Leistungsdruck: Ein Hoch auf die Faulheit

CorbisSmartphone ausstellen, Füße hochlegen, Seele baumeln lassen: Nichtstun. Der Traum vom Müßiggang ist alt - und brandaktuell. Dabei macht Faulsein jede Menge Arbeit.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...837573,00.html
  1. #30

    Zitat von mensch0817 Beitrag anzeigen
    Man sollte bzw. müßte in dieser Frage noch einen kleinen Schritt weitergehen. Den Ansatzpunkt liefert ein Satz: "Angesichts der technischen Wunderwerke müssten wir heute mehr Zeit für Muße haben als alle Generationen vor uns." Das Problem ist nämlich nicht die Menge der vorhandenen Arbeit und der vorhandenen Mittel zur Beschaffung all dessen, was wir brauchen oder zu brauchen glauben. Das Problem ist die ungleiche Verteilung. Bezüglich z.B. der Arbeit heißt das, diejenigen mit Arbeit haben zuviel, diejenigen ohne Arbeit zu wenig davon. Es wird eben immer nur lokal optimiert. Der angesprochene Richtungswechsel (den man übrigens wahlweise auf beliebiger Ebene ansetzen kann - Firma, Kommune, Land, oder auch global) würde bedeuten, ein gesamtgesellschaftliches Optimum zu suchen und anzustreben. Und das würde eben auch bedeuten, daß einige Leute von dem, was sie derzeit haben, etwas abgeben müßten. Leider sind das die Leute, die über die größte Macht, die betriebsamste Lobby verfügen - es wird also wohl so schnell nichts werden mit dem Richtungswechsel. Und genau deshalb wird es so bleiben wie bisher, ein zumindest teilweiser Ausstieg aus dem Trubel ist nur jedem Einzelnen selber möglich, dem die dann unvermeidlichen Einschränkungen lieber sind als ein "weiter so".
    und das ist Sozialismus.

    Überholen ohne einzuholen...:) Wird schon noch .-)
  2. #31

    Witzig

    Da stolpern doch wieder etliche Foristen in die klassische Falle: 'ohne Moos nix los'. Der Wert der Zeit wird reflexartig in Geld gemessen. Nur wer sich die Muße leisten=bezahlen kann, hat auch ein Anrecht darauf.

    Natürlich müssen/sollten wir alle für unseren Lebenserhalt (essen, wohnen, Grundbedürfnisse) sorgen, aber alles darüber ist doch das eigentliche Leben. Und erstaunlich, die Dinge, die dann wirklich Spaß machen, die unserer Seele gut tun, sind alles Dinge, die man für kein Geld der Welt kaufen könnte.

    Natürlich hat unsere kapitalistische Gesellschaft überhaupt kein Interesse daran, dass die Leute womöglich daran Gefallen finden, zusammen zu sitzen, sich zu unterhalten, zu spielen, singen, tanzen, basteln, wandern, malen, schreiben und noch ein paar andere sehr nette Dinge die man so anstellen kann, ohne auch nur einen Cent zu bezahlen.

    Das Credo unserer Zeit lautet: Konsum, damit die Wirtschaft wächst, um mehr Produkte herzustellen, die wir konsumieren sollen, damit die Wirtschaft wächst, um mehr ... Eine Todesspirale.

    Muße ist nicht nur ein Grundrecht des Menschen, sie ist auch ein wichtiger sozialer Wert, der uns womöglich schon bald vor dem endgültigen Kollaps der heißlaufenden Konjunktur bewahrt. Also, Leute, macht mal Pause!
  3. #32

    Luxusproblem!

    Wir haben den in Deutschland den Luxus, bei einer 35-Stunden-Woche von einem Vollzeitjob sprechen zu können und in vielen tariflich organisierten Branchen werden Überstunden sehr restriktiv gehandhabt. Wenn wir weiterhin ein Tiptop-Industrieland bleiben wollen, sollten wir uns solche Debatten lieber sparen.
  4. #33

    Zitat von Sebamo Beitrag anzeigen
    Wir haben den in Deutschland den Luxus, bei einer 35-Stunden-Woche von einem Vollzeitjob sprechen zu können und in vielen tariflich organisierten Branchen werden Überstunden sehr restriktiv gehandhabt. Wenn wir weiterhin ein Tiptop-Industrieland bleiben wollen, sollten wir uns solche Debatten lieber sparen.
    Wieso "Luxus"? Bei 1,2 Mrd geleisteter Überstunden pro Jahr in Deutschland ist die 35h-Woche eher die Ausnahme denn die Regel. Die meisten, so wie ich, sind 40+x Stunden auf Arbeit, wobei x schnell größer als 10 sein kann.

    Es ist diese sinnlose Anwesenheitskultur, die nervt. Wenn ich mein Pensum in 6h schaffe, warum muss ich 8h auf Arbeit sein? Wieso krieg ich dann einfach einen neuen Stapel auf den Tisch gelegt, statt ein Lob zu hören, dass ich einfach effizient gearbeitet habe?

    Nur mal so gefragt.

    Wenn die aufgewendete Lebenszeit pauschal als "Grundlohn" vergütet werden müsste, wäre es ganz schnell aus mit der "Anwesenheitskultur". Sehr zum Wohle aller.
  5. #34

    Deutscher Fleiss!

