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Mediziner im ersten Job: Operieren am offenen Herz

Der Ärztemangel in Deutschland bringt Medizinabsolventen prächtige Job-Aussichten. Beatrice Retzlaff, 29, hat ihre Chance genutzt, arbeitet am Deutschen Herzzentrum und schwärmt von ihrer Arbeit. Doch Stress und Überstunden halten auch viele Ärzte von den Kliniken fern.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...738842,00.html
  1. #10

    Unverständlich

    "Laut der Kassenärztlichen Vereinigung ergreifen vier von zehn Medizinstudenten keinen klassischen Arztberuf, sondern gehen in die Wirtschaft."

    Dass nicht alle Medizin-Absolventen als Arzt arbeiten, war mir bewusst – da wäre ja noch die Forschung. Warum die Wirtschaft aber 40% der Studienabgänger "abgreift", kann ich nicht recht nachvollziehen. Warum sollte jemand ein jahrelanges, zeitintensives Medizinstudium auf sich nehmen, um sich hinterher einem BWLer gleichzusetzen? Was ist das für eine Motivation?

    Zitat von Michael Giertz Beitrag anzeigen
    Arzt werden kann nun nicht jeder, dazu sind nunmal ein gutes Abitur, [...] Voraussetzung.
    Stellen Sie sich einen sozial kompetenten, jungen Menschen vor, dessen Traumberuf Arzt ist. In der Schule bringt er sehr gute Noten in Biologie, Chemie und Physik mit nach Hause. Leider ist er in Deutsch, Mathe, Englisch, Geschichte, Musik, Sport, Kunst... (weitere Fächer bitte hier einfügen) nicht herausragend und erreicht deswegen ein gutes Abitur. Aus diesem Grund wird er nicht zu Studium zugelassen, da der NC fast überall exorbitant hoch ist. Für eine Zulassung zum Medizinstudium braucht man heute kein gutes, sondern ein überragendes Abitur. Denken Sie nun wirklich, dass die Person in diesem zugegebenermaßen überspitzten Beispiel kein guter Arzt würde? Wir leisten es uns, dass unsere angehenden Mediziner auch in völlig fachfremden Bereichen exzellent sind. Das halte ich für bedenklich. Gut nur, dass mittlerweile ein Umdenken stattfindet (Stichwort: Medizinertest).
  2. #11

    Gründe für die Jobflucht

    Als Chirurg an einer Uniklinik fällt auch mir auf, dass zunehmend weniger Studenten in meinem Fach arbeiten wollen. Am Gehalt kann es nicht liegen, ich finde mich adequat bezahlt. Auch die Überstunden können nicht veranwortlich gemacht werden denn unsere Arbeitsbedingungen werden besser. Meiner Meinung sind hier sehr interessante Parallelen zum Kinderkriegen: auch hier wird ist der Trend rückläufig, auch hier wird das Geld vorgeschoben. Fakt ist aber, dass in unserer Luxusgesellschaft einfach nicht auf die Freizeit verzichtet werden will, keiner will Verantwortung, keiner will harte körperliche Arbeit. Meine Meinung.

    PS: Es gehen weniger als 1/10 Studenten in die Wirtschaft, die meisten gehen ins Ausland.

    PPS: Der Grund warum immer mehr Frauen in die Medizin gehen und weniger Männer ist nach aktuellen Umfragen das niedrige soziale Ansehen des Mediziners in der Gesellschaft. Anscheinden legen Männer mehr Wert auf Prestige.
  3. #12

    Ansehen war einfach zu hoch, Medien aufgewacht

    PPS: Der Grund warum immer mehr Frauen in die Medizin gehen und weniger Männer ist nach aktuellen Umfragen das niedrige soziale Ansehen des Mediziners in der Gesellschaft. Anscheinden legen Männer mehr Wert auf Prestige.
    Das Ansehen in der Gesellschaft ist zurecht gegenüber den meisten Medizinern gesunken, müsste so etwa vor 2-3 Jahren losgegangen sein, als die Mediziner (hauptsächlich die Niedergelassenen) nur noch am streiken waren, und die Medien endlich einmal damit begonnen haben die Gehälter zu veröffentlichen, und da wurde einfach aufgezeigt das der Verdienst astronomisch hoch ist, und die alte Leiher von Existenzangst bei Niederlassung als Jungarzt nicht stimmt.

