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Muße vs. Straßenmusik: Terror aus der Blockflöte

Wie Muße finden, wenn krakeelt wird? Schifferklavier, Tamburin, selbst die unschuldige Blockflöte: Berliner Straßenmusikanten ist jedes Mittel recht, um ihn zu quälen, klagt Stefan Kuzmany. Er erwägt jetzt den Einsatz von Wasserbomben.

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0...707844,00.html
  1. #50

    Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!

    Zitat von mgaul Beitrag anzeigen
    Wenn aber regelmässig am Sonntag um neun Uhr morgens eine Gruppe abgerissener Gestalten mit einer _Trompete_ vor meinem Fenster vorbeizieht, hört der Spass auf. Ab und zu würde ich doch gerne mal ausschlafen, woran aber gut 30 Minuten lang nicht zu denken ist, wenn eine Prozession von drei bis vier Musikern, umschwärmt von ebenso vielen mit Geldbechern klappernden Kids, langsam die Strasse herunterzieht.
    Wo sind die denn jetzt gelandet? Waren bis vor kurzem in Neukölln unterwegs....
    Wo ich diese "Musik" auch so liebe: auf Spielplätzen und in Parks. Die sind auf der Wanderschaft inzwischen auch als potentielles Ziel erkannt worden und es gibt wohl kein Entrinnen.
  2. #51

    Wasserbomben? Und dann...?

    Verehrter Herr Kuzmany,

    ich muss sagen, ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig sich ein Journalist heutzutage seiner meinungsbildenden Verantwortung bewusst ist. Schon während des Lesens Ihres Werkes stellte ich mir die Frage, was tun die Leute, die durch Ihren Artikel inspiriert wurden und keinen Wasserballon zur Hand haben. Wir sind uns sicher einig, dass es in dieser Welt viele Menschen gibt, die nicht in der Lage sind, die Ironie ihres Werkes zu durchschauen.
    Das anschließende Lesen dieses Blogs strafte meine Vermutung nicht Lügen.
    Ich vermute mal, bereits heute Abend wird der erste wassergefüllte Gegenstand auf einen arglosen, vielleicht sogar auf einen arglosen, schlechten Straßenmusiker fliegen. Und spätestens morgen gegen 21:30 Uhr wird dann der erst Blumentopf sein Opfer hoffentlich verfehlen. Und was folgt, möchte ich mir nicht einmal vorstellen.
    Mich erinnert Ihr Artikel an einen Beitrag im deutschen TV Mitte der 90er Jahre. Damals hat eine eifrige "Journalistin" den Zuschauern den Tipp gegeben, wenn sie am Telefon mal von einem Call Center belästigt werden, seien Sie klug, nehmen sie sich eine Trillerpfeife und blasen sie diesem grausamen Telefonberater am anderen Ende der Leitung mal ordentlich die Meinung. Und heute, mehr als ein Jahrzehnt später, gibt es noch immer Menschen in diesem Land, die ebenso arglos anderen Menschen, die lediglich ihrem Broterwerb nachgehen, einen schmerzhaften und oft dauerhaften Schaden am Gehör zufügen. Tolles Ergebnis meiner Ansicht nach. War sicher nicht beabsichtigt, aber die Sendung kam an.

    Es wäre wünschenswert, wenn derartige Aufforderungen, seien sie noch so augenzwinkernd gemeint, auf ihre Kompatibilität mit der gesamten Leserschaft hin überprüft werden würden.

    @Herrn Professor "Gutmensch": Ich gratulieren Ihren Eltern zu Ihrer Erziehung. Es ist anscheinend sehr einfach inzwischen, ein Gutmensch zu sein. Immerhin sind es nur ethische Grundsätzlichkeiten, von denen Sie gesprochen haben.
  3. #52

    "Für's Aufhören"

    Wer auch nur daran denkt, "Musiker" fürs Aufhören zu bezahlen, hat schon verloren. Sollte ich jemals erfahren, dass jemand fürs Aufhören bezahlt wurde, wird mich nichts mehr davon abhalten, meinen Job zu kündigen und statt dessen täglich vor dem Fenster des edlen Spenders zu "musizieren". Ich wette, dass mein talentfreier Lärm mehr einspielt als alles, was halbwegs musikalische Rumänen zustande bringen.
    Im Zweifelsfall werfe ich ein paar Apostrophe in die Menge.
  4. #53

    fürs Aufhören

    Ich habe schon lange die Vermutung, dass einige talentfreie wandernde Straßenmusikquäler dies nach dieser Methode versuchen: Krach machen, bis Geld kommt fürs Aufhören.
    Dafür muss man ja nichts lernen und verdient trotzdem.
    Genial einfach.

    Im Übrigen finde ich unterwegs immer wieder sehr gute Musiker, die ihre Kunst verstehen und denen ich gern länger zuhöre. Profis findet man auch auf der Straße, was eigentlich eher traurig ist.
  5. #54

    Ghettoblaster und Metal

    1989 haben die US-Militärs die Botschaft des Vatikans in Panama mit Metallica und AC/DC Lieder beschallt bis Noriega aufgab (oder von der Patres vor die Tür gesetzt wurde).
    Ich kann mir gut ein Szenario vorstellen, bei dem der Autor mit einem Ghettoblaster bewaffnet diesen infernalischen Trio auf Schritt und Tritt folgt.
    Die gleiche Idee hatte ich auch immer wenn jemand am Bahnsteig das rauchen anfängt.... wenn ich deinen Qualm aushalten muss, dann du auch bitte meine Musik....
  6. #55

    Lärm oder Einbindung in eine Performance

    Lärm stört mich eigentlich nicht. Ich mache auch Musik, die die wenigsten Menschen so bezeichnen würden, also sind schräge oder nicht im 4/4-Takt gespielte Töne kein Problem. (Keine Sorge: ich zwinge niemanden, sich diese Musik anzuhören.) Vielleicht liegt es daran, dass ich in Kreuzberg fünf Stockwerke über einem Kindergarten, gegenüber der U1 (noch vor der grossen Modernisierung der Hochbahn in den 90ern) und an der Kreuzung zwischen den zwei Hauptmarschrouten von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr im nordwestlichen Teil Kreuzbergs aufgewachsen bin?

