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Mythen der Arbeit: Leiharbeiter bekommen nur den halben Lohn*- stimmt's?

Lohndumping bei Zeitarbeitern ist schlimm genug - man muss aber die Verleihbranche nicht pauschal verteufeln, findet Arbeitsforscher Joachim Möller. Um die schlimmsten Auswüchse zu verhindern, schlägt er vor, die Gehälter von Leiharbeitern zeitlich gestaffelt anzuheben.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...788644,00.html
  1. #1

    Leiharbeit völlig falsch dargestellt

    Leider närt der Spiegel mal wieder den Mythos, dass Leiharbeiter eh nur die "schlechten" Jobs machen, sie sind oft arbeitlos, schlecht ausgebildet. Da macht es ja nichts, dass man sie wie Dreck behandelt.

    Sorry Spiegel, die letzten Jahre komplett verschlafen? Leiharbeit ist vorherschende "Arbeitsform" unter Akademikern jüngeren Alters. Ich selbst bin "Leiharbeiter" bei BMW, allerdings mit Dipl-Ing. E-Technik. Praktisch 90% meiner halbwegs gleichalten Kollegen sind ebenfalls Externe.

    Beim Gehalt kommt's drauf an ob man per Werksvertrag oder per Arbeitnehmerüberlassung "vermittelt" wird.

    Beim Werksvertrag bleibt man de jure bei seiner "Verleihfirma" angestellt und muss vordefinierte Arbeitspakete "abarbeiten". Das Gehalt wird dann mit der "Verleihfirma" ausgehandelt. Bei AnÜg ist die "Ausleihfirma" für einen gewissen Zeitraum der Dienstvorgesetze.

    Bei BMW ist es z.B. so dass AnÜgler denselben Tariflohn erhalten wie die internen Mitarbeiter, allerdings ohne weitere Extras (Gewinnbeteiligung, Urlaubsgeld, Vergünstigungen, etc.). Es existieren also schon da gewaltige Lohnunterschiede

    Bei den Verleihfirmen gibt es solche und solche. Meine Verleihfirma ist sehr anständig, gibt auch andere die ihre Mitarbeiter über's Ohr hauen. Großes Problem ist dass z.B. BMW die Verleihfirmen massivst(!) im Preis drücken. Daher kommen u.a. die hohen Gewinne in den letzten Jahren. Selbst jetzt wo es kaum neue Ingenieure gibt, steigen die Preise nicht.
  2. #2

    Arbeitertum gegeneinander ausspielen

    Wieder ein Versuch die unteren Schichten (Arbeiter) gegeneinander in Stimmung zu bringen und gegeneinander auszuspielen, damit diese Bevölkerungsschicht ja nicht auf den Gedanken kommt, das deren Gegner woanders zu suchen sind.
  3. #3

    Nur teilweise richtig

    Ich muss xoxox zum Teil Recht geben.
    Auch ich bin als Elektrotechniker seit fünf Jahren dauerhaft an einen großen Konzern ausgeliehen und wurde nur deswegen eingestellt. Mein Lohn entspricht auch in etwa dem Grundgehalt der internen Mitarbeiter.

    Jetzt allerdings kommen die großen Unterschiede.
    Während ich 40 Std. die Woche arbeiten muss, müssen interne Mitarbeiter nur 35 Std. arbeiten. Desweiteren können interne bis zu 20% ihres Grundgehaltes an leistungsbezogener Zusatzvergütung erhalten, das ist bei mir nicht der Fall. Dazu kommen Kleinigkeiten wie verschiedene Preise für den Kantinenbesuch, keine Werksparklätze für externe,...

    Eine Übernahme in den Konzern ist derzeit für mich nicht in Sicht.

    Es ist schade, dass das Gesetz, welches die Entleiher zwang einen externen Mitarbeiter nach spätestens 2 Jahren zu übernehmen im Jahre 2004 (glaube ich) abgeschafft wurde. Das würde die Motivation eines jeden AÜ-lers steigern, sich voll und ganz für die Firma einzubringen. Ausserdem dauert eine "Auftragsspitze" ja wohl kaum länger als zwei Jahre.

