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KTG-Abgang: Gutt so!
Der Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg markiert eine tiefe Zäsur - für die Parteien und für die politische Kultur im Land. Sein Comeback ist nicht ausgeschlossen, aber Kanzler darf er nicht mehr werden.
http://www.spiegel.de/politik/deutsc...748384,00.html
- #1 01.03.2011 13:51 von
Lug und Trug!
Lug und Trug ist doch in der Politik und Wissenschaft nichts Neues.
Zudem gerade viele Professoren und Doktoranten noch nicht mal die Objektivität besitzen, die sie eigentlich haben sollten! (Im übrigen habe ich letztes selber an der Uni erfahren).
Ich behaupte einfach mal, daß mindestens 30% aller Promotionen und Habilitationen nicht regulär zustandekamen.
Aber, was noch viel schlimmer wiegt, wie kann man denn hier einen Promovierten so bekriteln und dann den Dr-Vater so außen vor lassen? Hat dieser, hat die Uni nicht eine Pflicht zu prüfen? Ein Prüfung auf Authentizität erfolgt nicht? Wie vernichtend ist gerade dieses Urteil für die lieben Herren der Habilitierten. Sprich: durch Wegschauen fördert man eben den Betrug.
Kennt man das nicht aus dem Strafrecht? Ach ja.. Beteiligung, § 23 StGB oder so.. oder nicht? - #2 01.03.2011 13:52 von
- #3 01.03.2011 13:54 von
Naja
"Er war ein Hoffnungsträger, er versprühte Charisma, er war jemand, der Politik vermitteln konnte, der Menschen begeisterte. Die Truppe mochte ihn, ebenso wie viele Wähler. Was wünscht man sich mehr von einem Politiker?"
Man wünscht sich Aufrichtigkeit, Integrität und vor allem Politik vor Charisma.
Excusez-moi, aber alle anderen genannten Punkte hat auch bereits Hitler erfüllt.
:-P - #4 01.03.2011 13:55 von
Weit überfällig
Natürlich kann er kein Kanzler mehr werden, eine völlig abstruse(!) Vorstellung. Falschinformationen und Betrug prägen die gesamte "Karriere" des Grafen bereits von Anfang an. Der Tagesspiegel schreibt heute auf seiner Titelseite:
Mit Sicherheit kein Einzelfall, dass sich der Mann völlig skrupellos der gängigen C-Seilschaften bedient hat, um schneller an die Spitze zu gelangen. Was für ein Blender, bin gespannt, was da noch alles ans Tageslicht kommt."Verteidigungsminister Guttenberg hat nur mit der Ausnahmegenehmigung eines CSU-nahen Professors an der Uni Bayreuth studieren dürfen. Dies erfuhr der TSP am Montag aus Fakultätskreisen. Wie es hiess, sei zG's juristisches "Prädikatsexamen", mit dem er auch in seinem Lebenslauf warb, nur ein sog. "kleines" Prädikat, mit der Note "befriedigend" im "unteren Bereich". Mit einer solchen Examensnote sind juristische Promotionen nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Ausserhalb Bayerns gilt auch erst ein "vollbefriedigend" als Prädikatsexamen. (Guttenberg lehnte eine Stellungnahme dazu ab.) ... Nach der Bayreuther Promotionsordnung "kann" der Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät einen Bewerber mit Guttenbergs Notenschnitt "nur ausnahmsweise" zur Promotion zulassen...
Dekan war bei Guttenbergs Zulassung 2006 ein gewisser Karl-Georg Loritz. Der Prof. für Zivilrecht war in den 70ern Vorsitzender der Jungen Union in der CSU-Vorstandschaft der bayrischen Kleinstadt Schwandorf, Hauptredner beim Neujahrsempfang der dortigen CSU, und ist lt. Website dieses Ortsverbandes "der Partei bis heute verbunden."
