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Marode Forschung in Russland: Exodus des Wissens

Die Physik-Nobelpreisträger 2010*stammen aus Russland - leben und forschen aber in England. Ihre Heimat feiert die Auszeichnung als Triumph vaterländischen Forscherdrangs, doch*in Wahrheit zeigt der Fall exemplarisch die Misere der russischen Wissenschaft.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...721745,00.html
  1. #1

    Selbstbeschränkung

    In einem unfreien Land kann es keine freie Wissssenschaft geben.
  2. #2

    ...

    "Es fehlt an Geld und Perspektiven. Noch immer verdienen Forscher im Schnitt nicht einmal tausend Euro, klagte jüngst Juri Osipow, Chef der Russischen Akademie der Wissenschaften."

    Das dauert in Deutschland auch nicht mehr lange (bzw. trifft auf Doktoranden auf halben Stellen, die meist schon einen Berufsabschluß haben, bereits heute voll zu). Wir sind sicher noch besser aufgestellt, als die Russen, aber auch bei uns werden Nobelpreisträger, wenn es passt, annektiert. Da gibt es den Physiker, der, in Deutschland geboren und ausgebildet, schon Jahrzehnte in den USA forscht, inklusive der nobelpreisgewürdigten Arbeiten. Der ist dann auch ganz schnell wieder "Deutscher". Oder Österreicher und Schweizer, die sind dann oft auch gefühlte "Deutsche". Oder man schwelgt in Nostalgie über die früheren, schon 30 Jahre toten deutschen Nobelpreisträger. Also...man kann es ruhig sein lassen, den Eindruck zu erwecken, wir würden es nicht ähnlich machen und unsere Forschung wäre so viel besser ausgestattet oder organisiert.
  3. #3

    Marode Forschung

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Physik-Nobelpreisträger 2010*stammen aus Russland - leben und forschen aber in England. Ihre Heimat feiert die Auszeichnung als Triumph vaterländischen Forscherdrangs, doch*in Wahrheit zeigt der Fall exemplarisch die Misere der russischen Wissenschaft.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...721745,00.html
    Ist ja logisch. Je geringer der Druck unter Putin wurde umso weniger wird geforscht. Die russischen Schlappsaecke sind nur noch dazu gut die Verbindungen zu Weltraumstationen aufrecht erhalten zu koennen.
  4. #4

    Dito

    Zitat von Newspeak Beitrag anzeigen
    "Es fehlt an Geld und Perspektiven. Noch immer verdienen Forscher im Schnitt nicht einmal tausend Euro, klagte jüngst Juri Osipow, Chef der Russischen Akademie der Wissenschaften."

    Das dauert in Deutschland auch nicht mehr lange (bzw. trifft auf Doktoranden auf halben Stellen, die meist schon einen Berufsabschluß haben, bereits heute voll zu). Wir sind sicher noch besser aufgestellt, als die Russen, aber auch bei uns werden Nobelpreisträger, wenn es passt, annektiert. Da gibt es den Physiker, der, in Deutschland geboren und ausgebildet, schon Jahrzehnte in den USA forscht, inklusive der nobelpreisgewürdigten Arbeiten. Der ist dann auch ganz schnell wieder "Deutscher". Oder Österreicher und Schweizer, die sind dann oft auch gefühlte "Deutsche". Oder man schwelgt in Nostalgie über die früheren, schon 30 Jahre toten deutschen Nobelpreisträger. Also...man kann es ruhig sein lassen, den Eindruck zu erwecken, wir würden es nicht ähnlich machen und unsere Forschung wäre so viel besser ausgestattet oder organisiert.
    Daran habe ich auch gedacht. Auch Deutschland erlebt einen Braindrain, da für viele hochgebildete das Leben in Deutschland nur schwer erträglich ist, während man es in anderen Ländern viel leichter hat. Ich selbst kenne viele Leute aus meinen Umfeld die sich nicht länger von Beamten gängeln lassen wollten, keine Lust vor der Bedrohung durch Hartz 4 hatten oder einfach keine Zeitverträge (gibt es ander Uni überhaupt eigentlich noch Festverträge ?) mehr wollten oder der Willkür eines Professors ausgesetzt waren. Gerade letztere sind in Deutschland so etwas wie Götter, die über den Dingen schweben, und die sich für die Krönung der Schöpfung halten - wobei viele Blindgänger darunter sind.
  5. #5

