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Leistungslohn für Professoren: Das 50.000-Euro-Prekariat klagt an

DPADie W-Besoldung, nach der die Professoren seit 2005 entlohnt werden, steht vor einem Stresstest, schreibt das Hochschulmagazin "duz". Mitte Februar entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob für verbeamtete Forscher weiter das Leistungsprinzip gelten darf - oder ihnen qua Amt mehr Geld zusteht.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...812521,00.html
  1. #20

    Das Geld ist eben nicht da

    Wer richtig viel verdienen will, soll dann eben nicht in der öffentlichen Forschung arbeiten. Den Unis wäre gedient, wenn sie mehr Professoren zu einem moderaten Gehalt anstellen, als wenn sie ein paar arroganten "Spitzenforschern" einen goldenen Mercedes vor die Tür stellen. Mit mehr Personal könnte man die Studentenmassen vielleicht auch wirklich bewältigen. Die Professoren sind - auch wider willen - im übrigen oft nicht diejenigen, die wirklich die handfeste Arbeit machen. Das sind vor allem Postdocs und Doktoranden - um die sich die Professoren selten wirklich kümmern können (oder wollen), weil sie so mit Verwaltungstätigkeiten oder Repräsentationsaufgaben (Elite! Elite!) überlastet sind. Von den Abschlussarbeiten wird bestenfalls die Einleitung und die Diskussion gelesen, Schummler werden ignoriert, weil man keinen Ärger will... - Mir ist übrigens noch nicht untergekommen, dass Doktoranden sich "hochsitzen". So manche überlange Doktorarbeit hat wohl auch etwas damit zu tun, dass Doktoranden billige Arbeitskräfte sind, die, wenn es nicht reicht, oft noch von den Eltern unterstützt werden. Und viele Postdocs, die lange an der Uni verbracht und sich von einem "Halbzeit"projekt zum nächsten gehangelt haben, schaffen es nicht bis zur Professur und stehen dann mit 45 oder 50 plötzlich ohne jede Perspektive auf der Straße - obwohl sie schon 25 Jahre gute Forschung und Lehre gemacht haben. Es wäre besser, das Geld so zu teilen, dass es für alle für ein vernünftiges Leben und ein Mindestmaß an Sicherheit reicht. Die Forschung wird auch nicht besser, wenn die meisten Ideen in einer verstockten Hierarchie versacken! Mehr Diskussion, weniger Anträge, mehr Zusammenarbeit, weniger eingebildete "Exzellenz" und eine faire Verteilung der knappen Gelder würden mehr helfen, als nur Leuchttürme aufstellen zu wollen. Der Wettbewerb, der gerade an den Unis stattfindet, ist ein reiner Überlebenskampf, und wenn es permanent ums blanke wirtschaftliche Überleben geht, macht man sich vielleicht doch zu wenig Gedanken darüber, ob man wirklich gute Forschung macht oder nur eine hübsche Fassade. Und die, die oben angekommen sind, gehen mit ihrer Machtposition nicht immer verantwortungsvoll um. Noch höhere Gehälter machen das nicht besser.
  2. #21

    50k bekommen in den Frankfurter Großkanzleien die Sekretärinnen mit einigen Jahren Berufserfahrung. Nicht umsonst hat mir vor einigen Jahren einer meiner Anwälte aus einer solchen Kanzlei erzählt, dass sich bei ihnen ein habilitierter Romanist jenseits des 40ten Lebensjahres um einen Posten als Fremdsprachensekretär beworben habe (der aber nicht eingestellt wurde, um (i) Unverträglichkeiten im Sekretariat zu vermeiden, und (ii) zu vermeiden, dass das Sekretariat höhere akademische Weihen hat als die Prinzipale.
  3. #22

    Aus meiner eigenen Erfahrung - und dem daraus resultierenden Schluss, nach der Promotion nicht weiter den Weg ins Professorenamt anzustreben - kann ich sagen, dass es nicht nur das Gehalt ist, dass diese neuen W-Stellen unattraktiv macht. Es sind auch die Arbeitsbedingungen:

