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Kulturkampf an türkischen Unis: "Es ist wie im Krieg"

Mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Studenten: In der Türkei tobt ein Kulturkampf, an den Hochschulen eskaliert er. Islamisten drängen an die Macht, Liberale verteidigen die Freiheit der Wissenschaft. Menschenrechtler warnen vor der enormen Brutalität.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...764377,00.html
  1. #30

    Nationalstaat + Rechtsstaat + Gottesstaat ?

    Zitat von ciceroli Beitrag anzeigen
    Ich selber bin nicht türkischer Herkunft, habe aber sehr viel mit unseren Freundinnen und Freunden aus der Türkei Zeit meines Lebens zu tun.
    Was in den letzten Jahren unter Erdogan passiert ist, trägt ein Muster, welches wir eigentich alle kennen sollten. Unter einer relativen Repression zu wirtschaftlichen (und geostrategischen) Fortschritten zu gelangen.
    Wir dürfen niemals vergessen, das die Partei Erdogans mit dem was wir haben (C...) gut vergleichbar ist. Ich bin weit davon entfernt, den türkischen Bügerinnen und Bürgern vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Was ich aber wirklich gerne ändern würde, ist diese einseitige, fast ausschließlich defizitorientierte Berichterstattung unserer Medien bzgl. des Islam. Es ist offensichtlich, das wir Christen uns nunmal einfach überlegener fühlen. Das würden wir so niemals aussprechen. Dies geschieht viel subtiler. (Auch eine Art Kulturkampf!) Nachdem nun dieser "Christenclub EU" es nie auch nur im entferntesten geschafft hat,die liberalen Kräfte und Strömungen in der Türkei zu unterstützen, war die logische Konsequenz daraus, das es in Richtung schleichende Islamisierung der Türkei gehen wird.
    Rein aus politischen Gründen, riet ich meinen Kumpels stets davon ab, das die Türkei in die EU kommt (wie wenn wir das in der Hand gehabt hätten). Nun ist es soweit und die türkische Republik braucht die EU nicht mehr. Sondern die EU braucht aus geostrategischen Gründen die Türkei mehr denn je... Glaubt wirklich jemand, wir werden diesen "Kulturkampf" dort irgendwie noch beeinflußen können, ohne den Zeigefingerimperialisten raushängen zu lassen? Die Türkei ist, vorsichtig gesagt, verlorenes Gebiet für die EU. Und daran trägt die EU zur genüge selber die Schuld! Dies ist nicht nur politisch sondern auch aus der moralischen Wertedebatte heraus ein Desaster! Danke für nichts, ihr Hohlköppe!
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine größere Offenheit seitens der EU gegenüber der Türkei etwas Wesentliches an den innenpolitischen Zuständen in der Türkei geändert hätte - eher im Gegenteil. Die zahlenmäßig starken türkischen Nationalisten hätten dann noch viel stärker den Anti-EU-Joker spielen können, als sie es ohnehin schon getan haben. Damit wären die Rechten Kräfte in der Türkei heute viel stärker.
    Vielmehr musste die EU lernen, dass türkischer Nationalismus und türkischer Stolz sich nur schwer mit einem Grundgedanken der Union vertragen, nämlich: Sich der Gemeinschaft der Staaten zu fügen und Souveränität abzugeben.

    Dazu kommen die massiven rechts-staatlichen Defizite, die sich allein durch Gesetzesänderungen nicht beheben lassen, da der Rechtsstaat und die damit verbundene "Liberalität im Alltag und im Umgang miteinander" in die Köpfe der Bürger und Richter muss, dort aber bei sehr Vielen noch nicht angekommen ist.

    So revolutionär und plötzlich wie Atatürk seinem Volk die Moderne vor ca. 80 Jahren aufgezwungen hat, so sehr hat er das Beharrungsvermögen des Tradierten unterschätzt - auch wenn er die alten Zöpfe abgeschnitten hat, sind die Haare doch weiter gewachsen.
    Diese "alte, klassische Türkei" kommt nun vielfach über die "anatolische Hintertür" wieder herein und holt die Diskussion nach, die Atatürk nicht geführt hat. Und wir werden sehen, dass die Diskussion dann bei der Kernfrage landen wird, die da lautet:
    Wieviel Islam verträgt eine Demokratie ?
    Wieviel Moderne verträgt der Islam ?
  2. #31

    Die EU, Erdogan und der Islam

    Es gibt genügend Menschen die gewarnt haben vor einem Herrn Erdogan als Vorstandsvorsitzender der "Türkei e.V." und der damit einhergehenden Islamisierung und Terrorisierung des Landes. Das Attatürk weichen musste war klar, der EU hat er schon lange nicht mehr genügen können. Erdogan heißt die neue Gallionsfigur des Westens. Nur hat dieser mittlerweile seine eigenen Ziele. Seitens der EU lässt man ihn gewähren, verspricht er doch der neue Mubarak oder Gaddafi zu werden und die EU Außengrenzen (zumindest in Richtung SüdOst) abzuschotten. Wenn er dabei sein Volk knechten will, nur zu, mit solchen Regierungen hat die EU und auch Amerika genug Erfahrung. Sie wissen, das sind die treusten Knechte.
  3. #32

