Leben im Schnelldurchlauf: Ich, der Überflieger

Wie schnell darf die Jugend vergehen? Hinter einem Wunderkind steht manchmal auch eine wundersame Familie. Mirko Fillbrunn, 20, hat seine Schulzeit schon fast vergessen: Abi mit 14, Diplom mit 18, nun die Promotion in den USA - sein Leben rast dahin, nur fürs Achterbahnfahren bleibt keine Zeit.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...728101,00.html
  1. #1

    Nachzucht und Höchstbegabungsverdacht

    das erinnert doch frappierend an Kollegen Wischmeyer's Nachzucht und Höchstbegabungsverdacht:

    Neuster Elternwahn ist der Höchstbegabungsverdacht gegenüber jedwedem schiefen Knilch, der das Licht der Welt erblickt. Ist ja noch gar nicht lange her, da war jedes Plag irgendwie krank. Zappelphillipsyndrom, Legansthenie, Dyskalkulie, Kindergärtnerinnenalergie. Die ganze Brut bestand nur aus B-Ware. Hintergrund war natürlich, die Verantwortung für das elterliche Aufzuchtversagen an ein objektivierbares Krankheitsbild zu delegieren und mit Pharmaka aus der Welt zu schaffen. Das war praktisch, hatte nur den Nachteil, dem Rangen letztendlich das Stigma des Bekloppten aufzudrücken.

    Da ersann sich aber die Elternfantasie das Hirngespinst der Höchstbegabung. Geradezu als Karrikatur auf die tatsächlichen Pisaergebnisse, strotzt es unter den Germanenwelpen seither nur so von Blitzgescheiten, die an sich jede Menge Klassen überspringen müssten, wenn sich nicht gar direkt die Windeln gegen Harvard wechseln müssten. In auffälliger Korelation zum Einzelkindstatus übrigens ist fast jeder normale Dreikäsehoch ein verkannter Einstein, dem mit ein paar pedagogischen Push-ups the return of Relativitätstheorie abgeluchst werden könnte. Und so weiter..
  2. #2

    Titel

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wie schnell darf die Jugend vergehen? Hinter einem Wunderkind steht manchmal auch eine wundersame Familie. Mirko Fillbrunn, 20, hat seine Schulzeit schon fast vergessen: Abi mit 14, Diplom mit 18, nun die Promotion in den USA - sein Leben rast dahin, nur fürs Achterbahnfahren bleibt keine Zeit.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...728101,00.html
    Irgendwie sagt der Artikel mehr über Frau Dahlkamp aus, als über Mirko.
    Es wird mehrfach darauf hingewiesen, dass er also unter Personen, die 5 Jahre älter waren nicht mit auf Feten ging.
    Ach echt? Ist auch doof, wenn alle inne Disco rennen und Bier trinken und man selbst draussen bleiben muss und Selters bekommt.
    Hat die Autorin selber eine Aversion gegen das lernen?
    Heisst es nicht, Schule sein interessant?
    Nun interessiert sich mal wirklich jemand dafür und wird dafür negativ porträtiert. Es kommen auch nur Leute zu Wort, die das genauso sehen, wie zB ihrgendwelche Lehrer, die behaupten "die büffeln in den Ferien!!" als ob das verwerflich sei. Unterbewusst finden diese Personen also ihr Fach selbst so langweilig, dass jemand mit Interesse unheimlich wird.

    Überhaupt: Was genau hat es mit der Physis des Jungen auf sich, dass sie permanent beschrieben wird? Hat sie sich von Altersgenossen unterschieden? Haben sonst alle 20 jährige in Dtl einen Vollbart?
    Gehen sie doch mal in eine Uni und schauen sich die Erstsemester dort an, sehen nicht viel anders aus als das Bild oben.
  3. #3

    Überholspur

    Ist doch toll, wenn es dem jungen Mann Spaß macht.

    Wichtig ist, dass er seine Schulzeit nicht als Belastung empfunden hat und das kann ich dem Artikel nicht entnehmen.

    Dafür zeigt der Artikel aber ganz deutlich, woran es in der Schule mangelt: Der Vermittlung eines gewissen Leistungsgedanken und -anspruchs. "Wer rumalbert ist toll!" So, oder ähnlich hat sich doch die Lehrerin geäußert.
    Schade, das für diesen hehren Anspruch dt. Schulen so viele talientierte Jugendliche leiden müssen unter tödlicher Langeweile.
  4. #4

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Intelligente Kinder haben es in Deutschland schwer. Wer Blödsinn macht, ist Superstar. Wer Leistung bringt, ein Trottel."
    http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...728101,00.html
    Das stimmt so. Wenn Kinder sich in anderem Tempo entwickeln als allgemein üblich, hab man es schwer im deutschen Schulsystem, das oft nur Einheitsgrössen stricken kann.