    Durch das Wegbrechen des akademischen Mittelbaus bleibt sehr viel Verwaltungsarbeit an den Professoren hängen, gerade in kleineren Arbeitsgruppen, die keine akademische Ratsstelle haben. Oft ist die Arbeitsbelastung bei 70 Stunden die Woche aufwärts, viele Professoren liegen darüber. Das entspricht oft einem Nettogehalt von 10 Euro pro Stunde, bei der Arbeitsbelastung zweier Vollzeitjobs.
    Hinzu kommt die berufliche Unsicherheit: Feste Stellen gibt es oftmals erst ab einem Alter von knapp 40 Jahren - bis dahin weiß man schlichtweg nicht, ob man nicht am Ende doch ohne Job dasteht, denn befristete Arbeitstellen gibt es an der Universität für maximal 12 Jahre, danach wird man nirgendwo mehr weiterbeschäftigt. Und dann einen Job in der Wirtschaft zu finden, mit 38 und ohne Berufserfahrung in Unternehmen, ist extrem schwierig. Mal abgesehen davon, dass man nicht sesshaft werden kann, weil ja immer ein Umzug an eine andere Hochschule oder gar in ein anderes Land anstehen könnte.

    Mit 25 bis 30 Jahren mag das ja alles noch gehen, aber bis 40? Und dann eventuell doch Lehrer, oder sogar arbeitslos? Und wenn es klappt, dann massive Arbeitsbelastung bei 10 Euro pro Stunde netto? Warum um alles in der Welt soll man sich das antun? Heutzutage ist Professor kein Traumjob mehr, sondern ein Albtraumjob, den ich nur denen anraten kann, die schmerzfrei sind und einen Partner haben, der ihnen all die "lästigen Nebengeräusche" (Zitat eines Physik-Professors) wie Kindererziehung, Haushalt etc. abnimmt und dabei akzeptiert, dass man eben größtenteils nicht da ist.
    Kein Wunder übrigens, dass bei den Bedingungen nach wie vor fast ausschließlich Männer Professoren sind.
  4. #23

    Steuern zahlen!

    Zitat von geroi.truda Beitrag anzeigen
    50k bekommen in den Frankfurter Großkanzleien die Sekretärinnen mit einigen Jahren Berufserfahrung.
    Dann sollten vielleicht einige Leute etwas mehr Steuern zahlen, damit die, die hart im öffentlichen Dienst arbeiten, fair bezahlt werden können. Das wären dann als erstes aber nicht unbedingt Professoren, sondern eher Erzieherinnen und Erzieher und Krankenschwestern und Krankenpfleger!
    - In unserem Bildungs- und Forschungssystem gibt es zumindest so wenig Geld, dass wenn einer mehr bekommt, woanders jemand über Bord geht - also ins soziale Netz, und das und kostet auch eine Menge Geld - ganz von der entwürdigenden Situation für die Betroffenen abgesehen.
  5. #24

    Zitat von Zeugma Beitrag anzeigen

    Na ja, was Sie allerdings - ob bewusst oder unbewusst - unterschlagen, ist die Tatsache, dass kein Beamter gezwungen wird, sich privat zu versichern unter Inanspruchnahme der Beihilfe. Jeder Beamte kann sich auch gesetzlich versichern.
    Afaik haben sie da eventuell nicht ganz recht, aber ich bin da auf Hoerensagen angewiesen, somit....!
    Ich glaube zu wissen, das ein Beamter (nehmen wir nun mal einen nur im mittleren Dienst) seinen nicht Beihilfe gedeckten Teil privat versichern muss, sonst wird er wohl nicht bei der gesetzlichen abgemeldet. Allerdings war da wohl ein kleines Problem, das der Dienstherr den Arbeitgeberanteil NICHT uebernehmen muss, somit der Beamte dann alles zahlen muesste.
    Weil u bei meinem Beispiel zu bleiben: Frau und Kinder sind in der GKV guenstiger (mit)versichert, als in der PKV mit/ohne Beihilfe. Somit wuerde vermutlich jeder Beamte unterhalb A10 wohl lieber gesetzlich versichert sein, zumindest so lange Frau und Kid's nicht selber versichert sind.
    Aber vioelleicht kennen sie sich besser aus. Haben sie dazu einen Link? Ein Bekannter von mir wuerde vermutlich gerne naeheres wissen!
  6. #25

    Das Problem sind die Zusatzverdienste ...

