Linke-Parteivize im Interview: Wagenknecht schließt Doppelspitze mit Lafontaine aus

dapdSie gilt als eine Hoffnungsträgerin der Linken und stemmt sich gegen die seit Monaten währende Krise ihrer Partei: Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt Sahra Wagenknecht, warum die Linke ihrer Meinung nach nicht am Ende ist - und spricht über ihr Leben mit Oskar Lafontaine.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...830269,00.html
  1. #50

    Zitat von suwarin Beitrag anzeigen
    Warum will sie dann nicht den Wahlkampf in NRW anführen? Sie hätte einen ähnlichen Effekt auf die Linke gehabt, wie Lindner auf die FDP.
    Sehr unwahrscheinlich. So massiv, wie über den zahlenmäßigen gelben Karnickelzüchterverein berichtet und wie der mit seinem neuen Heiland hochgepuscht wurde, da wäre auch eine Wagenknecht chancenlos, zumal sie es ja nicht wie der Röttgen macht, mal kurz einen Abstecher ins Ländle, und wenn es schief geht, sich wieder nach Berlin zu verabschieden.
    Zitat von suwarin Beitrag anzeigen
    Sie wissen, dass die ,,obersten 10%" das Gros der Steuern zahlen?
    Nein, das ist mir in der Tat neu. Und ich dachte immer, dass zum größten Teil des Steuerkuchens, der Umsatzsteuer, ALLE beitragen. So viel Kaviar können die paar Reichen gar nicht futtern, dass es den Anteil von Otto N. aufwiegt.
    Nun wird es aber langsam wirklich lächerlich. Hat sich denn immer noch nicht bis zum letzten Claqueur rumgesprochen, welche Steuerarten es gibt, nebst deren Anteil am Aufkommen?
    Zitat von suwarin Beitrag anzeigen
    Gegenfrage: Wenn es der Linken um Gerechtigkeit geht, warum ist eine Abgabenbelastung von fast 50% gerecht? Oder geht es doch nur um einen Verteilungskampf zwischen arm und reich?
    In der Tat, darum geht es - IMMER. Glückwunsch zu der Erkenntnis.
    Parteien sind Interessenvertreter. Und an deren politischen Entscheidungen lässt sich sehr einfach ersehen, WESSEN Interessen sie im Verteilungskampf bedienen.
    Apropos: Wessen Belastung beträgt REAL 50 Prozent? Dafür hätte ich gern mal einen Nachweis.
    Zitat von suwarin Beitrag anzeigen
    Leider hatte die Intelligenz immer eine Affinität zum Totalitarismus und zur Planwirtschaft. Klugheit heißt eben nicht Wirtschaftsverstand.
    In der Tat, ich würde der aktuellen Regierung auch nie Klugheit unterstellen (Wirtschaftsverstand allerdings auch nicht, denn wer den hat, kann schlecht in einem einheitlichen Währungsraum allen seine Austeritätspolitik aufzuzwingen versuchen). Schon ein Realschüler begreift, dass des einen Schulden des anderen Vermögen sind und nicht alle gleichzeitig sparen können. Münchhausen, der sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zog, lässt grüßen.
    Vielleicht sollte man eben doch nicht mit dem mikroökonomischen Verstand der "schwäbischen Hausfrau" an makroökonomische Probleme herangehen.
    Zitat von suwarin Beitrag anzeigen
    Das Problem der Linken ist doch, dass sie auf die Fragen von heute noch dieselben Konzepte wie im letzten Jahrhundert hat. Unnötig zu erwähnen das die damals schon nicht funktioniert haben.
    Dieser Satz lässt darauf schließen, dass Sie nicht die geringste Ahnung von den HEUTIGEN Positionen der LINKEn haben.
  2. #51

    "
    Zitat von hubertrudnick1 Beitrag anzeigen
    Wenn die Frau Wagenknecht den realexistierende Sozialismus mal etwas genauer studiert hätte und nicht nur Fantasien nachlaufen würde, dann wüsste sie es, dass es nicht funktionieren kann.
    Der Mensch ist nicht so formbar wie es sich die Philosophen erdacht hatten.
    Wer immer Menschen so formen will wie er es möchte, der unterwirft dann nur alle und der schafft dann automatisch Diktauren und die Menschen sind dann auch wieder nur die Knechte einiger wenigern und das haben wir in der DDR 40 lange Jahre erleben müssen, wobei es den Russen noch viel schlechter erging.
    Also Frau Wagenknecht setzen sie mal ihre Intelligentz ein und lassen sie die Fantasien, denn damit kann man die Gesellschat nicht zum Besseren entwickeln.
    HR
    "

