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Nach dem Pisa-Schock: Zehn Jahre Wirrwarr

Schul-Chaos, Zuständigkeits-Durcheinander, zerplitterte Lehrerbildung: Zehn Jahre nach dem Pisa-Schock*geht es*im deutschen Bildungssystem drunter und drüber. Eltern fürchten um die Zukunft ihrer Kinder - und weichen zunehmend auf Privatschulen aus.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...801187,00.html
  1. #1

    Komisch

    Am meisten leidet die Wirtschaft. Sie, die jahrelang die Kultusminister vor sich hinwursteln ließ, steht vor einem nie gekannten Fachkräftemangel. Nicht mehr nur Ingenieure oder Ärzte fehlen, inzwischen gehen sogar die Auszubildenden aus. Selbst der Pisa-Dauersieger Bayern produziert zu viele Risikoschüler.

    Das mit dem Fachkraeftemangel konnte man vor ein paar Tagen im Spiegel noch anders lesen. Den soll es doch danach gar nicht geben.
  2. #2

    Titel sind toll: Föderalismus ade

    So lange wir die für Deutschland so wichtigen Felder Bildung und Erziehung den Ländern überlassen, werden wir keine zufriedenstellende Lösung für die Probleme finden. Dieses Thema ist viel zu wichtig, um es im Föderalismussumpf der kleinstaatlichen Interessenpolitik zu opfern.
    Bildung und Erziehung sollten staatliche Aufgaben sein und die Länder rein ausführende Organe.

    Hinzu kommt der falsche Stellenwert den Lehrer und Erzieherinnen in unserer Gesellschaft haben - inklusive Gehalt, Status und adequate Ausbildungsmöglichkeiten (inklusive entsprechender Zugangsvoraussetzungen).

    Dass z.B. Lehrer heute nachwievor kaum pädagogische Bildung erhalten und häufig einfach die Leute sind, die keine Lust auf Magister/Diplom hatten oder sonst nicht wissen, was sie werden wollen, ist ein Unding (ja, es gibt auch andere - aber das scheinen Ausnahmen zu sein). Ähnliches gilt für Erzieherinnen - auch hier sollten gezielt entsprechend Fachkräfte ausgebildet werden, die eben nicht nur "gut mit Kindern können".
    Dazu muss sich die Gehaltstruktur massiv verändern. Wer mittlerweile einen Großteil der Erziehungsverantwortung trägt (und das ist ja nun mal aufgrund der Beschäftigungsstrukturen und dem mangelnden Interesse vieler Eltern der Fall), sollte auch entsprechend entlohnt werden. Hinzu kommen Weiterbildungen und entsprechende Arbeitsstrukturen.

    Darüber hinaus sollte natürlich mehr Geld für die Bildungsanstalten insgesamt zur Verfügung gestellt werden und die möglichen Eltenr so weit es geht von Bildungskosten entlasstet werden (vielleicht bekommen dann auch unsere Eliten und Akademiker wieder mehr Kinder, und nicht nur die unteren Bildungsschichten).
  3. #3

    Die Lehrer sind wichtig

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Schul-Chaos, Zuständigkeits-Durcheinander, zerplitterte Lehrerbildung: Zehn Jahre nach dem Pisa-Schock*geht es*im deutschen Bildungssystem drunter und drüber. Eltern fürchten um die Zukunft ihrer Kinder - und weichen zunehmend auf Privatschulen aus.

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...801187,00.html
    Weniger Strukturdebatten und mehr auf Inhalte und Qualität achten.
    Die Lehrmethoden sind tw. aus dem vorletzen Jahrhundert.
    Man muß die Schüler nur schön zwiebeln und hart rannehmen, dann führt diese Auslese schon zu einer guten Schülerschaft.

