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Mediziner im Dritten Reich: Ärzteschaft bittet NS-Opfer um Verzeihung

Sie hatten einen Heilauftrag und haben doch Menschenrechte aufs Gröbste verletzt: Für die Gräuel von Medizinern in der NS-Zeit hat sich die Deutsche Ärzteschaft entschuldigt. Sie will auch in Zukunft Konsequenzen aus den Schandtaten ziehen.

Ärztetag entschuldigt sich bei Opfern von NS-Verbrechen - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Langsam ist es genug!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sie hatten einen Heilauftrag und haben doch Menschenrechte aufs Gröbste verletzt: Für die Gräuel von Medizinern in der NS-Zeit hat sich die Deutsche Ärzteschaft entschuldigt. Sie will auch in Zukunft Konsequenzen aus den Schandtaten ziehen.

    Ärztetag entschuldigt sich bei Opfern von NS-Verbrechen - SPIEGEL ONLINE
    Als Arzt, Jahrgang 1961 mit Eltern Jg. 1930 /1932 haben weder meine Eltern noch ich selbst an diesen Gräueltaten mitgewirkt.

    Es ist furchtbar, was passiert ist, aber entschuldigen können sich nur Schuldige, von denen fast alle jedoch tot sind.

    Diese erklärung hätte vor 30 Jahren erfolgen müssen, aber damals gab es noch zu viele Ex-Nazis in politischen und behördlichen Ämtern.

    Die Enkel- und Urenkel-Generation der Täter hat keine Veranlassung, sich für irgend etwas zu entschuldigen. Sie hat jedoch die Pflicht, auf die historischen Tatsachen hinzuweisen und daran zu arbeiten, dass sich Gleiches nicht wiederholt.
  2. #2

    Muss denn immer dieser Mist sein? Wenn Jemand vor '45 Mediziner geworden ist, dann stehen die Chancen verdammt gut, dass er heute schon längst außer Dienst ist.
    Was sollen diese verdammten Entschuldigungen? Hat irgendwer der deutschen Ärzteschaft in den letzten paar Jahrzehnten irgendwelche Vorwürfe dahingehend gemacht? Warum entschuldigen wir uns nicht noch für die Toten des deutsch-französischen Krieges, wo wir schon dabei sind?

    Kann man nicht irgendwann mal sagen "Ist vorbei. War scheiße. Sorry. Und nu' is' aber mal gut!"? Wen juckt das schon noch? Für die Opfer von damals macht das auch keinen großen Unterschied mehr. Und wer uns eh schon nicht leiden kann, für den ebensowenig. Das Dritte Reich ist verdammtnochmal tot. Also lasst doch endlich mal den scheiß Sargdeckel zu!
  3. #3

    Na da wurde ja ordentlich auf die Pedale getreten. Grob gefasst entschuldigen sich dort Ärzte, die nicht verantwortlich sind, bei Opfern, die, mit Ausnahme einzelner, nicht mehr leben. Da hat man es sich ja schön einfach gemacht.
  4. #4

    Ärzte sind Stellschrauben einer Gesellschaft...

    Richter, Lehrer, Ärzte, Kirchenvertreter und Beamte waren und sind Stellschrauben unserer Gesellschaft. Dieser Verbund hat sich im "3. Reich" schuldiger als andere Bevölkerungsteile gemacht. Jetzt 70 Jahre nach deren Gräultaten eine "Entschuldigung" auszusprechen lässt bei mir eine Gänsehaut wachsen.
    Humanistische Bildung ist kein Garant für humanistisches Verhalten. Rückblickend muss man erkennen das neben einem gelebten Doktor-Titel eine grauenhafte Dummheit existieren kann.
    Vor 30 Jahren habe ich in der falschen Hoffnung gelebt zu wissen wie und was sich in der Nazi-Diktatur ereignet hat. Heute kann ich sagen in den letzten 30 Jahren kamen wie an einem endlos langen Band immer wieder neue Facetten dieser Zeit zum Vorschein. Ich erinnere an Familie Bush als US-Lieferant von Kriegsgütern bis 1942, das war bis zum Jahr 2000 so gut wie unbekannt.
    Die Gräueltaten der Ärzte im Jahr 1942 wurden von Richtern gedeckt, von Kirchenvertretern "abgesegnet" und von Beamten gut verwaltet - wer muss sich da entschuldigen ?
  5. #5

    Es ist furchtbar, was passiert ist, aber...

    Zitat von gerd33 Beitrag anzeigen
    Als Arzt, Jahrgang 1961 mit Eltern Jg. 1930 /1932 haben weder meine Eltern noch ich selbst an diesen Gräueltaten mitgewirkt.

    Es ist furchtbar, was passiert ist, aber entschuldigen können sich nur Schuldige, von denen fast alle jedoch tot sind.

    Diese erklärung hätte vor 30 Jahren erfolgen müssen, aber damals gab es noch zu viele Ex-Nazis in politischen und behördlichen Ämtern.

