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Mode für Behinderte: "Wenn man Räder hat, ist das wie eine Bühne"
dapdEin Kleid kann auch im Sitzen gut aussehen - sofern es sich nicht verheddert. Genau das passiert aber Rollstuhlfahrerinnen oft. Modedesignerin Vivien Schlüter schneidert schicke Kleidung für Behinderte. In Moskau fuhren schon Models mit ihrer Kollektion im Rolli über den Catwalk.
http://www.spiegel.de/karriere/beruf...-a-855227.html
- #1 14.09.2012 12:19 von
- #2 14.09.2012 15:58 von
Also ich habe bei Rollstuhlfahrern oder, allgemeiner, bei Behinderten genau den selben Geschmack wie sonst. Und außer zu Fasching schließt dieser ganz sicher kein Kleid ein. Eine ganz normale Jeans oder Hose, ein schönes Oberteil, alles gepflegt und elegant, dezent geschminkt, und es wirkt hundert mal sympathischer, als die ganzen Querschussexperimente, die man häufig auf der Straße trifft.
- #3 15.09.2012 07:46 von
Nicht viel Ahnung vom Problem, nicht war? Haben sie schon mal versucht eine/n Gelähmte/n anzuziehen? Das geht mit einem Kleid wesentlich einfacher und lässt der Person, die da angezogen, wird ihre Würde.
Meine Mutter hat lange Zeit nur Hosen getragen. Aber nachdem sie querschnittgelähmt war, und sie den Tag im Rollstuhl verbrachte, war ihr ein Kleid lieber. Aus genau dem Grund.
Kleidung dient dazu sich wohl zu fühlen, ob behindert oder nicht. Und ich kann mir vorstellen, dass Rollstuhl fahrende Frauen sich in diesen eleganten Modellen sehr wohlfühlen.
Und welchen -Geschmack- Sie bei Rollstuhlfahrern und/oder bei Behinderten allgemein haben, ist völlig irrelevant, Sie sind nicht der Nabel der Welt. - #4 17.09.2012 09:01 von
Behinderte was?
Wir sind nicht einfach nur "Behinderte", sondern Menschen mit Behinderungen. Zuerst Menschen. "Behinderte" suggeriert, wir wären eine eigene Spezies oder eine homogene Gruppe. Beides ist falsch und diskrimierend. Würden Artikel mit "Mode für Nichtbehinderte" überschrieben sein, würde das jedem einleuchten. Der Artikel selbst widerspricht dem ebenfalls, denn die Mode ist nicht etwa für gehörlose Männer gedacht, sondern für rollstulnutzende Frauen. Wir "sitzen" auch nicht einfach nur im Rollstuhl, sondern nutzen ihn. "Sitzen" klingt nach Unbeweglichkeit, so wie Püppchen, von Kindern irgendwohin gesetzt. Tatsächlich nutzen wir unsere Rollstühle sowohl zur Fortbewegung, um z. B. im Museum vor einem Bild zu stehen oder am Schreibtisch zu sitzen. Ich wünsche mir von den JournalistInnen mehr sprachliche Differenz. Diskriminierungsfrei. Darüber hinaus würde ich diese Mode nicht tragen wollen. Nicht, weil ich zu devot wäre, ein schickes Kleid zu tragen, sondern weil ich einen anderen Geschmack habe als Frau Schlüter und auch keine Freundin von "Sondermode" bin, die obendrein häufig teurer, im Stil sehr eingeschränkt und nicht am Wohnort erhältlich ist. Das hat wenig mit einem Tabu zu tun, so als sei es unanständig darüber zu reden, sondern vielmehr damit, dass die meisten von uns schlicht ihre Kleidung auf dem gleichen Weg erwerben, wie nichtbehinderte Menschen auch. Über eine Modedesignerin zu schreiben, die auch für Rollstuhlnutzerinnen näht, ist völlig ok, den Artikel mit reisserischen Elementen zu bestücken, dagegen nicht. Und liebe MitkommentartorInnen: RollstuhlnutzerInnen tragen selbstverständlich die gleiche Bandbreite an Mode wie FussgängerInnen auch. Ob Sie das immer als geschmackvoll oder praktisch empfinden, ist für uns genauso irrelevant, wie umgekehrt.
- #5 18.09.2012 14:07 von
Rollstuhlmodelle beim Catwalk
Mit Verlaub; aber: vorderes der abgebildeten Models: Kleid verheddert sich im Rollstuhl und ein Teil des Kleides schleift auf dem hinteren, rechten Rad. Wie lange dabei der Kleiderstoff ohne Schmutz und ohne mechanische Einwirkung mit Folgen (Loch) von außen bleibt, ist eine spannende Frage für mich ; alle vier für die Präsentation der Mode genutzten Rollstühle machen den Chic der Mode und die Schönheit der Damen zunichte, da (wie beim Schuh) Kleid UND Rollstuhl zusammen passen müssen, oder geht jemand mit Gummistiefeln UND Abendrobe in die Oper?
Warum werden die Protagonistinnen nicht wenigstens in Rollstühlen präsentiert, die die Charakterisierung 'schnittig' und 'schick' vertragen? Die in der Fotoserie abgebildeten Rollstühle würde ich nie und nimmer fahren. Die Außenwirkung der Rollstühle ist eine (meiner Meinung nach) komplett passive Außenwirkung. Die wiederum überträgt sich auf die Protagonistinnen selber. Da helfen dann weder Kleid noch Schminke noch ein Lächeln auf den Lippen, um die durch die schlecht designten Rollstühle, die dazumal schlecht proportioniert sind, den Damen übergeholfenen Nachteile (Nachteil = unvorteilhafte Außenwirkung durch die Rollstühle in genannter Ausführung) aufzuwiegen.
So lange der Firma Otto Bock durch Behindertenverbände und die Bundesregierung der Hof gemacht wird, so lange werden Behinderte in Rollstühlen umherkarren, die den Namen schick und modern nicht mal mit einer Silbe verdienen. - #6 18.09.2012 15:22 von
Nachtrag zu meiner ersten e-Mail; zu Foto Nr. 1 der Fotoserie zum Text:
Der Sitz (das ist deutlich auf dem Foto erkennbar) des von der Protagonistin gefahrenen Rollstuhles, hängt durch; dem bequemen und dem zeitlich langen Sitzen geradezu konträr entgegen 'stehend'.
Und: Dass wieder sich jemand an Behinderte als Absatzobjekte heranmacht, hier eine Hobbyschneiderin, die ihr Hobby (ohne Ausbildung) zur 'Berufung' gemacht hat, erinnert mich an viele MitarbeiterInnen in Sanitätshäusern, die auch sich einbilden: mit Behinderten kann jede/r; auch ohne Vorweisens von Fachkenntnissen. Hilft nur, dass Behinderte kritisch(ere) Zeitgenoss/innen werden. Nur, ich habe die Befürchtung, dass hierfür Lichtjahre an Überbrückung noch vergehen werden, bis aus Behinderten tatsächlich kritische Zeitgenoss/innen geworden sind.
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