    Das wird übrigens auch durch die Insolvenzzahlen von Praxen in Deutschland belegt, die sehr niedrig sind im Vergleich zu sonstigen Selbsttändigen.
    Ein weiters Lieblingsargument mit dem jegliche Kritik gerne niedergebügelt wird ist das sehr lange Studium und die anschließende Assistenzarztzeit: nehmen sie Chemiker, die müssen alle Promovieren damit sie einen Job bekommen der über dem eines Laboranten liegt, und die kommen auch 3-4 Jahre mit minimalem Gehalt (Chemiker kommen meist nur eine halbe Stelle am Lehrstuhl bezahlt) aus und darüber beschwert sich komischerweiße keiner. Und die wenigsten Chemiker kommen irgendwann auf die Gehälter die Mediziner als Chefarzt oder Facharzt früher oder später erhalten.
  4. #13

    Ist Medizin noch eine Berufung?

    Hallo

    Zitat von BesserwisserMichel Beitrag anzeigen
    Das kaum noch Männer Medizin studieren ist ja auch einer der Gründe warum z.B. ... die bessere Abschlußnoten der Mädchen es diesen ermöglicht die Studienplätze einzunehmen. Dann tickt mit Anfang/Mitte 30 die biologische Uhr, frau gibt diesem Drang nach und arbeitet danach nur noch Teilzeit oder hört ganz auf, einen entsprechend finanziell potenten Ehemann natürlich vorausgesetzt. Und das wars dann mit dem Arzt den man für 30 oder 35 Jahren geplant hat einzusetzten, am Ende sinds nicht mal 15.
    ich glaube, dass man sich da mit einer solchen Darstellung viel zu einfach macht und nicht bei der Wahrheit bleibt:

    der Anteil der Männer bei der Hochschulreifeprüfung 2003 (ungefähr Jahrgang der Medizinabsolventen unter den Regelstudenten, die dieses Jahr fertig wurden, zumindest bei vielen der Männer, weil sie dienen mussten; passt also sehr gut) lag knapp unter 20 %. der Anteil der Frauen bei 27 %. sogar wenn man schlecht in Mathe gewesen ist. also ca. 3/7tel Männer für 4/7tel Frauen.

    anlässlich der Diplomübergabefeier einer Medizinfakultät wurde soeben verkündet, dass nahezu 100 % der Studenten erfolgreich gewesen sind (wer reinkommt geht mit Staatsexamen in der Tasche raus) und das die Männer nur 20 .. 30 % der Gesamtstudenten bilden. also ein riesiger Unterschied zu den Ergebnissen bei Abitur. nur sind die Männer in der dummen Situation, dass sie ein Jahr Dienst einbüßen, teilweise eine viel unruhigere Jugend hatten, was ungeachtet der persönlichen Leistungsfähigkeit eine Auswirkung auf die Abi-Note haben kann, und außerdem sich verantwortlich fühlt, bald genug Geld für eine ganze Familie verdienen zu können.

    Was heißt das am Ende, mehr Mediziner? Senken des NC? Mehr Studienplätze?
    und was wäre dann mit einer Quotenregelung?

