Der Ingenieur stellte immer die Kaste, die der Firmenleitung am nächsten war, die Betriebsleiter, Entwickler, Fachleute aller Art, bis vor kurzem wurden auch die großen Unternehmungen der Technik von Ingenieuren geleitet. Ein Revoluzzerclub war das nie, sondern der Ingenieur versuchte immer, mit geringst möglichem Aufwand einen möglichst großen Effekt zu erzielen. Der Ingenieur war privilegiert, und er war erster Diener seiner Herren, er hatte nie einen Grund aufzubegehren.
Heute haben häufig die Herren von der Betriebswirtschaft die wesentlichen Posten usurpiert. Sie geben die Leistungsdaten vor, gliedern aus, kaufen zu, ohne auf fachliche Eigenheiten allzu große Rücksicht zu nehmen. Das ist einerseits konsequent, andrerseits kurzsichtig. Sowohl die Organisation der Produktion als auch der Verkauf verlangt bei höherwertigen Gütern einen gewissen Sachverstand, man muß die Leistungen genau kennen und bewerten können. Aus diesem Grund sind viele erfolgreiche Organisatoren und Verkäufer eben keine Betriebswirtschaftler, sondern Ingenieure, die sich das nötige ökonomische und organisatorische Wissen angeeignet haben, was im Grunde auch schon Normalfall ist. Man muß diese Schmalspurökonomie nicht erlernt haben, weil man sie täglich im Betrieb zu berücksichtigen hat.
Es ist also ganz sicher richtig, wenn der VDI Ingenieure anstatt von BWLern fordert, weil sie eine weitaus höhere Lösungskompetenz haben. Die Entwicklung geht eben weg von dem ewigen Widerstreit zwischen rein technischen und rein wirtschaftlichen Abteilungen hin zu integrativen Lösungen, bei denen die Probleme in einer Einheit gelöst werden. Und das ist in den verkarsteten Industrien von Maschinenbau und Elektrotechnik bis heute ein Problem, weil diese extrem unflexibel sind und ihre alten Privilegien und Eigenständigkeiten schützen wollen, was nur teuer und ökonomisch sinnlos ist. Und was sich auch nur sehr gut verdienende Firmen leisten können, im Mittelstand sind diese Modelle längst überholt. Was ganz nebenbei dazu führt, daß der Mittelstand gebraucht wird und die ganzen lästigen und aufwendigen Arbeiten für die Großkopfeten erledigt.
Letztlich geht es darum, gegen die auftrebenden Länder Kompetenz zu halten und zu entwickeln. Und das bei fallenden Gehältern, weil die Qualität sich mittlerweile weltweit ausbreitet, und die Armen arbeiten länger und mehr und sind ehrgeiziger. Es handelt sich um Krieg. Und der wird hart und konsequent gespielt.
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