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Kulturschock in China: Leg den Dünndarm nicht in den Bauch zurück!
Tapfer liest sie sich in Peking durch 1000 Fragen zum Führerschein, kämpft um gebuchte Billigtickets, ist frustriert - und dann wieder überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Chinesen. Buchautorin Sonja Piontek berichtet aus einem ebenso sagen- wie grauenhaften Land.
http://www.spiegel.de/unispiegel/job...679712,00.html
- #20 10.05.2010 12:44 von
Die Einbahnstrasse
Wahl-Brasilianer hier, seit 15 Jahren. Es gibt ihn, den sog. Kulturschock. Der funktioniert aber auch umgekehrt. Nach zwei, drei Wochen in Deutschland finde ich mich im deutschen Mief nicht mehr zurecht.
Der China-Artikel ist einfach nur niedlich. Natürlich kann man die Liste der Anekdötchen beliebig fortsetzen, ach Gott.
Der deutsche Wille, die Chinesen zu verstehen, ist ja löblich. Aber er scheint mir eine Einbahnstrasse. Die Chinesen, zumindest die Geschäftspartner, mit denen ich häufig zu tun habe, scheren sich einen Dreck um die Befindlichkeiten anderer Mentalitäten. Umgekehrt funktioniert´s also wohl nicht so gut. Man sollte aufhören, den Chinesen den Hintern zu küssen. (Ah ja, der Markt, der Markt, nich´ wahr!)
Schneesieber - #21 10.05.2010 12:54 von
dui bu qi
...
das, was wirklich interessant ist, wird nicht erzählt.
was steckt dahinter? welche mechanismen wirken? wie funktioniert das dahintersteckende system und wie sind seine prinzipien? wie spielen psychologie oder historie da mit hinein? Was lässt sich daraus ableiten als schemata um halbwegs verlässliche voraussagen für das handeln "der" chinesen zu machen (sei's beim flugticket-verkauf oder beim klimagipfel) ?
Ich finde all diese Erlebnisberichte sehr gut. Bin seit mehr als zehn Jahren in China unterwegs, kann kaum Chinesisch,hasse diese "problems" und bin begeistert von dem Land und den Menschen.
Wenn Erfahrung die Essenz aus Erlebtem ist, ist sie kaum anders als in Anektoten weiterzugeben.
Alle "Interkulturellen Trainings" finde ich einfach lacherlich. - #22 10.05.2010 12:54 von Rainer Daeschler
- #23 10.05.2010 14:55 von
- #24 10.05.2010 15:06 von
China ist wunderbar
Schade, dass nur laue Anekdoten bei 3 Jahren China rausgekommen sind. Wahrscheinlich sind die auch noch aus dem Expat-Freundeskreis zusammengetragen. Aber das deckt sich mit meinen Erfahrungen mit Expats in China. Viele von denen meiden Kontakt zu Chinesen wo es nur geht und halten sich bevorzugt unter ihresgleichen auf. Ähnlich wie das türkische Mitbürger in Deutschland tun. Nur wenige versuchen in die Kultur einzutauchen ohne den Zwang verstehen zu müssen. Kulturschock? Trifft wahrscheinlich bevorzugt Leute, die vorher noch nicht viel von der Welt gesehen haben. Ich hatte keinen. Natürlich sind hier einige Dinge anders, aber ich hatte auch nichts anderes erwartet. Wenn ich deutsche Verhältnisse gewollt hätte, wäre ich zu Hause gebleiben.
Meine Tipps für eine erlebnisreiche Zeit:
-Viel laufen und Bus und U-Bahn fahren (Taxi nur in Ausnahmesituationen benutzen)
-Nicht in für Westler gemachte Restaurants&Bars gehen (dort trifft man nur "einsame" Expats)
-Viel rumreisen (am besten mit Chinesen und nicht in der englischen Reisegruppe) und wenn möglich auch mal aufs Flugzeug verzichten
-Sprache lernen auch wenn die Ausprache so schwer fällt
-Auf allzu großen Luxus verzichten
-Ansprüche runterschrauben und tolerant sein
-Alles vergessen was man je in Deutschland über China gelesen oder gehört hat - #25 10.05.2010 16:39 von
Wertvolle Tipps
Verschiedenes kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Zur Aussprache: Wir Deutschen sind da stark im Vorteil, wir können alles ohne ernste Probleme und ohne starken Akzent aussprechen. Mein zweiter Chinesisch-Lehrer kam aus Shanghai, und der hat uns beneidet, weil er mit seinem südchinesischen Dialekt nicht mal Mandarin richtig aussprechen konnte - geschweige denn Deutsch. Und da dann die Grammatik auch noch einfach ist und das Vokabular relativ kompakt, spricht nichts dagegen, die Sprache zu lernen. Die Leute, die das machen, haben sie nach ca. einem halben Jahr im Land drauf. Wer also drei Jahre in China war, und hinterher immer noch kein Chinesisch kann, der war dumm, faul und arrogant. Da gibt es überhaupt keine Entschuldigung.
