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Mini-Kompromiss beim Abitur: Ein Prüfungspool für die, die mögen

dapdSchärfere Regeln bei sexuellen Kontakten zwischen Lehrern und Schülern, dafür kein offenes Wort zur Bildungsfinanzierung durch den Bund: Bei ihrem Treffen einigten sich die deutschen Kultusminister auf den kleinstmöglichen Konsens. Ähnliche Abituraufgaben rücken in weite Ferne.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...820373,00.html
  1. #30

    Zitat von TS_Alien Beitrag anzeigen
    Sie behaupten ernsthaft oder glauben, dass im 8. Semester eines Studiums Wissenslücken vorhanden sind, die etwas mit der Schule und dem Abitur zu tun haben?

    In welchem Fach studiert man im 8. Semester und kann dann noch Wissenslücken aus der Schule entdecken?
    Es geht, wie oben schon gesagt, nicht um „Wissenslücken“. Was Blaue Fee anspricht, hat einen anderen Grund. Die Schulen sagen ihren Schülern nicht die Wahrheit. Wenn auf dem Zeugnis steht „Mathematik 11 Punkte“, zieht der Schüler daraus möglicherweise den Schluss, er sei für ein Studium im Bereich Mathematik/Naturwissenschaft/Technik „gut“ geeignet. In Wirklichkeit heißt die Angabe aus dem Zeugnis aber nur, dass sich Lehrer, Schule, Bezirksamt und Kultusminister nach Kräften bemühen, die Akademikerquote zu erhöhen.

    Es ist also nicht die „Wissenslücke“, die dem Studenten im 8. Semester zu schaffen macht, denn die gibt es, wie sie hier* richtig sagen, gar nicht. Es ist das dummerweise falsch gewählte Studienfach.

    ----
    *) Genauso wie es sie bei einem Schulwechsel wegen des unterschiedlichen Lehrplanes auch nicht gibt.
  2. #31

    Zitat von blubs Beitrag anzeigen
    Sie nehmen als Beispiel immer das Fach Informatik, welches wie Sie schon sagen sehr dynamisch ist. Ziel der Allgemeinen Hochschulreife ist eine universelle Ausbildung und Vorbereitung aufs Studium. Da ist Informatik nunmal ein Einzelfall und ich glaube auch nicht sehr verbreitet als angebotenes Abiturfach an normalen Gymnasien. Für fast alle anderen Fächer zählt ihre Argumentation eigentlich nicht viel, da sich da kaum was ändert
    Dem würde ich unmittelbar mit den Fächern Deutsch (oder Sprachen allgemein) und Politik widersprechen.

    Deutsch, weil es doch ein Trauerspiel ist, bei der Fülle der zur Verfügung stehenden Literatur jeweils ganze Schuljahrgänge zu verdonnern, ein bestimmtes Werk jeder Epoche durchzukauen, nur weil man darüber eine zentrale Abiturprüfung stellen kann. Hier ist das Argument zwar nicht „Schritthalten mit der Entwicklung“, aber die verordnete Monokultur kann's ja auch nicht sein.

    Und Politik sollte doch, wenn es sich anbietet, an aktuellen Themen bearbeitet werden, und die entwickeln sich nunmal noch schneller als Programmiersprachen oder -paradigmen. Oder auch an lokalen politischen Themen.
  3. #32

    Hä?

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Dem würde ich unmittelbar mit den Fächern Deutsch (oder Sprachen allgemein) und Politik widersprechen.

    Deutsch, weil es doch ein Trauerspiel ist, bei der Fülle der zur Verfügung stehenden Literatur jeweils ganze Schuljahrgänge zu verdonnern, ein bestimmtes Werk jeder Epoche durchzukauen, nur weil man darüber eine zentrale Abiturprüfung stellen kann. Hier ist das Argument zwar nicht „Schritthalten mit der Entwicklung“, aber die verordnete Monokultur kann's ja auch nicht sein.

    Und Politik sollte doch, wenn es sich anbietet, an aktuellen Themen bearbeitet werden, und die entwickeln sich nunmal noch schneller als Programmiersprachen oder -paradigmen. Oder auch an lokalen politischen Themen.
    Wir hatten damals Berlin Alexanderplatz, Der Gute Mensch von Szechuan und ein Gedicht von Nelly Sachs zur Auswahl. Man musste diese weder gelesen, noch gesehen, noch durchgeblättert haben, um die Aufgaben zu lösen.
    Ich hatte zwar ein Referat über das erste Werk gehalten, aber da es mir äusserst unsympathisch war, habe ich es nicht gewählt, obwohl ich natürlich einen Vorteil hätte daraus ziehen können. (Und die Prüfung die einzige Note war, die ich einbringen konnte, und die dann mit 8 multipliziert wurde.)
  4. #33

    Gleichbehandlung

    Das sind weiterhin keine Argumente, die es widerlegen, dass Schüler einiger Bundesländer Vorteile bei der Studienplatzvergabe haben.
    Erstmal wusste ich bisher nicht, dass Politik überhaupt ein Abiturfach ist/war. In Bayern ist das in Geschichte Sozialkunde integriert.
    Im Gegenteil, im Fach Deutsch wissen die Lehrer genausowenig was drankommt wie in jedem anderen Fach.
    Wie gesagt es steht nicht zur Debatte welche Lehrform und welche Abiturform besser oder schlechter ist, sondern einzig und allein wie man eine gleiche Ausgangslage und bestenfalls ein gleiches Lehrniveau erhalten kann. Und das ist nunmal bei einem zentralen bundesweiten oder landesweiten Abitur am größten.
  5. #34

    Zitat von blubs Beitrag anzeigen
    Wie gesagt es steht nicht zur Debatte welche Lehrform und welche Abiturform besser oder schlechter ist, sondern einzig und allein wie man eine gleiche Ausgangslage und bestenfalls ein gleiches Lehrniveau erhalten kann. Und das ist nunmal bei einem zentralen bundesweiten oder landesweiten Abitur am größten.
    Leider ist mir nicht so recht klar, warum das so ist.

