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Medizin: Organspende wird neu geregelt

DER SPIEGELTausende Deutsche warten auf Spenderorgane und viele sterben, bevor sie eines bekommen. Jetzt wird die Organspende neu geregelt: Jeder Erwachsene soll künftig regelmäßig zu seiner Bereitschaft befragt werden.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...818717,00.html
  1. #100

    Zitat von rabula_raser Beitrag anzeigen
    ... die Verwendung meiner Organe an die Bedingung... Jahreseinkommen von < 100.000 Euro min. 5% seines Einkommens an den Verein...überwiesen hat, bei >=100.000 bis 250.000 Euro min. 10%, bei >250.000 bis 500.000 Euro min. 20% und bei >500.000 Euro min. 50%...
    Gutes Modell. Ich würde allerdings bei allen nochmal 30 draufschlagen und das vom Vermögen abziehen. Das eigene Leben sollte einem ja was Wert sein.

    Ich verstehe nicht ganz wer ein Interesse am Thema Organspende haben sollte (natürlich abgesehen von den Betroffenen). Auch wenn meist die kaputten Nieren in den Diskussionen auftauchen so kann man doch an vielen Dingen sterben und oft könnte man mehr Menschen mit weniger Aufwand helfen.
  2. #101

    Lieber Verfaulen als Organe verschenken

    Zitat von hashemliveloirah Beitrag anzeigen
    ....so einfach wäre.
    Nach über 20 Jahren in der Klifo bin ich bewusst Nichtspender und überzeugt, dass viele Spender Nichtspender wären, wenn sie wüssten....:

    Fragen Sie mal einen Transplanteur, warum jeder gehirntote (!) Spender nach Feststellung des Hirntodes vor Enthahme anaesthesiert wird?

    Der "Gehirntod" per se ist als Lebensende medizinethisch sowieso höchst umstritten.

    Aber gut: Hauptgrund für mich ist die unbestrittene Tatsache, dass bei einem sterbenden Nichtspender die intensivmedizinischen Leistungen so zurückgefahren werden, dass der Mensch in Würde sterben kann - auch begleitet.

    Bei einem Spender wird jedoch niemand mehr an den Sterbenden herangelassen, da "geht nämlich die Post richtig ab" in hormoneller und kardiovaskulärer Hinsicht, denn die Spenderorgane sollen ja im "Bestzustand" sein. Das ist für mich höchst unethisch, vor allem werde ich mir das nicht selbst antun - Respekt aber vor allen, die das in Kenntnis der Tatsachen tun - aber wie viele sind das?

    Die derzeitige Kampagne hat leider mit den betroffenen Menschen sehr wenig und mit Aufklärung gar nichts zu tun: die heute so laut schreien gehören eher zu denen, für die es ums Geschäft geht und zu denen, die ihre "Passion" verteidigen und ihre aberwitzige Medizintechnik rechtfertigen müssen.

    Der Bürger aber wird schlicht auf unverantwortliche Weise genötigt.

    "Unverantwortlich" ist Ihre Panikmache durch Verbereitung von Unwahrheiten und Ammenmärchen, die möglicherweise dazu führt, dass ein bedauernswerter Mensch auf der Warteliste stirbt, weil SIE einem potenziellen Spender Angst gemacht haben.

    Der Gehirntod ist naturwissenschaftlich und ethisch unbestritten. Wie würden Sie den Tod definieren? Oder erkennen?

    Die Anästhesie während der Organentnahme dient nicht einer Schmerzausschaltung, sondern der Aufrechterhaltung von Blutdruck und Puls. Das Gehirn (wo das Schmerzempfinden stattfindet) und die betroffenen zentralen Rezeptoren sind zum Entnahmezeitpunkt nachgewiesenermaßen irreversibel ausgefallen.
    Periphere Rezeptoren in Haut und im Rückenmark sind durch die künstliche Aufrechterhaltung des Kreislaufs in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt und könnten zu Spontanbewegungen und zum Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz führen. Diese Reflexe müssen ausgeschaltet werden.

    Ich finde es abstoßend, was ich hier lesen muss: Es geht um Geld und darum, dass man doch seinen "wertvollen Körper" (unbeachtet der Tatsache, dass der ach so wertvolle tote Körper nur noch ein Haufen organischen Materials ist, der in kürzester Zeit auf das unappetitlichste vermodert und teuer entsorgt werden muss) nicht kostenlos hergeben will.