Das mit den Ansprüchen ist auch wichtig: Die Glitzerpaläste in Shanghai und Peking täuschen den Besucher vielleicht darüber hinweg, aber China ist ein großes Land, und der Reichtum ist noch längst nicht überall hingekommen.
Dafür ist das eben ein Land im Aufbruch - die Chinesen sind ein junges Volk (Durchschnittsalter unter 30), sie probieren viel Neues aus, und haben kein Problem mit unkonventionellen Lösungen - auch im Verkehr. Da kann man nur zugucken und lernen, die Lösungen sind mitunter wirklich pfiffig und besser als das, was wir hier haben. Und in Nachbarländern wie Vietnam ist der Verkehr definitiv schlimmer (da beklagen sich sogar die Einheimischen über das Chaos auf den Straßen ;-).
Ich kann auch das mit den Taxi-Fahrern nicht nachvollziehen. Meine Erfahrung ist da ganz anders. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich eben zumindest auf einfachem Niveau Chinesisch kann. Jedenfalls habe ich bei meiner letzten Taxi-Fahrt in Peking erst mal kräftig den Preis gedrückt, dann mit Hilfe einer Karte zusammen mit dem Taxi-Fahrer den optimalen Weg festgelegt (unter Berücksichtigung der U-Bahn), und unterwegs dann noch mit ihm ein paar Belanglosigkeiten ausgetauscht. Da wird man dann bestimmt nicht für ein hilfloses Kind gehalten (BTW: Das erinnert mich an Avatar - wie Jack Sully auf Neytiri trifft, sagt sie auch "Du bist wie ein Baby").
Grundsätzlich gilt: Wenn du weißt, was du willst, und bestimmt auftrittst, dann funktioniert das schon mal besser - dann können die Chinesen einfach reagieren, und deine Wünsche erfüllen; mit autoritären Situationen haben die viel Erfahrung. Die Sprachbarriere (sehr wenige Chinesen sind wirklich fit in einer Fremdsprache¹) verunsichert beide Seiten enorm, das funktioniert so nicht. Jenseits der Barriere ist das alles viel lockerer und auch jede Menge Humor vorhanden - in Shanghai habe ich Bekannte (bekannt aus'm Internet) getroffen, und dann sind wir in die Nanjing-Road, und ich wurde gefragt, wie ich die finde - meine Antwort "Ich geh' einfach so lange in die Richtung, bis mir jemand eine Lolex andrehen will". Das haben wir dann auch gemacht, und das dem ersten Lolex-Verkäufer, der auch prompt in der Nanjing-Road auftauchte, erzählt, und der hat dann mitgelacht, und völlig vergessen, mir weiter seine Lolex aufzuschwatzen ;-).
¹) Zur Verdeutlichung: Wir haben ein paar Kinder in einem Dorf gefragt, ob sie Englisch in der Schule haben - Antwort - "ja, aber unsere Lehrerin kann's auch nicht". - #26 10.05.2010 19:54 von
interesse, verständnis
wie wär's einfach mal nur mit interesse, verständnis entwickeln, die neugierde auf das fremde und seine gründe, der spass an einer anderen kultur, am neuen?
menschsein ist mehr als nur markt und wer wem aus welchen gründen den hintern zu küssen hat oder sich küssen lassen kann.
und im zeitalter von ozonloch, auslöschung allen lebens auf erden durch atomkrieg, klimawandel, überbevölkerung und vogelgrippe (pars pro toto) steht auch mehr auf dem spiel als ein umgefallener sack reis in china oder ein aufgeplatzer sack kakaobohnen am hafenquai von Rio.
