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Mobbing mit Langzeitfolgen: Die seelischen Wunden der Schulzeit

CorbisErniedrigen, ausschließen, beleidigen - Mobbing in der Schule kennt viele Varianten. Die Folgen können noch im Erwachsenenalter Angststörungen und Depressionen verursachen, zeigt eine Studie. Am härtesten trifft es aber manche Mobber.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-884981.html
  1. #1

    Ursache und Wirkung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erniedrigen, ausschließen, beleidigen - Mobbing in der Schule kennt viele Varianten. Die Folgen können noch im Erwachsenenalter Angststörungen und Depressionen verursachen, zeigt eine Studie. Am härtesten trifft es aber manche Mobber.

    Mobbing: Betroffene leiden noch Jahre später an psychischen Folgen - SPIEGEL ONLINE
    Tatsächlich scheint die Studie zu belegen, dass diejenigen, die in der Schule gemobbt werden, auch später mehr Angststörungen usw. aufweisen. Hüten sollte man sich aber vor voreiligen Schlüssen: Was ist Ursache und was ist Folge. Vereinfacht gesprochen könnte es nämlich auch gut sein, dass bestimmte Grundpersönlichkeiten oder Charaktereigenschaften für beides prädestinieren, d.h. Mobbingopfer zu sein oder zu werden und Angststörungen zu entwickeln. Warum werden bestimmte Schüler immer wieder Mobbingopfer (auch nach Schulwechsel), andere nie?
    .
    Auch wenn es in den geburtenreichsten Gegenden Deuschlands mehr Störche gibt als anderswo, ist dies noch kein Beweis, dass Störche die Kinder bringen. Das Kausalitätsbedürfnis bei verschiedenen Beobachtungen mag zwar mächtig sein, ein Beweis sieht aber anders aus.
  2. #2

    Das Ergebnis dieser Studie ist fuer mich nicht ueberraschend. Nach einer schweren Erkrankung wurde ich als Zehnjaehrige zwei Jahre lang jeden beschissenen Tag von Lehrern und meinen lieben Mitschuelern gehaenselt und vor der ganzen Klasse laecherlich gemacht. Zuhause hatte ich dasselbe Szenario. Haenselei, Beschimpfungen, vorgefuehrt werden, wie dumm ich bin. Das hatte natuerlich Folgen. Ich war lange Jahre sehr unsicher, konnte mich nicht in einer Gruppe verbal aeussern und hatte eine unterliegende Angststoerung.Das Gemobbe hat mein Leben sehr beeinflusst. Ich bin heute 55 Jahre alt und habe immer noch, auch nach abgeschlossenem Hochschulstudium, oft Gefuehle, die hochkommen und mich an die fuerchterliche Schulzeit erinnern. Mobbing zerstoert Menschen.
  3. #3

    Ursache, Wirkung und der Strudel im Gehirn

    Also, die Unterscheidung zwischen Korrelation und Kausalität wäre in einem Artikel zur Wissenschaft schon schön. Simpel: nur weil zwei Dinge gemeinsam auftreten (z.B. Mobbingerfahrung und spätere psych. Probleme) muss das eine nicht das andere auslösen. Hier hat spon wahrscheinlich einen Gedanken der Studie nicht rübergebracht, mit dem genau das geklärt werden soll.

    Richtig dusselig erscheint mir aber der Schlussabsatz: Mobber zeigen später eine dysfunktionale Persönlichkeit, weil sie gemaobbt haben? Es dürfte nach meiner Erfahrung genau umgekehrt sein: dysfunktionale Persönlichkeiten mobben, und das eben auch schon früh, in der Schule.
  4. #4

    Überrascht mich jetzt nicht, sind Menschen die mobben doch meistens kleine Fähnlein im Wind und mit sich generell unzufrieden. Warum sollten sie anderen sonst das Leben zur Hölle machen!?
    Mobben tun viele doch auch bloß aus Neid, und um andere klein zu halten. Nach einem festen Charakter sieht das daher eher nicht aus und das holt sie eben früher oder später ein.
    Im Fall derer, die mich damals schikaniert haben, verschafft mir das schon ein wenig Genugtuung...
  5. #5

    Als jemand...

    der auch von Mobbing betroffen war. Finde ich es erstaunlich und beängstigend, dass man jetzt erst bemerkt dass es Langzeitfolgen hat. Naja und natürlich die typische Überraschung zeigt. Mein Mitleid mit den Mobbern hält sich jedoch in Grenzen.
  6. #6

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erniedrigen, ausschließen, beleidigen - Mobbing in der Schule kennt viele Varianten. Die Folgen können noch im Erwachsenenalter Angststörungen und Depressionen verursachen, zeigt eine Studie. Am härtesten trifft es aber manche Mobber.

