REUTERSSchöne Bilder und auf gar keinen Fall Streit: US-Präsident Obama will den Nato-Gipfel in Chicago für seinen Wahlkampf nutzen, sich als Weltenlenker präsentieren. Doch Frankreichs neuer Staatschef Hollande könnte den Plan verderben, indem er weiter auf einen raschen Abzug aus Afghanistan drängt.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...833922,00.html
Auch ich drücke mit Ihnen die Daumen, @viersener, dass Hollande das wahr macht, was er angekündigt hat, jedoch darf ich Ihnen eines zu bedenken geben: auch Hollande ist ein Sozialdemokrat, und wann war das gewesen, dass die Sozialdemokratie ihren historischen Auftrag (bei uns im Art. 26 GG formuliert) wahrgenommen und Kriegsführung als Mittel der Politik ein für allemal geächtet hätte: 1870, 1914, 1919, 1959, 1998, 2001 - alles verpasste Gelegenheit, dem Menschheitsinteresse No. 1 "friedliche Koexistenz aller Nationen" zur Geltung zu verhelfen?! WANN also: 2012, 2013, 2014?!
Das Schlimme an der europäischen Sozialdemokratie ist nicht, dass sie durch "die Verhältnisse" vom "Arzt am Krankenbett des Kapitalismus" zum Pfleger desselben degradiert worden ist, das Schlimme an ihrem Führungspersonal - und wenn da Hollande die Ausnahme von der Regel werden sollte, so werde ich meinen Wohnsitz nach Frankreich verlegen - ist die Tatsache, dass sie ihren originär sozialistischen Führungsauftrag "Aufklärung und pazifistische Willensbildung des Volkes" (Art. 21 GG) dahingehend verfälscht hat, die Bundeswehr nicht - wie es die neue Lage 1990ff. geboten hätte - aufzulösen, sondern sie stattdessen verfassungswidrig zur Fremdenlegion des Imperiums auszubauen.
Wenn im Art. 12a vom Verteidigungsfall die Rede ist, dann weiß jeder, der noch alle Tassen im Schrank hat, dass dieser nie mehr eintreten wird, es sei denn, das Imperium provoziert ihn durch einen Agriffskrieg.
Dementsprechend ist es angezeigt, die deutsche Sicherheitspolitik radikal zu verändern, genauer gesagt: durch eine bedingungslose Demilitarisierung Deutschlands (innerhalb der Nato oder außerhalb derselben) jeglicher Militarisierung von Außenpolitik den Stinkefinger zu zeigen.
Wann da der Franzose mitziehen könnte, würde das eine fantastische Sogwirkung weltweit entstehen lassen, die letztlich nur noch das einzig an Aufrüstung und Kriegsführung interessierte Imperium an den Pranger der Weltöffentlichkeit stellen würde.
"Angst vor unseren Freunden" (Lafontaine) sollte uns zwar dahingehend bedenken lassen, dass diese die politische Implosion ihres Stammlandes auch zum letzten Weltkriegsabenteuer missbrauchen könnten, doch wenn sie denn ihr Armaggedon nicht verhindern können, dann soll es eben so sein: kurz und bündig mit zwanzig Wasserstoffbomben.
Bis zu diesem Tag jedoch sollten wir noch mit ein paar guten Jahren die friedliche Koexistenz der Völker feiern, Jahre, in denen wir Pazifisten unsere Nationen entschulden, das Volkseinkommen endlich auch ans Volk umverteilen (Bildung, Alterssicherung, Qualität der Arbeit, Grundeinkommen etc.) und Abschied vom natur- und kulturzerstörenden Wachstumswahn des Geldkreditsystems Kapitalismus nehmen können: unsere Enkel fechtens besser aus!