so langsam sollten wir erwachsen werden und mehr zu bieten haben als anekdötchen und kindergeschichtchen. - #27 10.05.2010 20:50 von
Arbeitsrealität
[QUOTE=_laoshi_;5485648]Schade, dass nur laue Anekdoten bei 3 Jahren China rausgekommen sind. Wahrscheinlich sind die auch noch aus dem Expat-Freundeskreis zusammengetragen. Aber das deckt sich mit meinen Erfahrungen mit Expats in China. Viele von denen meiden Kontakt zu Chinesen wo es nur geht und halten sich bevorzugt unter ihresgleichen auf. Ähnlich wie das türkische Mitbürger in Deutschland tun. Nur wenige versuchen in die Kultur einzutauchen ohne den Zwang verstehen zu müssen. Kulturschock? Trifft wahrscheinlich bevorzugt Leute, die vorher noch nicht viel von der Welt gesehen haben. Ich hatte keinen. Natürlich sind hier einige Dinge anders, aber ich hatte auch nichts anderes erwartet. Wenn ich deutsche Verhältnisse gewollt hätte, wäre ich zu Hause gebleiben.
Gerne wird ja das Klischee des Laowai, der im Schindler essen geht, bei Jenny Lou einkauft, seine Abende im Suzie Wong verbringt, bemüht. Die Realität liegt - wie so oft - dazwischen.
Viele internationale Firmen schicken ihre Leute oft als Expats, aber auch das nicht mehr immer (manche auch auf Basis lokaler Verträge), nach China. Natürlich ist dies zumeist mit einem höheren Gehalt verbunden, aber auch mit dem Anspruch an eine höhere Leistungsbereitschaft. Die Verträge enthalten zumeist keine Arbeitszeiten und mehr oder minder pauschale Summen, d.h. 35 oder 40 h Wochen sind für Westler definitiv die Ausnahme, es liegt eher im Beich 50 - 70 h, manchmal auch darüber (hängt vom Projektstatus ab). Da oft auch die Familie mitkommt, die natürlich auch zeitlichen Anspruch auf den arbeitenden Familienteil erhebt, bleibt vielen Laowais teilweise wenig Spielraum für das Erlernen der chinesischen Sprache. Da in der Firma zumeist sowieso Englisch gesprochen wird, ist die unbedingte Notwendigkeit manchmal nicht gegeben.
Dies kann man bedauern, aber so ist oft die Realität. Die Firmen bieten zwar teilweise Alibi-Chinesisch-Kurse an, diese können aber nicht im mindestens ein halbjähriges Sprachstudium an einer der Universitäten oder Sprachschulen (bester Einstieg zum passablen Erlernen von Chinesisch) ersetzen.
Oft sind es die Frauen (manchmal beim umgekehrten Verhältnis auch die Männer) die ziemlich schnell ein leidliches Chinesisch vorweisen können. Da diese zumeist über eine Ayi (wahlweise Putzfrau/Kindermädchen/Köchin) verfügen, ist auch die Zeit zum Lernen von Chinesisch vorhanden, auch wenn Kinder da sind.
Ich freue mich für jeden, der die Zeit hat, sich intensiv mit der Sprache, sowie dem Land (durch Herumreisen) zu beschäftigen, aber nicht jedem ist die Zeit dazu gegeben.
Ich selber hatte Gelegenheit beides zu bewerkstelligen, kann aber auch die Laowais verstehen, denen das nicht so gelingt. - #28 11.05.2010 00:15 von
Rechenfehler
Ein typischer Rechenfehler. Vernachlässigen wir einmal die Stockwerke, die eine 4 enthalten.
Wenn man im Deutschland im obersten Stockwerk eines Hauses wohnt und dies ist das Stockwerk n, dann hat das Haus n+1 Stockwerke.
Völlig unlogisch beginnt in Deutschland die Zählung der Stockwerke bei 0 und nicht bei 1.
Bei der Zahl Ihrer Kinder fangen Sie ja auch bei 1 an zu zählen und nicht bei 0.
Also hat das Haus von Thomas 26 Etagen. - #29 11.05.2010 04:05 von
Ze Germans
Na klar... Warum nur gibt es dann hier in Amerika (und in Polen usw.) so viele Witze über Deutsche und ihre grauslige Aussprache? (Ein Beispiel, gerade heute gehört: Ein Notruf geht bei der deutschen Küstenwache ein: "We are sinking!" "And, vot are you sinking about?" Nicht unbedingt lustig, aber nahe an der Realität.)
Ich stimme zu, dass die deutsche Sprache weniger stark vorbelastet ist als z.B. die französische, so dass es deutschen leichter fällt, eine Fremdsprache zu sprechen.
Aber gerade das Chinesische mit seinen sinnbildenden Tönen fällt jedem, der nicht damit aufgewachsen ist, wohl ähnlich schwer. In meinem Chinesischkurs habe ich zumindest nicht den Eindruck, dass die Aussprache den Deutschen in den Schoß fällt.
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