Medizinstudenten behandeln Obdachlose: Verarzten, wen die Kollegen wegschicken

Matthias Jung Diese Patienten sitzen selten in normalen Arztpraxen: Obdachlose, Drogenabhängige und Unversicherte können sich in der Hagener Armen-Ambulanz "Luthers Waschsalon" behandeln lassen - von Medizinstudenten. Die angehenden Ärzte lernen dort deutlich mehr als Verbinden und Zähen füllen.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...833502,00.html
  1. #10

    Na ja,

    Jetzt ueben Jungspunte an Menschen, die ueberhaupt nicht wissen, dass sie gewisse Rechte bei Behandlungsfehlern gegenueber Aerzten haben. Alle sind gluecklich, suhlen sich im Erfolg und die 30% die unter Fehldiagnosen und Behandlungsfehlern leiden, halten die Klappe. Kapieren es gar nicht, dass sie Opfer von Anfaengern oder miesen Aerzten wurden. Toll, wie soziale junge Mediziner sind, dabei suchen sie nur Versuchskanninchen. Gluecklicherweise mal nicht in einem KH in Mali.
  2. #11

    Zitat von flieder2 Beitrag anzeigen
    Jetzt ueben Jungspunte an Menschen, die ueberhaupt nicht wissen, dass sie gewisse Rechte bei Behandlungsfehlern gegenueber Aerzten haben. Alle sind gluecklich, suhlen sich im Erfolg und die 30% die unter Fehldiagnosen und Behandlungsfehlern leiden, halten die Klappe. Kapieren es gar nicht, dass sie Opfer von Anfaengern oder miesen Aerzten wurden. Toll, wie soziale junge Mediziner sind, dabei suchen sie nur Versuchskanninchen. Gluecklicherweise mal nicht in einem KH in Mali.

    Ich denke da Irren Sie sich gewaltig.

    Das Studium ist in Witten anders aufgebaut als an staatlichen Unis. In Witten wird man als Student bereits im ersten Semester mit den Patienten konfrontiert im Rahmen von Assistenzen. Auf Semesterferien wird weitestgehend verzichtet, dafür nutzt man die gewonnene Zeit mit Praktischen Übungen am Phantomkopf. Dies beginnt auch schon im ersten Semester. Bis zum 5. Semester hat jeder Student dort im Schnitt zwischen 800 und 900 Zähne präpariert. Das Physikum ist exakt das selbe wie an staatlichen Unis, mit dem Unterschied, dass die Wittener im praktischen Arbeiten wesentlich fitter sind. Ab dem 7. Semester fängt die eigentliche Patientenbehandlung an, in Witten gibt es das Phänomen, dass es mehr Patienten gibt, die sich freiwillig Behandeln lassen wollen, als es Studenten gibt. Die Behandlungen verlaufen grundsätzlich unter Aufsicht eines Arztes.

    Im Übrigen zum Thema Versuchskaninchen: Egal ob Witten oder andere Uni, man kann stark davon ausgehen, dass eine Behandlung durch einen Studenten an einer Uniklinik, exakter und Substanzschonender ist, als von einem Niedergelassenen Kollegen. Dies liegt einfach daran, dass die Studenten nach der aktuellsten Lehrmeinung perfekte Arbeiten abliefern müssen, da andernfalls kein Testat gegeben wird und ein Ausschluss vom Kurs droht. Und wie gesagt: An Patienten mangelt es (zumindest in Witten) ganz bestimmt nicht!

    Es ist nur erfreulich, dass junge Menschen ihre Zeit darin investieren, den schwächsten unserer Gesellschaft zu helfen. Sowohl aus medizinischer, als auch aus sozialer Sicht. Ich denke es ist aber typisch Deutsch selbst über so etwas zu meckern.

    Mit freundlichen Grüßen
  3. #12

    'Zähne kosten richtig Geld'

    Der Mann bezieht doch ALG2. Somit braucht er keinen Cent für seine dritten Zähne zu bezahlen; er genießt die Härtefallregelung - das heißt, dass die KK die Regelversorgung zu 100 % übernimmt - sogar völlig unabhängig vom Bonusheft. Er hat vermutlich einen anderen Grund, nicht zum 'richtigen' Zahnarzt zu gehen!
  4. #13

    ..........

