Bei der Ärzteausbildung sind Körperspenden unentbehrlich. Rostocker Medizinstudenten haben einen Weg gefunden, sich nach dem Präparierkurs bei den Toten zu bedanken: Sie singen im Chor, entzünden Kerzen für die Spender - und erzählen den Hinterbliebenen vom Sektionssaal.
http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...670227,00.html
Ein begrüßenswerter Brauch, der es ermöglicht, den Verstorbenen Respekt zu erweisen, Demut zum Ausdruck zu bringen, und auch manchem helfen kann, die Erfahrung, menschliche Leichen zu präparieren, zu verarbeiten. Wichtig ist, dass hier ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt wird, das vielleicht den ein oder anderen davor bewahrt, als Egoist mit Scheuklappen seine Karriere zu absolvieren.
An der Uni Essen ist eine studentisch Organisierte Trauerfeier auch seit Ewigkeiten Tradition. Für die Angehörigen die nach Jahren des Wartens sich erneut in den Trauerprozess begeben sicherlich eine erfreuliche Geste.
Das gibt es auch in München, auch meiner Oma und meinem Opa wurde auf diese sehr würdige Art und Weise gedacht. Es war eine wunderschöne Gedenkveranstaltung, und ich fand das besonders wichtig, da eine "richtige" Beerdigung wenn überhaupt erst sehr lange nach dem Tod stattfinden konnte (bei meinem Opa erst nach zwei Jahren!).
Betroffen hat mich aber gemacht, dass von den circa 150 Kerzen, die für die Verstorbenen gedacht waren, bei der Übergabe an die Angehörigen gut die Hälfte übrig blieb, also offensichtlich dieser Leute keiner gedachte. Das war ein unglaublich trauriger Moment, ich sehe heute noch die verstörten Gesichter jener Studenten vor mir, die mit Kerzen in den Händen auf jemanden warteten, der sie ihnen symbolisch für einen Verstorbenen abnehmen sollte ...
Ebenso die Uni-Freiburg hat den Brauch eines Dankgottesdienstes zusammen mit den Angehörigen der ca. 60 Körperspender pro Semester im Freiburger Münster seit ein paar Jahren eingeführt !
Was für manche ein bisschen makaber erscheinen mag ist doch für Angehörige und Studenten eine bewegende Erfahrung.
Soweit ich mich erinnere, hält jede Medizin-Uni in Deutschland regelmäßig solche Trauerfeiern ab. Aber nicht jede hat die Tradition eines solchen Studentenchores. Meine z.B. nicht. Schade, da wäre ich dabei gewesen! Das hilft mit Sicherheit, den Körper dann wieder als gewesenen Menschen mit Gefühlen und Empfindungen zu sehen, man ist dem Menschen wieder näher.
Das ist doch nur wieder eines der leeren Rituale mit dem man nach außen Betroffenheit demonstrieren will. Auch hier wird unterstellt, dass der Arzt ein persönliches Verhältnis zu Patient oder Verstorbenen hätte. Gut für das Medizinerimage, in Wirklichkeit nur eine Operettenkulisse für das Volk.
Ich frage mich, woher wohl Ihre schlechte Meinung gegenüber Medizinern zustande kommt, aber trotz Ihrer äußerst provokanten Meinungsäußerung will ich versuchen, Ihnen sachlich zu antworten:
Zu erst einmal bin ich selbst Medizinstudent, auch nach meinem Anatomiekurs, der schon ein bisschen her ist, haben wir eine Trauerfeier für die Hinterbliebenen der Körperspender organisiert.
Dabei ging es, wie sie richtig bemerken, eher nicht um persönliche Betroffenheit über den Tod des Spenders - wie auch, wenn man sich im Leben ja nicht kennen gelernt hat.
Es ging den meisten meiner Kommilitonen wohl eher darum, den Toten "die letzte Ehre zu erweisen". Das kann man natürlich für "leere Rituale" halten, allerdings sind Beerdigungen dann wohl insgesamt "leere Rituale". Ich bin der Überzeugung, die meisten Angehörigen haben sich über die sehr würdige Feier gefreut - und die meisten Verstorbenen hätten sich sicher auch gefreut, nicht zuletzt die, die anonym bestattet worden sind, bei denen keine Angehörigen anwesend waren.
Im übrigen: Wenn Sie so schlecht auf Mediziner zu sprechen sind: Was sollte schlecht daran sein, wenn Medizinstudenten erkennen, dass der Tod nicht nur eine Formalie ist und die Würde eines Menschen mit dem Tod nicht endet?