    Lebensbedingungen

    Es sind ja nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die Lebensbedingungen drumherum.
    Wer jetzt als Forscher in den Niederlanden, England oder den USA gut verdient, der fährt nach Feierabend mit seinem Wagen oder dem ÖPNV in 20-30 Minuten zu seinem kleinen Häuschen mit Garten. Er hat im Normalfall eine intakte Ökologie um sich herum und eine gute medizinische Versorgung.
    Während man sich die gute medizinische Versorgung mit (viel) Geld z.B. in Moskau auch kaufen kann, wird man bei den anderen Punkten wirklich Schwierigkeiten haben, oder sehr sehr viel Geld dafür benötigen.

    Nein, wer einmal in Westeuropa oder den USA gut verdient und damit gut gelebt hat, den zieht es nicht so leicht nach Russland zurück. Da muss schon sehr viel Patriotismus und Heimweh zusammenkommen.
  6. #6

    kleine Korrekur

    Ich möchte an dieser Stelle den Autor des Artikels bitten, eine kleine Verbesserung einzufügen. Die "Universität Nijmagen" existiert nicht, gemeint ist wohl Nijmegen, in deutschen Artikeln korrekt mit Nimwegen bezeichnet, oder man muss auch Moskwa schreiben.
  7. #7

    Aber hier ist alles besser?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Physik-Nobelpreisträger 2010*stammen aus Russland - leben und forschen aber in England. Ihre Heimat feiert die Auszeichnung als Triumph vaterländischen Forscherdrangs, doch*in Wahrheit zeigt der Fall exemplarisch die Misere der russischen Wissenschaft.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...721745,00.html

    Aha, und der deutschen Wissenschaft geht es so viel besser?

    Ich denke nicht: In der universitären Forschung kann man als Forscher froh sein, wenn man überhaupt eine Stelle hat und nicht als geld-, willen- und rechteloser Arbeitssklave missbraucht wird. Hat man eine Stelle, so ist das eigentlich immer eine halbe. Man wird also für 20 Stunden pro Woche bezahlt, darf sich aber einen Einlauf abholen, wenn man statt 45 mal nur 43 anwesend war. Das ganze wohlgemerkt als fertig ausgebildeter Akademiker. Des weiteren sind sämtliche Verträge befristet und werden wenn überhaupt auf den letzten Drücker verlängert, so dass der Forscherdrang allzu häufig hinter dem Überlebenswillen zurückstecken muss. Denn wer sich um seine Lebensgrundlage sorgt, hat wenig Kapazität für abstrakte Probleme. Dass die meisten klar denkenden Leute deshalb in die Wirtschaft abwandern sollte da keinen mehr wundern.

    Und da hört es nicht auf: Hat man trotz der widrigen Umstände mal etwas vernünftiges entdeckt, dann ist man wochen- und monatelang damit beschäftigt, das Gefundene in eine Veröffentlichung zu tippen, auf deren Autorenliste der gottgleiche Professor natürlich an erster Stelle steht. Danach kommen dann die Postdocs, weil die brauchen ja auch noch etwas Publicity, die Techniker, weil sie ja einen Teil der Messungen gemacht haben und irgendwann kommt man selbst, weil man soll ja dankbar sein, als so kleines Licht überhaupt irgendwo auftauchen zu dürfen.

    Braucht man neue Geräte oder Materialien, dann heißt es immer, es sei zu teuer, es müsse doch billiger gehen, und früher ging es doch auch ohne, aber Hauptsache die Hochschule kann sich den Prestigebau mit fußbodenbeheizter Rektoratsgarage leisten und groß "Elite" auf die Fahnen schreiben.

    Wenn die Entwicklung der Rahmenbedingungen der universitären, also nicht kommerziellen Forschung so weitergeht, dann können wir den Laden in ein paar Jahren dicht machen. Wissen und dessen Generierung (Forschung) ist deutschlands einzige Ressource, aber daran lässt sich ja so wunderbar sparen...
  8. #8

    Forschung in Russland

    Warum wird nicht hingewiesen, das japanische auch deutsche Forscher in Amerika arbeiten und dort den Nobelpreis bekommen haben. Natürlich sind die russischen Verhältnisse schlecht. Es ist schon gut das junge russische Forscher ausserhalb Russlands arbeiten und ihr Können demonstrieren können. Das grosse Elend ging ja unter der Stalinherrschaft los. Ich kenne als deutscher Neurobiologe zahlreiche russische Forscher, die gute und ehrliche Arbeit auch unter der sowjetischen Diktatur ablieferten und keiner nahm Notiz von ihnen. Auch die ISS kann nur durch die Russen weiter existieren. Nehmen wir es als ganz normal hin, wundern uns nicht und sind aufrichtig im Umgang mit Anderen und bereiten uns in Deutschland ernsthaft auf wissenschaftliche Konkurrenz aus dem Osten vor, vielleicht ist es mit unserem miserablen Bildungssystem schon 5 nach 12. Russland und China lässt grüssen.
  9. #9

    .

