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Maybach-Ende: Desaster mit Ansage
Schlecht gestartet und dann stark nachgelassen: So lässt sich die zweite Karriere*der Marke*Maybach zusammenfassen. Das größte Auto aus dem Hause Daimler geriet zur echten Blamage für den Hightech-Konzern.*Schuld waren hausgemachte Probleme.
http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0...801247,00.html
- #30 04.12.2011 12:38 von
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Da gebe ich ihnen Recht. Lange bevor das "Premium-Gesülze" Einstieg in die Welt der Werbeagenturen hatte (viel Geld für Werbung augeben = "Premium"), gab es einfach handfeste Gründe, warum Mercedes der beste (Volumen-)Hersteller der Welt war: Qualität, Wertbeständigkeit, Komfort,...
Und irgendwann in der 90er ging man dazu über, Serien zu bauen, die "in Serie" vom ADAC am Straßenrand wieder flott gemacht werden mussten, an denen innerhalb von wenigen Monaten Rostbeulen an den Türen auftauchten, die einfach umfielen, wenn sie einem Elch ausweichen mussten :-), ...
Auf so etwas würde ein afrikanischer Taxifahrer in seinem W123 auch 2011 immer noch pfeiffen.
(natürlich dürfen solche Typen heute nicht mehr gebaut werden - soagar in Europa sind heute 75 % der PKW auf Pump unterwegs
http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:...29.html?page=2
Und das Kartenhaus platzt wenn, Autos länger leben als der Kredit-, Leasing-Vertrag läuft. Dan wäre die Umstellung auf Pump nur ein Zyklusgewinn in der Wachstumsblase gewesen) - #31 04.12.2011 12:46 von
Zu billig
Der Maybach wurde einfach zu billig verkauft. Er hätte doppel bis dreifach teuerer verkauft werden müssen. Wer ein Prestigauto verkaufen will, darf nicht den Eindruck erwecken, dass sich dieses Auto jeder leisten kann. Das mag demokratisch sein, aber es bringt kein Prestig. Bei entsprechender Exklusivtät ist die Form gleichgültig, es darf sogar hässlich sein. Wer die Topposition hat, bestimmt die Entwicklung und die anderen Marken hätten den Maybach nachgeäfft und damit wär der Maybach nicht hässlich, sondern das erstrebenswerte Vorbild geworden. Nichts ist so verräterisch über die Denke von <<Zitatanfang >> Helmut Hofmann, Präsident des elitären Maybach-Clubs, bedauert ausdrücklich, dass Daimler den Logenplatz im automobilen Oberhaus aufgibt. "In der Geschichte der Firmen Daimler und Benz hat es schon immer Fahrzeuge gegeben, die keinen Gewinn, aber sehr wohl Prestige brachten." Genau so ein Auto werde jetzt vom Markt genommen. <<Zitatende>> Was sagt diese Äusserung. Der Maybach wurde von den Mercedeskunden bezahlt und nicht von den Maybachkäufer. Was für jedes Prestig schädlich ist. Das ist so, als wenn man mit dem Auto vorfährt, dass Papa bezahlt hat. Man lobt den Papa und lacht über den Besitzer. So was ist nur für Töchter unschädlich, aber für Söhn ab einen bestimmten Alter eine Katastrophe. So wurde eine Chance vertan, weil man es billig gemacht hat.
- #32 04.12.2011 12:53 von
Es war eine Totgeburt...
sie hätten halt den 600er Pullmann respektvoll designmäßig zitieren sollen...
Der Unterschied zwischen Phaeton und Maybach:
der Phaeton ist so etwas wie die S-Klasse in der Marke VW.
Und für max. Luxus ist bei VW eben Bentley zuständig (erfolgreich) .
der Phaeton ist eine völlige Neuentwicklung, die praktisch NICHTS aus dem VW-BAukasten übernommen hat und sogar von Leuten in der Mercedes-Entwicklung hinter vorgehaltener Hand als das (damals) technisch beste Auto der Welt respektiert wurde.
