CorbisAntibiotika haben einen schlechten Ruf: Sie stecken im Essen, wirken nicht bei Erkältung und verursachen resistente Superkeime. Darüber wird schnell vergessen, was die Mittel im Kampf gegen Krankheiten leisten. Sie sind immer noch die schärfste Waffe gegen Bakterien. Ein Plädoyer.
http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...-a-861640.html
Auch die schärfste Waffe wird stumpf, wenn man sie zu oft gebraucht. Das ist keine "Kritik an den Antibiotika", sondern eine Kritik an ihrem verantwortungslosen und unbedachten Einsatz, wie er z.B. in der Geflügelhaltung, Schweinemast, Fisch- und Krabbenzucht Gang und Gäbe ist ! Die dort eingesetzten Antibiotika gelangen in die Umwelt, und es ist so nur noch eine Frage der Zeit, bis superresistente Bakterien und Viren überall verbreitet sein werden.
Danke für dieses Plädoyer. Die Generation unserer Großeltern musste noch erleben, dass Menschen gar nicht selten an heutzutage simplen Weichteil- oder Zahninfektionen gestorben sind. Dennoch gilt es nach wie vor, mit vielen Vorurteilen aufzuräumen: 1.) Antibiotika wirken sehr spezifisch auf den Stoffwechsel und den Aufbau von Bakterien und nicht auf die Zellen von höherentwickelten Lebewesen, das heißt, auf unseren Körper (ausgenommen die bakterielle Darm - und Hautflora oder bei vorkommenden Allergien) haben sie keine Wirkung, 2.) Wenn der Arzt AB verschreibt, dann tut er das um bakterielle Primärinfektionen zu behandeln oder den Körper vor nach viralen Infekten vorkommenden bakteriellen Sekundärinfektionen zu schützen, 3.) Auf virale Infekte haben AB keine Wirkung, 4.) Resistent gegenüber AB können lediglich die Bakterien werden, nicht der entsprechend behandelte Organismus, 4.) Resistenzen entstehen durch den massenhaften und fahrlässigen Einsatz der AB in der Umwelt oder auch dadurch, dass AB zu kurz eingenommen werden. Sind nicht alle Keime der Infektion eliminiert, bekommen die stärksten oder resistentesten unter ihnen, die Chance, bei frühzeitigem Abbruch der Therapie den Körper neu zu besiedeln. Diese Keime sind dann schwerer zu behandeln. Ich denke, wenn man ein Antibiotikum verschrieben bekommt, ist kritisches Nachfragen berechtigt. Allerdings ist die Panik vor der Einnahme übertrieben. Man sollte sie dann asreichen lange nehmen und froh sein, dass man die Infektion in den meisten Fällen damit besiegt hat.
Generell sind Antibiotika sicher eine gute Sache, um alle möglichen Bakterien und Keime zu bekämpfen, keine Frage. Aber die historsche Betrachtung in diesem Artikel finde ich etwas einseitig.
Sicher haben Antibiotika dazu beigetragen, Kranheitsverläufe abzumildern und Sterblichkeitsraten zu senken. Was aber gern unterschlagen wird ist, dass sich durch Verbesserung von Lebensbedingungen, Hygiene etc bereits die Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten massiv verringert hat.
Antibiotika waren und sind immer nur zweite Wahl, wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung geht.
Gebt den Menschen die Möglichkeit, sauber und gesund zu leben. Das verringert das Auftreten von Krankheiten mehr, als der EInsatz von Antibiotika Krankheiten lindern oder heilen kann. Außerdem spart es mehr Geld im Gesundheitssystem, weil weniger Behandlungen und Medikamente benötigt werden.
Schade: Der Artikel hätte zumindest darauf hinweisen können, daß die Wirkung von Antibiotika entscheidend auch davon abhängt, was der Patient über deren Anwendung weiß. Doch die meisten wissen ja nicht einmal, daß Antibiotika nur gegen Bakterien und einige andere Erreger, nie jedoch gegen Viren wirken.
Viele übersehen auch die Einnahme-Vorschriften und wissen nichts von Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Denn kaum ein Patient kommt auf die Idee, seinem Arzt, der ihm Antibiotika verschreibt, mitzuteilen, welche Minerale und Vitamine er jeden Tag als Nahrungsergänzungsmittel einpfeift. Die können aber Antibiotika mitunter wirkungslos machen.
Wichtig wäre auch, zu wissen, daß Antibiotika vom Arzt generell erstmal nur auf gut Glück gegeben werden (müssen), also nur aufgrund der Symptome und des Krankheitsverlaufs. Gerade deshalb gibt es Breitband-Antibiotika -- um die "Trefferwirksamkeit" zu erhöhen. Eine Erreger-Analyse im Labor dauert nämlich acht Wochen, und dann ist man bei gefährlichen Bakterien im Zweifelsfall schon tot.
Allerdings gibt es einige Erreger, die aus der Klinik nicht zweifelsfrei erkennbar sind. Umso größer ist das Risiko. Nicht-tuberkulöse Mykobakterien können z. B. Lungenentzündungen mit Tuberkulose-ähnlichen Symptomen verursachen; wer hier mit einem herkömmlichen Antibiotikum behandelt wird (oder gar fälschlich wegen TB-Verdacht in Krankenhaus-Quarantäne landet), hat praktisch keine Chance mehr ...