    Zitat von MasterMurks Beitrag anzeigen
    Aha, und der deutschen Wissenschaft geht es so viel besser?

    Ich denke nicht: In der universitären Forschung kann man als Forscher froh sein, wenn man überhaupt eine Stelle hat und nicht als geld-, willen- und rechteloser Arbeitssklave missbraucht wird. Hat man eine Stelle, so ist das eigentlich immer eine halbe. Man wird also für 20 Stunden pro Woche bezahlt, darf sich aber einen Einlauf abholen, wenn man statt 45 mal nur 43 anwesend war. Das ganze wohlgemerkt als fertig ausgebildeter Akademiker. Des weiteren sind sämtliche Verträge befristet und werden wenn überhaupt auf den letzten Drücker verlängert, so dass der Forscherdrang allzu häufig hinter dem Überlebenswillen zurückstecken muss. Denn wer sich um seine Lebensgrundlage sorgt, hat wenig Kapazität für abstrakte Probleme. Dass die meisten klar denkenden Leute deshalb in die Wirtschaft abwandern sollte da keinen mehr wundern.

    Und da hört es nicht auf: Hat man trotz der widrigen Umstände mal etwas vernünftiges entdeckt, dann ist man wochen- und monatelang damit beschäftigt, das Gefundene in eine Veröffentlichung zu tippen, auf deren Autorenliste der gottgleiche Professor natürlich an erster Stelle steht. Danach kommen dann die Postdocs, weil die brauchen ja auch noch etwas Publicity, die Techniker, weil sie ja einen Teil der Messungen gemacht haben und irgendwann kommt man selbst, weil man soll ja dankbar sein, als so kleines Licht überhaupt irgendwo auftauchen zu dürfen.

    Braucht man neue Geräte oder Materialien, dann heißt es immer, es sei zu teuer, es müsse doch billiger gehen, und früher ging es doch auch ohne, aber Hauptsache die Hochschule kann sich den Prestigebau mit fußbodenbeheizter Rektoratsgarage leisten und groß "Elite" auf die Fahnen schreiben.

    Wenn die Entwicklung der Rahmenbedingungen der universitären, also nicht kommerziellen Forschung so weitergeht, dann können wir den Laden in ein paar Jahren dicht machen. Wissen und dessen Generierung (Forschung) ist deutschlands einzige Ressource, aber daran lässt sich ja so wunderbar sparen...
    Also ich weiß ja nicht, ob und an welcher Uni sie tätig waren, aber mit der Realität hat das Beschriebene nur bedingt etwas zu tun.

    a) Der Autor steht grundsätzlich an erster Stelle und der betreuende Professor an allerletzter.
    b) Wenn man etwas bahnbrechendes entdeckt hat, dann schreibt man keine Veröffentlichung darüber, sondern meldet erstmal ein Patent an und veröffentlicht dann! Wenn erstmal eine Veröffentlichung draußen ist, kann man das Patent i.A. vergessen.
    c) Dauert es keine Monate ein Paper zu schreiben...

    d) Geräte werden i.A. angeschafft, außer der Professor war unfähig Drittmittel einzuwerben, was dann höchstwahrscheinlich mit einem unsinnigen Forschungsbereich/-thema zu tun hat.
    e) Die Universitätsgebäude werden aus ganz anderen Geldern finanziert als die Laborausstattung.

    Wo ich zustimme ist:
    1) Die idiotische und irreführende Bezeichnung der "Elite"-Uni
    2) Die absolut mieserable Bezahlung von Doktoranden (Postdocs haben i.A. volle Anstellungen und das meist mit einem annehmbaren Gehalt. Natürlich geringer als in der Wirtschaft, aber als single bei min 2000 netto)
    3) Die ständige Befristung...ein Graus!








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