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Leipziger Journalistik-Fehde: Immer mitten in die Presse
Ein Student stellt das Buch eines Professors ins Netz, erhält dafür eine Abmahnung, der Streit eskaliert - Leipziger Kommunikationswissenschaftler stecken tief in einer Kommunikationskrise.*Die Abteilung für Journalistik findet aus den Querelen nicht mehr heraus.
http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...733108,00.html
- #10 10.12.2010 12:43 von
- #11 10.12.2010 13:50 von
.
Das die Skripte kopiert werden und als PDF rumgehen ist doch nichts ungewöhnliches.
Das die Profs pampig darauf reagieren, wenn ihr geistiges Eigentum munter kopiert wird, ist auch nichts neues.
Bei unserer Hochschule haben die meisten Profs "Zusammenfassungen" (also das Skript mit anderem Vorwort) herausgegeben, damit sie keine Probleme mit dem Springer Verlag bekamen weil sie die Rechte abgetretenen haben. Und diese "Zusammenfassungen" wurden dann zum Kopierkostenkreis verteilt. Andere Profs bestellten genug Bücher für die Bibliothek, einige ignorierten nachdrücklich die Raubkopien, wieder andere schrieben alles an und ließen die Studenten abschreiben.
Anscheinend habe ich ziemliches Glück mit unserer Hochschule gehabt. Die Vorstellung, jedes Semester nochmal 300 oder mehr Euro für Bücher auszugeben... das hätte schon geschmerzt. - #12 10.12.2010 14:08 von
- #13 10.12.2010 14:18 von
Solche Nasen...
...wie diesen Prof gibt es leider vereinzelt an Universitäten. Querulanten, die von den Kollegen verachtet und am liebsten an eine andere Uni abgeschoben würden - nur leider bekommen die keinen Ruf.
Dass schon der Rektor kein gutes Haar an dem Mann lässt, spricht für sich. Beamte sind nunmal unantastbar und die Studenten werden sich auf den Typen einstellen müssen. Ein Kleinkrieg hilft den Studenten hier sicher nicht weiter. - #14 10.12.2010 14:24 von
Viel Lärm um nix
Nanu? Was ist daran nun verwunderlich? Ein Professor, der den Durchschnittsstudenten nicht sonderlich schätzt - und sich beim hitzigen Telefoninterview nicht an diplomatische Standards hält? Alltag.
Ein Rektor, der sich im Wortlaut verrennt? Selten.
Ein Student, der Urheberrechtsverletzungen begeht? Nicht gerade eine Ausnahme.
Ich finde, an der Geschichte gibt es kaum etwas Verwunderliches. Dass Professoren auch streng sein dürfen müssen, ist doch klar, und dass dies zum Missmut einiger Studierender ausfällt, ebenfalls.
Ich weiß noch immer nicht, warum man Machill die Kompetenzen als Lehrstuhlinhaber absprechen sollte. Aus dem Text ergibt sich darauf kein einziger konkreter Hinweis. Somit gilt für mich: in dubio pro reo, und Machill ist damit (erstmal) aus dem Schneider. - #15 10.12.2010 16:21 von
Schwerpunkt der Diskussion verschoben - es geht um Lehrmethoden, nicht Urheberrecht!
Es war unbedacht von Roger Vogel, das gesamte Buch einzuscannen und die Urheberrechte so zu missachten.
Allerdings finde ich es schlimm, dass nahezu nirgends das eigentliche Thema behandelt wird.
Im großen und ganzen geht es doch darum, dass Studenten für 39 Euro ein Buch kaufen müssen, welches nichts mit den "Grundlagen der Journalistik" - wie nämlich das Studienmodul heißt - zu tun hat.
Und das trifft auch für Studierende des Wahlbereichs zu, d.h. für die, die nicht im Kernfach KMW studieren, sondern nur ein Semester diesen Schwerpunkt haben. Da wäre es doch sinnvoll den Studenten ein Buch anzubieten, dass auch die Grundlagen der Journalistik behandelt - damit man später auch etwas davon hat - weil wir lernen doch für das Leben, nicht für das Studium.
Es geht in dem Buch, wie der Titel sagt, jedoch um Medienfreiheit nach der Wende. Wäre der Professor dieses Moduls nicht einer der Herausgeber des Buches, würde dieses Buch mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht einmal in der Literaturliste stehen, geschweige denn als einziges Hilfsmittel für die Prüfung zugelassen werden; ohne welches man die selbige nicht bestehen könnte. Denn das vermittelt doch keine Grundlagen journalistischen Arbeitens - höchstens eine geschichtliche Einordnung über Herkunft und Ethos der Praxis.
