Warum muß es unbedingt eine kirchliche Andacht sein? Wie wäre es mit einer angemessenen weltlichen Feier für die konfessionslosen und atheistischen Spender?
Bei der Ärzteausbildung sind Körperspenden unentbehrlich. Rostocker Medizinstudenten haben einen Weg gefunden, sich nach dem Präparierkurs bei den Toten zu bedanken: Sie singen im Chor, entzünden Kerzen für die Spender - und erzählen den Hinterbliebenen vom Sektionssaal.
http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...670227,00.html
Warum muß es unbedingt eine kirchliche Andacht sein? Wie wäre es mit einer angemessenen weltlichen Feier für die konfessionslosen und atheistischen Spender?
Es überrascht mich, dass hier bei SPON das Wort Dankgottesdienst fällt und dazu noch positiv! Wo sind eigentlich die Nörgler aus dem Bionade-Linken-pc-like-Biotop die sich nun wieder aufregen und gleich die Kirche & Co. kritisieren? Aus dieser Ecke würde gleich wieder etwas Linksfaschistisches fallen! Und Muslime? Ach, die dürfen sich doch nicht sezieren lassen!
... nach spätestens 3 Tagen hat man nämlich keine Lust mehr und nach spätestens 3 Wochen mag es zwar im Seziersaal noch pietätvoller zugehen als im Seminarraum, aber eine Leiche ist trotzdem nur noch Arbeitsmaterial. (und sollte die Weihnachtszeit vor der Tür stehen kann man sich ja am Glühweinstand der Hochschülerschaft vor und während dem Sezieren noch das Herz erwärmen)
Hindert mich übrigens nicht daran meinen Körper dem Seziersaal zu vermachen, schließlich sollen meine Kinder und Enkelkinder auch mal einen guten Arzt haben.
Weil die Angehörigen der neuerdings vielbeschworenen "christlich-jüdischen Wertegemeinschaft" ihre weltanschauliche Verortung für die gesellschaftlich Maßgebliche halten. Religiös gebundene Andacht gehört in die Friedhofskapelle oder den Familienkreis. Auf dem Saal und im Institut wird gepräpt.
...wohl kaum!
Der Anatomiekurs war eine eher wiederliche Zeitverschwendung.
Didaktisch katastrophal, personell fehlbesetzt und, hier muß ich meiner kritischen Vorrednerin beipflichten, aus diesem Grunde eine große Zeitverschwendung. Daß viele Kollegen auf diesen Parcours als wichtigen Bestandteil ihres Studiums zurückblicken hat eher den Hintergrund, daß Initiationsriten nun einmal Bestandteil geschlossener Gesellschaften sind. Das schöne Wort "Semester" darf ruhig groß geschrieben werden, wenn man an der formalen Gestaltung von Beiträgen Freude hat. Oder eben nicht.
@ gerkaiser
Ich muss doch ganz erlich sagen, als ich Ihren Text las, ärgerte ich mich sehr!
Ich bin eines der zierlichen Mädchen, die am besagten Tag nach vorne gingen, um Ihre Rede zu halten.
Und ich finde es sehr erstaunlich, dass Sie über uns urteilen, obwohl sie uns doch gar nicht zu kennen scheinen.
Sicherlich gibt es solche und solche Mediziner, dies will ich gar nicht abstreiten. Aber dieser Jahrgang der Uni Rostock gehört mit Sicherheit nicht dazu, dafür lege ich meine Hand ins Feuer.
Ein Präparationskurs zu besuchen, und auch noch darin zu arbeiten und zu lernen ist eine große emotionale Sache.
Wie gesagt, ich bin eine der Rednerinnen und alles was ich darin erzählte, war mein voller Ernst, und ich weiß, das alle anderen genauso dachten und fühlten.
Die Persönlichkeiten, an denen wir viel anatomischen Wissen erlangen konnten, werden uns für immer begleiten, und uns ewig in Erinnerung bleiben.
Für die Einen war es die erste Erfahrung mit dem Tod, und die anderen haben so viel lernen können wie noch nie, weil alles anschaulich wurde.
Der Anatomieatlas den wir in den ersten Semestern auswendig lernten, wurde zum Leben erweckt.
Und das haben wir einzig und allein den Körperspendern zu verdanken.
Denn wir können nur gute Ärzte und Ärztinnen werden, wenn wir uns anatomisch gesehen ausreichend gut im menschlichen Körper orientieren können und zum anderen genug Menschlichkeit besitzen.
Und das ist alles was mir dazu einfällt, ein Dankeschön!
Weil unsere Ausbildung mit den Körperspenden verbessert wurde.
Das hat weder was mit Operettenkulisse noch mit Medizinerimage zu tun.
@lady oscar
Deinen Ärger kann ich nachvollziehen, aber auch du musst sehen, dass ihr in einer Entwicklungsphase seid.
Natürlich seid ihr jetzt emotional gebunden, wie natürlich auch die Angehörigen und euch allen tut diese Veranstaltung gut. Diese Veranstaltung ist ja aber gerade nicht der Saal und hier wird nicht gepräpt, (lieber t.h.wolff), sondern hier wird geübt, dass außerhalb der Klinik auch ein ethisches Empfinden jenseits der neutralen Professionalität abgearbeitet werden kann - gewählte Stütze ist hier die Religion. Irgendein Ritual muss man zu wählen üben und wenn es zum Einüben erst einmal ein religiöses ist, ist es zumindest dem größten Kreis der Patienten vertraut und zwar nicht nur bei uns, wie Winkelmann/Güldner (www.jstor.org/pss/25469654) beschrieben. Und der Psychohygiene von Ärzten tut es gut, wenn sie frühzeitig lernen, emotionale Last geordnet abzulegen.
Aber du musst auch den älteren Kollegen glauben, die das selber erlebt haben - und bereits weitere Entwicklungen durchgemacht haben - dass die Leichen für dich eben KEINE Persönlichkeiten waren, sondern Körper. Dass du ihnen dankbar bist, für das, was du an ihnen lernen konntest, ist selbstverständlich, aber du wirst sie eben nicht ewig in Erinnerung haben.
Ewig in Erinnerung wirst du die lebenden Körper haben, in und an denen du dann später (be)handeln wirst, denn erst sie haben die Persönlichkeit, von der du schreibst. Sie erst sind vollständige Menschen und nicht allein Körper, die du zu kennen glaubst, weil du z.B. ihre Coxarthrosen sehen durftest. Sie wenden sich dir zu (in welcher Form auch immer) und erst an ihnen kannst du lernen, ein guter Arzt zu sein.
Das hier waren dafür nur Fingerübungen.
Und Anatomie lernst du eh erst in der invasiven Medizin richtig.