    Mit der Lupe suchen

    Zitat von Globewohner Beitrag anzeigen
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine größere Offenheit seitens der EU gegenüber der Türkei etwas Wesentliches an den innenpolitischen Zuständen in der Türkei geändert hätte - eher im Gegenteil. Die zahlenmäßig starken türkischen Nationalisten hätten dann noch viel stärker den Anti-EU-Joker spielen können, als sie es ohnehin schon getan haben. Damit wären die Rechten Kräfte in der Türkei heute viel stärker.
    Vielmehr musste die EU lernen, dass türkischer Nationalismus und türkischer Stolz sich nur schwer mit einem Grundgedanken der Union vertragen, nämlich: Sich der Gemeinschaft der Staaten zu fügen und Souveränität abzugeben.

    Dazu kommen die massiven rechts-staatlichen Defizite, die sich allein durch Gesetzesänderungen nicht beheben lassen, da der Rechtsstaat und die damit verbundene "Liberalität im Alltag und im Umgang miteinander" in die Köpfe der Bürger und Richter muss, dort aber bei sehr Vielen noch nicht angekommen ist.

    So revolutionär und plötzlich wie Atatürk seinem Volk die Moderne vor ca. 80 Jahren aufgezwungen hat, so sehr hat er das Beharrungsvermögen des Tradierten unterschätzt - auch wenn er die alten Zöpfe abgeschnitten hat, sind die Haare doch weiter gewachsen.
    Diese "alte, klassische Türkei" kommt nun vielfach über die "anatolische Hintertür" wieder herein und holt die Diskussion nach, die Atatürk nicht geführt hat. Und wir werden sehen, dass die Diskussion dann bei der Kernfrage landen wird, die da lautet:
    Wieviel Islam verträgt eine Demokratie ?
    Wieviel Moderne verträgt der Islam ?
    Einem Volk von erzkonservativen Fellachen und deren Abkömmlingen kann man keine Demokratie nach westlichen Vorbild überstülpen. Das funktioniert weder im Irak noch in Afghanistan und auch nicht in der Türkei. Wir werden uns noch wundern über die neuen Herren in Nordafrika, die wir so großzügig unterstützen, ohne deren Absichten zu kennen. Lupenreine Demokraten wird man mit der Lupe suchen müssen.
  4. #33

    ...

    Zitat von sanhe Beitrag anzeigen
    Der Artikel ist ziemlich einseitig geschrieben und generalisiert einzelne Vorfälle. Dies deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen vor Ort.

    Dass die türkische CHP und Altkemalisten lauthalts die angebliche, generelle Islamisierung der Türkei verbreiten, dürfte wohl eher eigenen Interessen & Machtstreben geschuldet sein.
    Dann frage ich mich aber, was genau sie vor Ort beobachten.
    Dieser "einzelne Vorfall" um die junge Frau Ezgi Özen hat ziemlich weite Kreise gezogen. So war sie nach Ansicht vieler einfach selbst schuld, was hat sie als Schwangere auch auf einer Demo zu suchen? Zudem war sie auch noch schwanger ohne verheiratet zu sein (darauf muss ich wohl nicht näher eingehen).
    Und das waren nicht nur einzelne Meinungen, sondern wurde teilweise von offizielle Seite so gesagt (zumindest ersteres).

    Ebenfalls dürfte Ihnen entgangen sein, dass vor ein paar Monaten beschlossen wurde, Zivilpolizisten an Unis zu platzieren. Fadenscheinige Begründungen hatte man auch, z.B. sollten diese die privaten Securities schulen, die es an jeder Uni gibt. Lächerlich.
    Das ging so weit, dass ich einige Studenten kenne, die sich innerhalb ihrer Uni aus Angst überhaupt nicht mehr über politische Themen unterhalten.

    Hier noch ein Artikel zur Ihrer Meinung nach "angeblichen" Islamisierung. Warum wohl benennt Präsident Gül immer AKP-nahe Rektoren? Warum werden Kritiker knallhart abserviert? Der Artikel ist zwar schon etwas älter, aber im Grunde immer noch aktuell.

    http://www.handelsblatt.com/politik/...n/3001008.html

    Soviel zu Ihren sogenannten einzelnen Vorfällen.
  5. #34

    .

    Zitat von herrlohse Beitrag anzeigen
    Der Türkei wird nun bereits seit über 60 Jahren signalisiert, dass das Land irgendwann zur EU gehören könnte. Es hat durchaus positive Entwicklungen unter Erdogan gegeben die allerdings von europäischen Politikern überhaupt nicht honoriert worden sind. Es liegt daher nahe, dass die türkische Politik sich nun wieder der religiös-fundamentalistischen Seite zu wendet. Nicht nur die türkische Gesellschaft ist in sich gespalten, auch das angeblich ach so "moderne" und "säkulare" Europa weiß nicht wo es hin möchte, wie am Zick-Zack-Kurs des EU-Beitritts der Türkei deutlich wird. Chance vertan!
    Gäbe es die Möglichkeit, der Türkei den EU-Beitritt ohne die daraus zwingend folgende Freizügigkeit (freie Wohnortwahl für EU-Bürger in der EU) gewähren zu müssen, wäre die Türkei bereits seit 30 Jahren aufgenommen.