    Die Enkel- und Urenkel-Generation der Täter hat keine Veranlassung, sich für irgend etwas zu entschuldigen. Sie hat jedoch die Pflicht, auf die historischen Tatsachen hinzuweisen und daran zu arbeiten, dass sich Gleiches nicht wiederholt.
    Weder Sie, noch Ihre Eltern haben an den Gräueltaten mitgewirkt, schreiben Sie. Ich habe übrigens noch nie gehört, dass irgendwelche Eltern damals mitgewirkt haben (und was ist mit den Großeltern?). Aber das wollte ich nicht schreiben. Ich wollte bemerken, dass die heutige Ärzteschaft, die ja ganz anders arbeitet, zumindest von Ansätzen zu Manchem bereit wäre. Wie kommt es nämlich sonst, dass Ärzte stillschweigend die unsägliche Budgetierung hinnehmen? Dass man nichts dagegen hat, finanzielle Grenzen des ärztlichen Tuns vorgeschrieben zu bekommen, ohne dagegen aufzubegehren? Anstatt gegen die Beschränkungen auf die Strasse zu gehen, wird eben darauf peinlichst geachtet, die Budgetierung nicht zu überschreiten. Patient? Das gibt es ja IGEL-Leistungen, da muss er eben blechen. Ach ja: zur Operation kann man ja auch einweisen: es wird finanziell nicht bestraft, man tut etwas und bekommt –vielleicht- eine (ganz offizielle) Prämie, für die Einweisung. Obwohl der Arzt die Operation am eigenen Familienmitglied nie für nötig hielte.
  6. #6

    Unfassbar dümmlich

    Den Vorkommentatoren darf ich sagen: es ist nicht vorbei, denn 70 Jahre sind historisch gesehen ein Sandkorn im Meer. Und es gut sein zu lassen, dazu besteht aufgrund gerade aufgrund Ihrer Aussagen gerade kein Grund. Ich selbst bin in einer Berufsgruppe tätig, die sich an Rassismus und Mord beteiligt hat und ich mich interesssiert brennend, was geschah und geschieht und wie sich verbrecherische Taten etablieren und ausbreiten konnten.
    Die Aussage der Ärzteschaft, dass die Taten nicht von Einzeltätern begangen wurden und auch nicht politische Instanzen, sondern Ärzte die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen begangen haben, halte ich für spektakulär: das Eingeständnis einer systematischen Täterschaft in den eigenen Reihen ist den meisten Interessensgemenschaften völlig undenkbar.
    Daher darf ich Kommentare #1 und #2 als mehr als kurzsichtig bezeichnen.
  7. #7

    Nt

    Zitat von gerd33 Beitrag anzeigen
    Diese erklärung hätte vor 30 Jahren erfolgen müssen, aber damals gab es noch zu viele Ex-Nazis in politischen und behördlichen Ämtern.
    Ich stimme völlig zu und erweiter ihre Meinung, dass diese Entschuldigung vor 65 Jahren hätte geschehen sollen, aber es erfolgte bis heute eben keinerlei Erklärung und ehrlich gesagt empfinde ich das als eine Schande für die Ärzteschaft! Das mit Altnazis zu entschuldigen empfinde ich als sehr höhnisch.

    Neulich saß in einer Show eine alte Dame, die als Kind solchen medizinischen Experimenten ausgesetzt war und es tut mir wirklich Leid, aber da schäme ich mich sehr, dass die deutsche Ärzteschaft fast 70 Jahre gebraucht hat, um klar zu stellen, dass das ein Verbrechen war!

    Zitat von gerd33 Beitrag anzeigen
    Die Enkel- und Urenkel-Generation der Täter hat keine Veranlassung, sich für irgend etwas zu entschuldigen.
    Das ist eine sehr seltsame Einstellung, die sie hier haben und für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Ich weiß, dass in meiner Familie keiner in der Partei war und auch keiner je mit den Nazis sympathisiert hat, aber das ist für mich trotzdem kein Persilschein.
  8. #8

    Besser spät als nie

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sie hatten einen Heilauftrag und haben doch Menschenrechte aufs Gröbste verletzt: Für die Gräuel von Medizinern in der NS-Zeit hat sich die Deutsche Ärzteschaft entschuldigt. Sie will auch in Zukunft Konsequenzen aus den Schandtaten ziehen.

    Ärztetag entschuldigt sich bei Opfern von NS-Verbrechen - SPIEGEL ONLINE
    Ich bin darüber erstaunt, dass das bisherige Leserecho hier im Tenor "wollen wir nicht mehr hören" verfasst ist.

    Ich begrüße diese Erklärung, besser spät als nie, und angesichts der Schandtaten, die unter dem Deckmäntelchen der Medizin im Dritten Reich begangen wurden, ist sie berechtigt.
  9. #9

    Wieso jetzt?

    Wieso jetzt und nicht Jahrzehnte früher? Und was soll das jetzt bewirken?
    Der jetzige Zeitpunkt allein ist schon beschämend genug. Haben die nichts mehr sonst auf ihrer Tagesordnung?
    Aber dafür kommt vielleicht in 60 Jahren dann eine Entschuldigung.


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