Ich habe nichts gegen Faulheit, solange sie nicht mit dem Anspruch einhergeht, von der Gesellschaft durchgefüttert zu werden: Von Steuern derjenigen, die dafür hart Arbeiten.
CorbisSmartphone ausstellen, Füße hochlegen, Seele baumeln lassen: Nichtstun. Der Traum vom Müßiggang ist alt - und brandaktuell. Dabei macht Faulsein jede Menge Arbeit.
http://www.spiegel.de/panorama/gesel...837573,00.html
Ich habe nichts gegen Faulheit, solange sie nicht mit dem Anspruch einhergeht, von der Gesellschaft durchgefüttert zu werden: Von Steuern derjenigen, die dafür hart Arbeiten.
... gelten in Unternehmen immer noch als NOGO, - nicht in den kreativen Denkfabriken.
Ein solcher Beitrag ohne Verweis auf Lafargue: http://www.wildcat-www.de/material/m003lafa.htm
und das Manifest gegen die Arbeit:
http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit
ist nicht komplett.
Was Marx angeht: Er verklärt keineswegs die Arbeit: "Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt, regelt und kontrolliert."
"Allerdings hat er (Smith) Recht, dass in den historischen Formen der Arbeit als Sklaven-, Fron-, Lohnarbeit die Arbeit stets abstoßend, stets als äußere Zwangsarbeit erscheint und ihr gegenüber die Nichtarbeit als ‚Freiheit und Glück‘.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik
und er formuliert: "„Die Beseitigung der kapitalistischen Produktionsform erlaubt, den Arbeitstag auf die notwendige Arbeit zu beschränken."
mit dem Ziel:
"„Wenn alle arbeiten müssen, der Gegensatz von Überarbeiteten und Müßiggängern wegfällt – und dies wäre jedenfalls die Konsequenz davon, dass das Kapital aufhörte zu existieren, ... – und außerdem die Entwicklung der Produktivkräfte, wie das Kapital sie hervorgebracht hat, in Betracht gezogen wird, so wird die Gesellschaft den nötigen Überfluss in 6 Stunden produzieren, mehr als jetzt in 12, und zugleich werden alle 6 Stunden ‚Freizeit‘, den wahren Reichtum haben; Zeit, die nicht durch unmittelbar produktive Arbeit absorbiert wird, sondern zum Genuss, zur Muße, so dass sie zur freien Tätigkeit und Entwicklung Raum gibt.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert
Seit Marx diese Gedanken niedergeschrieben hat, ist die Arbeits-produktivität um rund das 30fache gesteigert worden. Wir schaffen in 30 Wochenstunden, also der Hälfte der damaligen Arbeitszeit, das 15fache des damaligen Lebensstandards.
Trotzdem ist der 8-h Tag Standard. Geschuldet der Tatsache, das Arbeit als einzige Quelle von Profit eben auszubeuten ist soweit und solange es geht...zu ändern nur bei Änderung des Wirtschaftssystems
In der Bibel steht eben nicht "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."
Richtig heißt es dort: "Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen."
Das mit dem 'wollen' wird gerne unterschlagen, ändert aber die Aussage grundsätzlich.
Hier im speziellen geht es wohl nicht darum, sich der Arbeit grundsätzlich zu verweigern, sondern das nur zeitweise zu tun. In den sogenannten Mußestunden eben.
ursprünglich die Gelegenheit, etwas zu tun.
Muße ist also die Voraussetzung für etwas Neues.
Man sollte bzw. müßte in dieser Frage noch einen kleinen Schritt weitergehen. Den Ansatzpunkt liefert ein Satz: "Angesichts der technischen Wunderwerke müssten wir heute mehr Zeit für Muße haben als alle Generationen vor uns." Das Problem ist nämlich nicht die Menge der vorhandenen Arbeit und der vorhandenen Mittel zur Beschaffung all dessen, was wir brauchen oder zu brauchen glauben. Das Problem ist die ungleiche Verteilung. Bezüglich z.B. der Arbeit heißt das, diejenigen mit Arbeit haben zuviel, diejenigen ohne Arbeit zu wenig davon. Es wird eben immer nur lokal optimiert. Der angesprochene Richtungswechsel (den man übrigens wahlweise auf beliebiger Ebene ansetzen kann - Firma, Kommune, Land, oder auch global) würde bedeuten, ein gesamtgesellschaftliches Optimum zu suchen und anzustreben. Und das würde eben auch bedeuten, daß einige Leute von dem, was sie derzeit haben, etwas abgeben müßten. Leider sind das die Leute, die über die größte Macht, die betriebsamste Lobby verfügen - es wird also wohl so schnell nichts werden mit dem Richtungswechsel. Und genau deshalb wird es so bleiben wie bisher, ein zumindest teilweiser Ausstieg aus dem Trubel ist nur jedem Einzelnen selber möglich, dem die dann unvermeidlichen Einschränkungen lieber sind als ein "weiter so".
Ein Artikel, der mir (als Angestellten) aus der Seele spricht: nicht zum Arbeiten bin ich geboren, sondern zum Leben.
Das Leben muss finanziert werden und das geht nunmal nur durch den Verkauf der eigenen Arbeitskraft - damit ist Arbeit Zweck zum Leben, nicht Lebenszweck.
Bei dieser Betrachtungsweise drängt sich der Schluss auf, dass Arbeit und Müßiggang in Einklang gebracht werden müssen, etwa nach dem Motto, man solle nur so viel Arbeiten, wir zur Finanzierung des Lebens notwendig ist.
Und hier entsteht der eigentliche Skandal. Ein Skandal, der übrigens umso schwerer wiegt, wenn man prekär beschäftigt ist: es wird allein die Wirtschaftlichkeit der geleisteten Arbeit bewertet. Putzkräfte, Friseusen, Wachschutzdienstleister - sie alle werden minderbezahlt, weil ihre Wirtschaftlichkeit eben weit geringer ist, als in anderen Branchen, auch ein Ergebnis der "Geiz-ist-Geil-Mentalität".
Diese Leute stellen jedoch nebst ihrer Arbeitskraft noch etwas anderes zur Verfügung (wie übrigens jeder andere auch) - was aber nicht vergolten wird: Lebenszeit.
Erinnern wir uns? Wir arbeiten, um zu leben. Wir investieren einen Teil unserer Lebenszeit, um den Rest zu finanzieren. Für immer mehr Menschen gerät aber der Anteil "Rest" immer mehr in eine drastische Schieflage - wer 12 - 14 Stunden täglich schafft, an sechs Tagen die Woche, in zwei verschiedenen Jobs, nur um existieren zu können, hat einfach kein gesundes Verhältnis mehr.
Dank Rentenverknappung, anstehender Altersarmut und Jobbing im Alter wird der Anteil Zeit für Müßiggang immer weiter reduziert. Man könnte auch sagen: die Investition von Lebenszeit in Arbeit wird nicht mehr angemessen abgegolten. Wir leben nur noch für die Arbeit.
Ich finde das pervers. Doppelt pervers übrigens, als dass wir alle auf das Mantra reinfallen, dass wir uns über unsere Arbeit definieren müssen. Das ist aber Unsinn: wir definieren uns als Mensch über unsere SELBSTGESTELLTEN Aufgaben, nicht die Arbeit, die wir (wenig selbstbestimmt) für andere erledigen.
Aber das sei nur ein Denkansatz.