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Medizin: Zum Sterben geboren

Wann müssen Ärzte extrem früh geborene Babys retten? Kölner Richter entscheiden jetzt im Fall einer Klinik, die ein Frühchen gar nicht erst behandelt hat.

http://www.spiegel.de/0,1518,801509,00.html
  1. #60

    Hippokratischer Eid

    Ich darf hier einmal darauf hinweisen, dass der Hippokratische Eid besagt, dass "nicht geschadet" werden soll und nicht "auf jeden Fall am Leben erhalten" werden soll.

    Der Fall ist aus Sicht der Eltern geschildert und eine Gegendarstellung seitens der Ärzte fehlt. Von einer verständlicherweise emotionalen Sicht der Eltern muss ausgegangen werden.

    Ich habe auf einer Frühchenstation gearbeitet und Sie können sich nicht vorstellen wieviel Leid entsteht wenn Kinder leben MÜSSEN. Ein Zwillingspaar aus der 22ten Woche lag in ähnlich schlechtem Zustand und mit durch die Spontangeburt verursachten Hirnblutungen, die in jedem Fall eine geistige und körperliche Behinderung nach sich ziehen würden, auf dieser Station. Da überlegen Sie sich wirklich, was daran noch sinnvoll ist. Wer noch nicht gesehen hat, wie sich solche Kinder gegen den Beatmungstubus wehren oder lautlos schreien weil sie noch keine Stimme haben, sollte sich hier mal vornehm zurück halten.
  2. #61

    Was ich bei dieser ganzen Diskussion um Recht und Unrecht, Machbarkeit und Grenzenverschiebung vöölig vermisse, ist ein konstruktiver Vorschlag, wie man in vergleichbaren Situationen (als Arzt) zu verfahren hat.
    Hier geht es doch darum, eine schicksalschwere Entscheidung zu treffen.
    Und das kann nur nach einem eingehenden und alle Fragen der Eltern erörternden Gespräch - oder gar mehrerer ebensolcher - passieren.
    In diesen Gesprächen muss versucht werden, den Eltern alle Möglichkeiten der Behandlung (oder eben auch Nichtbehandlung) mit den sich daraus jeweils ergebenden Konsequenzen verständlich und verständnisvoll darzulegen.
    Warum eine solche patientenzugewandte Aufklärung und Abwägung im vorliegenden Fall offensichtlich nicht erfolgt ist, wäre die zu klärende Frage.

    Letztlich kann sih ein solches Gespräch aus ärztlicher Sicht immer nur an Wahrscheinlichkeiten und statistischen Daten orientieren - die natürlich das vorliegende Einzelschicksal bei weitem nicht immer abbilden (können).
    Die Crux liegt darin, letztlich (immer gemeinsam mit den Eltern) eine sehr, sehr weitreichende Entscheidung zu treffen - über deren Tragweite sich nicht immer alle Beteiligten wirklich im Klaren sind.
    Leider gibt es eben auch eine nicht so geringe Anzahl von Fällen, in denen Eltern extrem Frühgeborener, bei denen sich eines oder mehrere der hier schon breit diskutierten Risiken realisiert hat (und obwohl ausführlich und einfühlsam darauf hingewiesen wurde), eben auch wieder die behandelnden Ärzte (gerichtlich) zur Rechenschaft zu ziehen versuchen.
  3. #62

    Zitat von ralf_gabriel Beitrag anzeigen
    Lassen wir die Entwicklungsländer doch außen vor. Bleiben wir hier im Land. Glauben Sie echt wir können die Ausgaben für Gesundheit verdoppeln? Gucken Sie sich doch die Kosten an und was wir derzeit dafür bekommen. Die KRankenhäuser sparen daß es quitscht. Sicher - an vielen Stellen ein Verteilungsproblem, aber auch wenn man es effizenter und gerechter macht, sind die Ressourcen nicht unendlich. Irgendwo müssen ......
    Gerne, bleiben wir im Land.
    Wenn sie mal auf einer Palliativstation waren, denken sie vielleicht anders, wenn sie wie ich in einem Hospiz gearbeitet haben, denken sie auch noch mal anders. Dort wird etwas total unsinniges getan: Dort werden Menschen extrem teuer beim Sterben begleitet. Absolut unwirtschaftlich, diesen Menschen noch monatelang teure Schmerzmittel zu verabreichen, Pflegegelder zu verblasen für Leute die schon quasi tot sind, den man nur noch nicht Bescheid gesagt hat, das sie jetzt mal gehen sollen und ihr Kampf schon längst verloren ist.