Das an den Passat anlehnendes Design des Phaeton sollte wohl das High-Tech-Image auf den
Sein einziges Manko war die an den Passat erinnernde Hülle. DAS wird aber kein Zufall sein, denn man wollte vermutlich ebenso wie beim A8 vorgehen, der mittlerweile als Top-Class-Limosine anerkannt wird.
Auch der A8 wurde damals (als er noch stark an den Audi 100/200 erinnerte) belächelt, obwohl er ansonsten eine echte Neuentwicklung war.
Mit A8 und Phaeton hat VW gleich 2 Fahrzeuge, die locker mit der S-Klasse mithalten können PLUS ein Luxusmodell namens Bentley.
Der enorme Vorteil von A8/Phaeton in heutigen Tagen ist jedoch gerade (!) deren Kombination von anerkannter Top-Technik UND etwas, was man "Understatement, welches sofort als Understatement erkennbar ist" nennt.
bei Mercedes ging die Entwicklung genau anders herum: Irgendwann war die S-Klasse damals so protzig, daß selbst Mercedes-Besitzer begannen, sich daran unwohl zu fühlen - abgesehen davon, daß man zwar in die Garage hineinfahren, aber nicht mehr aussteigen konnte...
den größten Fehler, den Mercedes "in der Produktion" gemacht hat, war es,
Jürgen SCHREMPP heiße Luft und gigantische fehler in serie produzieren zu lassen.
ER war sogar derart egomanisch, daß er sich nach Erlangen der "licence to kill Mercedes) " auch noch damit brüstete, es geschafft zu haben, obwohl er bereits zuvor 5,5 Milliarden in den Sand gesetzt hatte...
Das einzige, voraus Mercedes stolz sein kann ist es, Schrempp überstanden zu haben, ohne Pleite zu gehen...
der Einzige wirkliche Fehler Piech war es, den genialen A2 vorzeitig sterben zu lassen - hätte er noch 2 Jahre ausgehalten, wäre der ein Renner geworden. Das war nämlich unter der Haube absolutes High-Tech (aber - als erstes Unternehmen der Welt eben im Rahmen von konsequentem Downgrading) und ein zeitloses Bauhaus-design, welches sich erst allmählich als im Fahrzeugbau avantgardistisch durchsetzte (heute sehen fast alle Fahrzeuge dieser Klasse wie schlechte Kopien des A2 aus) .
Und der A2 hatte das Pech, erst NACH dem Elch-Auto herauszukommen. Viele Menschen haben sich lieber ein völlig konventionelles A-Klassen-Auto MIT STERN AUF DER HAUBE gekauft, welches Sprit säuft, als ein Understatement-Auto mit viel High-Tech. - #33 04.12.2011 13:16 von
Keine Ahnung von der Zielgruppe und dann vor allem desaströses Markenmanagement
Ich glaube, das Grundproblem von Maybach war, daß das Auto von deutschen Ingenieuren entworfen wurde, die sich vorstellten, wie das ist wenn man reich ist und sich ein solches Auto leisten kann - aber keinen blassen Schimmer hatten, was in diesen Kreisen wirklich zählt. Die kannten die Zielgruppe gar nicht. Und schwäbische Reiche wie Herr Würth sind nicht unbedingt repräsentativ für die Zielgruppe.
Die Klientel der Superreichen ist sehr speziell und trotz Sendungsbewusstsein z.T. sehr diskret. RR und Bentley gehen mit diesem exklusiven Kundenkreis seit 100 Jahren um - und Mercedes / Maybach hat diese Klientel nie wirklich verstanden.
Ich lebte zu der Zeit in Asien und kannte einige potentielle Kunden, die das Auto hätten kaufen können - aber aus verschiedenen Gründen Abstand genommen haben.
