Zitat von
Bine2707
So, jetzt ernennt sich also die SPD zum Retter der Familie und will in vier Jahren flächendeckend die Ganztagsbetreuung ausbauen.
Jetzt zur SPIEGEL-Titelstory:
1. Da wurden ja die tollsten Vorzeigefamilien ausgewählt. Familie Coenenberg: Reiche Eltern, die schlicht und einfach keine Lust haben, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Nicht nur, dass sie die Ausgaben für ihre Kinderbetreuung von der Steuer absetzen kann, nein, sie möchte bitte auch noch ihre Haushaltshilfe vom Staat bezahlt kriegen und die Lehrer ihrer Kinder sollen sich nachmittags mit ihnen vergnügen. Überhaupt scheinen sich die Eltern herzlich wenig um die Gesundheit ihrer Kinder zu scheren, wie auf dem gestellten Foto deutlich wird: Nutella, Marmelade, Honig und Sirup für die Pfannkuchen auf dem Frühstückstisch. Dazu ein Hello-Kitty-Teller, daneben ein Daddelplastikspielzeug.
Dann: Ein 11jähriger Junge ist nicht in der Lage, sich morgens vom Handy wecken zulassen und sich sein fertig geschmiertes Brot aus dem Kühlschrank zu nehmen.
Die Menschen um die es geht, kommen gar nicht zu Wort, nämlich die Kinder. In Ihren Lobhudeleien auf 24-Stunden-Kinderbetreuung vergessen Sie, die Kinder zu fragen, ob sie es toll finden, nicht zu Hause zu schlafen, morgens von der Kindergärtnerin, pardon politisch korrekt heißt es Erzieherin, geweckt zu werden.
Im Übrigen erinnert mich diese Debatte an den Roman Momo von Michael Ende. Die grauen Herren reden den Menschen ein, immer mehr zu arbeiten, um immer mehr zu verdienen. Daher haben sie keine Zeit mehr für die Kinder. So beklagt sich ein Junge bei Momo, dass sein Vater abends nach der Arbeit keine Zeit mehr habe, ihm Geschichten zu erzählen. Die ganze Debatte um die Kinder im Roman gipfelt in der Idee, die Kinder von der Straße zu holen (wo sie frei spielen), weil sie ja dort verwahrlosen könnten und sie in Kinderdepots zu bringen. Dort, ich zitiere wörtlich, "lernen wir [die Kinder] spielen". Ein grauenhafter Ausdruck, aber er beschreibt die Diskussion, um die es heute geht sehr treffend. Schließlich beschreiben Begriffe wie "Elementarpädogogik" und "frühkindliche Bildung" das Spielen als Prozess, den es von "qualifizierten" Erwachsenen zu lernen gilt.
Überhaupt finde ich den Begriff Kinderdepot sehr passend. Er sollte flächendeckend eingeführt werden. Schließlich ist das sehr schöne Wort Kindergarten politisch unkorrekt und das Wort Kindertagesstätte mit der grauenhaften Abkürzung Kita schrecklich, aber auch in Zeiten, wo es jetzt auch Kindernachtstätten gibt nicht mehr angebracht. Daher finde ich Kinderdepot sehr passend.
In der ganzen Diskussion geht es immer nur darum, die Kinderdepots quantitativ auszubauen. Die Reichen können sich diese natürlich ohne Probleme leisten und die Armen haben kostenfreien Zugang. Wer zahlt also die Zeche? Genau, wir!