Mügeln eine Woche danach: Beschwichtigen, bemitleiden - und ja nichts entschuldigen

Es sollte ein Beweis der Offenheit, Fremdenfreundlichkeit, Selbstkritik sein: Eine Woche nach der Hetzjagd traf sich Mügeln zu einer Nabelschau, die sogar im Radio übertragen wurde. Doch die Debatte geriet zur Groteske. Plötzlich waren nicht mehr die Inder die Opfer, sondern die Stadt.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...502114,00.html
  1. #80

    mangelnde kulturelle Vielfalt hungert das lebendige Lebensgefühl aus.

    Zitat von Leo Touré Beitrag anzeigen
    Danke für diesen Artikel. Die Kraft, sich kollektiv gegenüber dem Entsetzen darüber, was in Mügeln passiert ist, zu wehren, ist unübersehbar. Jetzt plötzlich rückt man wieder zusammen, um alles zu verharmlosen und ja nicht mal jeder für sich und zusammen selbstkritisch zu sein. Aber nochmals, diese unglaubliche Ausländerfeindlichkeit ist kein ostdeutsches, sondern ein deutsches Phänomen. Was Diskriminierung ist, wird in Deutschland von Deutschen definiert, von weißen, nicht fremdländisch aussehenden. Wenn die Menschen, die ganz konkret diskriminiert wurden, aufmucken, wird der Spieß einfach herumgedreht, und plötzlich sind die Diskriminierer die Opfer. Nein, in Mügeln gibt es sicher, und das wird die Masse sein, Menschen, die selbst keine Ausländer angreifen würden. Aber man tut nichts gegen die Rechten und man sagt auch nichts gegen den Nachbarn, der beim Bierchen mal wieder schimpft, dass die Ausländer uns sowieso die Arbeit wegnehmen. Man verwehrt sich gegen Fakten, man verdrängt die eigenen Probleme und ist kollektiv der Meinung, dass man hier sowieso zu viele Ausländer hat. Dann bitte schön seien die Mügelner auch kollektiv, wenn sie die Schuld und Versäumnisse annehmen und Lösungen bringen, damit so etwas nie wieder passiert. Jeder Mügelner sollte doch zwischen persönlich und kollektiv trennen. Dann hat er auch kein Problem damit, dass Mügeln jetzt am Pranger steht, man selbst aber doch ein reines Gewissen haben kann. Ich habe und will keine andere Heimat als Deutschland, ich lebe gern hier, aber ich nehme die Kritik der Ausländerfeindlichkeit als Deutsche an und schaue nach Lösungen. Dauergejammere und mit dem Finger auf andere zeigen, auf die Opfer zum Beispiel, ist keine Lösung. Dennoch werde ich als schwarze Deutsche für die nächsten Jahre nicht in den Osten gehen und alle meine Freunde auch nicht. Weil ich Angst habe. Ich schäme mich für diesen Teil von Deutschland.
    Ich kann Sie bestens verstehen, dennoch sehr bedauerlich, mir fehlt die kulturelle Vielfalt im Osten sehr, es ist hier oft viel zu engstirnig und horizontlos.