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Leben als junger Amish: "In der modernen Welt ist Dating schwierig"
Maria TimtschenkoAmish fahren Kutsche, kleiden sich altmodisch und leben ohne Internet. Becky Esh, 23, und Esther Schmucker, 25, sind bei den christlichen Hardlinern aufgewachsen. Wie jeder junge Amish durften sie ein freies Leben ausprobieren. Dann mussten sie wählen: bleiben oder gehen?
http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...822799,00.html
- #70 14.06.2012 11:20 von
naja, das gleiche gilt doch, wenn schon denn schon, auch umgekehrt. Ihre Erziehung und die allgemeine gesellschaftliche Haltung ist es, die Ihnen Ihren Liberalismus (wenn wir Ihre Haltung mal so bezeichnen wollen) aufoktruiert und für "normal" und auf Entscheidungsfreiheit beruhend darstellt. "Von ganz allein" sind Sie das nämlich nicht.
Einen Unterschied gibt es aber: die Amish tolerieren jede Lebensweise außerhalb ihrer Gesellschaft, anders als Sie. Das einzige, was sie verlangen ist, daß man sie gleichfalls toleriert. Warum fällt Ihnen das so schwer?
falsch. Bigott wäre, die Jugend (und die "Welt") dafür zu beschimpfen, daß es ist wie es ist, aber das tun sie ja gar nicht. Im übrigen hat die Amish-Gesellschaft kein Problem mit dem "poppen" - Geschlechtsverkehr ist keineswegs verpönt oder nur notwendiges Übel. Ihre Verdrängungs- und Abreaktionsvorstellungen beruhen bei Ihnen auf Vorurteilen und Unkenntnis.Und gäbe es die böse und sündhafte Außenwelt nicht, dann gäbe es für die jungen Amish auch nicht die Möglichkeit des "Rumspringas", um mal ordentlich zu saufen und zu poppen, was sie, wie sehr viele Leute dieses Alters, offensichtlich dringendst tun wollen. Ist natürlich sehr praktisch - und reichlich bigott -, wenn die Sekte das Ausleben dieser sehr natürlichen Bedürfnisse nach extern verlagert, um sich den Heiligenschein nicht beschmutzen zu müssen.
aha. Und was wäre aus Ihrer Sicht "schlimmer"?Das ist so, als wenn der katholische Pfarrer nicht im Pfarrhaus bumst, sondern dazu lieber in den Puff geht.
Die Amish-Welt ist keineswegs "mittelalterlich" (übrigens war das eine vergleichsweise "freizügige" Zeit). Sie unterscheidet sich von unserem ungebremsten Individualismus in der Konzentration auf die Gemeinde als Glaubens- und Lebensgemeinschaft. Daraus ergibt sich das "Verbot" von Besitz von allem, was eine Abkehr von der Gemeinde befördern könnte, nämlich Telefon, motorisierte Fortbewegung, Elektrizität - einen moralischen oder religiösen Wert an und für sich hat das nämlich nicht, ist kein "Dogma". Den genauen Umfang regelt jede Gemeinde selbst, und je nach Bedarf (das Mädchen hat entgegen sonstiger Gewohnheit ein iPhone zugestanden bekommen, vermutlich mit Rücksicht auf ihre Berufstätigkeit). Die Nutzung als solche ist nämlich nicht verboten, Amishe telefonieren vom "weltlichen" Nachbarn aus (oder lassen telefonieren), sich mit dem PKW mitnehmen etc.Dass die mittelalterliche Amish-Welt bei einigen Mit-Postern so sehr auf Begeisterung stößt, ist äußerst befremdlich. Würde mich interessieren, wie lange es diese Leute ernsthaft bei den Amish aushalten würden.
Wenn man übrigens die Werte früher "Aussteiger"-Kommunen betrachtet, kommt einem dabei durchaus das eine oder andere bekannt vor. Und es gibt in der Tat welche, die ihre Ideale über die Jahrzehnte gerettet haben. - #71 14.06.2012 12:32 von
- #72 14.06.2012 12:40 von
Sie haben ALLE .....
Wollen Sie damit sagen, dass Sie das Leben aller Amish untersucht haben?
Wo Sie Ihre Einsichten her haben, entzieht sich meiner Kenntnis, allerdings habe ich in Lancaster noch keine Elektrizitaet bei Amishen gesehen. Gas ist o.k., weshalb sie auch Kuehlschraenke haben koennen.
Autos aber garantiert nicht. Wahrscheinlich rechnen Sie die Mennoniten zu den Amishen. - #73 14.06.2012 12:47 von
Jeder ist das Resultat seiner Sozialisation. Und damit kann man dann alles begründen und jede Diskussion über die Inhalte dieser Sozialisation und eines bestimmten Lebensstils abwürgen.
