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Machtkampf bei "Echo Moskaus": Kreml-Kritik unerwünscht

Der Radiosender "Echo Moskaus" gilt als Vorbild für sauberen Journalismus. Jetzt will der Staatskonzern Gazprom die Mehrheit im Aufsichtsrat übernehmen. Mit Kreml-Kritik wäre es dann wohl vorbei - Premier Putin zürnt der Redaktion, weil sie ihn "von morgens bis abends mit Durchfall" überschütte.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...815585,00.html
  1. #1

    Vorgeschmack

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Radiosender "Echo Moskaus" gilt als Vorbild für sauberen Journalismus. Jetzt will der Staatskonzern Gazprom die Mehrheit im Aufsichtsrat übernehmen. Mit Kreml-Kritik wäre es dann wohl vorbei - Premier Putin zürnt der Redaktion, weil sie ihn "von morgens bis abends mit Durchfall" überschütte.
    Putin holt zum Gegenschlag aus. Die Demonstrationen vom Dezember und von diesem Monat haben ihn in Panik versetzt. Jetzt werden die Daumenschrauben angezogen. Die Attacke gegen "Echo Moskaus" ist lediglich ein Vorgeschmack auf das, was nach dem März in den kommenden Jahren in Russland stattfinden wird.
  2. #2

    Thesen

    " Erstens sei es bequem für den Kreml, bei westlicher Kritik an mangelnder Pressefreiheit in Russland auf das rebellische Radio zu verweisen.
    Zweitens genieße Echo zwar großes Ansehen in der Intelligenz, habe aber kaum Einfluss auf die Volksmassen, die Wahlen entscheiden können.
    Drittens bräuchten auch die Männer im Kreml eine unabhängige Quelle, um sich über die wahre Lage im Land zu informieren. Echo liefere Nachrichten, die "es in den roten Mappen mit der Aufschrift 'Top Secret' nicht gibt", sagt Wenediktow.
    "
    Erstens gibt es in Russland dutzende unabhängige Radiosende, Zeitungen und Millionen von Bloggern, die eine dem Kreml konträre Meinung vertrteten. Aus irgendeinem Grunde scheint hier "Echo Moskaus" jedoch eine Sonderrolle (insbesondere bei dem Besuch von US-Botschaftern) einzunehmen.
    Zweitens sind die Thesen und das ewige Dreckausgießen über Putin so an den Haaren herbeigezogen, dass man es sich vielleicht aus reiner Neugier "ansehen" würde, aber Akzeptanz resultiert daraus natürlich nicht.

    Drittens "rote Mappen" mit Top-Secret drauf? Für wie bescheuert muss man den deutschen Leser eigentlich halten, damit er glaubt, dass die Entscheidungsträger mit den brisanten Informationen eigentlich nur aus einer Stelle versorgt werden können.
  3. #3

    Kämpfe von Journalisten

    So viel schlimmer als in Deutschland kann der Journalismus dort eigentlich auch nicht werden.
    Oder sollte man derartige Klein-Fritzchen-Russen-Bilder neuerdings als "Aktuell" oder "Information" bewerten?
  4. #4

    Gleichschaltung der Medien

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Radiosender "Echo Moskaus" gilt als Vorbild für sauberen Journalismus. Jetzt will der Staatskonzern Gazprom die Mehrheit im Aufsichtsrat übernehmen. Mit Kreml-Kritik wäre es dann wohl vorbei - Premier Putin zürnt der Redaktion, weil sie ihn "von morgens bis abends mit Durchfall" überschütte.

    Machtkampf bei Echo Moskau: Der Feind im eigenen Haus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    naja dann wirds halt wie bei uns, egal auf welchen Sender du gehts auf den Nachrichten kommt der gleiche Inhalt.
  5. #5

    "Der Radiosender Echo Moskau gilt als Vorbild für sauberen Journalismus"

    Das stimmt einfach nicht. Ich sehe oft den Kreml-kritischen Fernsehsender RTVI (mit Echo Moskva eng verbunden). Die einseitigen Berichte ähneln dort sehr denen von SPON.
    Ein Leser der schweizer Zeitung NZZ bringt es auf den Punkt:
    Gesehen wird, was gesehen werden soll. Nicht gesehen wird, was nicht sein darf.
    "Er bleibe aber weiter als Chefredakteur im Amt, teilte Alexej Wenediktow am Dienstag mit.
    Auch erklärte er, dass er absolut sicher wisse, dass Wladimir Putin eine entsprechende Verfügung nicht erteilt habe."
    (aktuell.ru) Wieso gehört das nicht mit zur Meldung?

