Nach dem Pisa-Schock: Zehn Jahre Wirrwarr

Schul-Chaos, Zuständigkeits-Durcheinander, zerplitterte Lehrerbildung: Zehn Jahre nach dem Pisa-Schock*geht es*im deutschen Bildungssystem drunter und drüber. Eltern fürchten um die Zukunft ihrer Kinder - und weichen zunehmend auf Privatschulen aus.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...801187,00.html
  1. #40

    Irrsinn

    Zitat von schoko-baer Beitrag anzeigen
    Sie wollen eine Schule ohne Chancengleichheit?
    Schule hat sehr wohl die Pflicht allen Kindern die gleichen Chancen zu geben, ihnen eine positive Lernatmosphäre zu bieten und sie zu motivieren ihre jeweilige Höchstleistung zu erreichen.
    Was viele Bildungstheoretiker und Ideologen nicht kapieren, ist die Tatsache, dass man hin auf dem Weg zu gleichen Chancen nicht unbedingt alle in den gleichen Schultyp zusammenpferchen muss, ja, dass es oft sogar barer Unfug ist, dies zu tun! Heterogene Kinder brauchen unterschiedlichste Methoden und Hinführungen zum gleichen Thema - wie soll ein einzelner Lehrer dies gleichzeitig bewerkstelligen, wie soll er Gymnasial- und Sonderschulniveaus gleichzeitig in einer Lerngruppe effektiv beschulen? In welchem Land der Welt wird derart grober Unfug sonst noch dem Deckmäntelchen der "Chancengleichheit" propagiert?
  2. #41

    Chancen

    Zitat von schoko-baer Beitrag anzeigen
    Sie wollen eine Schule ohne Chancengleichheit?
    Schule hat sehr wohl die Pflicht allen Kindern die gleichen Chancen zu geben, ihnen eine positive Lernatmosphäre zu bieten und sie zu motivieren ihre jeweilige Höchstleistung zu erreichen.
    Solange man Eltern erlaubt das sie sich selber um ihre Kinder kümmern wird es keine Chancengleichheit geben.
    Eine Schule kann es nicht ausgleichen wenn:
    Kevin keinen Arbeitsplatz daheim hat und sich den Esstisch zum Lernen mit zwei Geschwistern teilen muss, Chantale dagegen ein eigenes Zimmer mit ordentlichem Schreibtisch und vielen Büchern hat.
    Auch kann die Schule es nicht ausgleichen wenn Philipp ohne Begleitung eines Elternteils das Haus nicht verlassen darf (ihm könnte ja was passieren), Max dagegen kann seine Hausaufgaben in der Ortsbibliothek erledigen.
    Oder wenn bei Elenora zu hause aus Prinzip nur italienisch gesprochen wird, sie nur italienische Freunde haben soll und die einzige Note die daheim etwas zählt die Italienisch Note in der Nachmittagsschule ist. Bei Victoria dagegen achten die Eltern darauf das sie deutschsprachige Freunde hat, bringen sie nachmittags zu befreundeten deutschsprachigen Familien damit sie schneller deutsch lernt und erarbeitet mit den Lehrern Plänen wie man die Sprachprobleme des Kindes einfacher beheben kann.

    Das kann Schule nur ausgleichen wenn man den Eltern die Kinder spätestens nach dem abstillen wegnimmt und die Kinder in staatlichen Einrichtungen aufwachsen.

    Zitat von schoko-baer Beitrag anzeigen
    Natürlich werden unsere Schulen nicht ausschließlich Einsteins generieren. Es wäre aber fatal, die Fähigkeiten der vielen Kinder mit Migrationshintergrund verkümmern zu lassen, weil sie leider nicht so perfekt Deutsch beherrschen. Das können wir uns gar nicht leisten.
    Und mit welcher Politisch Korrekten Maßnahme wollen sie die Kinder nun dazu zwingen Deutsch zu lernen? Bei einigen gegen den Willen der Eltern.
    Die Kinder sollen schließlich nicht Assimiliert werden.
  3. #42

    ...

    Zitat von Reqonquista Beitrag anzeigen
    Lehrer haben es an einer staatl. Schule bequemer. 3 Monate Ferien, Kündigungsschutz, Überbezahlung (den eigenlichen Unterricht machen die Eltern od. die Nachhilfe, die Schule präsentiert nur wa gelernt werden soll) und noch hoheitliche Gewalt.

    An einer Privaten gibt es v.a. eine Dienstleistungsmentalität und auch die Gefahr das man bei Schlechtleistung rausgeworfen wird. Das spornt an und unterdrückt so manche Faulheit.

    Och jaa die Lehrer werden sich darum Prügeln, 1000 Euro weniger zu verdienen mit halb so viel Urlaub.