    Nur befürchten die westlichen und nördlichen EU-Staaten berechtigt die Vökerwanderung 2.0, denn wie in Deutschland aus 500.000 Türkischen Gastarbeitern zu Zeiten des Anwerbestopps 1973 fast fünf Millionen im Jahre 2011 werden konnten entging weder den unseren Politikern noch denen anderer EU-Staaten.

    Zitat von Indigo76 Beitrag anzeigen
    Jeder Terrorist sieht sich selbst als Freiheitskämpfer und mit ihm seine Anhänger. Dieser holländische Rechtsradikale ist kein stück besser als Erdogan. Der einzige Unterschied ist, dass er kein Moslem ist!

    Warum ist man eigentlich automatisch Pro-Islam wenn man gegen Wilders ist? Das ist so ein dummer Schwachsinn!
    An welchem Wort bzw. Zitat Wilders' machen sie seine vermeintliche "Rechtsradikalität" denn fest?

    Ich bin ganz Ohr.

    Im Gegensatz dazu stehen ausreichen gegen eine freiheitlich/demokratische Gesinnung Erdogans bzw. der AKP sprechende Fakten im gegenständlichen Spiegel-Artikel und auf den jeweiligen Wikipedia- und Wikileaks-Seiten.
  6. #35

    ..

    Zitat von h-i-2224 Beitrag anzeigen
    Es gibt genügend Menschen die gewarnt haben vor einem Herrn Erdogan als Vorstandsvorsitzender der "Türkei e.V." und der damit einhergehenden Islamisierung und Terrorisierung des Landes. Das Attatürk weichen musste war klar, der EU hat er schon lange nicht mehr genügen können. Erdogan heißt die neue Gallionsfigur des Westens. Nur hat dieser mittlerweile seine eigenen Ziele. Seitens der EU lässt man ihn gewähren, verspricht er doch der neue Mubarak oder Gaddafi zu werden und die EU Außengrenzen (zumindest in Richtung SüdOst) abzuschotten. Wenn er dabei sein Volk knechten will, nur zu, mit solchen Regierungen hat die EU und auch Amerika genug Erfahrung. Sie wissen, das sind die treusten Knechte.
    Spätestens mit seiner Freundschaft zur faschistisch-iranischen Regierung hätte JEDER halbwegs denkende Mensch begreifen müssen, dass Anzug und Kravatte einen Islamisten noch lange zu keinem Demokraten machen. Ich habe vor langer Zeit davor gewarnt. Und ich behaupte heute: dies ist erst der Anfang. Die Türken als auch die Relativierer werden sich noch wundern!
  7. #36

    Wie viele demokratische ,islamische Laender

    in denen es wirklich Meinungs und Pressefreiheit gibt haben wir denn in dieser Welt? Ueberall in der Welt versuchen fanatische Islamisten diese Rechte zu entsorgen in dem sie die Menschen dazu zwingen wollen sich in die Umma einzugliedern,es wird auch nicht gescheut Gewalt anzuwenden.Schliesslich steht Islam fuer Unterwerfung.
  8. #37

    .

    Zitat von migrant99 Beitrag anzeigen
    Das Volk öffnet sich und macht sich für seine Rechte stark. Das passt den ehemaligen Maden im Speck natürlich überhaupt nicht.

    DAS Volk? Dass ich nicht gleich grinsen muss. Die Mehrheit DIESES Volkes hat zweimal hintereinander FREIWILLIG einen ekelhaften Islamisten gewählt. Wenn überhaupt jemand für seine Rechte kämpft, dann eine kleine, liberale MINDERHEIT im türkischen Volk. Da ist es noch weit hin als dass man vom DAS Volk sprechen könnte. Aber Übertreibungen sind wir ja schon seit jeher gewohnt.
  9. #38

    machen

    Zitat von Shayla Beitrag anzeigen
    Ganz einfach: der eine kämpft für die Freiheit seines Volkes. Der andere will seinem Volk immer mehr Freiheiten nehmen.

    Kapiert?
    Quatsch. Erdogan prägt mittlerweile eine ganze Ära und regiert demokratisch nach dem Willen der Mehrheit, ohne die Rechte der Minderheiten einzuschränken.

    Wilders ist ein Hetzer, der auf dem Rücken von Minderheiten Politik macht.
  10. #39

    liberale Türken unterstützen

    re: "In der Türkei tobt ein Kulturkampf"
    Zitat von joseluisrey Beitrag anzeigen
    Das ist wahr, und aus diesem Grund wollen wir die Türkei NICHT IN DER EU haben!
    genau diese Haltung hilft den Islamisten.
    So können sie gegenüber den Liberalen argumentieren: es nützt Euch nichts, wenn ihr eure Wurzeln und Traditionen verleugnet (oder das, was so ein Islamist für seine Wurzeln und Traditionen hält), die Christen wollen euch eh nicht haben.








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