Michael Haneke über sein Drama "Liebe": "Alter und Krankheit sind evakuiert"

X VerleihBloß nicht sentimental werden - erst recht nicht bei diesem Thema! Mit "Liebe" hat der Regisseur Michael Haneke ein Drama über Krankheit, Tod und das Glück der Zweisamkeit gedreht. Im Video-Talk spricht er darüber, wie unsere Gesellschaft sich das Sterben vom Leibe zu halten versucht.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,855812,00.html
  1. #1

    Ein meisterlicher Regisseur

    M. Haneke ist ein Regisseur, der sehr viel mehr zu bieten hat, als viele andere. Seine Beobachtungen auf soziologischen und psychologischen Ebenen sind wohltuend, man fühlt sich verstanden und nicht mehr ganz so einsam. Kann man vieles erkennen, wird man bei ihm nicht enttäuscht.
  2. #2

    optional

    Ein echt interessantes Thema, das man öfters aufgreifen sollte. Derzeit ist Altern und Tod für viele kein Thema, womit man sich beschäftigen möchte. Am liebsten Ausblenden. Wenn es kommt, dann kommt es, aber nicht auch noch vorher schon darüber ernsthaft nachdenken. Heute stirbt man oft einsam und alleine. Schnell und mühelos entsorgt.
  3. #3

    Einsamkeit

    Zitat von tinosaurus Beitrag anzeigen
    Heute stirbt man oft einsam und alleine. Schnell und mühelos entsorgt.
    Man lebt wohl auch viele Jahre zuvor einsam.

    Es sieht ganz nach einem wirklich guten Film aus, beschreibend, nicht aufdringlich, aber eindrucksvoll. Ich kenne ein paar alte Männer, die sich liebevoll um ihre behinderten oder gestörten Frauen oder Mütter kümmern. Sie werden gebraucht und das reicht ihnen.

    Ich laufe fast täglich an einem fünfgeschossigen Plakat vorbei, auf dem in fetten Lettern steht: „Meine Frau ist mir lästig.“ Und ganz klein darunter in zehn Metern Höhe: „Seit sich die Stiftung Tannenhof (vermutlich stundenweise) um meine Frau kümmert, kann ich schon mal mit meinen Kumpels ein Bier trinken gehen.“

    Hübsch makaber. Die anderen kleineren Plakate sind von gleicher Qualität. Es handelt sich übrigens um eine gerontologische Psychiatrie, evangelisch. Vermutlich hat sie Sorge, daß ihr die Patienten ausgehen. Und kein Geld für eine halbwegs erträgliche Werbung.

    Das Glück ist das Gegenüber. Der Tod ist etwas anderes, endgültig. Aber natürlich werden Tod, Krankheit, Behinderung, Alte bei uns verschämt verschwiegen und ausgegrenzt. Gibt es nicht. Darf man nicht sein. Und an der Stelle macht die Reklame für Tannenhof sogar einen wenn auch geringen Sinn.
  4. #4

    Zustimmung....

    Zitat von sanctum.praeputium Beitrag anzeigen
    M. Haneke ist ein Regisseur, der sehr viel mehr zu bieten hat, als viele andere. Seine Beobachtungen auf soziologischen und psychologischen Ebenen sind wohltuend, man fühlt sich verstanden und nicht mehr ganz so einsam. Kann man vieles erkennen, wird man bei ihm nicht enttäuscht.
    "Ein meisterlicher Regisseur" seine Filme sind ausnahmslos grossartig, er ist einer der ganz wenigen dass Kino auch etwas anderes als Kommerz Schrott sein kann.

    Was ihren Namen angeht, so habe ich mal in einer etwas eigenartigen Bücherei "Die Schlüssel von St Peter" von Roger Peyrefitte zugeteilt bekommen, in dem sich der Autor dieses Themas annimmt. Lesen bildet immer aufs Neue....