    Die Eltern müssen nachmittags die Defizite des Unterrichts ausgleichen und der Lehrer hat dann das Gefühl, dass er einen Super Unterricht macht, weil er sich die Lernerfolge zuschreibt.
    Lehrer sind überbezahlte Dienstleister und sollten diese Rolle endlich mal annehmen.
    Die Privilegien gehörten abgeschafft.

    Man strebt sich auch immer gegen Vergleichsarbeiten, weil die den Lehrer vor den Kollegen bloßstellen könnte.
    Und wenn die Arbeit mal schlecht ausfällt, wird einfach das gesammte Notenspektrum hochgezogen. Sonst würde der Schulleiter vielleicht stutzig werden. Alter Trick!

    Kein Wunder, dass wer kann auf eine Privatschule ausweicht.

    Die anderen müssen dann in die staatliche Schulkonserve.
  4. #4

    Was soll an einer Privatschule gut sein ?

    Ich weiss nicht, wass Sie mit "Privatschule" meinen, ich kenne die ganz tollen für die "zukünftigen Eliten" (z.B. Odenwald) nicht.
    Aber die "normalen" Privatschulen kennen ich etwas, und dort sieht man nichts Gutes. Der einzige Unterschied ist evtl. eine "Sozialauswahl" über den Geldbeutel der Eltern ... ob das immer ein Vorteil ist weiss ich nicht, kann aber sicher so gesehen werden.

    Ansonsten sind die Schulen meist etwas "schicker" und besser ausgestattet. Z.B. mit Sauna ... ganz wichtig für den Lernerfolg.
    Lehrer gehen dort nur hin, wenn sie in keine passende Anstellung in einer staatlichen Schule finden, sind entsprechend meist unerfahren, und immer auf dem Sprung bei einem besseren Job, vor allem bei den staatlichen Schulen.

    Die zahlenden Eltern können den/die Lehrer beeinflussen nach Gusto. Und bei den vielen verschieden Meinungen, kann ein Lehrer mit wenig Erfahrung und durch die Verunsicherung durch die Eltern aus dem Bildungsbürgertum selten eine Linie entwickeln. Oft werden Lehrer, etwa wenn die Leistungen schlecht sind, einfach "entfernt".

    Wenn das Bildungsbürgertum und die "Oberklasse" unter sich ist, kann auch solzial nicht viel gutes dabei rauskommen.

    Was sind Ihre positiven Punkte ?

    Zitat von Reqonquista Beitrag anzeigen
    Weniger Strukturdebatten und mehr auf Inhalte und Qualität achten.
    Die Lehrmethoden sind tw. aus dem vorletzen Jahrhundert.
    Man muß die Schüler nur schön zwiebeln und hart rannehmen, dann führt diese Auslese schon zu einer guten Schülerschaft.

    Die Eltern müssen nachmittags die Defizite des Unterrichts ausgleichen und der Lehrer hat dann das Gefühl, dass er einen Super Unterricht macht, weil er sich die Lernerfolge zuschreibt.
    Lehrer sind überbezahlte Dienstleister und sollten diese Rolle endlich mal annehmen.
    Die Privilegien gehörten abgeschafft.

    Man strebt sich auch immer gegen Vergleichsarbeiten, weil die den Lehrer vor den Kollegen bloßstellen könnte.
    Und wenn die Arbeit mal schlecht ausfällt, wird einfach das gesammte Notenspektrum hochgezogen. Sonst würde der Schulleiter vielleicht stutzig werden. Alter Trick!

    Kein Wunder, dass wer kann auf eine Privatschule ausweicht.