    Fazit ist, dass Leiharbeiter eben doch billige(re) Arbeitskräfte sind und die Firmen dies mehr oder weniger schamlos ausnutzen.
  4. #4

    Wieso Mythen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Lohndumping bei Zeitarbeitern ist schlimm genug - man muss aber die Verleihbranche nicht pauschal verteufeln, findet Arbeitsforscher Joachim Möller. Um die schlimmsten Auswüchse zu verhindern, schlägt er vor, die Gehälter von Leiharbeitern zeitlich gestaffelt anzuheben.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...788644,00.html
    Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen dass:
    -Leiharbeiter bei gleicher Arbeit etwa 60% Lohn bekommen
    -Nur in Ausnamefällen in einen Festvertrag wechseln
    -Stellen die mit Leiharbeitnehmern besetzt werden über mehr als fünf Jahre unverändert bestehen, also mitnichten dem Abbau von Spitzen geschuldet sind.

    Merkwürdigerweise scheint es in der Metallindustrie problemlos möglich zu sein Leiharbeitnehmern den gleichen Lohn zu zahlen wie Festangestellten; was soll also das ganze Geschwafel von den wirtschaftlichen Segnungen der Leiharbeit?

    Wenn Flexibilität wichtig ist, sollte sie auch vergütet werden; in der Wirtschaft ist es völlig normal für flexiblere Leistung mehr zu bezahlen, warum sollten also gerade die flexibelsten Arbeitnehmer am schlechtesten entlohnt werden?

    Man sollte Leiharbeit endlich als das benennen, was es ist:
    Scham- und hemmungslose Ausbeutung der Schwächsten.
  5. #5

    Das wird nichts bringen!

    Wenn die Masse weniger als drei Monate in einem Betrieb beschäftigt ist, bringt es wenig, wenn sie nach sechs Monaten einen angemessenen Lohn erhalten hätten. Das Ergebnis wird nur sein, dass die Fluktuation unter den Zeitarbeitern weiter erhöht wird, damit verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen der Zeitarbeiter noch weiter, weil sie sich an keine Arbeitsstelle mehr gewöhnen können und wirklich nur noch "heute hier, morgen da" sind.

    Gleiches Geld vom ersten Tag an, das hilft. Dann überlegt man es sich als Arbeitgeber zwei mal, ob man einen Arbeiter einarbeitet, und tut das auch nur, wenn wirklich personelle Engpässe vorliegen. Kommt damit die Zeitarbeit zum Erliegen, ist der Beweis erbracht, dass das Instrument wirklich primär zum Lohndumping verwendet wird, dann kann man es auch ganz einstampfen. Dafür dann einen flächendeckenden Mindestlohn, damit hat der Niedriglohnsektor dann ein Ende.
  6. #6

    Ich sehe nicht...

    Zitat von skurilla Beitrag anzeigen
    Wieder ein Versuch die unteren Schichten (Arbeiter) gegeneinander in Stimmung zu bringen und gegeneinander auszuspielen, damit diese Bevölkerungsschicht ja nicht auf den Gedanken kommt, das deren Gegner woanders zu suchen sind.
    ..., dass hier ArbeiterInnen gegeneinander ausgespielt werden. Im Artikel werden nur einige landläufige Irrtümer über Leiharbeit aufgezeigt. Zu kritisieren ist höchsten, dass er sich nur auf den Teil der Leiharbeit in Berufen mit geringer beruflicher Qualifikation beschränkt.

    Durch folgenden Satz
    Allerdings sollte auch klar sein: Zeitarbeit wird pervertiert, wenn sie in manchen Betrieben zur Dauereinrichtung wird und man sie dazu einsetzt, die Stammbelegschaften unter Druck zu setzen oder das Lohnniveau zu senken.
    wird auch klar gestellt, dass hier die Arbeitgeber "Dreck am Stecken" haben und keineswegs Arbeitnehmer gegeneinander aufgewiegelt.
  7. #7

    Das war aber noch nicht alles, Herr Möller

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Lohndumping bei Zeitarbeitern ist schlimm genug - man muss aber die Verleihbranche nicht pauschal verteufeln, findet Arbeitsforscher Joachim Möller. Um die schlimmsten Auswüchse zu verhindern, schlägt er vor, die Gehälter von Leiharbeitern zeitlich gestaffelt anzuheben.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...788644,00.html
    Herr Möller schreibt "Zeitarbeit bietet für die Betriebe die Möglichkeit, Personalengpässe bei Auftragsspitzen zu glätten." Das ist ein idealistischer Standpunkt.

    Längst sind viele Zeitarbeiter Regelarbeitskräfte, die über mehrere Jahre im selben Unternehmen die selbe Tätigkeit ausführen. Vor allem im unteren Bereich der Lohnskala. Selbst wenn deren Bezahlung oft "nur noch" zwischen 5% und 15% unter der von Festangestellten liegt, können sie von diversen anderen Zusatzeistungen in Unternehmen meist nicht profitieren (Verpflegung, Sodexo-Sparprogramme, Anwesenheitsboni usw.). Dann rutschen sie leicht wieder in die Zone von 20%-25% weniger "Gesamtentlohnung" als Festangestellte.