    Der Grieche arbeitet um zu Leben!
    Der Deutsche lebt um zu arbeiten!!
    Uralter Spruch in dem die Wahrheit steckt.

    Der innere Trieb, der Geiz, die Protzerei sind alles Ursachen des Deutschen. Und kommt er dann in suedliche Laender sind die Leute alle dort faul, sitzen den ganzen Tag vor oder in der Taverne und tun einfach nichts, nicht einmal reden!
    Und dann redet er in den Foren vom faulen Pack. Und wenn er gar Fischer am spaeten Vormittag "rumhaengen" wird er ueber soviel Faulheit sogar wuetend.
    Kennen Sie noch die alte Schnulze von Rudi Schuricke? " Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer VERSINKT, ziehn die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus und sie.....!

    Drei Jahre lang habe ich in einem Fischerdorf gelebt. Da sassen die Fischer schon am Morgen am Strand und schauten hinaus. Sahen sie einen Fischschwarm rasten sie zu ihren Booten und fuhren hinaus. An manchen Tagen war nichts zu entdecken also hingen sie rum. Sollten die etwa 8 Std auf See bleiben, nur damit Sie auf Arbeit warteten?
  6. #35

    Genau

    Zitat von pewehh Beitrag anzeigen
    Das Credo unserer Zeit lautet: Konsum, damit die Wirtschaft wächst, um mehr Produkte herzustellen, die wir konsumieren sollen, damit die Wirtschaft wächst, um mehr ... Eine Todesspirale.
    Es wäre schön, wenn das alle erkennen würden. Ich glaube es tun auch schon viele. Vielleicht sollte man in den Kreis noch einbauen, dass wir ja auch mehr arbeiten/verdienen müssen, damit die Produkte hergestellt und konsumiert werden können. Was wiederum den Müßiggang einschränkt.
  7. #36

    Unfug

    Zitat von Sebamo Beitrag anzeigen
    Wir haben den in Deutschland den Luxus, bei einer 35-Stunden-Woche von einem Vollzeitjob sprechen zu können und in vielen tariflich organisierten Branchen werden Überstunden sehr restriktiv gehandhabt. Wenn wir weiterhin ein Tiptop-Industrieland bleiben wollen, sollten wir uns solche Debatten lieber sparen.
    Wenn einem die Wirtschaftsleistung des Vaterlandes wichtiger ist als die Suche nach dem individuellen Glück, dann sollten wir uns die Diskussion tatsächlich sparen. Ansonsten gibt es keinen Grund, diese Diskussion nicht zu führen.
  8. #37

    Zitat von Sebamo Beitrag anzeigen
    Wir haben den in Deutschland den Luxus, bei einer 35-Stunden-Woche von einem Vollzeitjob sprechen zu können und in vielen tariflich organisierten Branchen werden Überstunden sehr restriktiv gehandhabt. Wenn wir weiterhin ein Tiptop-Industrieland bleiben wollen, sollten wir uns solche Debatten lieber sparen.
    Dieser "Luxus" wird nach und nach abgebaut - siehe Leiharbeit. 35-Stunden-Woche bei annehmbarer Bezahlung dürfte nur noch die Minderheit betreffen.
    "Tiptop-Industrieland" - Ich bin wirklich keine Verschwörungstheoretiker, aber bei manchen Kommentaren (+ Wortwahl) frage ich manchmal wirklich ob hier teilweise Propaganda gestreut wird... Denn "so dämlich kann niemand sein" - frei nach KK.
    Oder es handelt sich um typisches "Forum-Trolling".

    Wie dem auch sei... 40-Stunden-Woche bei unzumutbarer (weil sinnloser) Arbeit ist definitiv zu viel - viel zu viel! Einfach unglaubliche Zeitverschwendung die hier betrieben wird und man darf sich nicht wundern, dass genau diese zu unserem Untergang führen kann/wird.
    Glückliche Menschen wo seid ihr bloß? Ich sehe so wenige in meiner Generation (Anfang 20), dass wir noch ein sehr, sehr, sehr böses Erwachen erleben werden.
  9. #38

    Zitat von frank-thiele Beitrag anzeigen
    Ich habe nichts gegen Faulheit, solange sie nicht mit dem Anspruch einhergeht, von der Gesellschaft durchgefüttert zu werden: Von Steuern derjenigen, die dafür hart Arbeiten.
    Lustig! Welche Art von Faulheit finden Sie denn dann akzeptabel? Die des Aktienbesitzers, "der sein Geld für sich arbeiten läßt"?

    Ich verrate Ihnen was: DER kostet Sie erheblich mehr Geld als ein HartzIV-Leistungsbezieher (den Sie ja wohl meinten), der nur sein Recht auf ein (übrigens viel zu geringes) Existenzminimum geltend macht.
  10. #39

    Puh, was für 'ne Arbeit

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ... Tipps parat für alle, die dem Drang zum Immer-mehr und Immer-schneller widerstehen wollen. (Zum Beispiel: am Sonntag alle Uhren in den Schrank packen.) Schnabels Credo ...
    Faulheit und Muße: Die Entdeckung der Langsamkeit - SPIEGEL ONLINE
    Müsste ich sonntags in den Keller, Leiter raufholen, Uhr abhängen, Leiter wieder wegräumen ... nee, nich' am Sonntag.