    Ich muss sagen, sollte ich - oder eine mir nahestehende Person - früh und quasi "sinnlos" aus dem Leben gerissen werden, wäre es mir ein Trost zu wissen, zumindest das Leben eines anderen Menschen gerettet zu haben.

    Wer den Tod eines anderen Menschen - der an dem System der Organvergabe keine Schuld hat - aus Neid und Missgunst in Kauf nimmt, handelt gewissenlos.
  3. #102

    Zitat von herbert_schwakowiak Beitrag anzeigen
    Denn für Transplantationsmediziner sind das die idealen Spender:
    meist jung, die inneren Organe noch intakt, an Schädel-Hirn-Trauma gestorben.
    Ich habe in den letzten Jahren einige sehr alte Spender gepflegt, die ihre Organe fürs "old-for-old"-Programm gaben.

    Und ich habe Ehepaare erlebt, die im Alter von >90 noch einigermaßen fidel waren und ihr Leben genossen. Ich finds auch einen Erfolg, wenn man älteren Patienten, mit den Organen von älteren Spendern, die man jungen Patienten nicht mehr geben würde, noch 10-15 zusätzliche Jahre ermöglicht. Im besten Fall ist die Niere das einzige größere Problem, und man kann noch viel lebensqualität haben.

    Alte Spender, und alte Empfänger sind eine wachsende Gruppe, und man sollte sich nicht innerlich damit rausreden, dass man sagt: "meine 70jährige Niere will eh keiner mehr haben". Nee, die kann es auch noch 10-15Jahre machen, wenn man Glück hat, und man kann anderen Menschen damit sehr helfen.
  4. #103

    ach du liebe güte...

    hier haben ja einige mitbürger massive ängste, dass sie durch die wirtschaftlichste und ethnisch sinnvollste lösung
    - widerspruchsregelung - entmündigt würden.

    im bezug auf das gebot der nächstenliebe und mit verweiß auf intellektuell schwache (als hilflos wahrgenommene) milieus mag ich dieser ansicht ja noch fast etwas rührendes abgewinnen. gleichwohl glaube ich nicht, dass ein uneigennütziger akt der nächstenliebe für die argumentation dieses menschenschlages vorrangig ist.

    wo das problem für einen mündigen bürger liegen soll, bei nichtzustimmung ein schreiben aufzusetzen, (zeitaufwand vermutlich unglaubliche 3 minuten lebenszeit) erschließt sich mir nicht im geringsten.

    etwas anderes ist es natürlich, wenn man sich selbst als unmündig und hilflos wahrnimmt. aber ich gehe davon aus, dass in diesem forum sich niemand für derart hilflos hält, oder etwa doch?

    oder steckt hinter der ablehnung die lust oder der wunsch, sich bei der zustimmungsregelung zukünftig aufrichtig empört über das ausufern der deutschen bürokratie beklagen zu können?

    wäre zumindest auch noch eine möglichkeit, welche ich gerade noch nachvollziehen könnte!

    ansonsten würde ich diese ängste/befürchtungen schlicht als bizarr bezeichnen!
  5. #104

    Organspender = Organempfänger

    Zitat von manfred-pawlowski Beitrag anzeigen
    Wer bereit ist, zu geben, soll auch bevorzugt profitieren können.
    Warum wird kein Automatismus mit dem Spendeausweis verbunden? Die gemeldeten Organspender sollten im Bedarfsfalle auch zuerst mit verfügbaren Organen behandelt werden. Die heutigen vielen Endlos-Diskutierer können später ja mit den sinnesgleichen Krankenhaus - Bettnachbarn weiter lamentieren, warum sie leider nicht mehr rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten haben. Spätestens dann werden sie von ihren ehemaligen Entscheidungen eingeholt sein.
    Im Prinzip ist es durchausnachvollziehbar, dass diejenigen, die nicht spenden wollen auch nicht Organe empfangen sollten.

    Dann muss man aber dies auch konsequent durchziehen: Die Kosten für die Organtransplantation sollten nur von Organspendern getragen werden. Genaugenommen, dürfen die Transplantationen dann auch nicht an Krankenhäusern und von Ärzten durchgeführt werden, die von Krankenversicherungsbeiträgen aller Versicherten finanziert werden. Schließlich ist nicht einzusehen, dass ein nicht-Organspender die Kosten für eine Transplantation mitträgt.

