Melancholie eines Ex-Studenten: Wie sie uns austrieben,*uns treiben zu lassen

Gammelige Gänge, Seminare als Selbsttherapie und viel, viel*Bürokratie: So begann das Studium des Kabarettisten Florian Schroeder. Dann kam die Bologna-Reform mit dem grausigen Unterdrückungsinstrument Anwesenheitsliste.*Rückblick eines Protestierers, der nichts erreicht hat.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...776992,00.html
  1. #1

    Für...

    ... mich klingt das als wäre Bologna was tolles. Nämlich den unsäglichen Zuständen in den Geisteswissenschaften einen Riegel vorschieben. 34 Semester studieren? HALLO?
    Sich treiben lassen? GEHT'S NOCH?
    Befristete Arbeitsverträge? Bei der Arbeitseinstellung kein Wunder!

    In meinem Nachrichtentechnik-Studium lagen die durchschnittlichen Studienzeiten auch vor Bologna bei 9 Semestern im Diplom Nachrichtentechnik. 8 Semester waren Regelstudienzeit.
    Bei uns waren auch danach keine Anwesenheitslisten notwendig und die meisten Studierenden haben bei ihrem Bachelor-Abschluss maximal 1 - 2 Semester überzogen. Im Master finanzieren sich mehr als die Hälfte der Studenten die Studiengebühren mit Arbeitsstellen direkt an der Hochschule (~ 1000 € netto) und das Klima zwischen Profs und Studenten war ausgezeichnet.
    Es beschwert sich auch niemand mehr, dass in den ersten drei Semestern ausgesondert wird. Es wird knallhart gezeigt, dass ohne Eigenleistung nichts geht. Wie im Beruf später auch. Alles andere wäre Ponyhof.

    Vielleicht sollten sich ein paar Germanisten mal überlegen, was sie wirklich wollen. Das Amt hat 5 Tage die Woche offen...
  2. #2

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gammelige Gänge, Seminare als Selbsttherapie und viel, viel*Bürokratie: So begann das Studium des Kabarettisten Florian Schroeder. Dann kam die Bologna-Reform mit dem grausigen Unterdrückungsinstrument Anwesenheitsliste.*Rückblick eines Protestierers, der nichts erreicht hat.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...776992,00.html
    Netter Artikel. Wirklich fein skizziert.
    Zwischen den Zeilen liest man dann trotzdem, dass die verwöhnte Bälgerschaft, sofern es um Essen, Wohnraum und Freizeit geht, sich dann dem persönlichen Egoismus unterzieht.
    Interessenlos, bocklos irgendwas zu bewegen, große Schnauze und dann schnell wieder heim zu Mami.
    Gegenüber fremden Leuten die Klappe aufreißen, was man(n)/frau für eine tolle Intelligenz hat, da man(n)/frau auf der Uni ist.
    Eigentlich peinlich für jeden, der mal studierte....
    Aber dafür muss Freiburg nicht herhalten, ist in jeder Unistadt so!
  3. #3

    Bleibt zu hoffen....

    ....das nicht jeder Student den hier beschriebenen Weg folgte. Man kann dabei verstehen, dass manche Arges von sogenannten Abrecher-Akademikern überquellen (letztlich ungelernte Kräfte). Diese Leute sehen sich dann meist als "von der Gesellschaft betrogen"...sind letztlich aber nur bemitleidenswerte loser.
  4. #4

    xxx

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gammelige Gänge, Seminare als Selbsttherapie und viel, viel*Bürokratie: So begann das Studium des Kabarettisten Florian Schroeder. Dann kam die Bologna-Reform mit dem grausigen Unterdrückungsinstrument Anwesenheitsliste.*Rückblick eines Protestierers, der nichts erreicht hat.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...776992,00.html
    Der Artikel ist an Dümmlichkeit und Oberflächlichkeit nicht zu überbieten. Keiner der Mißstände, die auf der ersten Seite angeprangert werden, hat sich durch Bologna erledigt.

    - Die Bürokratie ist immer noch genauso ausufernd, wenn nicht noch schlimmer.

    - Die anfangs versprochenen Masterplätze für jeden sind von vorne bis hinten gelogen gewesen, der BA alleine ist aber in vielen Branchen einfach nicht genug wert als Qualifikation

    - Die Hörsääle und Seminarräume sind kein bißchen weniger überfüllt. Teilweise werden die Teilnehmerzahlen auf den Anmeldelisten um 300% überschritten. Ich habe ohne Übertreibung locker 2 Semester verloren, weil ich auf bestimmte Kurse 3-4 Semester warten mußte, und ich hab auch schon zig mal mit 80 Leuten in einem 20-Leute-Seminar gesessen. Ich hab auch schon erlebt daß man nachts um 12 an die Uni kommem mußte, wo der Professor saß und die Vorregistierungsliste für die spätere Registrierungsliste bewachte, oder schlicht Lose gezogen worden sind

    - Die Referate sind noch genauso dominant und genauso schlecht.

    - Weil Dozenten und selbst Professoren mittlerweile ihre Lehraufträge nur noch von Semester zu Semester bekommen, wird die Vorbereitungszeit auf ein Minimum reduziert.

    - Folge: Noch mehr Referate und insgesamt noch oberflächlichere Seminare.

    - Die Anwesenheitslisten haben dazu geführt, dass z.B. Jobs nicht angenommen werden können und man stattdessen in einem schlecht vorbereiteten Seminar einem unmotivierten Referenten zuhören muss, der ein schlechtes Referat runterfaselt, während der Dozent gelangweilt auf den Fingernägeln kaut. Anstatt sich wie ein erwachsener Mensch den Stoff so draufzuschaffen, wie man das selbst am besten kann. Zum Beispiel durch Lesen. Zuhause.

