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Managerausbildung: "Die großen Business Schools sind lebendige Leichen"

CorbisDraußen spielen die Märkte verrückt, drinnen orakeln Dozenten: Der Markt wird's schon richten. Mit den führenden Wirtschaftsschulen geht Thomas Sattelberger hart ins Gericht. Im Interview erklärt der Telekom-Personalvorstand, was MBA-Programme zu "Vehikeln des Finanzkapitalismus" macht.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...813654,00.html
  1. #1

    So so

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Draußen spielen die Märkte verrückt, drinnen orakeln Dozenten: Der Markt wird's schon richten. Mit den führenden Wirtschaftsschulen geht Thomas Sattelberger hart ins Gericht. Im Interview erklärt der Telekom-Personalvorstand, was MBA-Programme zu "Vehikeln des Finanzkapitalismus" macht.

    Managerausbildung: "Die großen Business Schools sind lebendige Leichen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL
    "Absolventen gehen allemal zu einem sehr großen Teil in die Finanzwirtschaft und Beratung, nicht in die klassische Realwirtschaft."
    Mit "klassischer Realwirtschaft" meint Herr Sattelberger vermutlich die Telekom. Und da hat er auch Recht. Weder er noch Obermann haben ein Hochschulstudium, geschweige denn einen MBA, absolviert.

    Ist ja nicht schlimm.
    Aber wenn die Führungskräfte einer Firma lieber über Frauenquote und MBA-Verteufelung statt über positive Finanzzahlen oder steigende Kundenzufriedenheit Schlagzeilen produzieren, dann liegt schon der Schluss nahe, dass die Aktionärsvertretung nicht funktioniert und der Aktienkurs zu Recht immer nur eine Richtung kennt, nämlich nach unten.
  2. #2

    Nicht für jeden geeignet

    Na ja, es fällt schon auf, dass es bei den MBA-Studiengängen so gut wie keine "Durchfaller" gibt.
    Solange die oft horrenden Studiengebühren von bis zu 50.000 € pro Jahr bezahlt werden, ist auch der Abschluss sicher in der Tasche.
    Viele Programme sind auf dem Niveau von Volkshochschul- oder IHK-Kursen, dafür aber gespickt mit Englisch und ein paar sicher netten Auslandsaufenthalten.
    Die von Sattelberger angesprochenen finanzmathematischen Modelle würden die meisten MBAler noch nicht einmal im Ansatz verstehen.

    Damit die Einfachheit des "Geschäftsmodells MBA-Schule" nicht auffällt, werden ja auch nur Teilnehmer zugelassen, die schon mindestens einen "echten" Uni-Abschluss haben, also z.B. einen Bachelor von einer normalen Hochschule. Oder eben Berufserfahrung. Dann lässt sich auch werbewirksam der Erfolg der MBA-Ausbildung leicht auf die beworbene MBA-Schule zurückführen, und natürlich nicht auf die fundierte Grundausbildung an einer echten Uni oder die gesammelte Berufserfahrung.

    Krönung aller MBA-Programme ist dann noch das "internationale Networking" mit Alumni und anderen Förderern.
    Aber "Networking" ist auch nur ein modernes Wort für Vetternwirtschaft. Statt Qualifikation zählt die Connection, um den Job zu kriegen. Ob das für ein Unternehmen gut ist, darf bezweifelt werden.

    Wer in Deutschland an einer staatlichen Hochschule Wirtschaftswissenschaften studiert, braucht keinen MBA.

    Allenfalls sinnvoll halte ich den MBA für Quereinsteiger, die keine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung hatten und im Rahmen ihrer Berufstätigkeit Aufgaben übernehmen sollen, die ein gewisses Wirtschaftsverständnis erfordern. Hier zahlt meist der Arbeitgeber die Studiengebühren und die Programme sind oft auch auf die speziellen Anfordereungen ausgerichtet.

    Das "Geschäftsmodell MBA-Schule" ist deshalb so lukrativ, weil den extremen Studiengebühren praktisch kein relevanter Materialeinsatz gegenübersteht. Man braucht keine Investitionen in z.B. Laboratorien oder andere aufwendige Forschungseinrichtungen.
    Ein Raum mit Beamer, eine Mini-Bibliothek und ein paar gemietetete Dozenten mit bekanntem Namen reichen aus.