    Die anderen müssen dann in die staatliche Schulkonserve.
  5. #5

    Schule, das ewige Thema

    Es wird sich wohl nie etwas grundlegend ändern, wenn die Bildungshoheit weiter bei den Ländern verbleibt.
    Man kann vielleicht noch die Hoffnung haben, dass 2020, wenn die Länder keine Nettokreditaufnahme mehr tätigen dürfen, die Bildungs-Rahmenkomptenz inkl. Finanzierung auf den Bund übergeht, weil dieser föderale Sumpf schlicht so nicht mehr zu finanzieren ist. In den Bundesländern sind die sog. Bildungspolitiker überwiegend Wichtigtuer, die bisher jeden Ansatz abgewürgt haben, sie entbehrlich zu machen. Vielleicht helfen uns da wenigstens einmal die "Märkte".
  6. #6

    Vorteile

    Zitat von henryb_de Beitrag anzeigen
    Ich weiss nicht, wass Sie mit "Privatschule" meinen, ich kenne die ganz tollen für die "zukünftigen Eliten" (z.B. Odenwald) nicht.
    Aber die "normalen" Privatschulen kennen ich etwas, und dort sieht man nichts Gutes. Der einzige Unterschied ist evtl. eine ......
    Lehrer haben es an einer staatl. Schule bequemer. 3 Monate Ferien, Kündigungsschutz, Überbezahlung (den eigenlichen Unterricht machen die Eltern od. die Nachhilfe, die Schule präsentiert nur wa gelernt werden soll) und noch hoheitliche Gewalt.

    An einer Privaten gibt es v.a. eine Dienstleistungsmentalität und auch die Gefahr das man bei Schlechtleistung rausgeworfen wird. Das spornt an und unterdrückt so manche Faulheit.

    Die Sozialauswahl ist auch nicht unwesentlich. Es ist eine Art Notwehr gg. politische Versäumnisse (auch in der Integrationspolitik).

    Die Vorstufen der Privatschule sind die bürgerlichen Enklaven in "besseren" Stadt teilen. Das treibt dort auch Mieten und Kaufpreise hoch.

    Wenn man die og. Punkte in den staatlichen Schulen abstellen würde und auch Autorität in unbequemen Situation (s. Rütli Schule) walten lassen würde, wäre die Welt schon besser.

    Damit kann man bei unseren links liberalen Mächten leider nicht rechnen.
  7. #7

    wen wunderts? Mich nicht.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Schul-Chaos, Zuständigkeits-Durcheinander, zerplitterte Lehrerbildung: Zehn Jahre nach dem Pisa-Schock*geht es*im deutschen Bildungssystem drunter und drüber. Eltern fürchten um die Zukunft ihrer Kinder - und weichen zunehmend auf Privatschulen aus.

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...801187,00.html
    Ich war mal Lehrer, das ist lange her. Schon vor 25 Jahren war klar, dass das öffentliche Schulsystem augehungert und an die Wand gefahren werden soll und das parteiübergreifend. Wir Chemie- und Physiklehrer hatten eine Zigarrenkiste im Lehrerzimmer, Lehrerspenden für Unterrichtsmaterial, Reagenzgläser z.B. und Chemikalien oder Reparaturen für Messinstrumente in Physik. Für den Mathematikunterricht hatten wir einen wunderschönen Unterrichtssatz mit Schaltelementen um die Grundlagen der Boolschen Algebra zu unterrichten, er war kaputt als ich mit dem Matheunterricht begann und er war einige Jahre später, als ich den Schuldienst verließ immer noch kaputt.

    In D. ist Bildung was für Menschen, die sich eine Privatschule leisten können, die 'Unterschicht' braucht keine Bildung, Rechnen, Schreiben, Lesen reicht. Bildung ist was für die Prämiumklasse, da sind sich SPD, CDU und FDP einig. Nicht in Worten aber in Taten.

    Das ganze System ist verkrustet und von vorgestern, die Inhalte sind veralten, die Unterrichts-Methoden auch. Die Organisation ist ein Wasserkopf, der Bildungs-Föderalismus ist tödlich. Der Lehrplan für das Gymnasium umfasst ca. 1,5 m macht für 16 Bundeländer 24 m Lehrplan, nur für das Gymnasium. Das brauchen wir, weil ja der Satz des Pythagoras in jedem Bundesland ein anderer ist.

