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Nach dem Burnout: "Es könnte jederzeit wieder passieren"

DPAEs gibt ein Leben nach dem Zusammenbruch - und das soll anders sein als vorher, entspannter, gelassener. Aber wie setzt man die guten Vorsätze um? Drei Betroffene erzählen, wie sie sich und ihren Alltag nach der Diagnose Burnout verändert haben.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...842844,00.html
  1. #1

    weil ich es weiß, versuche ich dagegen zu leben...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Es gibt ein Leben nach dem Zusammenbruch - und das soll anders sein als vorher, e
    ende der 90er war es bei mir soweit. ich war in einer gesprächstherapier und daraus ergab sich eine 6 wöchige psychosomatische kur.
    das dort gelernte versuchte ich mit entspannungs- und yogaübungen weiter zu führen. es ging, doch freizeitsport war nie mein ding.
    parallel hatte ich das glück in einem anderen bereich arbeiten zu können. dies war ein wesentlicher schritt und der zweite entscheidende schritt war, nur die regelarbeitszeit zu absolvieren. die erholung an den wocheneden zu nutzen und sich dem druck zu widersetzen, denn streß kommt nicht von außen, streß erzeugt man sich selbst.
    in den letzten jahren wurde es wieder heftiger und doch finden eben keine wocheenden im büro statt und der feierabend wird um maximal 30 minuten überzogen. den druck der jahre bis ende der 90er lassen ich nicht an mich heran. ich versuche gelassener zu sein und jetzt mit 60 und einer relativen absicherung schreckt mich auch nicht die zukunft oder vielleicht eine eintretende arbeitslosigkeit. diese ängste, die letztlich mit zur erschöpfung geführt haben, kommen nur noch selten vor. mein hobby ist mir fast wichtig, denn dies bedeutet für mich erholung in der freizeit.
  2. #2

    Burn Outing Teil 1

    Ich war selbstständig, glücklich verheiratet, eigenes Haus. Dann kam der Umzug in ein anderes Bundesland. Immer noch glücklich verheiratet, wieder ein eigenes Haus, aber die Selbstständigkeit mußte ich aufgeben. Nach diversen Festanstellungen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht funktionierten, kam die Zeitarbeit. Ich habe viel gearbeitet, der Einsatzort war 70 km weit weg, mit Fahrzeit und Pausen war ich täglich mindestens 14 Stunden unterwegs. Am Abend versorgte ich noch meine Ziegen, den großen Garten und das alte Haus. 3 Samstage im Monat Arbeit waren normal, ich kam eigentlich gar nicht zur Ruhe. Dann kam die Trennung, meine Ex-Frau wollte nicht mehr und ich landete in einer kleinen 2 Zimmer Wohnung. Kerin Haus, keine Ziegen, kein Garten. Die Abende waren leer, soziale Kontakte hatte ich quasi keine. Der Umzug hatte Geld gekostet, das ich nicht hatte, die Bank half mit einem Kredit, der mit exorbitanten Zinsen ausgestattet war, einem Zeitarbeiter leiht keiner gerne Geld. Der nächste Schlag war die weltweite Krise, in dem Betrieb, an den ich ausgeliehen war, mußten alle Zeitarbeiter gehen, ich verlor meine Anstellung. Das Arbeitslosengeld berechnet sich nach dem zu versteuernden Einkommen, bei Zeitarbeiternehmern fällt dieses sehr niedrig aus, da Spesen und Fahrgeld steuerfrei bezahlt werden. Ich konnte den Kredit nicht mehr bedienen, um wenigstens mobil zu bleiben, zahlte ich die Kfz Versicherung statt der Miete, die Gläubiger waren nicht gesprächsbereit, Inkassounternehmen standen vor der Tür, bzw landeten deren Drohungen in meinem Briefkasten. Es gab auch schöne Momente, zum Beispile, als ich meine jetzige Frau kennenlernte. Das holte mich kurzfristig wieder aus dem Tief, ich fand auch eine neue Anstellung bei einem Zeitarbeitsunternehmen. Aber nur für ein paar Monate, dann war ich wieder arbeitslos, der Arbeitsmarkt war tot, selbst für Zeitarbeit. Zwischenzeitlich erkrankte meine Frau an einer schlimmen Depression, ihre Vergangenheit hatte sie eingeholt. Ich kümmerte mich um sie, suchte weiter Arbeit und schmiß den kompletten Haushalt. Nebenher stritt ich mit meinen Gläubigern, die mir die Schlinge um den Hals zu legen drohten. Ich schlief schlecht, trank zuviel und verlernte das Lachen. Ich fand wieder Arbeit, stand aber unter enormem Druck, den Job nicht wieder zu verlieren.
  3. #3

