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Mikrokredite vom Staat: Zum Unternehmer in fünf Tagen

TMNDie Geschäftsidee ist genial, die Bank gibt trotzdem keinen Kredit - viele Gründer werden ausgebremst, bevor es losgeht. Die Bundesregierung hilft mit Mikrokrediten: In wenigen Tagen ist das Geld auf dem Konto, erst in drei Jahren muss es zurückgezahlt werden. Experten sind dennoch skeptisch.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...836470,00.html
  1. #30

    Schwer nachvollziehbar

    Als Mitarbeiter bei einem Mikrofinanzinstitut (Kapitalinstitut Deutschland) kann ich mich ebenfalls nur über den Artikel wundern.
    Sicher wäre ein Kontokorrent- oder Konsumkredit eine Möglichkeit. Leider vergeben nur sehr wenige Banken überhaupt Konsumkredite an Selbständige, für Gründer ist es sogar noch schwieriger. Als Angestellter ist es wesentlich einfacher, daher empfehlen wir diesen Weg manchen Kreditnehmern sogar, wenn sie z.B. angestellte Ehepartner haben. Und zu verschweigen, dass man seinen Job gerade gekündigt hat und sich selbständig macht, geht schon stark in Richtung Kreditbetrug. Wir haben auch immer wieder Kreditnehmer, denen wir Mikrokredite über mehrere Tausend Euro geben, während sich ihre Bank schon bei 1.000 € Kontokorrent quer stellt. Einem unserer Kreditnehmer wollte die Bank nicht mal eine EC-Karte anvertrauen. Zudem kostet ein Kontokorrent - wenn man nicht gerade Artzt ist - meist einen zweistelligen Zins.
    Das Argument mit dem Break-Even ist übrigens richtig. Aber nur zum Teil. Viele Unternehmensgründungen werfen erst nach einigen Jahren Gewinne ab. Und nach dem faktischen Wegfall des Gründungszuschusses ist der Weg in die Selbständigkeit noch steiniger geworden. Die meisten Gründer, die zu uns kommen, haben aber nicht (z.B. durch Eigenkapital oder einen Businessangel) genug Kapital, um Jahre ohne Gewinn auszukommen. Wer einen Mikrokredit benötigt, ist leider meistens in der unschönen Situation, fast vom ersten Tag an Geld verdienen zu müssen. Das erklärt die teilweise hohen Ablehnungsquoten, den hohen Anteil an bestehenden Unternehmen und den hohen Anteil an Hartz IV-Empfängern. Letztere haben wenigstens das Geld für Lebensunterhalt, Miete und Krankenversicherung. Das ist aber ein generelles Problem, dass sich über einen Konsumkredit oder einen Kontokorrent bestenfalls entschäfen lässt. Mikrokredite können übrigens auch endfällig vergeben werden sodass sie zunächst die Liquidität kaum belasten. Und vorzeitig - auch Teilbeträge - tilgen geht immer. Übrigens haben wir an einen Photovoltaikreiniger sogar 10.000 € verliehen und der zahlt seitdem brav seine Raten. Der war aber auch gut beratern ...
    BankBERATER sind dagegen meist BankVERKÄUFER, sonst würden sie für die Beratung Geld verlangen (wir kennen aber auch Gegenbeispiele ...). Leider bekommt man daher - insbesondere bei kleinem Volumen - meist keine gute Beratung. Der Bankberater einer Mandantin hatte ihr z.B. empfohlen, den Umbau ihres Hauses mit Ferienwohnungen über Kontokorrent und kurz laufende Konsumkredite zu stemmen (statt über eine Ausweitung der Hausfinanzierung). Das Ende vom Lied war, dass sich KK-Zinsen und sonstiger Schuldendienst in einer Größenordnung bewegten, die in der Nähe des monatlichen Gesamteinkommens lag. LfA und KfW beraten dagegen tatsächlich i.d.R. gut. Nur leider können sie selbst nichts entscheiden und so muss der Kreditnehmer doch wieder zur Hausbank, die ihn ablehnt. Denn bei Förderdarlehen machen Banken oft erst bei 40.000 bis 60.000 € mit. Mikrofinanzinstitute dagegen nehmen sich mindestens die Zeit, die Geschäftsidee eingehend zu prüfen und mit dem Kreditnehmer zu sprechen.Bei tiefergehendem Beratungsbedarf verweisen wir an kooperierende Berater. Wie übrigens ein unerfahrener Berater ernsthaft als Mikrofinanzinstitut auftreten und mehr als eine Handvoll Kredite vergeben soll, ist mir schleierhaft. Neue MFIs müssen 20 % der Kreditsumme als Sicherheit hinterlegen und die ersten Vergütungen fließen nach über einem Jahr. Der unerfahrene Berater müsste schon im Lotto gewonnen oder geerbt haben, um das vorfinanzieren zu können. Nebenbei bemerkt schicken uns erfahrene Berater auch oft ihre Mandanten, wenn sie wissen, dass die bei der Bank nicht finanziert werden.
    Lieferantenkredite wären in vielen Fällen sicher eine gute Alternative. Allerdings haben auch die meisten Hersteller und Händler nicht die Kapitaldecke, um das in größerem Stil anzubieten. Daher läuft so etwas meist über Leasinggesellschaften. Bei Gründern sind die aber ebenfalls tendenziell skeptisch und wenn in der Schufa eine unbezahlte Handyrechnung steht, war's das meistens.
    Übrigens: Bei dem im Artikel angesprochenen Programm ist das Maximum bei 20.000 €, nicht bei 25.000. Der Erstkredit geht sogar nur über 10.000 € pro Person.


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