Fahrradfahrer haben mehr Rechte als andere Verkehrsteilnehmer. Sie dürfen gelegentlich verkehrt in Einbahnstrassen fahren, an der Ampel nach vorne fahren, unter Umständen den Bürgersteig benutzen. Alles vernünftige Regelungen, wenn auch lange nicht genug.
Nur dass ihnen dieses Recht regelmässig genommen wird. Ich fahre Auto, Lastwagen, Motorrad und Fahrrad, aber nur als Fahrradfahrer werde ich Tag für Tag und -zig mal, gemessen an der Kilometerleistung wohl hundertmal mehr, behindert, angehupt, bedrängt, gefährdet, geschnitten, übersehen und entrechtet.
Mein Primärziel im Strassenverkehr ist da ganz einfach das Überleben geworden. Verkehrsregeln werden da automatisch zweitrangig. So bald ich im Strassenverkehr respektiert werde, man mir Platz zum nach vorne fahren lässt, mich nicht behindert wenn ich an nem Hindernis auf der Strasse problemlos vorbeikäme, man den Radweg nicht zuparkt, mich nicht sinnlos anhupt, man seine Türen nicht vor mir aufreisst, mich nicht abdrängt, mich auf mehrspurigen Strassen links abbiegen lässt - undsoweiter undsofort - bin ich auch nicht mehr dauf angewiesen, zunächst auf mein Leben zu achten. Dann würde ich mich auch um, zB, rote Ampeln kümmern können. Und so sind alle Regelverletzungen (bei denen ich selbstverständlich jede Rücksicht auf berechtigte Verkehrsteilnehmer nehme) aus meiner weitreichenden Entrechtung geboren, und oft ne Möglichkeit, ungefährdet über die Strasse zu kommen, die ich nutzen muss.



