Mein erstes Mal: Lars, 20,*isst an der Armutsgrenze

Kurz vor Mitternacht*isst*Lars Ippich die letzte Pizza, danach hat er für so einen Luxus kein Geld mehr. Fünf Tage lang*hungert er und gibt*nur 1,20 Euro*für Essen aus. Für eine Spendenaktion erlebt er, was Armut bedeutet - und hat schon bald seine Gedanken nicht mehr im Griff.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...764691,00.html
  1. #130

    Was so los ist.

    Zitat von hauptkommissartauber Beitrag anzeigen
    Warum eigentlich nicht? Leute, die über Hartz-IV-Sätze stönen, dass das nie im Leben reichen könne, haben sie weit entfernt vom normalen Volk. Ich gebe ca. vier bis fünf Euro pro Tag fürs Essen aus. Dann wird der Hartzer mit zehn Euro locker hinkommen. Als Student im ersten Semester haben mir 15 Euro pro Woche gereicht.

    "Der Hartzer" hat 4,30. Und ich nehme mich da nicht als Maßstab, weil ich u.a. fast nur Wasser und löslichen Kaffee - 5 Euro im Monat, wegen des Koffein - trinke. Das ist für mich völlig in Ordnung, aber sicher nicht normal. Soziale Grundsicherung muß mehr sein als "gerade mal genug Kalorien, Mineralstoffe und Kalorien".
  2. #131

    .

    Zitat von peterbruells Beitrag anzeigen
    "Der Hartzer" hat 4,30. Und ich nehme mich da nicht als Maßstab, weil ich u.a. fast nur Wasser und löslichen Kaffee - 5 Euro im Monat, wegen des Koffein - trinke. Das ist für mich völlig in Ordnung, aber sicher nicht normal. Soziale Grundsicherung muß mehr sein als "gerade mal genug Kalorien, Mineralstoffe und Kalorien".
    "Der Hartzer" hat 364€ im Monat, nach Miete und Heizung ist das nun wirklich vergleichbar mit dem, was viele Studenten haben, und die schaffen's doch auch. Wenn das menschenunwürdig ist, ist das auch bei Studenten nicht mit dem Argument eines begrenzten Zeitabschnittes zu vertreten.

    Wie ein H4-Empfänger das Geld aufteilt, ist ihm überlassen (sonst gäb's ja auch wieder Geschrei) - wer über zu wenig Geld zum Essen jammert, aber den Anteil des Regelsatzes für Tabakwaren voll ausschöpft, ja mein Gott...

    Soziale Grundsicherung sollte das sein, was ausreicht, um davon zu leben, und "leben" nicht im Sinne von vegetieren. Dass dass das mit Hartz4 nicht geht ist offenbar ein Credo, denn wer versucht das Gegenteil zu beweisen, wie Sarrazin, ist ein Zyniker. Das Problem ist doch dass nach den Vorstellungen vieler soziale Grundsicherung offenbar das sein soll, was bei deren Empfängern nicht allzuviel Neid auf das, was der Durchschnittsarbeitnehmer auf dem Tisch (und anderswo) stehen hat, aufkommen lässt.
  3. #132

    Armut ist relativ

    Zitat von archnase Beitrag anzeigen
    "...Das Problem ist doch dass nach den Vorstellungen vieler soziale Grundsicherung offenbar das sein soll, was bei deren Empfängern nicht allzuviel Neid auf das, was der Durchschnittsarbeitnehmer auf dem Tisch (und anderswo) stehen hat, aufkommen lässt.
    Es geht hier nicht um 'Neid'. Es geht darum das eine ganze Bevölkerungsschicht sich vergleicht und sich dabei Minderwertig fühlt. Armut ist immer relativ zu sehen zur Gesellschaft, in der man sich befindet.

    Ist der Sträfling neidisch mit seiner Wassersuppe auf das Wurstpaket des Wärters?

    Neid ist wohl eher ein Problem der Mittelschicht und der Arbeitnehmerschaft.