    Beispielsweise NC für Mann oder Frauen im Rahmen von Quoten, dahingehend, dass wenn ein Geschlecht unzureichend vertreten wird, so das männliche bei Medizin, Männer mit zwar gutem Abitur, aber nicht unbedingt so toll wie die Wettbewerberinnen, die über die Quoten hinzukämen, bevorzugt nachkommen dürfen, solange der Notenunterschied nicht grösser als 10/10tel oder 8/10tel ist. wie wäre es damit?

    wir kennen mehre junge Männer im Alter unserer Kinder, die 4 Jahre gewartet haben, erstens weil sie selbst die Berufung nach Medizin empfinden, aber auch nicht zuletzt, weil sich das ihre Eltern kosten lassen wollten UND KONNTEN, so heißt es im Klartext. man kann nicht in jeder Familie diesen Opfer bringen... in Medizinerfamilien wird man sich eher dazu überwinden. ein sonstwie sehr wohlhabender Vater wird vielleicht dagegen anders denken! Sohn, bedenke mal, 70 Std pro Woche schuften, da kriegst Du aber mehr an vielen anderen hohen Positionen in der Gesellschaft!

    wir wissen zwar, dass es arme Studenten gibt, die das machen, aber wir kennen keinen persönlich, so selten sind sie immerhin! denn, so lange zu warten, bedeutet in Medizin für den Mann, der Wehr- oder Zivildienst hatte, Familiengründung eher um die 40 Jahren herum, erst dann ist auch der Facharzt fertig...

    und ob er wirklich dann bis 75 Jahren wird arbeiten können, damit man diesen Facharzt 35 Jahren einsetzen kann? das auch ist mit einer mächtigen Portion von Selbstbetrug der Gesellschaft verbunden...

    Staatliche Kleinkinderbetreung? Ob ... ich würds nicht tun!
    vollkommen korrekt.

    salut
  5. #14

    ich sehe einige Vorurteile

    Hallo

    Zitat von herzlich666 Beitrag anzeigen
    Als Chirurg an einer Uniklinik fällt auch mir auf, dass zunehmend weniger Studenten in meinem Fach arbeiten wollen.
    vielleicht liegt es an Unwegsamkeiten aber auch an der Information? Unser Kind wollte. Dann sprach man die Körpergrösse an, und eine ehemalige Skoliose, und die 70 Std pro Woche gebückt über den Körper des Patienten, tat also alles damit es nicht schmackhaft sein sollte...

    sein Kindergarten und Grundschulfreund wollte auch. Leistungssport auf hohem Niveau, patatrack, viele Verletzungen machten zuerst eine Reha notwendig! wenn immer noch Chirurgie (möchte gern), vielleicht nur noch so was wie Handchirurgier etc...

    Fakt ist aber, dass in unserer Luxusgesellschaft einfach nicht auf die Freizeit verzichtet werden will, keiner will Verantwortung, keiner will harte körperliche Arbeit. Meine Meinung.
    hm, Verantwortung, vergessen wir bitte, ein Arzt der Medizin ausübt trägt so oder so Verantwortung. aber Freizeit und harte körperliche Arbeit! so eine Logik wundert mich aus dem Mund gerade von einem Mediziner: heute wiegt der Sack Zement nur noch 25 kg! und der Mauerer arbeitet 35 Std wöchentlich!

    wollen wir wegen den Ärzten das Rad wieder rückwärst drehen und diese Errungenschaften von Erleichterungen im Beruf wieder einstampfen? sollte es nicht eher so kommen, dass die Ärztin Zeit für ihre Kinder bekommt, und dass der Arzt, wenn er angestellt ist, die halbe Elternvorteile alle wie in anderen Berufen sollte beanspruchen können?

    ja, Mutterschaftsurlaub für den Herr Dr. aus der Chirugie! was dagegen?