    Was mich an den Strassenmusikanten aber nervt, ist, dass ich unfreiwillig in eine Performance hineingezogen werde. Bei schlechten Musikern fühle ich mich als Gast in einem Café bedrängt, wenn es ans Zahlen geht (nicht den Kellner, sondern die Musiker); bei guten Musikern fühle ich mich als Schlechtmensch, weil ich eine Performance, die ich nicht explizit angesteuert habe, nicht begleichen kann oder will.

    Hier in Dortmund sind die Strassenmusikanten am Hellweg im Durchschnitt überraschend gut; einige Restaurants haben Klaviere vor der Tür stehen, und es tauchen ab und an tatsächlich Spieler auf, die sich mit ihrem Können nicht verstecken müssen. Aber ich möchte nicht unbedingt ungefragt Teil eines Publikums werden. Genauso, wie ich nicht unbedingt mitbekommen will, wie mein Nachbar in einer sonst sehr ruhigen Nachbarschaft mindestens zweimal pro Woche an seinem Motorrad herumschraubt und bei seinen Tuningversuchen mindestens einen halben Tank durch Aufdrehen des Motors verbraucht. Oder jede Nacht daran erinnert werden will, dass meine Nachbarn noch nicht begriffen haben, dass es Türklinken gibt und man Türen nicht feste anschieben muss, damit sie im Türrahmen einrasten. Oder alle zehn Meter in der Fussgängerzone gegenüber dem Hauptbahnhof von einem anderen Mitglied des Gemeinnützigen Vereins des Tages e.V. angesprochen werden will, wenn ich den Leuten sowieso schon offensichtlich aus dem Weg gehe.

    Kinder, Tiere und Rettungsdienste haben bei mir Narrenfreiheit, wenn es um Lärm geht--erstere wissen es nicht besser und machen halt Krach, letztere haben wichtige Arbeit zu erledigen. Aber bei Erwachsenen würde ich hoffen, dass ein Bewusstsein da ist, dass andere Menschen nicht ungefragt in die eigenen Aktivitäten mit einbezogen werden sollten.
  7. #56

    musikanten

    Große klasse der Artikel....

    ...der Mann wohnt in einem der lebhaftesten Viertels Berlin und weint über den Lärm.
    Darf ich fragen, was genau an einem solchen Beitrag "journalistisch" oder "informativ" ist?
    Manchmal scheint mir, SPIEGEL online ist so eine Art Versuchsplattform wo man alles veröffenticht und dann daraus zum nächsten Montag ein Heft bindet.
  8. #57

    Nett geschrieben

    Nett geschrieben, Kompliment an den Autor. Ich bin vor kurzem nach Berlin gezogen, und in der Tat, es gibt hier wirklich richtig gute Leute - beispielsweise einer der Akkordspieler in der U-Bahn-Station Stadtmitte, der kann einiges! Das Niveau ist also teilweise deutlich höher als in Hannover, meiner Heimatstadt.

    Aber manche Sachen bringen einen um, ist schon wahr. (Übrigens auch manche Darbietungen am frühen Morgen in der S-Bahn.) Ich ermutige den Autor daher, seine Pläne bezüglich Wasserbomben in die Tat umzusetzen.

    (Ich denke übrigens, Beethoven hätte in diesem Fall ebenfalls Wasserbomben verwendet.)
  9. #58

    ...

    Zitat von ananaz Beitrag anzeigen
    Es wäre wünschenswert, wenn derartige Aufforderungen, seien sie noch so augenzwinkernd gemeint, auf ihre Kompatibilität mit der gesamten Leserschaft hin überprüft werden würden.
    Nun sind Wasserbomben ja doch ein bisschen was anderes als Trillerpfeifen direkt ins Ohr. Zumal letzteres schon allein deswegen überzogen ist, weil es ja die einfache Möglichkeit gibt aufzulegen.

    Dass es nicht nett ist, seine Mitmenschen nervtötend zu beschallen, sollte halt bekannt sein. Ich habe mal zum Hinterhof raus gewohnt, und der bestand hauptsächlich aus ein paar reservierten Parkplätzen. Oft war es so dass andere Autos dort geparkt haben. Die wütenden Autofahrer, die ihre Parkplätze besetzt vorfanden, veranstalteten oft minutenlange Hupkonzerte, gerne auch samstags um neun. Das penetranteste Hupkonzert kam von einer Cabriofahrerin. Direkt unter meinem Fenster. Ich bereue nicht viel im Leben, aber ein Eimer Wasser und etwas mehr Mut hätten mich sehr glücklich gemacht in diesem Moment.
  10. #59

    Auf Thema antworten

    Zitat von brigitta b. Beitrag anzeigen
    Es gab auch schon Leute, die sich über Kinderlärm in Prenzelberg
    Wo ist denn "Prenzelberg" Sie Zuzügler?

    =:-/


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