    Die Gesundheitskosten sind unter anderem deswegen so hoch, das viele extrem unnötige und kostenintensive Behandlung erfolgen. Da schafft sich eine Klinik ein neuen CT an und schon steigen die Fallzahlen, da wurde in der Vergangenheit lustig mit Robotern an Hüften rumgebohrt, mit einem Apparat der Millionen kostet und außer Folgeschäden nix gebracht hat, das Teil wurde in den USA vom Markt genommen, weil dort die geschädigten Patienten sich mit sehr schmerzlichen Klagen gegen das Unternehmen gewehrt hat, das dieses Ding verbrochen hat. Was meinen sie, was die fehlende konsequente Hygiene bei Ärzten und die daraus erfolgende MRSA-Infektionswelle kostet? Fragen sie sich mal warum in Holland kaum ein MRSA-Fall existiert.. Handdesinfektion kostet Cent-Beträge, die Folgebehandlung inkl. Todesfälle wg. mangelnder Desinfektion kosten Millionen! Gucken sie mal, wieviel unnötige angeblich neue Präparate die Pharmaleute auf den Markt werfen, das bezahlen wir alles mit! Und da ist kein Geld für die Behandlung eines frühgeborenen Kindes? 1 Milliarden? Woher haben sie die Zahl? Und ja, man muss manchmal mit dem groben Nazivergleichshammer zu schlagen damit bei einigen Leuten der Denkprozess angeregt wird!
  4. #63

    Ressourcenoptimierung?!

    Zitat von kein_gut_mensch Beitrag anzeigen
    ... asozial ist das denn? Und wenns ne Milliarde kostet dann ist es immer noch egal. Es ist nur Scheißgeld gegenüber einem Leben. Ob behindert oder nicht behindert ... vollkommen egal. Vollkommen ekelhaft manchen Gedankengänge ...
    So einfach ist das nicht!
    1. Geld ist Lebenszeit derer, die in der Zeit dessen Erwerbs einen Beitrag zur Gesellschaft leisteten (über generelle Verteilungsprobleme und Bewertungsprobleme kann man diskutieren, aber nicht über diese Grundlage)

    2. Es gibt begrenzte Ressourcen. Wenn jetzt alle Ressoucen benötigt werden, um sämtliche Frühchen zu "retten", so stibt ein voll Lebensfähiges Kind, an ner Infektion, da man diese nicht behandeln kann, da man sich ja um die Frühchen kümmert


    Ich halte es generell bedenklich jedes Frühchen zu retten.
    1. hat sich die Natur meistens was dabei gedacht
    2. ist ein Embryo schneller ersetzt, als ein Kind/Jugendlicher/Erwachsener

    So lange es in unserer Gesellschaft immer noch Leute ohne Krankenversicherung gibt, die sich im Ernstfall keine Behandlung leisten können und an billigen Dingen versterben werden/können, sollte man die Dekadente Diskussion um das "retten" von ziemlich aussichtslosen Fällen etwas relativiert betrachten! Man muß leider nicht einmal auf die 3. Welt verweisen.

    mfg
  5. #64

    Zitat von Magnolie5 Beitrag anzeigen
    Kosten-Nutzen Rechnungen im Medizinischen Bereich: 55Jaehrige bekommen ab sofort keine Chemotherapie mehr, keine Strahlenbehandlung mehr, entlastet die Krankenkassen p. Jahr um Millionen.
    Na, faellt der Groschen?
    Das mit der Chemotherapie ist aber durchaus aber eine Diskussion wert. Nicht Chemotherapie im Allgemeinen, aber diese "letzte Möglichkeit" Chemotherapien, die dann das Leben um ein-zwei Monate verlängern und dabei 10.000e von Euros kosten (und die Patienten belasten).
  6. #65