    Allerdings ist dann die Frage, wer sich eine Transplantation überhaupt noch leisten kann.
  6. #105

    Zitat von 1122 dulder Beitrag anzeigen
    an Nr. 9, nur zur Ergänzung, wir alle erhalten z.z. elektr. Gesundheitskarten, da kann doch die spendenbereitschaft bzw, die Verneiniung gleich mit gespeichert werden.
    Genau. Und dann vertraut man seine Entscheidung einem Byte an, das gegebenenfalls leicht zu manipulieren ist. Ich denke, die bisherige Praxis ist richtig und sollte nicht geändert werden.

    Denn ganz ehrlich: wenn man als Organspender registriert ist, wer sagt einem, dass man als Wachkomapatient o.ä. dann nicht als Organbank im wahrsten Sinne des Wortes ausgeschlachtet wird? Wer sagt einem, dass ärztliche Hilfe noch genauso kompetent erfolgt und nicht nach dem schnellen Ableben geschielt wird?
  7. #106

    Zitat von atzlan Beitrag anzeigen
    So einige nehmen es für ihre Rettung sogar in Kauf, dass Lebende in der 3. Welt getötet werden, um deren Organe zu entnehmen, sonst gäbe es keinen Schwarzmarkt für Organe.
    Und warum ist dem so? Große Nachfrage, geringes Angebot. Sobald es eine Regelung gäbe (Stichwort israelisches Modell), hätten sich diese Auswüchse von selber erledigt, da das Angebot mit der Nachfrage Schritt halten kann. Im Moment ist dem nicht so, darum gibt es auch die von Ihnen beschriebenen kriminellen Machenschaften.
  8. #107

    Zitat von kaksi Beitrag anzeigen
    2. Sollte im chritstlich-abendländischen Kulturkreis nicht die Einstellung zum Sterben geändert werden, die Einstellung zum freiwilligen Tod, "Selbstmord", eingeschlossen?
    3. Warum verwehrt man in u. a. in Deutschland sterbewilligen Alten, ob mit oder ob ohne schwerer Krankheit, die Möglichkeit, schmerzfrei ihr Leben zu beenden?
    Auf keinen Fall. Ich schließe mich da ganz klar der Haltung der katholischen Kirche an. In Europa darf sich keine Kultur des Todes durchsetzen. Menschenleben ist das höchste Gut, dass uns geschenkt wurde. Das darf man nicht leichtfertig hergeben. Wichtig ist es, schmerzfrei sterben und würdig eines natürlichen Todes sterben zu können. Nicht sein Leben (unter oftmals unvorstellbaren Schmerzen) selber zu beenden.
  9. #108

    Und all jenen, die hier eine Spende-Pflicht, im Besonderen für HarzV-Empfänger) einfordern, denen kann ich nur sagen, wie feige, wie armselig, wie dumm jene doch sind!! Mir graut es bei dem Gedanken, dass vielleicht ein Leben ohne Not genommen wird

    damit ist alles gesagt. nicht nur lohnsklaven, nein, auch im tod kann man sie noch verwerten.
    mein gott, sollte das die arge mitlesen, welchen gedankengang wurde denen jetzt eroeffnet?
  10. #109

    Hier könnte Ihre Werbung stehen!

    Zitat von chronotrop Beitrag anzeigen
    Die Anästhesie während der Organentnahme dient nicht einer Schmerzausschaltung, sondern der Aufrechterhaltung von Blutdruck und Puls. Das Gehirn (wo das Schmerzempfinden stattfindet) und die betroffenen zentralen Rezeptoren sind zum Entnahmezeitpunkt nachgewiesenermaßen irreversibel ausgefallen.
    Periphere Rezeptoren in Haut und im Rückenmark sind durch die künstliche Aufrechterhaltung des Kreislaufs in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt und könnten zu Spontanbewegungen und zum Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz führen. Diese Reflexe müssen ausgeschaltet werden.
    Vielen Dank für Ihre Informationen. Endlich mal jemand, der sich diversen Schauergeschichten entgegen stellt. Und das auch noch sehr gut erklären kann. Ich persönlich glaube, dass diejenigen, die eine Organspende ablehnen, schlichtweg zu feige sind, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

    Ein Organspender.








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