    Ich war gerne Lehrer, ist ein wunderschöner Beruf, aber wenn ich an die Arbeitsbedingungen denke, abfackeln und neu aufbauen, das geht aber leider nicht.
  8. #8

    Die Missachtung der Kinderpflege hat Tradition

    Zitat von Despair Beitrag anzeigen
    ....

    Hinzu kommt der falsche Stellenwert den Lehrer und Erzieherinnen in unserer Gesellschaft haben - inklusive Gehalt, Status und adequate Ausbildungsmöglichkeiten (inklusive entsprechender Zugangsvoraussetzungen).

    Dass z.B. Lehrer heute nachwievor kaum pädagogische Bildung erhalten und häufig einfach die Leute sind, die keine Lust auf Magister/Diplom hatten oder sonst nicht wissen, was sie werden wollen, ist ein Unding (ja, es gibt auch andere - aber das scheinen Ausnahmen zu sein). Ähnliches gilt für Erzieherinnen - auch hier sollten gezielt entsprechend Fachkräfte ausgebildet werden, die eben nicht nur "gut mit Kindern können".
    Dazu muss sich die Gehaltstruktur massiv verändern. .....

    Darüber hinaus sollte natürlich mehr Geld für die Bildungsanstalten insgesamt zur Verfügung gestellt werden .......
    Hallo,
    Diese hat Tradition in Deutschland. Schon in Grimms Märchen "Der Meisterdieb" soll dieser Pfarrer und Schulmeister stehlen. Als Petrus verkleidet lockt er sie in eine Sack und knöpft ihnen noch Geld für die Überfahrt durchs rote Meer ab. Der Schulmeister hat gerade mal 10 Kreuzer, der Pfarrer aber 6 Taler.
    Im Übrigen ist der Hauptzweck aller Reformen, z.B. Zusammenlegung (Regionalschule mit Haupt, Real und Sonderschule) in Klassen mit 30 und mehr Kindern Geld sparen. Das Unterricht in Klassen mit 35 12 jährigen, davon 10 Migranten und 5 Sonderschüler, die eigentlich psychoterapeutische Betreuung und nicht nur regelmässig Ritalin bräuchten, auch bei gutwilligen Lehrern zur Verzweiflung führt, ist klar. Autobahnen sind halt wichtiger. Und Ingenieure führen wir ein. Deshalb gibts in Kindergärten und Schulen auch ein Technikverbot. Schließlich sind wir das Volk der Dichter und Denker.
    Bin mit meinen JÜngsten jetzt auf Waldorf ausgewichen und wir haben es nicht bereut.
    mfg Kioto
  9. #9

    Re: was soll denn an einer Privatschule gut sein?

    Zitat von henryb_de Beitrag anzeigen
    ...
    Wenn das Bildungsbürgertum und die "Oberklasse" unter sich ist, kann auch sozial nicht viel gutes dabei rauskommen.

    Was sind Ihre positiven Punkte ?
    Habe ein bis zwei positive Punkte: Der Unterrichtsausfall an den staatlichen Schulen ist dermaßen massiv, dass die lieben Kleinen oft wochenlang nur die Hälfte des eigentlich vorgesehenen Unterrichtes genießen. Dauerkranke Lehrer werden bei den privaten Schulen eher aussortiert. Was an staatlichen Schulen auch immer wieder verblüfft, ist die Hilflosigkeit, mit der auf Schwangerschaften im Lehrerkollegium reagiert wird. Ich weiß nicht, wer konkret das jeweils verbockt, aber das Resultat sieht bei uns in Hessen immer so aus, dass die Verantwortlichen - von der Geburt des Kindes offensichtlich mal wieder völlig überrascht - dann doch widerwillig und gemächlich auf die Suche nach einem Ersatzlehrer gehen. Vielleicht. Lohnt ja auch erfahrungsgemäß nicht, weil bis der Austausch eingetroffen ist, ist die Kraft mit dem Mutterschaftsurlaub ja auch schon wieder da.








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