    Kein Titel

    Zitat von saako Beitrag anzeigen
    wurde mir vor 25 Jahren von der Krankenschwester gesagt, daß sie eine Nottaufe gemacht hat und das sei, für die meisten Eltern, das Wichtigste.
    Ich nehme an das Sie eine betroffene Person sind. Es tut mir sehr leid für Sie und Sie müssen bei so einem Bericht sicher sehr schwer schlucken.
    Wurde mit Ihnen gesprochen?. Ist man feinfühlig mit Ihnen umgegangen?. Haben Sie sich verstanden und getröstet gefühlt?.
    Das sind in solchen Fällen äußerst wichtige Merkmale damit Eltern so einen Verlust überhaupt erfassen können und auch damit arbeiten können.
    Die Eltern von Charlotte haben diese Möglichkeit offensichtlich nicht gehabt.
  7. #66

    Zitat von mrotz Beitrag anzeigen
    Ich halte es generell bedenklich jedes Frühchen zu retten.
    1. hat sich die Natur meistens was dabei gedacht
    2. ist ein Embryo schneller ersetzt, als ein Kind/Jugendlicher/Erwachsener
    Oh mein Gott was ist das denn für eine Einstellung. Wissen Sie überhaupt ab wann ein Kind ein Frühchen ist? Es gibt jedes Jahr viele Frühgeborene die bei adäquater Behandlung beste Chancen auf ein gesundes Leben haben. Und ob "ein Embryo schneller ersetzt" ist fragen Sie doch mal die Eltern, die lange einen unerfüllten Kinderwunsch hatten.
  8. #67

    Zitat von mrotz Beitrag anzeigen
    So einfach ist das nicht!
    1. Geld ist Lebenszeit derer, die in der Zeit dessen Erwerbs einen Beitrag zur Gesellschaft leisteten (über generelle Verteilungsprobleme und Bewertungsprobleme kann man diskutieren, aber nicht über diese Grundlage)
    2. Es.....
    Wie bereits weiter oben von mir angeführt müsste nach dieser Logik doch zuallererst dem lebenslagen HartzIV-Empfänger jedwede Behandlung verweigert werden, schließlich ist es wirtschaftlicher Schaden wenn er weiterlebt und vice versa.
  9. #68

    x

    Zitat von chocochip Beitrag anzeigen
    Was, wenn die Eltern die Rettungsversuche privat bezahlt hätten? Hätte man ihnen nicht zumindest dieses Angebot machen MÜSSEN?
    Übrigens: Bis auf eine Hebamme - die wir sehr schätzen - habe ich nur emotional kalte Hebammen erlebt.
    Was meinen Sie würden die Leute hier schreiben, wenn die Ärzte vor dem Eingriff noch schnell ne Bonitätsprüfung hätten machen lassen und diese dann abschlägig beschieden worden wäre?

    Hebammen und Ärzte sind auch nur Menschen. Was meinen Sie wieviel leid und Mitgefühl die im Leben haben müssen oder wie die mit solchen Dramen umgehen? Kann ja nicht jeder Fernsehdoktor sein.
    Hier wird mangelndes Einfühlungsvermögen beklagt. Auch mal aus der Sicht der Ärzte geschaut? Mit ein wenig Einfühlungsvermögen....?
  10. #69

    Den Fall nicht beachtet...

    Zitat von Medizinfrau Beitrag anzeigen
    Ich darf hier einmal darauf hinweisen, dass der Hippokratische Eid besagt, dass "nicht geschadet" werden soll und nicht "auf jeden Fall am Leben erhalten" werden soll.

    Der Fall ist aus Sicht der Eltern geschildert und eine .....
    Im vorliegenden Fall hat das Kind selber geatmet, allerdings wurden ihm nicht die Flüssigkeit aus den Lungen gesaugt.
    Ferner wurde es bewußt auskühlen gelassen. Für mich ist das Totschlag durch Unterlassen.
    Man kann ja über künstliche Maßnahmen zur Lebenserhaltung diskutieren, nicht jedoch über normale Maßnahmen nach einer Geburt.

    Oder würden Sie ein Kind dass in der 40 SSW Woche geboren wird das Absaugen der Lungenflüssigkeit verwehren, wenn es notwendig ist? Oder das Wärmebettchen?

    Wohl kaum. Und was, wenn die Eltern privat zahlen? Dann geht plötzlich alles, dann leuchten die Dollaraugen der Ärzte... Selbst erlebt, ich bin in der PKV.


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