REUTERSDie Demonstranten kamen aus ganz Portugal: In Lissabon haben hunderttausend Bürger ihrer Wut gegen die Sparmaßnahmen der Regierung Luft gemacht, Gewerkschaften sprechen gar von 300.000 Teilnehmern. Auch in Spanien gingen die Menschen auf die Straße.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...814734,00.html
Gewaltige Massenproteste gegen das System in Madrid - und nun haben sie eine knochenkonservativ-neoliberale Regierung alter Schule. Tolles Ergebnis.
Die zwei Schlussfolgerungen bei Betrachtung dieser Demos sind also:
über die Parteien und Wahlurnen muss man Einfluss erringen. Demos sind nicht viel mehr als PR-Maßnahmen. In Deutschland zumindest gibt es ja Wahl-Alternativen...
Wie an der Wallstreet zu sehen, stehen sonst die Fondsmanager oben auf dem Balkon und blicken mit dem Sektgläschen in der Hand amüsiert aufs blöde Volk herab, wohl wissend dass ihnen niemand das Handwerk legen wird. Und dito die Politiker des Establishment, die Occupy einfach aussitzen.
Die andere: bei der Bewertung der Demos in Griechenland, Spanien, usw. muss man unterscheiden zwischen dumpfen Nationalismus der sich gegen "das Ausland, Brüssel, Deutschland" richtet. Und den völlig legitimen Forderungen dass es IM Land ALLEN in der Krise an den Kragen gehen muss. Vor allem aber denen, die in den letzten Jahren riesige Teile des Volksvermögens in ihre Privat-Säckel geleitet haben. Selbst harte Spar-Maßnahmen, sofern sie tatsächlich rational begründbar sind, werden akzeptiert wenn die Gesellschaft ansonsten als solidarisch und gerecht wahrgenommen wird.
Voll d´accord. Die Amis haben es aber vorgemacht mit dem Druck auf die Schweiz. Erzwungene Herausgabe von Namen und zugehörigen Konten ermöglichte dem FBI Einblicke in die Geldvermehrungspraktiken subversiver Kapitalisten. Wenn die Behörden in Brüssel ähnlich forsch praktizieren würden, käme sämtliches Schwarzgeld griechischer Geld-Oligarchie sofort unter den Hammer.
Wo ist das Problem? Setzen wir den Schweizern die Kanone auf die Brust!?!
Die Krise ist doch kein Selbstläufer und ist auf einmal da. Sie wurde doch gerade von den Teilen der Gesellschaft verursacht, die das Volksvermögen mit Hilfe der Politik in ihre "Privat-Säckel" geleitet haben. Sie haben doch nun, da sie das geschafft haben keinerlei Interesse daran das wieder rückgängig zu machen, indem sie dieses Vermögen nun wieder in die Gesellschaft zurückleiten und sich auch massiv den Spar-Maßnahmen unterwerfen. Nein, im Gegenteil, sie fordern von dem Teil der Bevölkerung, auf dessen Rücken sie sich bereichert haben, dass diese sich noch mehr einschränken. Und unter anderem müssen sie sich auch nicht beteiligen, weil das politische Kräfteverhältnis offenkundig NOCH zu ihren Gunsten ausfällt.
Solange eine Gesellschaft zulässt, dass sich ein Teil der Bevölkerung überdimensional an der Gesellschaft, auf Kosten der Mehrheit bereichert, wird es niemals eine solidarische Gesellschaft geben. Kaum jemand wird freiwillig auf die Möglichkeit verzichten Reichtum anzuhäufen. Und großen Reichtum kann man immer nur auf Kosten anderer erreichen. Eine Gesellschaft kann nur solidarisch funktionieren, wenn man dem egoistischen Teil der Bevölkerung die Möglichkeit, ihre Gier nach Geld zu befriedigen, entzieht.
Wenn man die Zahlen sieht, wovon ein armer Portgiese, Spanier oder Grieche leben muß, wundere ich mich, dass nicht noch viel mehr auf die Straßen gehen oder gar eine Revolution ausbricht.
Sparen ist ja gut und schön, aber durch das endgültige Abwürgen der Restwirtschaft verschlimmert sich die Situation immer mehr. Wir werden feststellen, dass der 50%-Verzicht der Privatgläubiger Griechenlands nicht reicht und die Lage immer schlechter wird. Portugal wird in absehbarer Zeit ähnlich dastehen und mit Verzögerung einige andere Länder auch. Sollen die Menschen dort dann von 100 EURO im Monat leben?
Inzwischen bin ich nicht nur pessimistisch, was den EURO betrifft. Den halte ich schon länger in dieser Konstellation für verloren. Ich habe aber immer mehr Bedenken, das der Friede vor allem in den Problemländern gewahrt bleibt. Auch werden wir unser stolzes Wirtschaftswachstum nicht mehr behalten, weil ein Absatzmarkt nach dem anderen wegbrechen wird. Wie werden dann die Verteilungskämpfe hier aussehen?
Was mir am meisten Sorgen macht, ist der ständige nutzlose Versuch des Beibebhaltung des Status Quo. Man kann Fehler machen, sollte aber darauf reagieren, wenn man sieht, das es nicht geht. Und unser Wirtschaftssystem funktioniert schon seit einigen Jahren nicht mehr so wie es soll. Märkte alleine richten es eben nicht und reiner Verteilsozialismus auch nicht.
Wenn es nach Merkel & Co. geht, sollen die das.
Und all diejenigen, die so schön auf Griechenland einprügeln, aber komischerweise für Portugiesen und andere Verständnis aufbringen, sollten sich endlich mal Gedanken dazu machen, ob die von den Medien genannten Gründe für die Misere in Griechenland wirklich "Fakelakia" und anderer Blödsinn sind oder ob es nicht ein generelles Systemproblem ist, dass Länder, die vom Export leben und "juhu" schreien und andere damit ausbluten lassen.
als mangel der eu wurde bisher immer bürgerferne, lobbyismus und bürokratismus angeführt.
dazu gesellt sich nun immer deutlicher als weiterer wesentlicher mangel die ungerechtigkeit.