    Kleine Denkfrage: Wer wird wohl an einer Privaten freiwillig Unterrichten

    a) Sektenheinis (Waldorf lässt grüßen)
    b) Lehrer von Blumenfächern, die kein Platz an der Staatlichen bekommen
    c) der Hausmeister
    oder d) der Mathematiklehrer mit 10 Semestern Studium und jeder Menge Jobangeboten aus der Finanzindustrie?
  4. #43

    .....

    Zitat von schoko-baer Beitrag anzeigen
    Natürlich werden unsere Schulen nicht ausschließlich Einsteins generieren. Es wäre aber fatal, die Fähigkeiten der vielen Kinder mit Migrationshintergrund verkümmern zu lassen, weil sie leider nicht so perfekt Deutsch beherrschen. Das können wir uns gar nicht leisten
    Aber die zusätzlichen Lehrer für Deutsch als Fremdsprache können wir uns leisten, zusammen mit ihren Eltern die zu 90% im H4 System leben? Importierte Armut nennt man sowas, das gibt es zum Glück in den attraktiveren Einwanderungsländer nicht (die Länder wo unsere geliebte Fachkräfte abwandern).

    Aus erster Hand kann ich berichten das es nur daran liegt das wir so viele homogene Ausländer in unseren Klassen haben. Würde man eine Quote fordern wäre es ja äh sehr Recht oder so. In Sachsen haben wir solche Probleme überhaupt nicht, weil selten mehr als 2 Ausländer in einer Klasse sitzen, die dazu noch selten aus den selben Land kommen. So habe ich ohne eine extra Wurst Deutsch gelernt, weil ich es musste. Ein Kind geht automatisch den leichtesten Weg, und wenn alle Freunde seine Muttersprache sprechen, spricht man nur noch seine Muttersprache in der Freizeit, in der Schule und zu Hause sowieso.

    Einfache Lösung für das Problem, wird aber aus ideologischen Gründen nicht umgesetzt. So haben wir Schulen mit 90% Ausländern/Migranten die regelmäßig mies abschneiden und Schulen mit weniger als 10% die dafür ihr Ziel mit gleichen Mitteln erreichen.
  5. #44

    Werter Kollege,

    Zitat von Fritz Beitrag anzeigen
    Ach Leute, es macht aber auch nie richtig Spaß Eure Artikel zu lesen. Da ich selber Lehrer bin, erlebe ich ja nun Tag für Tag das ganze so oft und als katastrophal geschmähte Bildungssystem und muss eindeutig sagen: Das wird alles übertrieben! Ich erlebe jedenfalls überwiegend interessierte,aufgeweckte und insgesamt ordentlich ausgebildete Schüler, die sich bspw. viel mehr für ihre eigenen Leistungen und die Verbesserungen dieser interessieren, als die Schüler zu meiner Schulzeit. In Deutschland bekommt man, im Vergleich zu vielen anderen Ländern, immer noch eine breite und viele Themenfelder abdeckende Allgemeinbildung. Es reicht eben nicht, mit Football-Spielen und Foto-Kurs zum College-Examen zu gelangen. Aber da wir Deutschen uns ja nun auch in allen anderen Bereichen kleinreden und einer Selbstkasteiung unterziehen, verwundert das natürlich nicht, dass ständig an einem Bildungssystem herumgemäkelt wird, das die meisten noch nicht einmal theoretisch kennen, geschweige denn, dass sie in den letzten zehn Jahren eine Schule von Innen gesehen haben. So ist die in diesem Artikel genüsslich vorgestellte Schulvielfalt (Gesamtschule, Oberschule, Sekundarschule, Stadtteilschule usw.) nichts anderes als eine unterschiedliche und zugegebenermaßen verwirrende Bezeichnung für ein und die selbe Schulart...
    Wenn alles wirklich so schlimm ist, wie schon durch den sogenannten Sputnik-Schock Ende der 50er Jahre diagnostiziert, dann stünde Deutschland ja wohl kaum dort, wo es bis heute immer noch steht. Aber Vorsicht!, wer ständig ein funktionierendes und in der breiten Masse immer noch erfolgreiches System kleinredet und kaputtspart, dem gelingt es schließlich auch, die vielen motivierten Schüler und Lehrer dorthin zu bringen, wo sie angeblich schon sind: Am Boden. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung...
    seien Sie sich hiermit meiner Zustimmung gewiss. Freie Schulen sind im Übrigen nicht per se "besser" als staatliche Schulen. Manchmal sogar im Gegenteil, vor allem, wenn es um die Frage geht, ob man verhaltensauffällige SchülerInnen behält oder nicht einfach von der Schule schmeißt. Freie Schulen tun sich hier nach meiner bisherigen Erfahrung schwerer. Grund: Der Ruf der Schule könnte Schaden nehmen, weswegen Eltern und deren Kinder als zukünftige potenzielle "Kunden" wegbleiben könnten.
  6. #45

