Literatur im Comic: Der echte Harry Potter

Comic-Autor Mike Carey nutzt in "The Unwritten" Anleihen in der Literatur und erzählt hochunterhaltsam von Identitätskonflikten und davon, wie Fiktion die Wahrnehmung und die Wirklichkeit beeinflusst.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...810411,00.html
  1. #1

    Literatur im Comic? :-(

    Ich weiss ja nicht, was ich mir nach dieser Überschrift genau erwartet hatte, aber jedenfalls doch etwas mehr. Vielleicht einen umfassenderen Rundumschlag, die Verbindungen zwischen Comic und Literatur einkreisend, als lediglich eine Besprechung einiger weniger Comics neueren Datums. Stattdessen wird mir gleich in den ersten Sätzen mitgeteilt, dass es sich ohnehin um zwei getrennt zu betrachtende Genres handelt. Des Weiteren ist dann die "Literatur", die sich demzutrotz doch irgendwie Eingang in die Comics verschafft hat, doch eher dem Bereich der B-Literatur zuzuordnen, wie ich hier einfach mal frech behaupte (Harry Potter, Alice im Wunderland, Robert Louis Stevenson, Jules Verne...). So hat die Überschrift "Literatur im Comic" doch etwas reichlich lockvogelhaftes. Dabei gibt es ja durchaus interessante Beispiele, wo beide Welten sich näher kommen. Als einziger mir bekannter Comickünstler, der auch Romane schreibt, fiele mir etwa Walter Moers (Kleines Arschloch, Käpt'n Blaubär) ein. Womit wir gleich bei den sogenannten Autorencomics wären, die radikal von ihrem individuellen Schöpfer geprägt sind und sich dadurch grundlegend von Serien unterscheiden, in denen der gleiche Figurenkosmos von stets wechselnden Künstlern gestaltet wird (Superhelden, Disney etc.). Wenn man sowas wie "Anspruch" in Comics sucht, dann wird man hier am ehesten fündig. Weiter zu nennen wären u. a. Ralf König, Jean Marc Reiser oder Robert Crumb. Von letzterem gibt es übrigens eine beeindruckende Zusammenarbeit mit David Zane Mairowitz unter dem Titel "Kafka kurz und knapp". Ein einführendes Werk zu Leben und Werk Kafkas mit (eher vernachlässigbarem) Text von Mairowitz und atemberaubenden Comics von Crumb. Diese illustrieren einerseits Szenen aus Kafkas Leben (als eingeschüchtertes Kind neben dem Vater oder beim Besuch einer Prostituierten) als auch Comicadaptionen von Ausschnitten aus dessen Werk, deren einziger Mangel ist, dass nicht die komplette Vorlage ins Bild gesetzt wurde (Crumb ist anscheinend gerade dabei, als weiteres literarisches Werk die Bibel als Comic zu zeichnen, den kompletten Kafka werden wir daher wohl nicht mehr erleben). Unter "Literatur im Comic" hätte ich mir vielleicht eher sowas vorgestellt.
    :-)
  2. #2

    Zitat von monoman Beitrag anzeigen
    Als einziger mir bekannter Comickünstler, der auch Romane schreibt, fiele mir etwa Walter Moers (Kleines Arschloch, Käpt'n Blaubär) ein.
    Spontan fallen mir da noch Gerhars Seyfried und Neil Gaiman ein. Für längeres Nachdenken ist es mir jetzt aber zu spät ;-)