Zitat von
e_d_f
Die Übergangsperiode in Libyen ist kein Zuckerschlecken. Das war zu erwarten. Dennoch gelingt es der Regierung (NTC), in kleinen Schritten die Kontrolle zu gewinnen. Ihr Ziel muss es weiter sein, die (z. Z. noch kleine) neue Armee weiter aufzubauen und die seriösen Kräfte unter den Milizionären für sich zu gewinnen. Damit werden die Milizen mit der Zeit ausgedünnt und verlieren an Einfluss. Wenn die Armee dann irgendwann stark genug ist, kann sie die Rest-Milizen entwaffnen. Erst dann kann der staatliche Neuaufbau richtig beginnen. Das Anwerben für die Armee geht beispielsweise über anständige Gehälter und gute Berufsaussichten; täglich melden sich neue Bewerber. Es könnten sicher mehr sein, aber es geht langsam voran; so haben Regierungstruppen kürzlich den Grenzübergang nach Tunesien übernommen und die Milizen ersetzt. Dieser Transfer muss behutsam und mit viel Fingerspitzengefühl erfolgen, denn die Milizen sind ja noch schwer bewaffnet und haben ihre Verdienste. Da die Regierung aber am Geldhahn sitzt, und nicht die Milizen, wird die Strategie auf Dauer aufgehen; die Milizen müssen sich letztendlich arrangieren. Im Irak hat es unter weitaus schwierigeren Bedingungen auch geklappt, die Milizen schrittweise unter Kontrolle zu bringen. Das dauert allerdings seine Zeit und erfordert behutsames Vorgehen und Geduld. Ich bin überzeugt davon, dass es am Ende auch in Libyen gelingen wird. Bis das Land wieder stabil ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Und diese Übergangsperiode ist für die Bevölkerung zweifelsohne eine harte Zeit. Das war zu erwarten. Das totale Chaos, das hier einige prophezeit haben, ist allerdings nicht eingetreten. Es gibt noch negative Begleiterscheinungen in der Übergangsphase, aber das ist m. E. absolut kein Grund, dem irren Diktator Gaddafi nachzutrauern. Ich bin optimistisch, dass es in ein paar Jahren ein besseres Libyen geben wird als unter Gaddafi.