    PS: Es gehen weniger als 1/10 Studenten in die Wirtschaft, die meisten gehen ins Ausland.
    das ist die Hammerdrohung, die wir von unserem Kind auch gehört haben, weil diese Logik an der Fakultät scheinbar gut ankommt...

    unter uns, ist es nicht so in jeder Branche, wo man es kann?

    dafür haben unsere 3 Kinder unzählige Ärzte aus anderen Ländern in ihrer Kindheit gehabt. Aus Tunesien, aus dem Balkan, aus Rumänien, etc. mehrere hohe franz. Politiker von heute sind Söhne und Töchter von Ärzten aus dem damaligen Ostblock, die damals ins Westen Wirtschaftsflüchtlinge wurden. Ja, man sollte klar von Wirtschaftsflüchtlinge reden! Warum eigentlich nicht?

    diese Flucht deckt sich aber nicht mit dem Planmangel!

    dass heißt, man bildet trotzdem nicht genug aus den eigenen Reihen aus, und diese Differenz bleibt so oder so sehr ungesund...

    PPS: ... das niedrige soziale Ansehen des Mediziners in der Gesellschaft. Anscheinden legen Männer mehr Wert auf Prestige.
    wird aber auch nicht besser werden, nachdem der Patient, wenn es hoch kommt, seinen Arzt nur 4 1/2 Tage, und das mit hohen Beschränkungen, sprechen kann, und sonst zu unpersönlichen Notdiensten abgeschoben wird. bei gesetzl. Feiertagen, und da sind die Deutschen nicht faul mit Betriebsschliessungen über viele Tage hinweg, mit doppeltem Feiertag, oder sogar mehr zu Ostern, kommt gerade auf uns zu, und Brückentagen, kann man den Familienarzt sogar schlichtweg vergessen... so eine Gleichgültigkeit kann natürlich nicht das Ansehen heben!

    in meiner Heimat haben sich die Ärzte bemüht, austauschbar und persönlich bekannt mit jedem Patient, rund um die Uhr oder fast in einer Mehrärztepraxis für den Patient da zu sein, weil die Krankheit, die Schmerzen und Unfälle keine Feiertage noch Freizeitkennen, oder doch, sie kommen sehr gern da häufiger vor!

    salut
  6. #15

    kann man Chemie mit Medizin vergleich?

    Hallo

    Zitat von mr.mie-mie Beitrag anzeigen
    ...nehmen sie Chemiker, die müssen alle Promovieren damit sie einen Job bekommen der über dem eines Laboranten liegt, und die kommen auch 3-4 Jahre mit minimalem Gehalt (Chemiker kommen meist nur eine halbe Stelle am Lehrstuhl bezahlt) aus und darüber beschwert sich komischerweiße keiner. Und die wenigsten Chemiker kommen irgendwann auf die Gehälter die Mediziner als Chefarzt oder Facharzt früher oder später erhalten.
    hm, Chemiker sind mir unbekannt...
    von daher schwierig zu folgen.
    hat aber das Problem die gleiche nummerische Bedeutung? gibt es so viele Chemiker? kann man wirklich beide Berufe miteinander vergleichen? gibt es den Zustand einer Chemikerunterversorgung zu lasten einer Bevölkerung? leiden die Menschen dabei?

    ist es nicht vielmehr eine Frage der Beziehung zwischen Chemie und der Öffentlichkeit, wie sich die Chemie in der Volksmeinung insbesondere verkauft?

    salut
  7. #16

    Tja Gleichstellung u. Berechtigung sind 2 paar Schuhe

    Generell bin ich schon der Meinung dass ein Eignungstest mehr aussagt als über Jahre hinweg gepflegte Noten die derart vom Wohlwollen der Lehrer abhängig sind bzw. auch von den Lehrern als Strafmaßnahme bzw. Belohnungen für konformes Verhalten vergeben werden (Stichwort Kopfnoten). Mit gefällt die Idee des Medizinertests in Österreich.