    Coopertest

    Zitat von RosaHasi Beitrag anzeigen
    also ich war in einer privatschule klasse 9-12 und muss ehrlich sagen das ihre argumente nicht zutreffend sind.

    das deutsche schulsystem ist der horror.. auf dem weg nach hause habe ich vor 2 tagen etwas zu trinken gekauft in einem laden in dem ich öfter vorbeischaue und habe mitbekommen wie die besitzerin mit ihrem bruder über seine tochter gesprochen hat. thema: sportlehrer hat die kinder 11-12jahre einen cooptertest laufen lassen.

    da dachte ich mir nurnoch.. was für idiotie das staatliche schulsystem da eigentlich ausbrütet. einen coopertest den ich in meiner zeit als soldat laufen musste sollen jetzt kinder laufen die 11 sind? habe dann weiter nachgefragt und mitbekommen das bis auf 3 kinder alle durchgängig entweder eine 5 oder eine 6 kassiert haben.

    was ich noch relativ frisch in erinnerung habe aus meiner schulzeit die jetzt noch garnicht alzu weit zurückliegt das ist der blanke wahnsinn. da sind menschen verbeamtet die es ausserhalb ihres systems garnicht schaffen würden auf eigenen beinen zu stehen. die wirklich engagierten lehrer sind die ausnahme.
    Kennen Sie den Coopertest überhaupt genau? Er ist nicht schwierig und kann ein ziemlich genaues Bild der körperlichen Leistung abgeben. Auf Grund dieses Testes kann dann der Lehrer oder Trainer sein aerobisches Trainingsprogramm für die Schüler gestalten Cooper hat nämlich auch diese Trainingsprogramme in den verschiedenen aerobischen Sportarten (hat nichts mit Aerobic zu tun) ürsprünglich für die amerikanischen Raumfahrer entwickelt. Es ist auch heute noch die Grundlage für die verschiedenen Fitnessprogramme, und alle selbsternannten Fitnesspäpste haben fleißig bei Cooper abgeschrieben. Oder haben Sie etwas dagegen, wenn unsere Kinder fit sind?
  7. #46

    Ohne Titel

    Zitat von Mathe-Freak Beitrag anzeigen
    Aber die zusätzlichen Lehrer für Deutsch als Fremdsprache können wir uns leisten, zusammen mit ihren Eltern die zu 90% im H4 System leben? Importierte Armut nennt man sowas, das gibt es zum Glück in den attraktiveren Einwanderungsländer nicht (die Länder wo unsere geliebte Fachkräfte abwandern).

    Einfache Lösung für das Problem, wird aber aus ideologischen Gründen nicht umgesetzt. So haben wir Schulen mit 90% Ausländern/Migranten die regelmäßig mies abschneiden und Schulen mit weniger als 10% die dafür ihr Ziel mit gleichen Mitteln erreichen.
    Volle Zustimmung; so hab ich es in meiner Anwärterzeit auch erlebt. Weltfremde Idiologen = Studienseminarleiter, die nur PISA-Quoten erfüllen wollen und ihre eigenen kruden Ansichten durchsetzten wollen.
    Ob dabei Kinder auf der Strecke bleiben ist doch egal, Hautsache ich bin dem Dienstherren gegenüber gehorsam.
  8. #47

    Aufgeweckte Schüler

    Zitat von Fritz Beitrag anzeigen
    Da ich selber Lehrer bin, erlebe ich ja nun Tag für Tag das ganze so oft und als katastrophal geschmähte Bildungssystem und muss eindeutig sagen: Das wird alles übertrieben! Ich erlebe jedenfalls überwiegend interessierte,aufgeweckte und insgesamt ordentlich ausgebildete Schüler
    Da muss ich ebenfalls zustimmen. Über mangelndes Schülerinteresse kann ich mich jedenfalls nicht beklagen, höchstens über mangelnden Fleiß. Wenn die Möglichkeiten, die das deutsche Schulsystem zweifellos bietet (nämlich fachlich gut ausgebildete Lehrer und eine angemessene Ausstattung mit Unterrichtsmaterialien und Technik), mit ein bisschen mehr Ehrgeiz und Bildungshunger kombinieren könnte, dann würden die Schülerleistungen im PISA-Test durch die Decke gehen.

    Das setzt aber eine gesellschaftliche Anerkennung von schulischem Erfolg voraus, die es in Deutschland kaum gibt. Nur so lässt sich die Entstehung von Begriffen wie "Streber", "Lehrerliebling", "Schleimer" etc. erklären. Wer sehr gute Leistungen erbringt, wird gemobbt, weil die faulen Schüler fürchten, im Vergleich schlechter abzuschneiden. Ganz sicher ist das in Singapur und höchstwahrscheinlich auch in Finnland anders.