    Studenten haben übrigens eine Perspektive, werden nicht als Unterschicht wargenommen und können sich fast immer noch etwas dazuverdienen.
  4. #133

    schmerzliche Erfahrung

    finde ich gut, wenn sich jemand freiwillig darauf einläßt. Obwohl das noch viel bitterer is(s)t wenn ein Ende nicht abzusehen ist.
  5. #134

    x

    Der Bericht ist aussagekräftig, weil ein Hartzer wenig Ahnung vom Kochen hat und zuckersüchtig ist (so weit mein Vorurteil).

    Ich kann mich auch billig und gut ernähren wie viele hier, weil ich mich jahrelang mit Ernährung und Kochen beschäftigt habe und TK-Truhe, Biofach im Kühlschrank, kochenden Mixer, Herd und auch sonst gute Küchengeräte habe. Fertigprodukte hinterlassen bei mir einen chemischen Nachgeschmack. Weißmehl und Zucker setze ich (leider) immer noch ein. Den Winter über ist jeglicher Kohl billig und im Sommer lässt sich auch etwas finden. Persönlich habe ich allerdings ein teures Gemüsekisten-Abo und lerne immer mehr regionale Produkte kennen.
  6. #135

    So ist es!

    Zitat von BSPollux Beitrag anzeigen
    Nur leider sind andere Posten so gering veranschlagt, dass ständig das Essensgeld dafür verwendet werden muss.
    Würden Sie einem ALG2-Empfänger den gesammten Ernährungsanteil kürzen und ihn dafür jeden Tag zum Essen einladen könnte er nicht mehr überleben....
    An alle die, welche die >4€ täglich für den Hartzer als zuviel erachten. Im Prinzip ist es wirklich so. So 2-3€ braucht man ungefähr auf Dauer. Aber nur, wenn er sich Zeit für selber kochen, Jagd auf Billigangebote usw. nimmt. Zeit, die er, wenn er arbeitet, nicht mehr hat. Die fehlende Zeit müsste dann mit zusätzlichem Verdienst ausgeglichen werden. Das passiert vielfach nicht, mit der Folge, dass es dem Hartzer mit Arbeit ernährungstechnisch z.T. schlechter geht als ohne...

    BTW: Die Differenz zu den nicht benötigten 4€ wird zum Ausgleich der anderen zu niedrig angesetzten Bedarfe (z.B. Internet, Kommunikation, Mobilität - was man braucht für erfolgreiche Arbeitssuche) verwendet.
  7. #136

    Er hätte Zeit es zu lernen

    Zitat von lenitas Beitrag anzeigen
    Der Bericht ist aussagekräftig, weil ein Hartzer wenig Ahnung vom Kochen hat und zuckersüchtig ist (so weit mein Vorurteil).
    Aber gerade Hartz-Bezieher hätten doch nun Zeit, es zu lernen. Preisgünstige, gesunde Ernährung ist doch keine Geheimwissenschaft!
  8. #137

    Über Hartz IV schreiben und selber keine Ahnung haben...

    ... da reden mal wieder wohl dotierte Mittelstands-Sprösslinge über Hartz IV wie der Blinde von der Farbe.
    Faktum ist: erstens einmal verfahren längst nicht alle Hartz-IV-Behörden nach den Buchstaben des Gesetzes. Vor allem beim Thema "Nebenkosten" wird getrickst und gestrichen was das Zeug hält. Letzten Endes bleibt dann oft die Wahl zwischen einem vollen Kühlschrank und einer warmen Wohnung.
    Zweitens mögen zwar die notwendigsten Kosten gerade mit Mühe und Not gedeckt sein - aber Gnade Dir Gott wenn du krank wirst, bsp. Diabetes hast: die Kosten für medizinische Versorgung werden nämlich NICHT einkalkuliert - weder für regelmäßig einzunehmende Arzneimittel, noch für die 10€-Praxisgebühr.
    Drittens: Natürlich darf ein Hartzi auch ein Auto haben - braucht er ja auch um damit zur Behörde zu kommen oder zum Maßenahmenträger für das -zigste Bewerbungstraining und ähnliche kosmetische Maßnahmen an der Erwerbslosen-Statistik.
    Aber es darf halt nur eine alte Rostlaube sein - und die sind technisch unzuverlässig. Wenn dann mal wieder der TÜV fällig ist, oder neue Winterreifen oder eine Reperatur...tja - dumm gelaufen. Im übrigen sind das Halten einer Tageszeitung (für den Stellenteil) , das Besohlen der Schuhe (im Schnitt 35€ pro Paar), die Teilnahme am öffentlichen Leben - und sei es nur ein Kino- oder Theaterbesuch - nicht inbegriffen...
    Das zum Thema "Schlaraffenleben der bitterbösen Harzis..."
  9. #138

    .