    - Permanenter Prüfungsdruck führt zu einer Lernhaltung gemäß "fressen, auskotzen, vergessen"

    - Die Abbrecherquoten dürften nicht wesentlich gesunken sein

    Das einzig positive, was Bologna erreicht haben dürfte, sind weniger extreme Langzeitstudenten. Die belasten aber den Unibetrieb kaum, weil sie sich in aller Regel eh nicht zu Prüfungen anmelden und auch keine Seminarplätze besetzen. Die zahlen einfach nur brav ihre Kohle und bleiben dann weg. Und es sind tatsächlich ein paar intellektuelle Perlen darunter.

    Bologna hatte zum Ziel, die Hochschulausbildung zu ökonomisieren und zu "ent-intellektualisieren". Hier sollen mäßig ausgebildete Fachidioten gemäß den kurzfristigen Bedürfnissen der Wirtschaft produziert werden, und der gesamte Unibetrieb demselben Pseudo-Effizienzdenken unterworfen werden. Und dazu kommt noch eine grausige Umsetzung, die das Kernargument von Bologna, nämlich die bundesweite und internationale Kompatibilität der Abschlüsse, ad absurdum führt. Mit einem BA in Wuppertal kann man in Münster keinen Master machen. Noch schwieriger wirds von Bundesland zu Bundesland.
  5. #5

    Unter ergonomischen Gesichtspunkten

    Ein klug geschriebener, ein amüsanter Artikel – der Kabarettist schimmert durch und auch versöhnliche Selbstkritik. Gewisse geisteswissenschaftliche Studiengänge haben eine Gemeinsamkeit, die es deutlich erleichtert, den massenhaften Andrang auf den Akademikerstatus zu absorbieren: Kaum jemand kann so blöd sein, dass er nicht den Abschluss bekommt. Deshalb ist es müßig, ständig auf höheren Leistungsanforderungen und höherem Niveau herumzureiten, nein, man muss den Universitätsbetrieb mehr unter ergonomischen Gesichtspunkten betrachten: Viele bestandene Examina bedeuten viele Akademiker, das bereichert die Gesellschaft, so steigert sich das kollektive Selbstbewusstsein in ungeahnte Höhen, was, allgemein gesprochen, zu größerer Effizienz führt, ganz logisch, das alles.

    Zitat: „Doch plötzlich zogen Wolken auf. Das Tief hatte sieben Buchstaben: Bologna. Eine Bildungsreform, die nach Nudeln klang, aber Käse war.
    Bologna, das war unser Feindbild. Bologna störte unsere Ruhe. Bologna, das bedeutete Studiengebühren - oder wie ich sie nannte: eine Elite-Flatrate.
    ... Außerdem sah Bologna Anwesenheitslisten mit eigenhändiger Unterschrift vor. Das dramatische Wort hier war eigenhändig. Wer dreimal fehlt, ist raus.“

    Genau, und wer immer brav angetreten ist, der kriegt den großen Schein, fertig ist die Laube. Alle diese Prüfungen am Ende des Studiums muss man als das bezeichnen, was sie sind: der reinste Ballast, Wichtigtuerei der Dozenten, Selbstinszenierung der Professoren. So wirft man der zukünftigen Elite Knüppel zwischen die Beine, und tausende von Abbrechern stolpern hilflos durch eine banale Existenz ohne höhere Weihen – kein Wunder, dass die Leute immer trübsinniger werden.
  6. #6

    wunderbare schreibe...............

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Gammelige Gänge, Seminare als Selbsttherapie und viel, viel*Bürokratie: So begann das Studium des Kabarettisten Florian Schroeder. Dann kam die Bologna-Reform mit dem grausigen Unterdrückungsinstrument Anwesenheitsliste.*Rückblick eines Protestierers, der nichts erreicht hat.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...776992,00.html
    wunderbare schreibe - selten so viel geschmunzelt bei einem artikel ............
  7. #7

    Ironie also

    Der Artikel ist ja ganz schmunzelig, aber was will er uns eigentlich sagen? Folgende Sachen werden lächerlich gemacht:
    - Das Germanistikstudium alter Ausprägung
    - Der untaugliche Protest der Studierenden

    Aber das wars auch. Sowas mag ganz lustig sein, aber wo ist die argumentative Auseinandersetzung? Ja, das Alte hatte die erwähnten Nachteile. Aber waren diese wirklich gravierend? Und was sind die Vorteile des Neuen? Und warum ist das neue unterm Strich besser.

    Mein Fazit:
    Artikel setzt sich nicht mit dem Für&Wider auseinander, sondern macht nur eine der Positionen lächerlich. Solche Beiträge bringen die gesellschaftliche Diskussion nicht weiter.
  8. #8

    Gleichheit? Wohl kaum zu erreichen. Ein Absolvent in Rumänien, Frankreich, oder auch Italien sollte gleich = vergleichbar sein. Dümmlicher gehts nimmer. Die deutschen Professoren haben sich in ihrer Überheblichkeit die deutschen Qualitätsmerkale abschwatzen lassen. Das deutsche Diplom galt etwas, Gleichmacherei nützt nur Bürokraten und erzeugt Frust ohnegleichen. Es geht um Gleichschaltung und Verschulung. Die Absolventen, die ach so stolz auf ihre unterwürfige Studienabsolvierung sind - o graus. Nun die Geschichte wird es zeigen. Auch die Ökonomisierung wird enden.
  9. #9

    *g*

    Zitat von webman Beitrag anzeigen
    wunderbare schreibe - selten so viel geschmunzelt bei einem artikel ............
    dem kann ich mich nur anschließen... an so einem verregneten morgen genau das richtige und die wahrheit