Zitat von
Whitejack
Aus meiner eigenen Erfahrung - und dem daraus resultierenden Schluss, nach der Promotion nicht weiter den Weg ins Professorenamt anzustreben - kann ich sagen, dass es nicht nur das Gehalt ist, dass diese neuen W-Stellen unattraktiv macht. Es sind auch die Arbeitsbedingungen:
Durch das Wegbrechen des akademischen Mittelbaus bleibt sehr viel Verwaltungsarbeit an den Professoren hängen, gerade in kleineren Arbeitsgruppen, die keine akademische Ratsstelle haben. Oft ist die Arbeitsbelastung bei 70 Stunden die Woche aufwärts, viele Professoren liegen darüber. Das entspricht oft einem Nettogehalt von 10 Euro pro Stunde, bei der Arbeitsbelastung zweier Vollzeitjobs.
Hinzu kommt die berufliche Unsicherheit: Feste Stellen gibt es oftmals erst ab einem Alter von knapp 40 Jahren - bis dahin weiß man schlichtweg nicht, ob man nicht am Ende doch ohne Job dasteht, denn befristete Arbeitstellen gibt es an der Universität für maximal 12 Jahre, danach wird man nirgendwo mehr weiterbeschäftigt. Und dann einen Job in der Wirtschaft zu finden, mit 38 und ohne Berufserfahrung in Unternehmen, ist extrem schwierig. Mal abgesehen davon, dass man nicht sesshaft werden kann, weil ja immer ein Umzug an eine andere Hochschule oder gar in ein anderes Land anstehen könnte.
Mit 25 bis 30 Jahren mag das ja alles noch gehen, aber bis 40? Und dann eventuell doch Lehrer, oder sogar arbeitslos? Und wenn es klappt, dann massive Arbeitsbelastung bei 10 Euro pro Stunde netto? Warum um alles in der Welt soll man sich das antun? Heutzutage ist Professor kein Traumjob mehr, sondern ein Albtraumjob, den ich nur denen anraten kann, die schmerzfrei sind und einen Partner haben, der ihnen all die "lästigen Nebengeräusche" (Zitat eines Physik-Professors) wie Kindererziehung, Haushalt etc. abnimmt und dabei akzeptiert, dass man eben größtenteils nicht da ist.
Kein Wunder übrigens, dass bei den Bedingungen nach wie vor fast ausschließlich Männer Professoren sind.