    Ein Anfang wäre, dem Lehrerberuf zu mehr Ansehen zu verhelfen, indem man einen Teil der Schulferien nicht mehr als bezahlten Urlaub, sondern als Lehrerarbeitszeit deklariert und Fortbildungen, Konferenzen, pädagogische Tage (und auch Klassenfahrten!) fürderhin keinen Unterrichtsausfall nach sich ziehen. Falls keine Schulferien nahen sollten und trotzdem eine Konferenz nötig ist, kann man die am Samstag abhalten, das ist für andere Leute schließlich auch ein normaler Arbeitstag.
  9. #48

    Ohne Titel

    Zitat von Fritz Beitrag anzeigen
    Ach Leute, es macht aber auch nie richtig Spaß Eure Artikel zu lesen. Da ich selber Lehrer bin, erlebe ich ja nun Tag für Tag das ganze so oft und als katastrophal geschmähte Bildungssystem und muss eindeutig sagen: Das wird alles übertrieben! Ich erlebe jedenfalls überwiegend interessierte,aufgeweckte und insgesamt ordentlich ausgebildete Schüler, die sich bspw. viel mehr für ihre eigenen Leistungen und die Verbesserungen dieser interessieren, als die Schüler zu meiner Schulzeit. In Deutschland bekommt man, im Vergleich zu vielen anderen Ländern, immer noch eine breite und viele Themenfelder abdeckende Allgemeinbildung. Es reicht eben nicht, mit Football-Spielen und Foto-Kurs zum College-Examen zu gelangen. Aber da wir Deutschen uns ja nun auch in allen anderen Bereichen kleinreden und einer Selbstkasteiung unterziehen, verwundert das natürlich nicht, dass ständig an einem Bildungssystem herumgemäkelt wird, das die meisten gelingt es schließlich auch, die vielen motivierten Schüler und Lehrer dorthin zu bringen, wo sie angeblich schon sind: Am Boden. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung...
    Noch nie an einer Brennpunkthauptschule unterrichtet?
    Nur im heilen Märchenland?
    Mal raus aus dem Elfenbeinturm und drei Wochen reale Arbeit gemacht, dann hier noch mal schreiben und ehrlich sein.
    Es ist viel schlimmer als es scheint.
  10. #49

    Wir bringen ihnen das Falsche bei

    Zitat von Despair Beitrag anzeigen
    So lange wir die für Deutschland so wichtigen Felder Bildung und Erziehung den Ländern überlassen, werden wir keine zufriedenstellende Lösung für die Probleme finden. Dieses Thema ist viel zu wichtig, um es im Föderalismussumpf der kleinstaatlichen Interessenpolitik zu opfern.
    Bildung und Erziehung sollten staatliche Aufgaben sein und die Länder rein ausführende Organe.

    Hinzu kommt der falsche Stellenwert den Lehrer und Erzieherinnen in unserer Gesellschaft haben - inklusive Gehalt, Status und adequate Ausbildungsmöglichkeiten (inklusive entsprechender Zugangsvoraussetzungen).

    Dass z.B. Lehrer heute nachwievor kaum pädagogische Bildung erhalten und häufig einfach die Leute sind, die keine Lust auf Magister/Diplom hatten oder sonst nicht wissen, was sie werden wollen, ist ein Unding (ja, es gibt auch andere - aber das scheinen Ausnahmen zu sein). Ähnliches gilt für Erzieherinnen - auch hier sollten gezielt entsprechend Fachkräfte ausgebildet werden, die eben nicht nur "gut mit Kindern können".
    Dazu muss sich die Gehaltstruktur massiv verändern. Wer mittlerweile einen Großteil der Erziehungsverantwortung trägt (und das ist ja nun mal aufgrund der Beschäftigungsstrukturen und dem mangelnden Interesse vieler Eltern der Fall), sollte auch entsprechend entlohnt werden. Hinzu kommen Weiterbildungen und entsprechende Arbeitsstrukturen.

    Darüber hinaus sollte natürlich mehr Geld für die Bildungsanstalten insgesamt zur Verfügung gestellt werden und die möglichen Eltenr so weit es geht von Bildungskosten entlasstet werden (vielleicht bekommen dann auch unsere Eliten und Akademiker wieder mehr Kinder, und nicht nur die unteren Bildungsschichten).
    Also, ich habe eine Menge "pädagogischer Bildung" erhalten, einschließlich diverser Untersuchungen über die zutiefst Benachteiligten. Und vielen KollegInnen sollte es genau so gegangen sein. Nur bringt das nichts, wenn es um Unterricht geht.