Wir sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Seit unserer Jugend träumen wir davon, daß unsere zweite Heimat Ägypten eines Tages ebenfalls für Demokratie, Freiheit und ein mindestmaß an Lebensqualität für die Bürger stehen wird.
Seit dem Beginn der Demonstrationen in Ägypten am 25. Januar fühlen wir uns an jene unbeschreiblichen Tage erinnert, als mutige Menschen in Ostdeutschland durch friedliche Demonstrationen ihre Freiheit und die Einheit Deutschlands ermöglichten. Viele Staaten, bis hin zur Sowjetunion, hatten der damaligen DDR-Regierung unmissverständlich bedeutet, was die Stunde geschlagen hatte.
Wir wünschen uns nun von allen Regierungen eine ähnliche solidarische Haltung mit dem ägyptischen Volk, da eine historische Chance besteht, das mit 80 Millionen Menschen bevölkerungsreichste arabische Land, auf seinem Weg zu einem freiheitlichen und konstruktiven Regierungssystem und Staatswesen zu unterstützen. Der Weg zu einem Neuanfang scheint greifbar nah.
Die Menschen auf Ägyptens Straßen demonstrieren für Freiheit, Zivil- und Menschenrechte sowie faire Wahlen. Es handelt sich um eine Bewegung, die von Bürgern ohne Klientelinteressen initiiert und getragen wird. Sie fordern dieselben Werte ein, mit denen wir im Westen uns identifizieren.
Mubarak hat im Laufe seiner 30-jährigen Amtszeit stetig an Glaubwürdigkeit verloren, sodass ihm ein großer Teil der Bevölkerung den Transformationsprozess hin zu Menschenrechten und freien Wahlen nicht mehr anvertrauen will.
Spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, die westliche Außenpolitik zu überdenken. Sie wurde beeinflusst, von arabischen Herrschern wie Mubarak, deren Überlebensstrategien auf einer einfachen Formel beruhen: „Ich oder islamischer Fundamentalismus!“. Diese Formel wird nun wieder platziert, um die Freiheitsbewegung zu diskreditieren.
Das klare “Nein” der Ägypter zu Mubarak jedoch zu ignorieren um sich einen wichtigen Verbündeten in der Region zu sichern, ist kurzsichtig gedacht. Nicht nur, dass dies auf Kosten unserer freiheitlich demokratischen Werte ginge. Die Konsequenz wäre, dass dieses Land für sehr lange Zeit wieder in einer politischen und sozialen Scheinstabilität geparkt würde. Der Nährboden für islamistisch-fundamentalistisches Gedankengut würde gedeihen und das Risiko für die Zukunft unabsehbarer.
Daher sollte es auch hier im Westens in unser aller ureigenstem Interesse sein, die Opposition in Kairo anzuhören und sie dabei zu unterstützen, dieses Land auf dem Weg zur Freiheit zu begleiten.
Es gibt keinen Grund, sich nicht klar zu den Forderungen der Menschen in Ägypten zu bekennen. Diese Frauen und Männer sind sowohl Christen als auch Muslime aus unterschiedlichsten Schichten und gehen gemeinsam auf die Straße in ihrer Forderung nach Freiheit. Unter ihnen ist mit Mohamed El Baradei ein international anerkannter Diplomat und Friedensnobelpreisträger, der sich für den Übergang zur Verfügung stellt und Ansehen in weiten Teilen der Opposition genießt.
Diese Bewegung hat keinerlei ideologische Züge bzw. Drahtzieher noch hat sie anti-westliche oder anti-israelische Konnotation. Das sollte uns allen Vertrauen in das ägyptische Volk geben. Und Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle Ägypter.
Ashraf El Sharkawy
Oliver Gawad



