Leichen-Restaurierung: Gruftmumien auf der Schönheitsfarm

SPIEGEL TV250 Jahre lang ruhte der Leichnam Juliane Pfortes unter der Nedlitzer St.-Nicolaus-Kirche bei Magdeburg. In einer spektakulären Aktion wurde die Gruftmumie nun geborgen und aufwendig für die Ewigkeit konserviert.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-861491.html
  1. #1

    Totenruhe!

    Im Prinzip geht es hier um Störung der Totenruhe. Es ist ein schauriges Gefühl, dass man auch im Tod nicht zur Ruhe kommen wird. Es fragt sich : wo bleibt der Respekt vor den Toten. Wer das Grab meiner Eltern öffnen würde könnte sicher mit einer Anklage rechnen. Eine wissenchaftliche Begründung würde für mich da keine Rolle spielen.
  2. #2

    Tote ruhen immer ...

    ... denn sie sind tot. Denen ist das egal. Die haben keine Funktionierenden Hörorgane mehr, um Krach um sie herum wahrzunehmen. Keine Funktionierende Netzhaut, um zu sehen, was um sie herum passiert. Keine funktionierende Nervenenden zur taktilen Wahrnehmung. Und vor allem: Kein Nervensystem, um irgendwelche negativen Gefühle dazu zu manifestieren. Das Konzept der "Totenruhe" ist nur als Schutzrecht der Hinterbliebenen sinnvoll. (Wer will schon sehen, wie mit Papas Kopf Fußball gespielt wird?) Das fällt hier völlig aus.
    Es ist ein schauriges Gefühl, dass es Menschen gibt, die sich über so etwas Sorgen machen. Man könnte das als harmlose Spökenkiekerei abtun und ignorieren, wenn es nicht genau dieser Irrationalismus wäre, der jährlich unzählige Leute gegen ihren Willen zur Ruhe bringt, weil Leute meinen, ihr Herz auch nach dem Tod noch so dringend brauchen, dass sie dafür jemand anderen krepieren lassen.
  3. #3

    für was eigentlich

    Für was musste man die Mumie restaurieren wenn sie eh wieder im Sarg landet der verschlossen ist ? Um Geld zu verbrennen? Das kostet doch sicherlich viel. Wer hat davon was?

    Das ist m.E. so unnötig wie ein Kropf. Das Geld hätte man für Lebende verwenden können.
  4. #4

    Krepieren tun wir alle...

    Zitat von elcaron Beitrag anzeigen
    ... denn sie sind tot. Denen ist das egal. Die haben keine Funktionierenden Hörorgane mehr, um Krach um sie herum wahrzunehmen. Keine Funktionierende Netzhaut, um zu sehen, was um sie herum passiert. Keine funktionierende Nervenenden zur taktilen Wahrnehmung. Und vor allem: Kein Nervensystem, um irgendwelche negativen Gefühle dazu zu manifestieren. Das Konzept der "Totenruhe" ist nur als Schutzrecht der Hinterbliebenen sinnvoll. (Wer will schon sehen, wie mit Papas Kopf Fußball gespielt wird?) Das fällt hier völlig aus.
    Es ist ein schauriges Gefühl, dass es Menschen gibt, die sich über so etwas Sorgen machen. Man könnte das als harmlose Spökenkiekerei abtun und ignorieren, wenn es nicht genau dieser Irrationalismus wäre, der jährlich unzählige Leute gegen ihren Willen zur Ruhe bringt, weil Leute meinen, ihr Herz auch nach dem Tod noch so dringend brauchen, dass sie dafür jemand anderen krepieren lassen.
    ...die einen früher, die anderen später. Und ich möchte sogar behaupten: Die meisten Leute sterben gegen ihren Willen - selbst Organspender.

    Erst argumentieren Sie hier völlig rational gegen die Totenruhe, um dann völlig irrational gegen Nicht-Organspender zu wettern. Der Glaube ist irrational. Den Nicht-Organspendern zu unterstellen, sie würden jemanden bewusst krepieren lassen, ist böse. Sind Sie Arzt?

    Ich z.B. sehe es nicht ein, dass mit meinen Organen "dicke" Geschäfte gemacht werden. Dass sich Ärzte und die private Krankenhaus-Industrie mit meinen kostenlos gespendeten Organen und den Transplantationen eine goldene Nase verdienen. Solange ich nicht weiß, dass die Organe gerecht und nicht nach Größes des Geldbeutels und Systemrelevanz der Person zugeteilt werden, nehme ich meine Innereien eben lieber mit ins Grab.
  5. #5

    @elcaron

    Genau. Am besten wird es sein, wir sehen aber wirklich ALLES im Leben nur noch unter dem Apekt des rationalen und ökonomischen Nutzens, nur noch erklärt durch das, was wissenschaftlich belegt ist. Liebe ist dann auch nur noch die Ausschüttung von Edorphinen unter Mitwirkung dieser und jener Hormone, nichts weiter. Wie praktisch - da wird die Welt bestimmt besser davon.
  6. #6

    @Meckerliese

    Der Sarg bleibt nicht verschlossen, sondern die Mumie wird künftig zu sehen sein, wie zumindest in dem Fernsehbeitrag zu erfahren war. Das kann man als das Bedienen von Voyeurismus kritisieren, andererseits lässt die Konfrontation mit einer Mumie die Betrachter meist sehr nachdenklich und sich mit dem eigenen Vergehen auseinandersetztend zurück. Gar nicht mal so unnütz. Und dieses abstruse Argument der Geldverschwendung: Das Geld ist nicht weg. Mit dem Geld ernähren die beteiligten Restauratoren und Wissenschaftler jetzt ihre Familien.
  7. #7

    Zitat von jannu Beitrag anzeigen
    Genau. Am besten wird es sein, wir sehen aber wirklich ALLES im Leben nur noch unter dem Apekt des rationalen und ökonomischen Nutzens, nur noch erklärt durch das, was wissenschaftlich belegt ist. Liebe ist dann auch nur noch die Ausschüttung von Edorphinen unter Mitwirkung dieser und jener Hormone, nichts weiter. Wie praktisch - da wird die Welt bestimmt besser davon.
    Das wäre doch mal kein schlechter Ansatz. Wieviel Leid bliebe Liebenden erspart, wieviel Hoffnung bliebe die Enttäuschung erspart, wieviel irrationalem Glauben der Fall ins Abgrundlose. Oder - um eine Stelle aus "Der Name der Rose" (Ecco) sehr freihändig zu zitieren: "Wie einfach wäre das Leben, wie ruhig...und wie langweilig, Adson!"