    Aber gut, dass immer mehr Personalvorstände von großen Unternehmen das erkannt haben und entsprechend zu würdigen wissen...;-)
  3. #3

    Journalismus als PR

    Man kann nur hoffen, daß den Bemühungen von Frau Schwertfeger, die laut Beipackzettel seit Jahrzehnten unermüdlich für den MBA trommelt, weiterhin kein Erfolg beschieden sein wird. Nach allem, was man so hört & liest, leben die meisten 'Businesschools' schlicht von Studentenabzocke und dienen durch das Aufschwatzen und Anpreisen von Studienkrediten obendrein als verkappte Drückerkolonnen der Finanzwirtschaft. Aber davon liest man bei Frau Schwertfeger natürlich nichts. Stattdessen wird wieder dreist der Topos vom rückständigen Deutschland bemüht ...
    Apropos Roßtäuscherei: Der Handelsvertreter heißt jetzt Account Manager. Ob dadurch die Abschlüsse steigen?
  4. #4

    Zitat von Silversurfer2000 Beitrag anzeigen
    Weder er noch Obermann haben ein Hochschulstudium, geschweige denn einen MBA, absolviert.
    "Geschweige denn"? Ein MBA ist keinesfalls mit einer universitären Ausbildung zu vergleichen. Der MBA ist eher eine Art Zertifikat, das nichts mehr besagt, als dass der Absolvent brav seine Stunden in irgendeiner Volkshochschule abgesessen hat. Dagegen ist ein Schornsteinfeger E-techniker und Chemiker in einer Person.

    Aber wenn die Führungskräfte einer Firma lieber über Frauenquote und MBA-Verteufelung statt über positive Finanzzahlen oder steigende Kundenzufriedenheit Schlagzeilen produzieren, dann liegt schon der Schluss nahe, dass die Aktionärsvertretung nicht funktioniert und der Aktienkurs zu Recht immer nur eine Richtung kennt, nämlich nach unten.
    Ja doch, ohne Sie geht es nicht. Schade nur, dass die einzige Branche, von denen Leute wie Sie kleinste Ansätze verstanden haben, deutlich stärker von Ihrer Kritik betroffen ist als ein echtes Unternehmen (Daimler, Apple, usw.)

    Ich habe mal ein halbes Jahr als Gastdozent in einer Business School die schlaffen Studierenden ertragen müssen. Es ging um Finanzmathematik. Kaum zu glauben, aber die meisten MBA-Absolventen gehen ohne Kenntnis in einfachstem Bruchrechnen aus dem Studium. Klar war natürlich, dass alle Teilnehmer meiner Veranstaltung bestehen mussten. Sonst müsse ich gehen. Also bin ich gegangen.
  5. #5

    MBA = Volkshochschule

    Zitat von Vorzeichen Beitrag anzeigen
    "Geschweige denn"? Ein MBA ist keinesfalls mit einer universitären Ausbildung zu vergleichen. Der MBA ist eher eine Art Zertifikat, das nichts mehr besagt, als dass der Absolvent brav seine Stunden in irgendeiner Volkshochschule abgesessen hat. Dagegen ist ein Schornsteinfeger E-techniker und Chemiker in einer Person.

    .
    aha....ich weiss ja nicht wo Sie gesessen haben...ich habe gerade einen MBA an einer fuerehenden britischen Business School absolviert und gegen diese 12 Monate war mein deutsches BWL Erststudium ein Kindergarten. Ich wusste vorher auch nicht, was ich zu erwarten hatte, aber heute habe ich einen ziemlichen Respekt vor einem (Top) MBA studium....keine Ahnung wie diese Mickey Mouse MBAs sind. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass das eher leere Huelsen sind.

    Aber generell kann ich nicht verstehen, wie Leute inkl. Sattelberger ueber etwas laestern koennen, das Sie nie erlebt haben. Vielleicht insgeheim Neid, dass er es verpasst hat....
  6. #6

    was macht denn ein Top MBA Studium aus?

    Zitat von guppsi Beitrag anzeigen
    ich habe gerade einen MBA an einer fuerehenden britischen Business School absolviert und gegen diese 12 Monate war mein deutsches BWL Erststudium ein Kindergarten.
    12 Monate erscheinen mir für einen Master-Studiengang etwas kurz, bzw. fehlt mir etwas das Gefühl dafür, welche Lehrinhalte man in so kurze Zeit pressen kann. Ich könnte mir vorstellen, auch mal so einen Aufbaustudiengang zu belegen (wer weiß, wo einen das Berufsleben noch überall hinführt), da wäre es praktisch, die Kriterien für einen guten MBA zu kennen.

    Deshalb fände ich es nett, wenn Sie kurz zusammenfassen könnten, welche Fächer Sie in diesem Jahr belegt haben, wie die geprüft wurden und evtl. noch, welche Lehrinhalte Sie als größte Herausforderung empfunden haben.
  7. #7

    Zitat von guppsi Beitrag anzeigen
    ich habe gerade einen MBA an einer fuerehenden britischen Business School absolviert und gegen diese 12 Monate war mein deutsches BWL Erststudium ein Kindergarten.
    Weil das BWL-Studium nur 3 Monate gedauert hat? Glaube ich sofort.