    Erstens: Wie stellen Sie sich eigentlich ein „einheitliches“ Abitur vor? An unserer Schule machen jährlich etwa 100 Schüler das Abitur. Statistisch haben keine zwei davon haben dieselben Prüfungsfächer, geschweige denn die gleichen Kurse in die Wertung eingebracht. Folglich sind trotz landesweitem Zentralabitur noch nicht einmal die Abschlussnoten von zwei Schülern derselben Schule „vergleichbar“. Und dabei ist noch nicht einmal mit eingerechnet, dass es Schüler gibt, die beim festgesetzten Termin krank sind, und daher den Ersatztermin wahrnehmen müssen, an dem logischerweise eine andere Prüfungsaufgabe gestellt wird. Und wie vergleichen Sie eigentlich zwei Bewerber für einen Studienplatz, die in verschiedenen Jahren ihre Prüfung abgelegt haben?

    Zweitens: Es wird immer ein paar glückliche Schüler geben, deren Lehrer rein zufällig in der Vorbereitungsphase eine Übungsaufgabe gestellt haben, die der Abitur-Aufgabe sehr ähnlich ist. Vielleicht findet sich eine solche Übungsaufgabe sogar in einem der von vielen Verlagen angebotenen Vorbereitunshefte, in anderen aber nicht. Das ist doch mindestens genauso ungerecht wie unterschiedliche Aufgaben in unterschiedlichen Ländern. Müsste daher nicht spätestens ab der 10. Klasse (denn die entscheidet über die Zulassung zur Oberstufe und damit bereits über die Zulassung zum Abitur) der Inhalt jeder einzelnen Unterrichtstunde genau vorgeschrieben werden, um solche Ungerechtigkeiten zu vermeiden? Anders ist ein „gleiches Lehrniveau“ nicht zu erreichen.

    Drittens: Es wäre ja durchaus möglich, zentrale Prüfungen so zu entwerfen, dass für ein einheitliches Niveau gesorgt ist, ohne die Unterrichtsinhalte a la Margot Honecker zu reglementieren. Man müsste dazu, vereinfacht gesagt, prüfen, ob ein Schüler „die englische Sprache beherrscht“ oder „mathematisch denken kann“. Leider widerspricht das diametral allen zur Zeit gültigen bildungspolitischen Paradigmen von „Kompetenzen“ bis „Akademikerquote“.

    Die Vorstellung, nur durch eine „Vereinheitlichung“ und eine „Zentralisierung“ (was übrigens zwei völlig unabhänge Aspekte sind, auch wenn das in der Diskussion selten beachtet wird!) ließe sich Bildungsgerechtigkeit herstellen, ist letzlich genauso absurd wie die Vorstellung, nur durch eine „Vereinheitlichung“ und eine „Zentralisierung“ ließe sich eine Verteilungsgerechtigkeit von Gütern des täglichen Bedarfs herstellen.
  6. #35

    Abitur NRW - BW

    Mein Mann, Freunde von uns und ich haben alle unser Abitur in NRW gemacht. Wir sind nach BW gezogen und ich gebe seit Jahren Nachhilfe in Mathematik für Abiturienten.
    Gegen das, was die Schüler hier in Mathe machen müssen, ist das Abitur in NRW ein Witz gewesen. Z.b. hatte mein Mann kein Stochastik und ich hatte dafür keine Vektorenrechnung und unser Freund keine Integralrechnung. Die Lehrer haben damals mehrere Prüfungsvorschläge beim Bildungsministerium eingereicht ( von denen dann einer ausgewählt wurde) und mit uns dann ähnliche Aufgaben berechnet, da wussten wir was ungefähr dran kommt. Zusätzlich kommt noch der um einiges höhere Schwierigkeitsgrad in BW.

    Hier in BW kann kein Lehrer den Stoff eingrenzen, d.h. es muss einfach alles gelernt werden und keiner kann sich auf den ungefähren Aufgabentyp vorbereiten, denn auch die Typen änderen sich von Jahr zu Jahr. Außerdem kann hier (zumindest in Mathe, Englisch oder Deutsch) kein Grundkurs gewählt werden. Sprich diese Fächer sind im Abi Pflicht und für alle Schüler gleich.
    Klar, kann man auch im Studium diese Defizite mit mehr Fleiß aufholen, aber allein schon die Studienplatzvergabe vor dem Hintergrund der Abiturnote ist in diesem Fall sehr ungerecht, vor allen Dingen, wenn es um Fächer wie Medizin geht, wo der Notenschnitt das A und O ist. Selbst eine Korrektur um 0,5 Notenpunkte nach unten ( wie an einigen Unis gehandhabt) reicht bei Weitem nicht aus.

    Es ist natürlich nicht sehr schön für mich, dass ich hier mein eigenes Abitur abwerte, aber es muss auch gerecht und ojetiv beurteilt werden und die Schüler aus BY und BW haben nun mal, trotz schwererem Abitur, bei der Studienplatzvergabe einen Nachteil, eben weil es sehr schwierig ist, hier ein 1er Abitur zu erreichen.


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