    Niemand überspringt auch 4 Schuljahre weil von den Eltern in den Sommerferien gedrillt, wie von der Lehrerin angenommen.
    Manche Kinder passen eben nicht in die gängigen Schubladen, das ist alles.
  5. #5

    gut gut

    schön zu sehen, was möglich ist, ich bin ein bisschen neidisch.

    hoffentlich bleibt er, wie er ist und wirft sich nicht irgendwann plötzlich vor einen zug oder sowas.
  6. #6

    Köstlich:

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen

    Was passiert, wenn es nicht klappt wie gedacht?

    Mirko versteht die Frage nicht.
    Der Junge hat Fähigkeiten, deren Ausübung ihm Spaß machen. "Talent und Wille", wie Kaiser Beckenbauer gerne zusammenfasst, worauf es ankommt. Er bekommt allseits Unterstützung. Fast schon bezeichnend, in Kunst eine Vier zu haben, in Sport aber auch zu brillieren. Die Gesellschaft leckt sich die Finger nach Hochleistern. Alles ist gut.
  7. #7

    bitte mal nachsehen...

    ob es wirklich ein Junge ist. Es ist ja hinlänglich bekannt und allseits bewiesen, dass Mädchen die besseren Schüler sind.

    Und übrigens: eine zu hohe Intelligenz ist ein schweres Handikap. Die taugt nicht für ein "erfolgreiches" Leben. Eher im Gegenteil: der 160er Fischer war ein armer Tropf...
  8. #8

    .

    Zitat von testthewest Beitrag anzeigen
    Irgendwie sagt der Artikel mehr über Frau Dahlkamp aus, als über Mirko.
    Es kommen auch nur Leute zu Wort, die das genauso sehen, wie zB ihrgendwelche Lehrer, die behaupten "die büffeln in den Ferien!!" als ob das verwerflich sei.
    Wie mir das bekannt vor kommt! In meiner Schulzeit (Beginn Anfang der 70er) wurde meine Mutter häufig vor diverse KlassenlehrerInnen zitiert, weil sie angeblich mit "Überehrgeiz" ihre Tochter zum "Büffeln" auch am Wochenende/in den Ferien anhalte, in dem ja "jedes normale Kind einfach nur spielen" wolle.

    Nun, ich wollte nicht. Ich fand Astronomie, Geographie, Geschichte, Physik und Science-Fiction viel viel spannender als Spielen bis zur Verdummung. Hab leidenschaftlich gern gelesen, meinen Eltern in der Grundschule nen Leihbücherei-Ausweis abgemault und außerhalb der Schule gelebt, gelernt etc. IN der Schule hingegen war`s die Hölle: Verständnislose LehrerInnen, die weder Klassen überspringen ließen noch zusätzliches Geistesfutter boten, im Gegenteil, mich immer "Freundschaften schließen" und "Mitspielen" hießen mit dem Ergebnis heftigsten Mobbings von Klasse 1-13 (gab`s damals auch nicht - den Begriff, nicht die Handlungen).

    Waswunder, dass ich -endlich im Studium angekommen- die ersten 2 Semester überhaupt nicht Tritt fassen konnte. Ich war so an Ducken, Vorsicht, Unsichtbarsein "gewöhnt", dass ich die freiere Luft der Universität kaum wahrnehmen konnte - was sich legte, irgendwann.

    Danke, Schulsystem - für eine verkorxte Jugend, die spannend und erkenntnisreich hätte sein können und fast in die psychische Krankheit führte - weil Kinder/Jugendliche und insbesondere Mädchen "spielen" sollen, nichts als "spielen" und in vorgefertigter Weise "Spaß haben".
  9. #9

    Eine Anmerkung

    "Intelligente Kinder haben es in Deutschland schwer. Wer Blödsinn macht, ist Superstar. Wer Leistung bringt, ein Trottel."

    Dass ich nicht lache. Doch, ich lache.
    Zum ersten Satz mag ich noch zustimmen. Allerdings ist - zumindest aus rational-ökonomischer Perspektive - leicht zu erklären, warum die Rattenschwänze einer Normalverteilung (nehmen wir an, mit "Intelligente Kinder" sind relativ intelligentere Kinder als der Durchschnitt gemeint, das Konstrukt "Intelligenz" wäre einigermaßen sauber abgrenzbar und seine Ausprägung wäre messbar. Das "schwer haben" würde aus dieser Erklärungsperspektive ebenso für "dumme" Kinder gelten.

    Zum zweiten und dritten Satz: Wie können "Blödsinn machen" und "Leistung bringen" so nebeneinander stehen? Soll "Blödsinn machen" ein Indikator relativ gering ausgeprägter Intelligenz sein, und "Leistung bringen" relativ großer intellektueller Begabung? Das ist hoffentlich nicht der Ernst der evtl. lieben Frau Tzschoppe. Denn dann sind in Ihren 56 Lebensjahren schon viele intelligente Menschen unerkannt an Ihr vorbeigewandert.

    Immer öfter verzweifelt der Forscher an den Ungereimtheiten journalister Beiträge...

    Im übrigen wünsche ich dem Jungen viel Erfolg bei der Promotion.