    Ich muß auch mal eine Lanze für AiPler brechen- unsere Jüngste kränkelte vor einigen Jahren. Sie klagte über starke Schmerzen in den Knien, die auch angeschwollen waren. Nach einer langwierigen Ärzteodyssee lautete die Diagnose: Rheumatisches Fieber nach Streptokokken-Infektion. Empfehlung: Mandeln entfernen lassen. Die waren zwar völlig unauffällig, auch hatte sie in ihren damals sechs Lebensjahren vielleicht eine Mandelentzündung gehabt- aber nur so, so war die einhellige Meinung, könnten die Streptokokken in den Körper gekommen sein....
    Am Abend rief ich in der Notaufnahme des hiesigen Krankenhauses an, ob ich meiner weinenden Tochter gegen ihre Knieschmerzen vielleicht ein für Kinder geeignetes Schmerz-Fieber-Medikament geben dürfte- oder ob das bei diesem "Rheumatischen Fieber" eher ungünstig sei ( sämtliche Arztpraxen hatten schon geschlossen).
    Dort geriet ich an einen AiPler, der die Diagnose ungewöhnlich fand...und mich "einlud", doch nach Möglichkeit mit der Tochter vorbeizukommen. Es ginge ja nicht, daß man das Kind kurzerhand seinen Knieschmerzen überließ- bis zur angedachten Mandel-OP wäre ja noch Zeit vergangen. Wir fuhren hin, es fand sich eine ganze Truppe angehender Ärzte, die sich viel Zeit nahmen für Mutter und Kind ( so einen Service hatten wir noch nie!)
    Einem von ihnen fiel eine kleine fast verheilte Verletzung am Oberarm auf- von einem Hundebiß ca. 5 Monate vorher. Wurde ärztlich behandelt, ständig desinfiziert ...heilte trotzdem schlecht. Darauf hatte ich auch alle aufgesuchten Ärzte hingewiesen- aber das konnte nicht der Grund sein....Nach telefonischer Rücksprache mit einem Oberarzt wurde Tochter ein Medikament verordnet, um den Streptokokkentiter zu senken- und mir empfohlen, sicherhaltshalber einen Kinderkardiologen aufzusuchen, da die Herzklappen wohl gerne mal von den Streptokokken angegriffen wurden. Hatte vorher auch keiner der niedergelassenen (Fach-) Ärzte erwähnt...
    Nach 10 Tagen Medikament und abschließender Blutuntersuchung war der Titer um das 8fache gesunken. Weitere Behandlungen waren nicht nötig, der Titer sank selbstständig auf Normalwert (wurde regelmässig überprüft), und ihre Mandeln hat meine heute 12jährige immer noch....

    Ich hätte daher kein Problem, mich von einem AiPler oder Medizinstudenten behandeln zu lassen.
  5. #14

    Reziprok ist wohl richtiger

    Zitat von flieder2 Beitrag anzeigen
    Jetzt ueben Jungspunte an Menschen, die ueberhaupt nicht wissen, dass sie gewisse Rechte bei Behandlungsfehlern gegenueber Aerzten haben. Alle sind gluecklich, suhlen sich im Erfolg und die 30% die unter Fehldiagnosen und Behandlungsfehlern leiden, halten die Klappe. Kapieren es gar nicht, dass sie Opfer von Anfaengern oder miesen Aerzten wurden. Toll, wie soziale junge Mediziner sind, dabei suchen sie nur Versuchskanninchen. Gluecklicherweise mal nicht in einem KH in Mali.
    Ein Freund war mehr als 15 Jahre lang Chefarzt der Othopaedie in einem 1400 Bettenhaus.
    Wegen seiner aertzlichen Meriten und Lehrtaetigkeit erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
    Privat fuehrte er von Anbeginn eine Strichliste, 25 Jahre lang. Ueber die wahrscheinlichen Gebrechenursachen saemtlicher Patienten, die durch seine Abteilung liefen.
    Resultat (unveroeffentlicht):
    knapp 70 % aller Befunde waren vorher von Kollegen falsch diagnostiziert, therapiert, erst verursacht worden.
    Etwas ueber 30 % hatten Malaisen, die nicht von Aerzten stammten.
    Soweit zu Ihren Vermutungszahlen.
    Nicht stringent ist Ihre Betrachtung zum "Klappe halten" (=nichts sagen, obwohl man die Fehler erkannt hat). Sofern dem Patient eine Fehlbehandlung nicht klar ist, wird er notabene nicht reklamieren.
  6. #15

    Das gab es bereits vor 25 Jahren anderswo....

    .... typisch SPON:
    der Titel suggeriert, daß sich Ärzte weigern würden, diese Patienten zu behandeln.

    Erst im Artikel selber wird dann die Lösung für das rechtlich völlig unzulässige Titel-Konstrukt einer Behandlung durch Studenten, welches auch extrem fahrlässig wäre, korrigiert:

    Es gibt behandelnde vollapprobierte Ärzte, die Studenten ausbilden und dadurch gibt es 2 Gruppen von Gewinnern:
    1. Die Studenten (mehr Praxisbezug im Studium)
    2. Die unversicherten Patienten, welche behandelt werden.

    Opfer im engeren Sinne bringen also in erster Linie die Ärzte selber.
    Da in der Tradition des Spiegel Ärzte aber immer die Bösen sind, muss das natürlich fast unerwähnt bleiben.