    Und wieso ist es keine Meldung, dass eine Demo von Putin-Unterstützern in Moskau genausowenig durch das Zentrum marschieren darf wie jeweils diejenigen der Gegner?
    Und wieso ist es keine Meldung, dass ein hoher Beamter der Migrationsbehörde entlassen wurde,
    weil dieser einer französischen Journalistin zu Unrecht das Visum entzogen hatte, weil diese sich "mit der Opposition getroffen" hätte?

    Das geschickte Filtern macht den schlechten Journalismus aus.
  6. #6

    Herr Bidder,

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Radiosender "Echo Moskaus" gilt als Vorbild für sauberen Journalismus. Jetzt will der Staatskonzern Gazprom die Mehrheit im Aufsichtsrat übernehmen. Mit Kreml-Kritik wäre es dann wohl vorbei - Premier Putin zürnt der Redaktion, weil sie ihn "von morgens bis abends mit Durchfall" überschütte.

    Machtkampf bei Echo Moskau: Der Feind im eigenen Haus - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    herr Bidder, ich verfolge Ihre Artikel über Russland schon seit 2 Jahren. Darin hieß immer dass Politsystem in Russland keine Demokratie ist, keine Opposition hat und das alle Medien gekauft sind. Jetzt stellt sich heraus, dass es durchaus kritisches Journalismus gab und gibt (nicht wie hier beim Spiegel). Somit bestätigen Sie nur das, wovon hier in Forum schon immer bekannt war-dass die Berichterstattung über Russland, reißerisch, tendeziös und unwahr war.
  7. #7

    Feind im eigenen Land

    Zu Sowjetzeiten, so hat das die ehemalige US-Außenministerin Condoleezza Rice einmal bei einem Besuch in Moskau erzählt, gab es drei obligatorische Termine: im Kreml, im Bolschoi-Theater und im Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz. Bolschoi und Kreml blieben auch nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Imperiums Pflicht, so Rice. Statt der wächsernen Mumie des toten Revolutionärs aber machen US-Delegationen nun der überaus lebendigen Redaktion des Senders Echo Moskau die Aufwartung.
    Ich würde nicht so weit gehen und behaupten, Echo Moskwy arbeite im Dienste des Auslands. Aber es ist schon problematisch, wenn ausgerechnet Rice & Co. diesen Sender besuchen und in höchsten Tönen loben. Diese Beliebtheit kann sich schnell als Bumerang erweisen. Der Sender täte gut daran, Solidaritätsbekundungen von solcher Seite klar abzuweisen und auf seine Unabhängigkeit zu pochen.

    Die Mehrheit der Russen sind Patrioten, teilweise auch große Nationalisten, daran wird die kleine, zwar zunehmend größer werdende Schicht junger, westlich orientierter Moskauer und Petersburger auch in der Zukunft nichts ändern.

    Wenn ein Medium sich allzu beliebt macht bei amerikanischen Stiftungshohheiten und reaktionären Personen wie Condoleeza Rice, dann komnmt das bei der Mehrheit der Russen gar nicht gut an.

    Und wenn jemand zu weit geht, wie z.B. Chodorkowski, der die russische Energiewirtschaft mit den Amis verweben wollte, dann wird man schnell zum Feind im eigenen Land. Dann geht es auch nicht mehr nur um Meinungsfreiheit, sondern um ein bischen mehr.
  8. #8

    Kremlkritisch ???