    Am besten trifft der Vergleich mit den Russen. Warum haben die eigentlich 1917 eine Revolte angezettelt. Die hatten doch alles; Gold,Erdöl Getreide ... keine Demokratie... es war doch das Paradies auf Erden... versteh einer die Russen ?
  3. #52

    Kapitalismuskritik ist gut;

    Zitat von garfield Beitrag anzeigen
    So wie hier und heute, wo Unternehmenssteuern massiv gesenkt, dafür die Mehrwertsteuer erhöht wurde - meinen Sie diese Art der Umverteilung?

    Ich wünschte, es wäre nur ein Versuch geblieben. Aber wer verlangt schon, dass Versuche erfolgreich verlaufen - das heißt, erfolgreich war auch dieser Versuch, fragt sich nur, für wen.

    Nun, von der aktuellen Art und Richtung der Umverteilung (Stichwort Entwicklung der Einkommens- und Vermögensschere) hätte ich in der Tat gern deutlich weniger.
    denn die hat uns die soziale Marktwirtschaft gebracht. Aber auch diese muss ständig optimiert werden, was uns bisher in Zeiten harter Anpassungen an die Globalisierung im internationalen Vergleich besser gelungen ist als vielen anderen Ländern. Wagenknecht betreibt jedoch eine Fundamentalkritik ohne Fundamenmental(selbst)kritik an ihrem und bisherigen Sozialismusmodellen, die allesamt gescheitert sind und noch dazu mit ihrem Hauptanspruch: Wohlstand für alle.
  4. #53

    ...

    Zitat von Herr Hold Beitrag anzeigen
    Wieso glauben Sie, Sie hätten einen Anspruch darauf?
    Weil wir uns alle gemeinsam in einer Gesellschaft befinden, in der niemand etwas werden, nutzen und besitzen kann ohne die Hilfe von anderen, und ohne gemeinschaftliche Leistungen. Besitz in Form von so etwas virtuellem wie Geld ist hierbei lediglich der Versuch einer Abbildung der jeweils erbrachten Leistungen. Es gibt jedoch keine Gewährleistung, dass diese Abbildung korrekt ist, sondern es kommt vielmehr häufig zu Fehlbildungen, wenn zB jemand das 1000fache verdient von jemand anderem, aber nicht die 1000fache Leistung erbracht hat. Und das kommt ja nun wirklich sehr häufig vor.

    Findet die Gesellschaft solche Fehlabbildungen in der Vermögensbildung, dann ist es mehr als gerechtfertigt, per Steuern und Abgaben gegenzusteuern.
  5. #54

    "
    Zitat von spiekla Beitrag anzeigen
    ist ein Leistungsempfänger, der Einzahler entsprechend der Erbringer. Sie können für diesen beiden Teilnehmer unseres Systemes aber gern andere Bezeichungenm vorschlagen. Sie müssen bei der "Gerechtigkeit" mal den Staat (gedanklich) weglassen, der ja gar keine eigenen Mittel hat; denn letzlich geht es um einen allgemeinen funktionierenden Interessenausgleich von Geben und Nehmen. Gerechtigkeit wird aktuell zu einseitig von den Empfängern definiert, die verständlicherweise mehr haben wollen, als die Einzahler (gerechterweise) abgeben wollen. Anschaulich bei der Jung -Alt Balance: Welche Rentenhöhe müssen die Jungen erarbeiten?
    Die Situation des von Ihnen genannten Aufstockers ist in jedem sozialistischen Land schlechter als bei uns, weil es dann nichts zum Aufstocken gibt.
    "

    Wenn dann 10 Hartz4-flankierte Arbeitsbienen einen Bienenbesitzer reich machen, ist dieser (der Bienenbesitzer) dann ein Leistungserbringer oder ein Empfänger ? (Er gibt den anderen natürlich Arbeit und sollte von uns allen respektiert und geachtet werden...)
  6. #55