    Übrigens:
    TATSÄCHLICH gab es schon vor mindestens 25 Jahren nicht wenige engagierte Ärzte, die sich speziell der Nichtsesshaften in vielen Städten annahmen (mir ist der erste Arzt, der eine Obdachlosen-Ambulanz aufbaute, persönlich sehr gut bekannt) und kostenlos behandelten.
    Dadurch wird das Engagement der ÄRZTE und Studenten Uni Herdecke selbstverständlich kein bißchen weniger anerkennenswert, aber der Artikel bedarf dieser Korrekturen schon...
  7. #16

    Zitat von LeToubib Beitrag anzeigen
    Ach, uebrigens: Nach der Berufsordnung fuer Aerzte ist eine kostenlose Behandlung berufs- und damit auch wettbewerbswidrig (LG Berlin, Az: 103 O 80/10) ...
    Auf diesen Beitrag habe ich geradezu gewartet. Am besten sofort verklagen. Mann oh Mann.
  8. #17

    Zitat von flieder2 Beitrag anzeigen
    Jetzt ueben Jungspunte an Menschen, die ueberhaupt nicht wissen, dass sie gewisse Rechte bei Behandlungsfehlern gegenueber Aerzten haben. Alle sind gluecklich, suhlen sich im Erfolg und die 30% die unter Fehldiagnosen und Behandlungsfehlern leiden, halten die Klappe. Kapieren es gar nicht, dass sie Opfer von Anfaengern oder miesen Aerzten wurden. Toll, wie soziale junge Mediziner sind, dabei suchen sie nur Versuchskanninchen. Gluecklicherweise mal nicht in einem KH in Mali.
    Warum muss es Menschen geben, die wirklich über alles meckern? Die schon über Opfer und Patientenrechte schwafeln, wenn die Behandlung noch gar nicht angefangen hat, zudem kostenlos ist?
  9. #18

    Zitat von Ursprung Beitrag anzeigen
    Ein Freund war mehr als 15 Jahre lang Chefarzt der Othopaedie in einem 1400 Bettenhaus.
    Wegen seiner aertzlichen Meriten und Lehrtaetigkeit erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
    Privat fuehrte er von Anbeginn eine Strichliste, 25 Jahre lang. Ueber die wahrscheinlichen Gebrechenursachen saemtlicher Patienten, die durch seine Abteilung liefen.
    Resultat (unveroeffentlicht):
    knapp 70 % aller Befunde waren vorher von Kollegen falsch diagnostiziert, therapiert, erst verursacht worden.
    Etwas ueber 30 % hatten Malaisen, die nicht von Aerzten stammten.
    Soweit zu Ihren Vermutungszahlen.
    Nicht stringent ist Ihre Betrachtung zum "Klappe halten" (=nichts sagen, obwohl man die Fehler erkannt hat). Sofern dem Patient eine Fehlbehandlung nicht klar ist, wird er notabene nicht reklamieren.
    Hat der Orthopädie-Chefarzt auch eine saubere Statistik über SEINE fehler geführt?
    Typischerweise sicherlich nicht, wenn er nur die Fehler anderer Kollegen erwähnt.
    JEDER Mediziner macht fehler, wer nicht von seinen eigenen offen spricht, ist ein selbstverliebter Blender.

    Ich habe zwar keine Strichlisten über Kollegen geführt (das wäre ja auc abartig), weiß aber aus meiner langjährigen Berufserfahrung, daß halt jeder Facharzt mit der zeit immer betriebsblinder wird.

    Da behandeln bspw Orthopäden Patienten wochenlang wegen Wirbelsäulen- oder Schulterbeschwerden oder Bauchchirurgen wollen ihnen die "akute GAlle" operieren - und in Wirklichkeit ist es ein Herzinfarkt....

    JEDER macht mal Fehler - es kommt drauf an, die Anzahl zu minimieren und keinen zwei Mal zu machen.
    Und - das können Sie ihrem "tollen Chefarzt" mit auf den Weg geben:
    Die besten mdizinsichen lehrer sind nicht Diejenigen, die sich wie er über Kollegen erheben, sondern den jungen Kollegen mit der stets angebrachten Demut von eigenen Fehlern erzählen - und sie damit vor genau diesen Fehlern bewahren. Anstelle sich als Supermann selbst darzustellen.

    Aber dazu gehört eben Charakter - und der ist (wie man sieht) bei Medizinern auch bisweilen nicht sehr ausgeprägt....
  10. #19

    Zitat von Nick_Cooper Beitrag anzeigen
    Wie kann es sein, dass in einem so entwickelten Land, wie dem Unsrigen, es Menschen gibt, die sich von Amateuren behandeln lassen müssen. Ein kollektiv begangene Körperverletzung.
    Amateure? Das sind halbfertige Mediziner, die sicherlich ihr Handwerk beherrschen. Manchmal sogar besser als "altgediente" Ärzte, da sie - frisch aus der Uni - viel Fachwissen parat haben, welches in einem langen Berufsleben zumindest für Spezialgebiete abhanden kommen kann, und zudem neueste Behandlungstechniken kennengelernt haben.

    Wenn bei Ihnen der Dachdecker kommt, verbieten Sie ihm dann auch, den Lehrling mit ans Dach zu lassen??
    Wissen Sie eigentlich, wieviele Urteile in deutschen Gerichten von Referendaren geschrieben werden? Wieviele Referendare in deutschen Klassenzimmern unterrichten?