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit Kreml-Kritik wäre es dann wohl vorbei
    /0,1518,815585,00.html[/url]
    Ich habe bei SPON Jahrenlang lesen müssen, dass es KEINE kremlkritische Medien in Russland gibt. Jetzt scheint der Autor dieser Beiträge sich nicht zu schämen, plötzlich etwas über klremkritischen Radiosender zu schreiben. Er könnte dann auch viele andere Zeitungen erwähnen, wo putinkritische Beiträge hart an der Beleidungsgrenze zu lesen sind. Er könnte auch in Moskau Fernseher einschalten und auf vielen Kanälen schauen, wie die anderen Präsidentschaftkandidaten über Putin herziehen.
    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    neuem Russland, einem Staat, der weder eine Demokratie nach westlichem Maßstab ist /0,1518,815585,00.html[/url]
    Eine Demokratie nach westlichem Maßstab - damit kann wohl nur ein Land bezeichnet werden, das voll von USA abhängig ist, wo Medien gleichgeschaltet sind und nicht mehr der Information, sondern Propaganda dienen und wo man mehr über Demokratie spricht, als wirklich tut ? Wo wirklich kompetente Journalisten wie Scholl-Latour, Krone-Schmalz usw. nicht mehr zu Wort kommen und wo Agitpropper wie Bidder herrschen ?

    Übrigens: im Internet sind schon Videos aufgetaucht, die die Fälschung der NOCH NICHT STATTGEFUNDENEN Wahlen im März belegen sollen (Handyaufnahmen aus einem Wahllokal). Darüber könnte man z.B. schreiben, wenn man wirklich an Analyse und Journalismus betreiben wollte.
  9. #9

    Putin liebt die Provokation: überschüttet ihn gerne mit Durchfall !! auch nachts !!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Radiosender "Echo Moskaus" gilt als Vorbild für sauberen Journalismus.
    Jetzt will der Staatskonzern Gazprom die Mehrheit im Aufsichtsrat übernehmen .. -
    Premier Putin zürnt der Redaktion,
    weil sie ihn "von morgens bis abends mit Durchfall" überschütte.
    Russland ist sozusagen eine „Pseudo-Demokratie“,
    entstanden aus einer Gesellschaft,
    die über Jahrhunderte den Mächtigen gestattete,
    ihre Privilegien ungeniert und absolutistisch auszuleben:
    Lug und Trug allüberall, Korruption, wo man hinschaut;
    Beispiel (vor 10 Jahren): die Strafen bei Verstoss gegen Umweltverschmutzung durch Autoabgase wurden drastisch erhöht.
    Was hat sich geändert ? stärkere Beachtung der Vorschriften ? mitnichten,
    nur der Tarif der Bestechung an den Verkehrspolizisten wurde entsprechend erhöht .. von 300 Rubel auf 1000 Rubel ..

    Ebenso bedient sich die mit unehrlichen Wahlen an die Macht gekommene Putin-Mannschaft ungeniert und ungestraft administrativer Ressourcen.
    Dazu gehört auch und vor allem Gazprom.
    Je nach Bedarfslage ist diese Organisation halbprivat oder halbstaatlich;
    darüber hinaus wurde die „Eigenversorgung“ aus der sowjetischen Ära beibehalten: Gazprom hat eigene Krankenhäuser, zehntausende Immobilien, eigene Fluggesellschaft, eigene Banken, eigenen Medienkonzern mit Fernsehstation und Radio.
    Als Putin 2000 sein Amt antrat, liess er den „Anti-Putin“-Sender NTV durch Gazprom-Media vereinnahmen, und erfreut sich seitdem ungestört der Telekratie in Russland, wie George Bush jr. mit Fox in USA, oder Silvio Berlusconi mit RAI in Italien.
    Und niemand kontrolliert die Geldbewegungen von Gazprom im Partei-Interesse der Regierenden;
    Parlament, Rechnungshof, Prokuratura, Gerichte: alles Fehlanzeige.
    Formal ist die russische Gesetzgebung ziemlich zeitgemäss,
    aber die Rechtsanwendung ist Jahrhunderte von Europa entfernt;
    Richter ohne eigene Anwaltserfahrung, der Generalstaatsanwalt rapportiert aus seinem Tagesgeschäft an den Präsidenten (und empfängt Prioritäten, u.a. Chodorkowski)
    Rechtsstaatlichkeit findet in Russland nicht statt,
    und Putin ist auch nicht der Typ, der die Rechtsstaatlichkeit sucht,
    da steht ihm schon seine eigene KGB-Ausbildung und -Praxis im Wege …

    Ich hoffe, dass die „beruhigenden“ Worte von Wennediktov mehr sind,
    als blosses sich Mut machen;
    für westliches Empfinden ist das Verhalten der Machthabenden im Kreml schlichtweg unappetitlich, um keine schlimmeren Audrücke zu gebrauchen ..








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