Hinzu kommt, dass Prof. Dr. Marcel Machill, MPA (Harvard) sich damit rühmt (seine Stellungnahme), seinen Studenten nahezu alle Texte, die im Modul gelesen werden sollen zur Verfügung zu stellen.
Zuerst einmal gehört es zum guten Ton dass es den Studenten in irgendeiner Weise möglich ist, sich die Pflichtliteratur zu besorgen - viele Professoren geben sogar Reader in Auftrag, sodass man die gesamte Literatur in einem Copyshop käuflich erwerben oder wahlweise in der Bibliothek kostenlos, kompakt gebündelt ansehen kann. Zumal es während das Buch nachgedruckt werden musste, es sich nicht nur um eine Woche handelte, in der man keinen Zugriff darauf hatte (denn wie bereits erwähnt sind 20 Bücher in der Bibliothek für über 300 Studenten sichtlich ungenügend). Vielmehr war es auch gerade die Anfangszeit, in der im zur Vorlesung gehörenden Seminar eine Aufgabe war, die Einleitung des Werks zu lesen und als Art Vortrag vorzubereiten. Und wie im Artikel erwähnt, sind die Regeln in den Seminaren hart und nicht immer ganz plausibel.
Die eigentliche Eigenart ist aber, dass kein einziger Textabschnitt aus seinem Buch "Medienfreiheit nach der Wende", die er als Pflichtliteratur angegeben hat, in dieser online zur Verfügung gestellten Literatur zu finden ist.
Selbst wenn er (laut Stellungnahme) einen nicht so hohen Preis wollte: gibt es nicht die Möglichkeit, seinen Studenten den eigenen Verleger-Rabatt anzubieten? Auch das wurde nicht gemacht. Genauso wenig, wie auf die kostenlose Nutzung des Buches im Internet hingewiesen wurde (dies kam erst in seiner Stellungnahme zur Sprache).
In den Vorlesungen möchte er, dass die Studenten zuhören und mitschreiben... aber wäre es dann nicht auch sinnvoll, die Powerpointpräsentation, die er ja einmal ausgearbeitet hat, nicht auch den Studenten zur Verfügung zu stellen? Mitunter befindet sich so viel Text auf den Folien, dass man es kaum schafft diese abzuschreiben, geschweige denn sich noch Notizen zu machen, über das von ihm referierte - was ihm ja laut eigener Aussage eigentlich am Herzen liegt, "Zuhören".
Die Frage, die dahinter steht:
Sollte die KMW nicht ein Informationsinstitut sein... - #16 10.12.2010 16:41 von
Traurig.
Als Studentin der KMW an der Universität Leipzig muss ich mich nun auch einmal zu Wort melden.
Meiner Meinung nach ist diese ganze Geschichte unfassbar peinlich.
Roger Vogel hat - nicht zum ersten Mal wohlgemerkt - ein Buch eingescannt und für alle zugänglich ins Internet gestellt. Das war falsch, dumm und darüber hinaus unnötig. Ja, das Buch ist prüfungsrelevant, ABER:
Die Prüfung findet erst am 26. Januar 2011 statt, mein legal erworbenes Buch konnte ich Mitte November 2010 in den Händen halten. Über 2 Monate sind meiner Meinung nach mehr als genug um das Buch zu lesen. Darüber hinaus hat Prof. Machill am Anfang des Semesters eine ganze Vorlesung (90 Minuten) seinem neuen Werk gewidmet und die wichtigsten Inhalte klar strukturiert und anschaulich vorgestellt.
Dass Roger Vogel sich selbst als den Retter der armen Journalistik-Studenten hinstellt, habe ich nicht anders erwartet (man beachte auch seinen geistreichen Namen im StudiVZ: Roger 'Individualist' Vogel), dass die Medien das aber einfach aufgreifen und scheinbar kein bisschen kritisch recherchieren dazu, das ist wohl das eigentlich Traurige dabei.
Das hätte ich von der BILD-Zeitung erwartet, aber sicher nicht von der taz, faz oder sz.
Ich würde mir eine etwas weniger einseitige Berichterstattung wünschen. Beim Lesen der Artikel bekommt man den Eindruck, dass die Studenten geschlossen hinter Roger Vogel und gegen Prof. Machill stehen. Aber in Wirklichkeit ist den meisten Studenten diese ganze Schlammschlacht einfach nur unangenehm und peinlich.