    Zitat von europaerzuerst Beitrag anzeigen
    ich glaube, dass man sich da mit einer solchen Darstellung viel zu einfach macht und nicht bei der Wahrheit bleibt:
    ...
    Sagen wir es mal so, so einfach wird es nicht sein. Aber den Anteil darf man auch nicht ignorieren. Ich sag es immer wieder zu Leuten die es sich nicht vorstellen können, lieber daheim bei den Kindern zu verbringen: Macht es einfach. Verantwortung zu deligieren und sich nicht mehr um die tägliche Maloche zu kümmern sondern einfach nur seinen Kindern beim Aufwachsen zuzusehen und für sie zu sorgen. Es mag romantisch klingen, aber es ist nun mal die Erfüllung eines vielleicht sogar von dem menschlichen Instinkt. Warum heutzutage keiner mehr verstehen will(!), dass da mehr Leute ja dazu sagen als nur ein paar Promille. Auch das Frauen generell eher dazu in der Lage sind, weil sie am Heiratsmarkt bewusst oder unbewusst sich finanziell und statustechnisch minmal ebenbürtige und lieber überlegene Partner suchen, wird zwar in zig Studien und ARtikeln (ja auch hier im Spiegel!) kommentiert und hervorgehoben. Aber wenn bei solchen Diskussionen wie hier dann ganz gerne wieder ignoriert bzw. als unwahr bezeichnet.

    Zitat von europaerzuerst Beitrag anzeigen
    ...
    und was wäre dann mit einer Quotenregelung?

    Beispielsweise NC für Mann oder Frauen im Rahmen von Quoten, dahingehend, dass wenn ein Geschlecht unzureichend vertreten wird, so das männliche bei Medizin, Männer mit zwar gutem Abitur, aber nicht unbedingt so toll wie die Wettbewerberinnen, die über die Quoten hinzukämen, bevorzugt nachkommen dürfen, solange der Notenunterschied nicht grösser als 10/10tel oder 8/10tel ist. wie wäre es damit?
    ...
    Vorsicht Quote gibts nur wenn es zuwenig Frauen gibt, zuwenige MÄnner in einer Profession bedürfen keiner Quote die sind selbst Schuld. Läßt sich alles mit EU-Gesetzen vereinbaren, ist z.B. in Schweden passiert, da gings um Psychologie und Medizin.

    Viel zuwenig Männer also gabs Quote, das Gejaule seitens Fakultät, Gleichstellungsbeauftragten und Co war groß. Entschädigungen wurden gezahlt. Wie man das denn den Frauen antun kann wo diese doch bessere Noten haben. Für mich wird in diesem Zusammenhang mit zweierlei Maß gemessen.

    http://www.spiegel.de/spiegel/unispi...-68960952.html

    Apropo Quote: Die jüngste Aufsichtsratsberufung von Doris Schröder-Köpf in den Vorstand von Karstadt zeigt was dabei rauskommen wird, wenn die Zwangsfrauenquote für Aufsichtsratsposten kommt. Dann werden das die Ehefrauen und Töchter von guten Freunden und Geschäftspartnern. Wie es z.B. Ursel von der Leyen ist. Auch Politikerinnen wird man da öfter sehen. Wem nutzt das also?

    http://www.thelocal.se/25604/20100318/
    Kaum leiden Frauen unter Quotierung wird sie abgeschafft.
  8. #17

    dito

    Zitat von herzlich666 Beitrag anzeigen
    Als Chirurg an einer Uniklinik fällt auch mir auf, dass zunehmend weniger Studenten in meinem Fach arbeiten wollen. Am Gehalt kann es nicht liegen, ich finde mich adequat bezahlt. Auch die Überstunden können nicht veranwortlich gemacht werden denn unsere Arbeitsbedingungen werden besser. Meiner Meinung sind hier sehr interessante Parallelen zum Kinderkriegen: auch hier wird ist der Trend rückläufig, auch hier wird das Geld vorgeschoben. Fakt ist aber, dass in unserer Luxusgesellschaft einfach nicht auf die Freizeit verzichtet werden will, keiner will Verantwortung, keiner will harte körperliche Arbeit. Meine Meinung.