    Zitat von keinzeitungsleser Beitrag anzeigen
    Es geht hier nicht um 'Neid'. Es geht darum das eine ganze Bevölkerungsschicht sich vergleicht und sich dabei Minderwertig fühlt. Armut ist immer relativ zu sehen zur Gesellschaft, in der man sich befindet.
    Das sagen Sie, aber warum sollte das so sein? Werde ich ärmer weil die Reichen immer reicher werden, obwohl ich meinen Lebensstandard 1:1 halten kann? Wenn ich mich mit Ackermann vergleiche bin ich sicher auch relativ arm. Vielleicht ist dieses vergleichen einfach keine gute Idee, vielleicht sollte man mehr drauf gucken was man hat und ob einem das reicht. Wenn man zu dem Schluss kommt, dass es nicht reicht - wie, meinen Sie, kommt es zu Stande, dass manche Leute mehrere Jobs haben? Dadurch dass sie vom Staat ein Mehr an Transferleistungen erwarten?

    Studenten haben übrigens eine Perspektive, werden nicht als Unterschicht wargenommen und können sich fast immer noch etwas dazuverdienen.
    Wie ich schon sagte: Wenn ein Leben auf H4-Niveau menschenunwürdig sei, dann dürfte es auch nicht über eine begrenzte Zeit und unabhängig von der Perspektive akzeptiert werden. Wenn ein H4-Empfänger nur die Perspektive "Hartz 4" hat, dann ist die innere Einstellung vielleicht auch ein Teil des Problems.

    Ich habe letztens mit einer Studentin gesprochen, die zur Finanzierung ihres Lebensunterhaltes bei McDonalds jobbte, was auch sehr zulasten ihres Studiums ging. Sie sagte, dass es ein furchtbarer Job sei, die aber effektiv jeden nehmen, der lesen könne. Soviel zum "immer etwas dazuverdienen können", tun Sie mal nicht so als sei das ein absolutes Zuckerschlecken für Studenten und problemlos möglich ohne in Konflikt mit seinem Studium zu geraten. Und als sei es eine furchtbare Zumutung, die nur H4-Empfänger über sich ergehen lassen müssten, in schlechte Jobs "gedrängt" zu werden. Wenn man kein BAFöG kriegt und die Eltern einem aus welchen Gründen auch immer nicht oder nicht ausreichend unterstützen können/wollen dann kann man sich halt nicht hinsetzen und rufen "Aber!". Ist dann einfach so.
  10. #139

    om

    Tja. Für mich macht dieses "Experiment" recht wenig Sinn. Eine Woche, um zu erleben, wie es sich an der Armutsgrenze so anfühlt, ist doch nicht wirklich aussagekräftig.

    Mir drängt sich der Gedanke ebenfalls auf, dass hier ein Wohlstandskind (das von Kochen so wenig Ahnung hat wie von sinnvollem Einkaufen) den kleinen Rebellen gibt (sorry, Lars). Auch, wenn der Ansatz eigentlich interessant ist, scheinbar Spendengelder fließen und auch das Hirn ein wenig in Wallung gebracht wird, so fehlen doch entscheidende Kriterien, um dieser Sache gerecht zu werden.

    Bei Einkaufszettel und Essverhalten unseres Protagonisten möchte ich mich etlichen Vorrednern anschliessen - Haferflocken und Milch sind nun nicht das Schlechteste, um in den Tag zu starten. Vielleicht bissl weniger Flocken und warm essen - dann wird's auch keine Pampe. (Höre ich da meinen Sohn, der in Teenagerzeiten Couscous und Quinoa als "Slumfraß" bezeichnete?)

    Ist das ein Kilo Zucker auf dem Foto? Für eine Woche? Und warum Toast anstatt dunkles Brot?