    Ansonsten: Vergleichen Sie sich mal besser mit Höherwertigerem als ausgerechnet BWL. Haben Sie das nötig?

    Aber generell kann ich nicht verstehen, wie Leute inkl. Sattelberger ueber etwas laestern koennen, das Sie nie erlebt haben. Vielleicht insgeheim Neid, dass er es verpasst hat....
    Der hat Neid nun wirklich nicht nötig. Und Sie können einem Unternehmen wie der Telekom dankbar sein, wenn die Ihnen einen Job als Excelsheetschubser anbieten. Mehr lernen Sie auf Ihrer trivialen "School" auch nicht in 12(!) Monaten.
  8. #8

    Ja!!

    Respekt!!

    Der Mann traut sich mal was.

    Gegen diese Pseudoelite. Alle ticken gleich, alle haben die gleichen stereotypen Lösungsansätze, austauschbare Präsentationen mit ewig gleichem Vokabular usw.

    Ich kanns auch nicht mehr hören...
  9. #9

    Zitat von lotoseater Beitrag anzeigen
    12 Monate erscheinen mir für einen Master-Studiengang etwas kurz, bzw. fehlt mir etwas das Gefühl dafür, welche Lehrinhalte man in so kurze Zeit pressen kann.
    1.
    Es geht doch weniger um die Menge der Kurse, die man belegen kann. Rumsitzen/schlafen kann man bestimmt 40 Stunden und mehr pro Woche. Es geht doch eher darum, wie viel man davon dann tatsächlich mitnimmt (und ich meine nicht die Scripte und Präsentationsaudrucke, die sich dann irgendwann irgendwo stapeln...).
    => Jedermann hat eine begrenzte Aufnahmefähigkeit (im Schnitt ca. 30 min, eher weniger), danach gönnt sich das Gehirn eine Pause (je nach Person unterschiedlich, aber länger als einem lieb ist). Ob man will oder nicht.
    => Damit sich Wissen verfestigen kann, muss man es entweder praktisch, Transferleistungen erbringen, also angesammeltes "Wissen" in einem anderem Kontext erfolgreich anwenden, oder (oft) wiederholen, also auswendiglernen (die schlechteste Methode).

    Es ist also nicht verwunderlich, wenn man überfordert ist, wenn man mehr Infos eingetrichtert bekommt, als man eigentlich verarbeiten kann.

    2. Unser Foren-MBA-Verteidiger ist auf den wichtigsten Kritikpunkt überhaupt nicht eingegangen:
    Angelsächsische "Wirtschaftswissenschaften" lernen nur ein Theoriekonstrukt, den Neoliberalismus (vergleichbar mit dem klassischen Manchesterkapitalismus). Die Märkte regeln alles am besten... Das dem so ist würden uns die Bergbaukinder des vorletzten Jahrhunderts bestimmt bestätigen, wenn sie noch leben würden ;-)

    Dieses Konstrukt haben sich im Laufe der Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, sehr viele schlaue Köpfe ausgedacht.

    Dass sich im laufe ebenjener Zeit ebensoviele schlaue Köpfe viele andere Theorien ausgedacht haben (und ich meine hier nicht den Kommunismus), wird einfach ausgeklammert.


    Der Kern des Pudels ist aber dieser:
    Alle diese Theorien stimmen nicht mit der "Realität" überein!
    Es wird immer nur angenommen, dass etwas so ist, wie es ist.

    Normalerweise ist der Theoretiker in der Bringschuld. Er muss beweisen, dass seine Theorie stimmig ist. Bei den Wirtschaftswissenschaften wird immer darauf hingewiesen, dass es so wäre, wenn der Mensch so wäre, wie er sein sollte...

    Um die Modelle der Wirtschaftstheoretiker "in Einklang mit der Natur" zu bringen, wird nun ein einfaches, wie perfides Mittel angewandt:

    Ich, als angehender Wirtschaftslehrer, soll die Zukunft von heute zu Hominides Oeconimiae (ich hatte nie Latein, also bitte nicht Lynchen) heranzüchten. Das ist der Kern meiner Ausbildung. Denn wenn sich alle Menschen so verhalten würden, wie es die Modelle voraussagen, wären die Theorien auf ein mal "richtig"!

    Transfer:
    Physiker ändern einfach die Naturgesetze, damit ihre Theorien stimmen...

    Noch Fragen Kienzle?








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