Meinetwegen kann man über Prof. Machills Lehrmethoden streiten. Nicht abzustreiten ist jedoch, dass seine Vorlesungen immer sehr sehr gut besucht sind, ganz im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen, bei denen die Professoren ihre PP-Präsentationen brav ins Internet stellen. - #17 10.12.2010 17:06 von
Eigentum
Da Professoren derart gut bezahlt werden, sollte es eigentlich so sein, dass (gerne mit doppel s!) die Bücher, die sie ihren eigenen Fachbereich betreffend schreiben, der Uni gehören sollte.
Im Übrigen muss man konstatieren, dass dem Urheber kaum ein Schaden entstanden ist, wenn der Verlag das kostenlos zum Lesen zur Verfügung stellt.
Lustig, dass diese Kommunikationsschwierigkeiten (Flegeleien, Rechtschreibfehler, Kommunikationsverweigerung...) ausgerechnet bei (angehenden) Kommunikationswissenschaftlern stattfinden. - #18 10.12.2010 19:33 von
Wie ist es wirklich?
Ein Student begeht eine Urheberrechtsverletzung, ein Prof initiert seine Abmahnung. Das sind die Fakten.
Aber wer in Leipzig an besagtem Insitut studiert hat oder studiert, weiß, dass dieser Professor damit den Tropfen vergossen hat, der dem Fass den Boden ausschlug.
Es ging nie darum, das Fehlverhalten eines Studenten zu rechtfertigen, sondern es geht um die Grundzüge des Professor-Studenten-Verhältnisses und wie Lehre organisiert sein sollte.
Die große mediale Welle wurde nicht, wie schon oft behauptet, durch Roger Vogel losgetreten, sondern Studenten, die davon erfahren haben, sind an Roger Vogel herangetreten und haben sich organisiert, mit dem Ziel die Umstände zu verändern.
Es wurde zu keinem Zeitpunkt bewusst mit Falschmeldungen oder schmutzigen Details versucht, eine mediale Hetzjagd auf den Professor oder das Institut für Journalistik an der Uni Leipzig zu führen.
Vielmehr wurden die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt gestellt und mit Sachinformationen versucht, größtmögliche Aufmerksamkeit für die Missstände in der Lehre dieses Professors zu erzeugen.
Das der betroffene Professor mit kalkulierten Gegendarstellungen den faden Beigeschmack eines getroffenen Hundes erzeugte, war weder Intention noch Ziel der studentischen Kritik.
Wer regionale Bezüge hat oder vor Ort am Thema recherchiert, wird feststellen, dass die Person Machill nicht gleichzusetzen ist mit dem Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaften der Universität Leipzig.
Die Ironie, die hier aus manchen Beiträgen spricht, baut leider auf einem faktisch sehr dünnen Boden. Wer glaubt, sich auf Basis der Medienberichterstattung ein Urteil erlauben zu können, der unterliegt schon dem ersten Irrtum. Wer glaubt, durch Befragung beteiligter Personen objektive Interpretationen zu erlangen, unterliegt dem nächsten Irrtum und wer glaubt, aufgrund einer sachlichen Berichterstattung eines Qualitätsmediums urteilen zu können, der irrt schon wieder.
Diskussionsbedarf besteht, und das nicht nur in diesem Fall und an dieser Uni. Man kann von Studenten, die bei diesem Prof ihre Prüfungen schreiben müssen verständlicherweise kein Engagement in der Sache verlangen. Das hätte ich in meiner Zeit als Student auch nicht getan.
Dieser Fall und seine mediale Präsenz zeigt, dass das Thema sehr wohl überregionale Relevanz hat. Und er zeigt, dass die betroffenen Studenten sehr wohl ihr Handwerk verstünden, sollte es sich hier um nicht viel mehr als ein wenig heiße Luft an einem Journalistik-Lehrstuhl in Deutschland handeln. - #19 12.12.2010 01:01 von
Mangel des Authors
Hier offenbar sich ein Mangel, verursacht durch den Author. Er hätte das Buch einfach in digitaler Form zur Verfügung stellen können und über das Hochschulbibliothekennetz abrufbar machen können.
Nur deshalb sah sich der Student überhaupt dazu gezwungen es selbst zu tun. Ein stiller Notruf nach Anpassung ans Zeitgeschehen!
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