Wer der Werbung glaubt, ist selbst schuld. Aber wer lässt sich nicht von Bildern leiten? Und wer vergleicht schon die Bilder auf den Packungen von Fertiggerichten mit der Realität? Der Fotograf Samuel Müller hat es getan - und ein unterhaltsames und lehrreiches Bilderbuch veröffentlicht.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/ser...826042,00.html
[QUOTE=Stuhlbeinsäger;9984572]"Milchschnitte ist gesund, weil sie viel Milch enthält."
"Ich gebe meinen Kindern Nimm2, weil da viele gesunde Vitamine drin sind."
"Ich koche gerne", sprach die moderne junge Frau mit dem modischen Outfit, der riesigen angesagten Sonnebrille im Haar in dem iPhone am Ohr und dann schob sie die Fertigpizza für 1,49 EUR in ihrer 15.000-EUR-Küche in den Neff-Designer-Backofen.
Das ist die Nahrungsmittelrealität in Deutschland 2012. Kochen - was ist das? Ach so, stimmt, das sind diese lustigen Typen aus dem Fernsehen, die da immer so merkwürdig in den Töpfen rühren. Schon schräg, diese Vögel. Ich bin sehr oft in Nordamerika und was Ernährung dort bedeutet, läßt mich ahnen, was uns bevorsteht.
Mann nimmt keine Mahlzeit mehr zu sich, sondern einen Snack. Subway, KFC, Panda Express, Wendy's, Macdoof natürlich, Burger King, IHOP und wie sie alle heißen, sind maximal 5 Gehminuten entfernt. Und wenn es doch drohen 10 Gehminuten zu werden, dann rettet einen der nächste Hot-Dog-Stand an der Straßenecke über den Hungertod hinweg.
Die selbe Ödnis bei den Fertigprodukten. Kürzlich wieder mal getestet: Tiefkühlware. Testsieger (erwartungsgemäß) Frosta. Vor Jahren schon per Selbstverpflichtung nur noch mit besten hochwertigen Zutaten, schonend gegart, ohne Zusatzstoffe und - ja - teurer als die Billigkonkurrenz. Ergebnis war ein Umsatzeinbruch, denn das Volk will es billig. Schließlich müssen noch genügend Euros für Designerklamotten, coole Smartphones, iPads und all den Schnickschnack übrigbleiben, mit denen man seinen sozialen Status absichern kann. Da bleibt eben kein Geld mehr übrig für gutes Essen. Hey, da plappert man lieber hohle Phrasen nach wie "Nicht überall wo bio draufsteht, laber, sülz, ......" oder sondert Platitüden ab, die mit "heutzutage" beginnen. "Heutzutage muss ich auch gucken, wie ich zurecht komme." Und zurecht, ja da kommen sie natürlich mit Nespresso, weil sie hoffen, spätestens nach der tausendsten Tasse irgendwie so auszusehen wie Mr. Clone und weil es doch "total praktisch" ist, immer schnell eine frische Tasse Kaffee zu haben. Oder doch besser den Jura-Vollautomaten, ist auch sowas von praktisch, auch wenn der die Stromrechnung explodieren lässt und alle 6 Monate eine neue Brühgruppe für 450 EUR braucht (reinigen = uncool).
Frisch? Praktisch? Wollten Sie sich nicht entschleunigen, Gnädigste? Nestle - skupelloser verbrecherischer Megakonzern aus, na woher wohl, der Schweiz natürlich. Babymilchskandale. Leitungswasser in Flaschen, teuer verkauft. Egal, sie kaufen's, weil es so "total praktisch" ist, sich mit dem zehnfachen Kaffeepreis abzocken zu lassen. Nahrungsmittelmasochismus nenne ich das. Und natürlich Starbucks. Mit einem Pappbecher so cool wie die Wallstreetjungs rumzurennen, für 70 EUR im Monat jede Mittagspause einen geschäumten Alptraum zu schlürfen, aber dann bei Netto murren, wenn das Pfund Arabica 4,99 EUR kosten soll... QUOTE]
Ihr Beitrag hat mich köstlich unterhalten und ich kann dem Inhalt nur beipflichten. Manche haben halt eben seltsame Prioritäten; Essen ist da Nebensache. Allerdings wäre es trotzdem fair und auch notwendig, wenn staatliche Überwachunsorgane der Ausbreitung von "essbarem Industriemüll" durch strengste Kontrollen Einhalt gebieten würden. Alleine schon, um die ganz Doofen zu schützen. Aber das scheint, ähnlich wie bei andern Lobbyverbänden, nicht durchsetzbar. Schade.
Meine Ex konnte auch nicht kochen, kein Stück, aber aus dem Mutterland der Esskultur, gut eine Quiche gelang mal, ich kann mich an den Festtag erinnern. Das ist doch alles ein Problem der Opportunitätskosten. Natürlich bekomme ich ein gutes Gulasch, Vindaloo oder Bourginon hin, aber das braucht seine 4 Stunden - natürlich nicht immer mit Aufsicht, aber selbst bei einem kalkulatorischen Stundenlohn von 5 Euro wird die Sache - abgesehen von den Zutaten - irgendwann sehr teuer. Selbst eine Erbsensuppe will ihre Zeit, eine Erbswurst vereinfacht das. Nebenbei stimmt das Vorurteil, Männer kochen besser - vielleicht sind sie am Herd kreativer. Da sind die Fertigdinger eben doch eine Alternative und die meisten haben es überlebt. Mit den Hemden hatten Sie Glück. Diesen Wurger auf dem Bild würde ich allerdings nicht kaufen, der erinnert nicht mal entfernt an das Original, aber jeder wie er will.
Am krassesten ist der Unterschied bei Burger King:
Vergleich von Burgern in der Werbung und in der Realität
... denn wenn die Produktbilder und -beschreibungen der Wirklichkeit entsprächen, würde der Kunde das Produkt nicht kaufen.