    Zeitarbeit ist heutzutage auch ein Instrument, unvorhersehbare und vorhersehbare Einbrüche in der Produktion abzufedern, indem man die Zeitarbeiter nach Hause schickt oder temporär/ganz freistellt.

    In einer Wirtschaft, deren Struktur sich immer mehr von realwirtschaftlicher Produktion mit mittel- bis langfristigen Planungshorizonten zu Dienstleistungen mit kurzfristigen Planungshorizonten entwickelt, ist das alles so erwartbar wie unberuhigend.

    Die Krankheitsquoten von ZA sind i.d.R. höher. Sie werden in Unternehmen oft hin- und herverschoben. Sie können weit weniger von Lernkurveneffekten profitieren und sind um die Möglichkeit gebracht, tätigkeitsspezifisches Humankapital zu bilden bzw. abgeschriebenes zu erneuern (weiterbildung, Neuausbildung usw.). In der näheren Zukunft werden vermehrt solche Menschen in der Zeitarbeit landen, die in den vergangenen Jahren des technologischen Wandels eine absehbar nicht ausreichend qualifizierende Schul- und Ausbildung erhielten.

    Dafür müssen sowohl die Bildungsministerien, aber auch und vor allem die Unternehmen, deren Verbände, die IHK und HWK (und wer da sonst noch alles drin steckt Verantwortung) übernehmen.
  8. #8

    Gleiche Arbeitsbedingen

    Zitat von Piawanegawa Beitrag anzeigen
    Gleiches Geld vom ersten Tag an, das hilft.
    Der Satz müsste heißen: "Zu 100% identische Arbeitsbedingungen inkl. aller Zusatz- und Sozialleistungen vom ersten Tag an, das hilft."

    Dann hätten Sie Recht.
  9. #9

    SPON-zensierter Beitrag 2. Versuch

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Lohndumping bei Zeitarbeitern ist schlimm genug - man muss aber die Verleihbranche nicht pauschal verteufeln, findet Arbeitsforscher Joachim Möller. Um die schlimmsten Auswüchse zu verhindern, schlägt er vor, die Gehälter von Leiharbeitern zeitlich gestaffelt anzuheben.

    http://www.spiegel.de/karriere/beruf...788644,00.html
    Ob man es nun staffelt oder nicht, wenn man dienstälteren Zeitarbeitern mehr bezahlt, dann werden die eben abgeschafft und durch frische ersetzt. Und was ist denn das für ein Vorschlag, dass man die Gehälter so anpasst, dass die dienstälteren Leiharbeitnehmer in etwa fast so viel kriegen sollen wie Festangestellte? Wer trägt denn bei den Leih-AN alles Risiko, Umzugskosten, ist in permanenter Probezeit, kann sich nicht gezielt weiterbilden, sondern muss eben gerade wieder das neu lernen, was der jetzige AG braucht (so dass man sein Vorwissen aus den letzten 3 Einsätzen wieder vergisst und dann überall weiter als praktisch unqualifiziert gilt, weil man nichts vertiefen darf)! Wieso soll der dann auch noch weniger Gehalt, bestenfalls knapp gleich viel bekommen, wie der Kollege mit Lebenszeitsicherheit, License to Have Family, realistischen Aufstiegsmöglichkeiten, Urlaub der nicht für Bewerbungsgespräche draufgeht usw.???

    Leih-AN wird alles aufgebürdet, was den AG unangenehm ist. Dafür müsste deren (Einstiegs-)Gehalt gesetzlich verpflichtend deutlich höher liegen als das von Festangestellten, wie es anscheinend ja auch in vielen anderen Ländern gehandhabt wird. Dann muss ein AG sich entscheiden, ob er ihm die Abschiebung seiner Verantwortung diesen zusätzlichen Betrag wert ist oder ob er dann lieber einen billigeren Festangestellten nimmt. Solange dagegen die Zeit-AN auch noch günstiger (oder bestenfalls genauso teuer) sind, ist es doch klar, dass jeder AG, der rechnen kann und sieht, dass es alle seine Konkurrenten so machen und dass sich auf jede ausgeschriebene Festanstellung mehr Leute bewerben als seine Personaler durchsehen können, die festen Stellen ebenfalls abschafft und durch die billigen und flexibleren, praktisch risikofreien Zeitstellen ersetzt.


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