    Mobbing: Betroffene leiden noch Jahre später an psychischen Folgen - SPIEGEL ONLINE
    also an sich ist es ja realistisch, dass das Mobbing solche Folgen hat.
    ABER:
    Eine retrospektive Befragungsstudie wie hier am Artikel ist für solche Schlüsse völlig fehl am Platz.
    Denn die Effekte können genauso gut daher kommen, dass

    1) vulnerable (verletzliche) Personen Kritik und kindertypische Wortgefechte eher als Mobbing wahrnehmen

    2) unglückliche und psychisch kranke Menschen allgemein eine negativere Sicht auf sich selbst und ihre Vergangenheit haben und sich deshalb auch mehr an Kränkungen erinnern.

    3) in verschiedenen Psychotherapierichtungen Kränkungen in der Kindheit eine besondere Bedeutung zukommt. Da wird auch oft immer wieder nach gefragt und die Bedeutung der Erlebnisse besprochen. Wer also in Therapie ist, ist sowieso schon auf seine negativen Kindheitserlebnisse fokussiert und erinnert sich eher daran.

    Aus solchen Gründen braucht es prospektive Studien (also Studien, bei denen Menschen längere Zeit über beobachtet werden und nicht im Nachhinein befragt).
  7. #7

    Was fuer eine Ueberraschung...

    ....Mobber die andere quaellen werden haeufig zu assozialen Persoenlichkeiten...wow...was fuer eine Erkenntnis...dazu brauchts eine wissenschaftliche Studie? Und wie immer...die Taeter werden wieder mal zu Opfern stilisiert...sie leiden...lachhaft.
    Die Opfer leiden ein Leben lang unter Mobbing...Angst vor der Schule...ueberhaupt das Schulgebaeude zu betreten, Selbstmordgedanken...lieber mit allem Schluss machen als wieder zusammengeschlagen oder gehaenselt oder ausgestossen zu werden.
    Lehrer kriegen das sehr wohl mit...es ist ihnen egal. Wenn dann etwas passiert...Schulterzucken...und Dienst nach Vorschrift.
    Eltern sind machtlos...was sollen sie tun...andere Schule...da gehts wieder los.
    Mein Traum als Kind war immer angstfrei in die Schule zu gehen...angstfrei lernen und leben...ich wollte noch nicht mal akzeptiert werden...nein..ein Leben ohne Schlaege und Tritte von den lieben Mitschuelern haette schon genuegt. Ach ja...und die ewigen Luegen, dass man in den 70ern wenn man ab Boden lag nicht weiterverpruegelt und getreten wurde kann ich nicht mehr hoeren...das war damals schon so...nur keinen hat interessiert.
  8. #8

    Klar werden Mobber zu antisozialen Persönlichkeiten, das sind sie schließlich schon in der Schule, nur da gelten sie unter Mitschülern noch als die großen Helden. Das kommt nicht davon, weil sie mobben, sondern weil sie schon immer empathielos waren. Manchmal entwickelt und verwächst sich das noch im Erwachsenenalter, aber in vielen Fällen scheinbar nicht. Jemand, der Empathie hat, mobbt nämlich nicht. Nur fällt diese antisoziale Persönlichkeit meistens erst im Erwachsenenalter auf, weil Mobbing und Mobber unter Kindern anscheinend als "normal" oder "selbstbewusst" gelten.

    Dass die Mobbingopfer unter den Spätfolgen des Mobbings leiden,und aufgrund des Mobbings Panikstörungen entwickeln, ist da schon eher verständlich.
  9. #9

    War selbst Mobbingopfer

    Ich war selbst mit 11/12 Mobbingopfer und habe dann zehn Jahre später Depressionen bekommen. Zum Thema Korrelation/Kausalität: Es gibt genügend Studien, die beweisen, dass Resilienz zwar zum Teil Veranlagung ist. Jedoch müssen evtl. vorhandene Gene z.B. für Depressionen auch erst "aktiviert" werden, und das geschieht durch die Umgebung. Als Einstieg sei hier "The Emotional Life of Your Brain" des Neurowissenschaftlers Richard J. Davidson empfohlen.








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