Drei Beispiele:
1. Wenn ein superreicher Tycoon in einer asiatischen Megastadt zum Flughafen fährt, dann braucht er v.a seine Ruhe vor neugierigen Ohren - die Trennscheibe zum Fahrer war aber erst lange nicht lieferbar.
2. Einzelliegesitze sind vollkommen sinnlos! Erstens fährt man ohnehin keine langen Strecken, weil man einen oder zwei Privatjets hat, und zweitens bringt die Maid die Kinder mit dem Auto zum Ballettunterricht - und da müssen halt 4-5 Personen auf der Rückbank platz haben - genauso, wenn man von der Vernissage mit den Kumpels und den Mädels zur nächsten Location cruised.
3. Die Klientel hat in der Regel sehr viele Autos an mehreren Locations. Die ersten verkauften Autos standen dann in der Garage und bekamen Standschäden - und funktionierten dann nicht, wenn man sie mal brauchte.
Zusammenfassend war das aus meiner Sicht ein Marketingdesaster. Keine Ahnung von der Zielgruppe und dann vor allem desaströses Markenmanagement: Die verantwortlichen Marketingmanager hatten meines Erachtens keine Ahnung wie man eine Marke aufbaut. Erst muss die überragende Leistung stehen, dann bekommt man Fans, wird zum Geheimtip und erst dann kann man die Bekanntheit steigern. Auf dem Gipfel muss man sich dann als Starbrand ständig neu erfinden. Maybach wollte damals aber gleich die große Bekanntheit ohne Leistung (= auf Basis alter Technik und Design) - und das ging lehrbuchmäßig schief. Hätte jemand bei Daimler mal ein Marketingbuch gelesen oder hätte man echte Marketingprofis eingestellt, dann hätte das funktionieren können - auch mit der Marke Maybach. - #34 04.12.2011 13:21 von
- #35 04.12.2011 13:22 von
Aufstieg und tiefer Fall.
Wer vor 20 Jahren Mercedes sagte, der wusste, zugegebernmassen, was er ausdrücken wollte. wer vor 20 Jahren - wie ich - auf Audi setzte, wurde belächelt. Aber ich war auch der Meinung, dass ich eben nie eine Taxidroscheke steuern wollte.
Obwohl die Ingolstädter sicher zu diesem Zeitpunkt schon seit 10 Jahren ein Feuerwerk aus quattro, Vollverzinkung, TDI, Turbo - ja selbst Hybridtechnik im duo - und bald auch Aluminum im Angebot hatten. In Stuttgart nur Fett und mangelnde Demut, man hat die als Aufsteiger belächelt. Als Audi die Technik dann auch noch mit Design UND Marketing paarte, war Mercedes zum Abschuss frei gegeben. Während Mercedes den W 140 hatte, baute man bei Audi den ersten A8. Während Mercedes den Diesel seit 1936 im PS-Keller liess, holte Audi zum TDI-Angriff bis zum V8 aus.
Diese Liste liesse sich beliebig fort setzen, so wie man im Spiegel beliebig die Arroganz gegenüber Ingolstadt zitieren könnte. Was haben Daimler-Bosse noch offen im Spiegel gelästert. Mir war schon damals klar, dass Mercedes mit dieser Arroganz scheitern wird. Und das zu recht. Wer so dekadent darauf beharrt, sein Terrain sei in Stein gemeisselt, der wird von links und recht von kleinen Schnellbooten wie ein Tanker überholt.
Und das nicht nur in Deutschland. Man kann nach Gross-Britanien schauen, nach China. Und den Bogen zum Artikel zu schliessen, wie hat man damals über Piechs Kauf von Bentley gelästert. Die Markenrechte von RR "vergessen"?