    PS: Es gehen weniger als 1/10 Studenten in die Wirtschaft, die meisten gehen ins Ausland.

    PPS: Der Grund warum immer mehr Frauen in die Medizin gehen und weniger Männer ist nach aktuellen Umfragen das niedrige soziale Ansehen des Mediziners in der Gesellschaft. Anscheinden legen Männer mehr Wert auf Prestige.


    Die Chirurgie in D hat in der Tat Probleme, Nachwuchs zu finden. Ich war während meiner Zeit als Medizinstudent im Praktischen Jahr oft der einzige "Mediziner" (in spe) auf Station, der Deutsch als Muttersprache hatte. Nicht selten habe ich Arztbriefe der Assistenten am Ende noch einmal korrekturgelesen bzw. das "Aufklärungsgespräch" für den Stationsarzt durchgeführt, weil dieser erst seit einigen Monaten in D. war.

    Ich habe das alles gerne gemacht und zweifele im Übrigen auch nicht am fachlichen Können der ausländischen Kollegen.
    Und warum kaum noch Männer Medizin studieren ?
    Viele schaffen den Numerus Clausus schlichtweg nicht, und diejenigen, die Chancen hätten , ziehen Studiengänge vor, in denen man vermeintlich schneller zum "Ziel" kommt.
  9. #18

    ...

    Zitat von europaerzuerst Beitrag anzeigen
    Hallo



    vielleicht liegt es an Unwegsamkeiten aber auch an der Information? Unser Kind wollte. Dann sprach man die Körpergrösse an, und eine ehemalige Skoliose, und die 70 Std pro Woche gebückt über den Körper des Patienten, tat also alles damit es nicht schmackhaft sein sollte...
    So ist es bei einem unserer Kinder auch, von Beginn des Studiums an wird vor der Chirurgie regelrecht gewarnt. Wie in ihrem Beispiel mit 70 Wochenstunden, Operationen am Fliessband ect.. Wenn die Arbeitsbedingungen in dem Bereich wirklich so sind, kann ich es niemandem verdenken sich für eine andere Richtung zu entscheiden. Wenn die Arbeitsbedingungen jedoch besser sind als bekundet, verstehe ich diese Art der Negativwerbung nicht.
  10. #19

    Mediziner

    Ich bin selbst einer, der von der Chirurgie zur Anästhesiologie gewechselt ist. Also in ein klassisches "Frauenfach". Und warum?

    Die Chirurgie machte Spass, aber die Arbeitsbedingungen treiben in die Flucht. Nicht wegen der harten Arbeit. Sondern wegen der unnötig langen Arbeitszeit, der doppelten Belastung durch Stationsarbeit nach dem OP und wegen der nach wie vor schlechten Stimmung und dürftiger Ausbildung im OP-Saal. So what? Habe ich eben nicht nötig. Irgendwann ist man tot, und was habe ich davon, wenn ich die besten Jahre meines Lebens dafür geopfert habe, eine gute Darmresektion zwar zu können, aber keine Kinder zu haben (oder als Mann sie nicht aufwachsen zu sehen oder dafür angefeindet zu werden)?

    Mit Geld hat das rein gar nix zu tun. Eher was mit dem Alter. Warum muss ich Ende 30 sein, bevor ich in der Medizin in Deutschland was zu sagen habe bzw. Ernst genommen werde?
    Es ist egal, ob man 7 Jahre in einem hochspezialisierten Bereich (z.B. Endokrinologie in einer Uni-Kinderklinik bei Bekannten von mir) "festhängt" und ein enormes Fachwissen anhäuft (mehr als die Oberärzte z.T.), solange man kein Fach- oder Oberarzt ist. "bloss der Assi"...
    DAS macht den Arztberuf immer noch unattraktiv.
    Niemand will gleich nach dem Studium den dicken Max markieren, eine lange Zeit des Lernens und der Erfahrungssammlung sind toll. Aber irgendwann ist schluss.


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