Zitat von
Horst Müllers
Als Resident auf einem winzigen Eiland (Formentera) seit mehreren Jahrzehnten, die einst "Isla de la Calma"(Insel der Ruhe) hieß und auch war, habe ich die grenzenlose Geldgier und Touristenausbeutung der meist einheimischen Akteure im Tourismuskrieg mitdurchleiden müssen. Auch diesjahr hätte ich nicht erst Anfang Juli, sondern eher Mitte Mai von dort nach Königswinter fliehen sollen; denn auf meinem Wege herrscht seither und wird bis Mitte September der 'totale Krieg' mit Karawanen von Vespas, Harleys, Quads und riesigen Leihlimousinen sowie Bier-Tankzügen und Fäkalienlastern etc.herrschen, die nicht etwa den Touristen oder nur zum kleinsten Teil ausländischen Multis oder Touristik-Kraken gehören; die Crux ist: alle Urlauber aus Deutschland und 50.000 frustierten Italiener aus den Autofabriken und Industriezentren Norditaliens suchen ihr Einsamsein mit der ursprünglichen Natur an wenigen Sauf- und Ballungsstätten mit romantischen Sonnenuntergängen am Meer - nur keiner kommt zu Fuß. Die eigentliche Tourismusmonopole Pujols ist zu einem durch Fahrzeug-Vermietungsstände und -agenturen völlig verfremdeten scheußlichen Klumpen aus Pinten und Unterkünften geworden. Viele Einheimische und spanische Fremdarbeiter einschließlich der Inselverwaltung und Politik scheinen diese menschenunwürdigen Spektakel auf ihrer Insel nicht nur nahezu egal zu sein, sondern nicht wenige wurden oftmals zu regelrechten Eurogeiern. Sich mit ihnen voll Mitleid zu solidarisieren um der tourismusgefährdeten Menschenrechte und Naturerhaltung willen, wäre obsolet, und es ist für die unter der Misère für betroffene Touristen und mitleidende ausländische Ansässige ratsam, keine Kritik zu laut und öffentlich zu artikulieren. Hier versinnbildlicht sich, daß Herrn Fuchs zum Trotze um des schnöden Mammons wegen das Geschäftemachen durch Einheimische und Heuschrecken aus Mitteleuropa dochgrenzenlos ist!
Diplomvolkswirt Horst Müllers, Europa-Journalist (VEJ)