Frauen, die in fundamentalistischen islamischen Gesellschaften freiwillig vollverschleiert herumlaufen? Warum sich damit auseinandersetzen? Schließlich ist ihre Entscheidung das Resultat einer bestimmten Sozialisation, ebenso wie die europäischer Frauen, sich nicht zu verschleiern. Ob diese Sozialisation in einem demokratischen oder fundamentalistischen System stattfindet, tut nichts zur Sache. Solche kleinen Unterschiede werden nivelliert...
Was sollten die Amish auch anderes tun als andere Lebensweisen zu tolerieren? Eine Armee aufstellen und versuchen, Pennsylvania zu erobern?
Sicherlich gibt es Fundamentalisten und Dogmatiker, die aggressiver auftreten als die Amish. Dennoch darf man sich kritisch mit ihnen auseinandersetzen.
Dann erzählen Sie uns Unwissenden doch mal, was die jungen Amish beim Rumspringa eigentlich so treiben. Und warum sie es außerhalb der Amish-Gemeinde tun.
Als ich in diesem Alter war, war ich nur an Parties und Poppen interessiert, und nach meinen Beobachtungen ging es all meinen Altersgenossen genauso. Ich halte jede Wette, dass das bei den jungen Amish nicht anders ist.
Hängen Sie sich nur an Begriffen auf. Bei einem Lebensstil, der offenbar auf einer wortwörtlichen Auslegung der Bibel fußt, darf man den Begriff "mittelalterlich" verwenden.
Ist ja alles recht und schön. Jeder soll auf Elektrizität verzichten, wenn er will. Kein Problem.
Aber was passiert zum Beispiel, wenn sich einer unserer frommen Brüder plötzlich als warmer Bruder outet, der sich mit einem anderen Amish ins Heu bettet? Da dürfte es mit dem "tolerierenden" Lebensstil (siehe oben) schnell vorbei sein und der Betreffende wird gebannt und verstoßen. Oder gibt es bei den Amish womöglich gar keine Homosexuellen? Oder keine Lesben? - #74 14.06.2012 13:45 von
Der Gründer der Amish Jakob Ammann
war Schweizer und stammte aus dem Kanton Bern und noch heute gibt es Amish-Gemeinden, die nur Hochallemannisch, also Schweizerdeutsch sprechen, was die anderen Amish als Schwet Deitsch bezeichnen und für sie sehr schwer verständlich ist, was dazu führen kann, dass verschiedene Amish Gemeinden sogar zur besseren Verständingung Englisch sprechen müssen. Heute leben diese Swiss Amish vornehmlich in Indiana, Ontario und einigen Gemeinden im östlichen Pennsylvania. Ich hatte keine Mühe mich in Schweizerdeutsch mit den Swiss Amish zu verständigen (fast immer noch gleich wie das heutige Schweizerdeutsch, jedoch durchsetzt mit Elsässerdütsch), was bei den anderen Amishen nicht der Fall war, mit denen ich mich in Hochdeutsch unterhielt, worauf sie teilweise im Dialekt oder auf Englisch antworteten. Bis zum 17. Jahrhundert wurde in der englischen Sprache keine Unterscheidung zwischen Deutschen Dialekten und Niederländisch gemacht und es wurde allgemein als Dutch bezeichnet. Eine andere Theorie geht davon aus, dass die schweizerisch-allemannische Bezeichnung für Deutsch, nämlich Dütsch fast wörtlich von den Englischsprachigen übernommen wurde und zu Beizeichnung Dutch führte.
- #75 14.06.2012 14:27 von
- #76 14.06.2012 17:12 von
Der Vergleich mit muslimischen Gastarbeiterfamilien hinkt in der Hinsicht, dass den Amish in der "Rumspring"-Zeit überhaupt erst die Möglichkeit gegeben wird, das Leben außerhalb der amischen Gemeinschaft auszuprobieren. Sie haben nach ca. 2 Jahren die Wahl, ob sie mittels der Glaubenstaufe sich zum Amish-Leben bekennen oder sich für das Leben in der modernen Umwelt entscheiden. Das Entscheidende ist, die Wahl zu haben...im Bewusstsein der Konsequenzen.
Ansonsten fehlt dem Artikel einiges an Tiefgang und verpasst die Chance, die beiden Amisch-Akteure zur Basis einer neutralen Betrachtung des Amisch-Kultur zu verwenden, für nimmt der Autor mehr eine "Was sind'n das für welche"-Perspektive der modernen Welt ein, ohne das aufzulösen.
Zu viel, was sie nicht dürfen, statt vielleicht auf "was sie wollen" zu verweisen. - #77 15.06.2012 13:49 von
- #78 30.11.2012 10:53 von
Immerhin
gibt es dort das Rumspringa. Mir gefällt das Wort sehr :-)
Etwas Vergleichbares gibt es übrigens auch bei den Tuareg. Das ist eine sehr sinnvolle Einrichtung. Denn "Rumspringa" mit 40 ist einfach nur peinlich und nicht mehr angemessen.
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