Ja glauben die denn Piech sei ein Idiot, ich habe unter ihm gearbeitet. Da habe ich eins gelernt: "3% vorher nachdenken, spart 10% Aufwand im Prozess." Wer also eine sportliche Marke etablieren will (weil es sich mit der Konzernstrategie verbinden lässt), der lässt die Finger von RR. Und setzt auf Bentley, wenn man dann so lapidar in Stuttgart kontert wie mit der Zangengeburt Maybach, dann kann und konnte das nie und nimmer gut gehen.
Interessant ist ja die Frage, warum sich eine Marke wie Mercedes so auf den Abstiegsast setzt. Die Erkenntnis von heute mit der S-Klasse wäre vor 15 Jahren als es um den Maybach ging, noch viel einfacher fallen müssen. Aber wenn man seine Marke nicht spürt, dann macht man meistens alles falsch.
Ich denke Apple und Audi sind die Marken, die in den letzten 20 Jahren Riesensprünge gemacht haben, nicht immer alles richtig - aber vieles. Und so stehen sie heute auch da.
Dabei darf man nicht vergessen, dass sie selber irgendwann natürlich auch aufpassen müssen. Irgendwann wird der Jäger zum Gejagten. - #36 04.12.2011 13:34 von
Vorsprung durch Technik.
Hier muss man natürlich sehen, dass in den 30er Jahren die Marke Horch der Auto Union mit den Vier Ringen am Kühler den Luxusmarkt in Deutschland beherrschte. Bei den grossvolumigen 8-Zylindern mit mehr als 50% Marktanteil. und der Designer der Nachkriegslinie bei MB war auch ein Auto Union Mann.
Nur die Gnade der räumlichen Lage des Werkes hat Mercedes in diese Position gebracht, so gesehen ist Audi fast schon wieder da, wo sie mal waren.
Übrigens auch in Sachen Technik damals ein wenig innovativer als Stuttgart. Horch 930 S, Wanderer W6, DKW F9, Audi Front, Auto Union Rennwagen, Vorsprung halt. - #37 04.12.2011 13:36 von
es wollte halt keiner...
... eine S-Klasse zum dreifachen Preis haben. Ganz einfach. Der Einbau von Billigteilen funktioniert bei Ferrari (F430 hatte Fensterheberschalter, Blinker- und Scheibenwischerhebel vom Fiat Punto !), und funktionierte teilweise bei Aston Martin (Schalter vom Ford Mondeo!). Bei Daimler hats halt keiner akzeptiert.
- #38 04.12.2011 13:36 von
Also
ich hätte gerne son Maybach. Muss nur noch nen Sponsor fürn Sprit suchen. Alternativoption wäre n Bentley mit Chauffeur, oder ne Lincoln Stretch-Limo. RR is mir persönlich zu Proll undn Ferrari is ziemlich schwer zu handeln, bin schonmal mit so eim gefahren, innerstädtisch
- #39 04.12.2011 13:42 von
andere Meinung
Fehlentscheidungen gehören nun mal zum unternehmerischen Handeln. Solange das Kerngeschäft tragfähige Gewinne abwirft ist das auch völlig ok.
Mache ich im eigenen Unternehmen auch. Halte ich eine Idee für interessant, versuche ich sie umzusetzen. Klappt es nicht, bringt es mich nicht um. Klappts, freut sich die Finanzabteilung.
Ein gewisser Prozentsatz des Umsatzes geht immer in Forschung, Entwicklung und "Spielzeuge". Was glauben Sie, wieviel in F und E verbraten wird, ohne das das Ergebnis jemals in den Handel kommt. Nur das davon niemand etwas erfährt.
Im übrigen ist der, wie Sie ihn nennen, Konzernboss, dem Aufsichtsrat Rechenschaft schuldig. Und dieser zieht ihn zur Verantwortung, wenn, ja wenn seine Entscheidungen für den Konzern desaströs waren. Siehe Leo A.
Das diese Herren immer wieder auf die Füsse fallen, ist ein anderes Kapitel.
Maybach war eher peinlich, denn desaströs für Mercedes.
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