    Der Vergleich hinkt. Die meisten Professoren arbeiten nebenher eh noch für die Wirtschaft, Stiftungen oder gar als Freiberufler, das können die meisten angestellten Ingenieure nicht. Professoren sind super bezahlt und kriegen meistens sogar zu viel Geld. Das Problem sind eher die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Professoren, denn diese machen die ganze Arbeit für wenig Geld. Was muss ein Professor heute eigentlich noch selbst leisten? Sogar die Vorlesungen werden oftmals von Hiwis gehalten, weil der Professor gerade für irgendeine Firma arbeitet.
    Besonders die alte Garde der Profs macht sich nur noch die Taschen voll. Selbst die Sprechstunde wird von Hiwis abgehalten. Unglaublich, aber wahr!
  7. #26

    Keine Verbeamtung für Professoren

    Rechnen wir mal so:
    50.000€ brutto - keine Sozialabgaben und Beihilfe
    Arbeitsplatzsicherheit - also kein Kündigungsrisiko
    Pension von 60% des letzten Brutto - 30.000€

    Um auf die gleichen netto Bedingungen als Angestellter in der Industrie zu kommen bedarf es eines Fixgehalts von ca. 130.000€ und einer möglichst durchgängigen Beschäftigung.
    Das bedeutet: mehr Stress, weniger Freiraum, höheres Risiko,...

    Selbst wenn das Fixum der Professoren auf 37.500 abgesenkt wird, liegt ein vergleichbares Fixum in der Indistrie bei ca. 90.000.

    Achja, die Vergünstigungen bei Versicherungen, der Möglichkeit mit der Sicherheit Immobilien zu erwerben, privatwirtschaftliche Nebentätigkeiten, etc. sind noch nicht einmal berücksichtigt.

    Professoren sollten schlicht nicht mehr verbeamtet werden.
    Oder besser noch, bis auf Polizisten sollte niemand mehr verbeamtet werden.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die W-Besoldung, nach der die Professoren seit 2005 entlohnt werden, steht vor einem Stresstest, schreibt das Hochschulmagazin "duz". Mitte Februar entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob für verbeamtete Forscher weiter das Leistungsprinzip gelten darf - oder ihnen qua Amt mehr Geld zusteht.

    Leistungslohn für Professoren: Das*50.000-Euro-Prekariat klagt an - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
  8. #27

    Beamte in GKV - kein Problem

    Zitat von Altesocke Beitrag anzeigen
    Afaik haben sie da eventuell nicht ganz recht, aber ich bin da auf Hoerensagen angewiesen, somit....! ...Aber vioelleicht kennen sie sich besser aus. Haben sie dazu einen Link? Ein Bekannter von mir wuerde vermutlich gerne naeheres wissen!
    Es gibt nirgendwo eine gesetzliche Bestimmung, die die GKV für Beamte verunmöglicht. Daher wird auch nirgendwo explizit stehen, dass Beamte in die GKV dürfen. Sie sind dann freiwillig versichert.

    Schauen Sie mal hier:
    Beamte in der gesetzlichen Krankenkasse | Versicherungsvergleich für Beamte

    oder

    BMI - FAQ -Als freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versicherter Beamter zahle ich zweimal die Praxisgebühr, einmal beim Arzt und einmal wird mir diese der mir zu gewährenden Beihilfe abgezogen. Wie kann das sein?

    Aber lieber heute mit der PKV sparen und hoffen, dass morgen, wenn das Schneeballsystem der PKV zusammengestürzt ist, der gesetzgeber schon kreativ werden wird und eine Lösung findet. So wird es am Ende auch sein.
  9. #28

    Kann ich so nicht nachvollziehen

    Zitat von Whitejack Beitrag anzeigen
    Aus meiner eigenen Erfahrung - und dem daraus resultierenden Schluss, nach der Promotion nicht weiter den Weg ins Professorenamt anzustreben - kann ich sagen, dass es nicht nur das Gehalt ist, dass diese neuen W-Stellen unattraktiv macht. Es sind auch die Arbeitsbedingungen:

    Durch das Wegbrechen des akademischen Mittelbaus bleibt sehr viel Verwaltungsarbeit an den Professoren hängen, gerade in kleineren Arbeitsgruppen, die keine akademische Ratsstelle haben. Oft ist die Arbeitsbelastung bei 70 Stunden die Woche aufwärts, viele Professoren liegen darüber. Das entspricht oft einem Nettogehalt von 10 Euro pro Stunde, bei der Arbeitsbelastung zweier Vollzeitjobs.
    Hinzu kommt die berufliche Unsicherheit: Feste Stellen gibt es oftmals erst ab einem Alter von knapp 40 Jahren - bis dahin weiß man schlichtweg nicht, ob man nicht am Ende doch ohne Job dasteht, denn befristete Arbeitstellen gibt es an der Universität für maximal 12 Jahre, danach wird man nirgendwo mehr weiterbeschäftigt. Und dann einen Job in der Wirtschaft zu finden, mit 38 und ohne Berufserfahrung in Unternehmen, ist extrem schwierig. Mal abgesehen davon, dass man nicht sesshaft werden kann, weil ja immer ein Umzug an eine andere Hochschule oder gar in ein anderes Land anstehen könnte.

    Mit 25 bis 30 Jahren mag das ja alles noch gehen, aber bis 40? Und dann eventuell doch Lehrer, oder sogar arbeitslos? Und wenn es klappt, dann massive Arbeitsbelastung bei 10 Euro pro Stunde netto? Warum um alles in der Welt soll man sich das antun? Heutzutage ist Professor kein Traumjob mehr, sondern ein Albtraumjob, den ich nur denen anraten kann, die schmerzfrei sind und einen Partner haben, der ihnen all die "lästigen Nebengeräusche" (Zitat eines Physik-Professors) wie Kindererziehung, Haushalt etc. abnimmt und dabei akzeptiert, dass man eben größtenteils nicht da ist.
    Kein Wunder übrigens, dass bei den Bedingungen nach wie vor fast ausschließlich Männer Professoren sind.
    An den meisten Universitäten an denen ich war, hatte der Prof 6 Wochenstuden an Vorlesungen abzuleisten, danach kümmerte sich man stets um die eigenen Bücher, oder man geht den eigenen Forschungsinteressen nach.
    Verwaltung? Dieses Problem ensteht eigentlich nur bei Klausuren, aber das ist ja auch kein so großes Problem, denn die werden vornehmlich von studentischen Hilfskräften korrigiert oder vom Assistenten. Also 50000 für 6 Wochenstunden hätte ich auch gerne.
  10. #29

    Dass Vorlesungen...

    Zitat von ullibulli09 Beitrag anzeigen
    Der Vergleich hinkt. Die meisten Professoren arbeiten nebenher eh noch für die Wirtschaft, Stiftungen oder gar als Freiberufler, das können die meisten angestellten Ingenieure nicht. Professoren sind super bezahlt und kriegen meistens sogar zu viel Geld. Das Problem sind eher die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Professoren, denn diese machen die ganze Arbeit für wenig Geld. Was muss ein Professor heute eigentlich noch selbst leisten? Sogar die Vorlesungen werden oftmals von Hiwis gehalten, weil der Professor gerade für irgendeine Firma arbeitet.
    Besonders die alte Garde der Profs macht sich nur noch die Taschen voll. Selbst die Sprechstunde wird von Hiwis abgehalten. Unglaublich, aber wahr!
    ... von Hiwis gehalten werden ist Quatsch, das habe ich an meiner Hochschule noch nie erlebt! Vielleicht vertritt mal ein wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Postdoc den Prof, wenn der auf einer Konferent ist o.ä. Bei uns dürfen Hiwis nicht mal Aufsicht in Klausuren führen, das muss alles von Dokoranden gemacht werden. In der Regel ist der Stoff der Vorlesungen auch so "schwer", dass das schwerlich von Hiwis mal so eben aus dem Stehgreif durchgezogen werden könnte.
    Was man als Uni Prof nebenbei verdienen kann ist übrigens gedeckelt bei 20% des Jahresbrutto (zumindest in meinem Bundesland). Das heißt der Prof. darf dann noch 10K zusätzlich zu den 50K verdienen, das war's aber auch schon! Ich weiß ja nicht wo Sie ihre Infos herhaben oder auf welche Uni sich Ihre Aussagen beziehen, aber bei mir an der Uni sieht das anders aus!
    Den Weg zur Professur haben hier ja schon einige beschrieben: lang, unsicher, wenig rentabel... Die Einführung der W-Besoldung hat einfach zu massiven Einschnitten bei der Vergütung geführt. Und man kann sich ja schon Fragen warum zB ein Jura Prof, der zukünftige Richter ausbildet weniger verdient als diese in ihrem Beruf später verdienen werden, zumal man noch schneller Richter wird als Prof.


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