    Burn Outing Teil 2

    Eines Morgens wachte ich auf und hatte Angstschweiß am ganzen Körper. Ich konnte nicht aufstehen, konnte nicht mehr arbeiten. Das war mein Zusammenbruch. Mein Arzt schrieb mich krank, ich ging zum Psychologen, bekam Psychopharmaka und eine Reha in einer psychosomatischen Klinik. Inzwischen hatte ich mich auch aufgerafft und die Schuldnerberatung um Hilfe gebeten, das Verfahren zur privaten Insolvenz läuft inzwischen.
    In der Reha wurde mir dann klar, daß ich an Unterforderung leide, der Prozess war lang und schmerzhaft, ich mußte dafür tief in mein Innerstes blicken.
    Dabei kam natürlich noch anderer Müll zutage, an dem ich weiterhin mit Hilfe von Psychotherapie arbeite.
    Ich kann meinen Beruf nicht mehr ausüben, das sozialmedizinische Gutachten empfiehlt eine Umschulung/Weiterbildung, die Rentenversicherung ziert sich aber immer noch, konkret zu werden. Ich suche mir inzwischen Hilfe bei Sozialdiensten, um ein Weiterkommen zu erreichen. Mit knapp 50 Jahren möchte ich noch einmal etwas erreichen, diesmal im richtigen Beruf, nicht im Erzwungenen. Ich habe eine Durststrecke vor mir, die es unmöglich macht, Auszeiten zu nehmen und mal eben ein Wochenende irgendwo zu verbringen, finanziell ist dies unmöglich. Ich suche meine Auszeiten in der Natur, gehe täglich spazieren, meditiere und mache Yoga. Schreiben hilft mir auch, es lenkt mich ab, ich schreibe an einer Biographie.
    Meine Frau ist nicht gesund, braucht mein Verständnis und meine Unterstützung.
    Ich lebe in ständiger Angst, wieder einzubrechen und mein Leben nicht mehr stemmen zu können, aber ich bin auch nicht bereit, aufzugeben.
    Ich hatte einen Burn out, aber ich hatte ihn, weil ich unterfordert war. Ich bin ermüdet, erschöpft im Kampf gegen die Windmühlen, die mich immer wieder umbliesen, sobald ich einen halbwegs festen Stand gefunden hatte.Ich bin Sysiphos, der eine absolut sinnlose Aufgabe erfüllen muss, aber immer kurz vor Erreichen dieses sinnlosen Ziels von einer höheren Macht zurück an den Start geworfen wird.
  4. #4

    Der Druck ist zu groß

    Ich habe ähnliches erlebt, relativ rechtzeitig die Reißleine gezogen, und bin erstmal ein Jahr durch Asien gereist und habe Yoga praktiziert, viel gelesen und den Computerkonsum auf 1x die Woche Internetcafé reduziert. Wie heißt es so schön, bis 45 wird die Gesundheit geopfert um Geld zu verdienen, danach wird das Geld geopfert um die Gesundheit wieder zu erlangen. Shareholder Value, Mobbing, Rentabilitätsstreben, Gewinnmaximierung, Globalisierung etc. machen uns alle krank.
  5. #5

    starkes Ich

    Bei mir begann es 2005, kurz nachdem ich von der Sozialhilfe in das Hartz-IV-System kam und eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben mußte. Ich machte mir selbst wahnsinnigen Stress, indem ich versuchte, am Tag mehr als drei Bewerbungen zu schreiben. Das konnte nicht lange gut gehen. Irgendwann brach ich zusammen. Ich hatte mich überfordert.

    Mein Antrag auf eine psychosomatische Kur wurde vom Amtsarzt abgelehnt. Aber wenigstens wurde der Bewerbungsdruck reduziert. Statt drei mußte ich nur noch eine Bewerbung schreiben. Ich lasse es heute ruhiger angehen. Ich mache mir nicht mehr diesen total irrsinnigen Druck. Manchmal geh ich einfach spazieren und lege mich in eine Wiese, lasse die Seele so richtig baumeln.

