguliert wurde.
    Ich meine schon. Die Theorie, dass Märkte langfristig bessere Ergebnisse liefern, wenn sie weitestgehend unreguliert sind, ist ein Postulat der klassischen Theorie. Auf diese baut die neoliberale Schule auf.
    Wenn Sie aber meinen das Finanzsystem sei ein schlechtes Beispiel, da es stärker reguliert ist als z.B. Handel und Industrie, so haben Sie vollkommen recht.