    Zitat von spiekla Beitrag anzeigen
    denn die hat uns die soziale Marktwirtschaft gebracht. Aber auch diese muss ständig optimiert werden, was uns bisher in Zeiten harter Anpassungen an die Globalisierung im internationalen Vergleich besser gelungen ist als vielen anderen Ländern. Wagenknecht betreibt jedoch eine Fundamentalkritik ohne Fundamenmental(selbst)kritik an ihrem und bisherigen Sozialismusmodellen, die allesamt gescheitert sind und noch dazu mit ihrem Hauptanspruch: Wohlstand für alle.
    Nun bin ich kein Anhänger dieser komischen Partei, frage aber dennoch, was ist an diesem Anspruch verkehrt?
  7. #56

    Utopie vs. Realität

    Zitat von rotebrause Beitrag anzeigen
    ""

    Danke!! Ihre Antwort strotzt vor geballtem Fachwissen. Eine Frage hätt ich aber noch. Ist derjenige welcher 40 h und mehr unter übelsten Bedingungen in diesem Land knuffen geht und trotzdem Hartz 4 kassiert, ein Leistungserbringer oder ein Leistungsempfänger (Hinweis: Es gibt mehrere davon in diesem Land) ?
    Sie werden immer ein Beispiel finden, dass auf irgend eine Aussage nicht passt. Aber ein fauler Apfel verdirbt nun mal nicht die gesamte Ernte.

    Die in dem von Ihnen kritisierten Post gemachten Aussagen sind stark verallgemeinernd, enthalten aber noch immer deutlich mehr Potential als Ihre Reaktion darauf...

    Ja, der Kommunismus ist möglicherweise die optimale Gesellschaftsform. Dummerweise fehlen uns aber zur Realisierung die optimalen Menschen. Bis auf weiteres werden wir also wohl mit dem arbeiten müssen, was uns zur Verfügung steht...

    Das mag zynisch klingen,
    ist aber (leider) der Unterschied zwischen Ideal und Realität.
  8. #57

    ...

    Zitat von spiekla Beitrag anzeigen
    denn die hat uns die soziale Marktwirtschaft gebracht. ... und noch dazu mit ihrem Hauptanspruch: Wohlstand für alle.
    Das ist witzig, dass Sie von Sozialer Marktwirtschaft sprechen, und dabei gleichzeitig S.W. dafür kritisieren, exakt den Hauptanspruch im Munde zu führen, der doch vom Begründer der Sozialen Marktwirtschaft stammt.

    Lesen Sie mal ihr Buch, dann werden Sie sehen, dass sie sehr wohl auch Kritik am Sozialismus führt, und die notwendigen Lösungen eher aus der SM heraus entwickelt, statt aus dem Sozialismus.
  9. #58

    Gesellschaftliche Evolution

    Zitat von whocaresbutyou Beitrag anzeigen
    Ja, der Kommunismus ist möglicherweise die optimale Gesellschaftsform. Dummerweise fehlen uns aber zur Realisierung die optimalen Menschen. Bis auf weiteres werden wir also wohl mit dem arbeiten müssen, was uns zur Verfügung steht...

    Das mag zynisch klingen,
    ist aber (leider) der Unterschied zwischen Ideal und Realität.
    Interessanter Ansatz: Jedoch glaubte man auch vor der franz. Revolution auch, dass Königtum und die Dreiständegesellschaft (sogar 'gottgebene') Realität sei, bis das Ideal dieser Revolution die Weltbühne betrat.
  10. #59

    ...

    Zitat von whocaresbutyou Beitrag anzeigen
    Dummerweise fehlen uns aber zur Realisierung die optimalen Menschen. Bis auf weiteres werden wir also wohl mit dem arbeiten müssen, was uns zur Verfügung steht...
    Man muss die Menschen nicht ändern, um zum Kommunismus oder erst mal zum Sozialismus zu gelangen. Man muss nur die Rahmenbedingungen ändern, entsprechende Anreize entwickeln, und schädliche Anreize beseitigen. Eine künftige Gesellschaft muss zB nicht notwendigerweise noch bei Steuerflucht zwei Augen zudrücken. Die Politik muss ja nicht unbedingt erlauben, dass Unternehmen dadurch Profit machen, indem sie ordentliche Anstellungsverträge durch Zeitarbeit ersetzen. Man muss diese Anreize doch nicht bringen, wir können das ändern.

    Der Mensch ist kein rein egoistisches Wesen, er ist immer schon auch auf Kooperation gepolt. Kooperation und individueller Egoismus schließen sich aber häufig aus, daher muss man Prioritäten setzen bzw. Regeln.

    Wenn wir behaupten, Menschen seien nun mal gierig, dann sage ich: Nur weil man es zulässt.