    Gegen Burnout hilft letztlich nur ein starkes Ich, das dem unmenschlichen Leistungsdruck der Arbeitswelt etwas Eigenes entgegensetzt.
  6. #6

    Das Thema hat sich erledigt ....

    ... spätestens nach der nächsten Bundestagswahl. Mir Rot/Grün wird Leistung derart hoch besteuert, dass man schon dumm sein muss, wenn man dann noch Gas im Job gibt. Warum nicht die Füße hoch legen und die Errungenschaften des Sozialismus genießen?
  7. #7

    Faulheit hat mit "burnout" nichts zu tun

    Zitat von RALF ALG III Beitrag anzeigen
    am Tag mehr als drei Bewerbungen zu schreiben. Das konnte nicht lange gut gehen. Irgendwann brach ich zusammen. Ich hatte mich überfordert.
    Ihr Beitrag ist eine offene Verhöhnung von Menschen, die Ihren Lebensunterhalt durch Steuern und Sozialabgaben finanzieren müssen. Meine mehr als 40 Jahre in mittleren Führungspositionen waren einmal vor knapp 20 Jahren durch viereinhalb Monate Arbeitslosigkeit unterbrochen. Das Schreiben von Bewerbungen war für mich keine Last, sondern Entspannung von Hausarbeit und der Betreuung von drei Kindern.
    Meinen Burnout habe ich mir selbst zuzuschreiben - habe schlicht und ergreifend für die unterstellten Mitarbeiter den Buckel zu breit gemacht. Ich hatte das Glück, eine passende Reha zu bekommen - mit Gartenarbeit, Stall Ausmisten und der Billigung, vier Wochen jeden Abend allein verbringen zu dürfen - die größte Wohltat nach vierzig Jahren als Vorturner. Mein Arbeitgeber hat mich mit meinem Einverständnis in der Hierarchie um eine Stufe zurückgesetzt. Mittlerweile bin ich zuversichtlich, die gut vier Jahre bis zur Rente noch zu überstehen.
    Leuten wie Ihnen wünsche ich Gemeinschaftsunterkünfte und Fresspakete wie Asylbewerbern - den Asylbewerbern eine Arbeitserlaubnis vom ersten Tag.
  8. #8

    Verstehe ich Sie richtig

    Zitat von RALF ALG III Beitrag anzeigen
    Ich machte mir selbst wahnsinnigen Stress, indem ich versuchte, am Tag mehr als drei Bewerbungen zu schreiben. Das konnte nicht lange gut gehen. Irgendwann brach ich zusammen. Ich hatte mich überfordert.
    Sie hatten sich überfordert, weil Sie 3 Bewerbungen pro Tag schreiben mussten? Von der Arge bekommen Sie doch sogar die Bewerbungsadressen......
    Wollen das Forum verschei*ern, so als Forumstroll?

    Als was wollen Sie denn arbeiten? Als Pförtner in einem stillgelegten Parkhaus?

    Mein tiefstes Mitgefühl gilt all denen, die tatsächlich einen Burnout oder eine psychische Überlastung erlitten haben, damit ist nicht zu spaßen und dagegen hilft keine kurzfristige Pause, sondern nur das Ändern des bisherigen Lebensstils.... Ich weis, wovon ich rede, denn ich habe diesen "Spaß" mit Mitte 40 auch hinter mich gebracht. Für den Rest meines Lebens werde ich mich mit Sicherheit nicht mehr unter Druck setzen lassen, so viel Geld kann es gar nicht geben.....
  9. #9

    optional

    Wer Hitze nicht vertragen kann, hat in der Küche nichts zu suchen! Ich mag diese Burn-Out-Artikel über überforderte Heulsusen nicht mehr sehen. Wenn wir unseren Lebensstandard einigermaßen halten wollen, dann ist Ranklotzen angesagt, aber kein Mittagsschlaf oder "Seele baumeln lassen". Es gibt genug Wettbewerber dort draußen, die Biss und Energie haben und nur darauf warten, uns abzuhängen. Dann haben wir genung Freizeit wie in Griechenland oder Spanien!


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