Per Facebook soll ein 18-Jähriger andere dazu aufgefordert haben, das Polizeikommissariat in Emden zu stürmen und den mutmaßlichen Mörder eines Mädchens zu töten. Für den Aufruf zur Lynchjustiz muss er sich ab Ende Mai vor Gericht verantworten.
http://www.spiegel.de/panorama/justi...833356,00.html
Mit gewissen Anschuldigungen ist man als Unschuldiger auch in unserer ach so zivilisierten Welt dem Mob fast schutzlos ausgeliefert... Gerade digital.
Früher reichte es, eine Frau als Hexe zu bezeichnen und heute gibt es andere Themen, bei denen bei Nichtbeteiligten das Hirn aussetzt.
Sobald ein Verdächtiger präsentiert wird, kriecht auch schon der digitale Mob hervor, der in jedem Forum zur Lynchjustiz aufruft.
Und wie man sieht, ist die Schwelle zum tatsächlichen Fackelsturm auf das Gefängnis ja gar nicht so groß!
Sitzt die Polizei mit auf der Anklagebank, die durch Herausgabe von Ermittlungsständen den Volkszorn heraufbeschworen hatte?
Nicht die Emdener Polizei hat den Namen des ersten Verhafteten herausgegeben sondern die lieben netten Nachbarn haben nach seiner Festnahme nichts besseres zu tun den Namen und die Adresse des gerade Verhafteten in so einem sozialen Netzwerk zu verbreiten. Geht gar nicht! Computerforensiker vor: Wäre sehr interessant für den Fall und für die Ermittler von welchen Rechnern in der Nähe des Wohnorts des ersten Verhafteten, seine Daten ins Internet gespeist worden sind. Da ist eben gute forensische Arbeit gefragt. Entgegen des jetzt Beschuldigten rufe ich nicht zur Selbstjustiz auf sondern lasse die zuständigen Beamten ihre Arbeit machen. Oder stehe ich vor den nachbarlichen Haustüren und fordere diejenigen auf ihre Computer und Passwörter herauszugeben und drohe diese Menschen, die die Adresse und den Namen verteilt haben? Ich hoffe einigermaßen die Situation verdeutlicht zu haben. Best E.
Ich finde die Anklage gut und hoffe auf ein nicht zu sanftes Urteil. Unsere Jugend (und so mancher Erwachsene auch) muss endlich begreifen, dass die eine virtuelle Äußerung, ganz reale Konsequenzen haben kann. Auch wenn die Situation (zu Hause im eigenen Zimmer, kein direkter Gesprächsteilnehmer anwesend, keine Körpersprache, keine Gegner), in der man Kommentare, Meinungen etc. kund tut, beschützt und anonym ist, ist jeder Satz, der bei facebook und Co. gepostet wird, mit einem Plakat an der Haustür vergleichbar.
Die fehlende soziale Interaktion mit einem Gesprächspartner wird auch hier im Forum deutlich, wenn sich wildfremde Leute anfeinden. Die vermeintliche Anonymität setzt die Hemmschwelle zu asozialem Verhalten deutlich herab.
..., er sei emotional so aufgewühlt gewesen und hätte sich in keinster Weise Gedanken über die Auswirkungen seines Lynchaufrufs gemacht, sollten sich mal die Politiker zu Gemüte führen, die 16-Jährige den Führerschein machen lassen und das Wahlalter auf 16 absenken wollen.
Eine solche Aussage und die Tatsache, dass ca. 50 Personen drumherum die Herausgabe des fälschlich festgenommenen bzw. beschuldigten 17-Jährigen forderten, lässt nicht nur Schlimmes bzgl. der psychischen Verfassung dieser Leute, sondern auch über ihre Einstellung zum Rechtsstaat ahnen.
... relativierendes Herausreden eines 18-Jährigen, er sei emotional so aufgewühlt gewesen und hätte sich in keinster Weise Gedanken über die Auswirkungen seines Lynchaufrufs gemacht, sollten sich mal die Politiker zu Gemüte führen, die 16-Jährige den Führerschein machen lassen und das Wahlalter auf 16 absenken wollen.
Dgl. Aussage und die Tatsache, dass ca. 50 Personen drumherum die Herausgabe des fälschlich festgenommenen bzw. beschuldigten 17-Jährigen forderten, lässt nicht nur Schlimmes bzgl. der psychischen Verfassung dieser Leute, sondern auch über ihre Einstellung zum Rechtsstaat ahnen.
Das trifft auf den 18jährigen zu: "Viele Menschen sind gut erzogen, um nicht mit vollem Mund zu sprechen, aber sie haben keine Bedenken, es mit leerem Kopf zu tun.
Orson Welles, *06-Mai-1915, † 10-Okt-1985"
Volljährig ist und war er auch zu dem Zeitpunkt, bitte nach Erwachsenem-Strafrecht verurteilen
Fehler der Polizei sind die eine Sache, zu der längst Ermittlungen für ggf. disziplinarische und/oder strafrechtliche Maßnahmen eingeleitet wurden.
Mit dem Fehler der Ermittler (einen fälschlich Verdächtigten gleich in U-Haft genommen zu haben) einen Lynchaufruf als das "Heraufbeschwören des Volkszorns" relativieren zu wollen, scheint der bedenkliche Versuch, von eigenem Verschulden abzulenken und Andere dafür verantwortlich machen zu wollen.
Dass die Identität des Verdächtigten unverantwortlicher Weise von sich wohl wichtig machen wollenden Nachbarn publiziert wurde, ist bekannt.
Man stelle sich nur einmal vor, dem aufgestachelten Mob wäre es gelungen, an den Inhaftierten heranzukommen; sie hätten ihn wohl totgeschlagen od. es hätte Tote gegeben bei einem polizeilichen Versuch, 50 Stürmende als Notmaßnahme mit Schüssen aufzuhalten.