Nach bisherigem Kenntnisstand sind in jedem Fall auch personelle Konsequenzen an der Uni Bayreuth erforderlich. - #5 01.03.2011 13:56 von
Wo war Wulff?
Hat unser Bundespräsident eigentlich ein einziges Wort zu der Affäre verloren? Sollte der nicht für die politische Hygiene zuständig sein?
Vielleicht sollte Kurt Biedenkopf oder Lammert Bundespräsident werden, die haben das richtige gesagt. - #6 01.03.2011 14:05 von
Es ist schon gebraut ...
Wichtig erscheint mir besonders dieser Gedanke - Zitat: "Es braut sich etwas zusammen und es ist nichts Gutes, so viel steht fest."
Ich fürchte es ist schon gebraut und wir trinken bereits davon.
Vergleicht man die Meinungsbilder und Reaktionen auf Sarrazin und zu Guttenberg kann man auf abstrakter Ebene Gemeinsamkeiten feststellen. Aus unterschiedlichen Gründen wurde viel Emotion und Irrationalität freigesetzt und die Mehrheit hatte sichtlich ein Probleme sich an Fakten zu orientieren.
Vorallem das unreflektierte und undifferenzierte Vorgehen von Befürwortern bzw. Gegnern ist ein Problem und bleibt zu oft auf Stammtischniveau.
Bei Sarrazin beherrschte die Angst vor Verfremdung die Geister, bei zu Guttenberg blendete ein idealisiertes Heldenbild.
Eigentlich kann man nur durch Bildung und Aufklärung dagegen halten. Die Hoffnung darauf stirbt zulestzt. - #7 01.03.2011 14:11 von Methana
Popularität statt Politik?
Auch, wenn es für ihn persönlich hart ist, er hat uns durch seinen Fehler vor schlimmeren Sachen bewahrt. Angeblich ist die Mehrheit "für" Gutteberg und übersieht gerne sein unrechtes Verhalten.
Gerade im Facebook hat Tobias Huch ja sehr viele Unterstützer versammelt und angeblich gibt es Statistiken, die meinen, die "Mehrheit" der Deutschen stände noch immer hinter ihm.
So etwas sollte die Warnglocken leuten lassen.
Auch bei seinem Rücktritt sieht man, dass er seine Fehler eigentlich nicht eingesehen hat. Er geht, weil er der CDSU noch größeren Schaden zufügen würde, aber nicht, weil er sein Fehlverhalten erkennt.
Solche Politiker, die so wenig Recht & Moral respektieren und dann auch noch angeblich so populär sind, sind eine Gefahr für die Demokratie.
Gut(t) so und weg! - #8 01.03.2011 14:13 von
....
Meiner Meinung nach drückt sich darin eine Sehnsucht nach Alternativen und einem grundlegenden Wechsel aus. Nur die Protagonisten, auf die diese Sehnsucht projiziert wird, sind die denkbar schlechtesten Kandidaten. Nämlich reine Selbstdarsteller, unfähig zum aufrichten Argumentieren.
- #9 01.03.2011 14:13 von
...
Mir missfällt in dem Kommentar von R. Nelles die Aussage, dass an Politiker eben besonders hohe Ansprüche an Anstand und Zuverlässigkeit gestellt würden. -- Wie bitte? Ich will den Arbeitnehmer sehen, der wegen eines erschlichenen akademischen Titels auffällt und nicht mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen muss! Jeder Arbeitgeber wird aufgrund dieser Geschichte an der charakterlichen Eignung des Betroffenen für seinen Beruf zweifeln und dementsprechend das Arbeitsverhältnis aufkündigen.
Die Maßstäbe, die an Hr. Guttenberg angelegt werden, sind also keineswegs höher als sonstwo; sondern schlicht genauso hoch wie für unsereins auch. Punktum. Aus seinem Rücktritt jetzt eine Art von Märtyrertum zu stricken, akzeptiere ich nicht.
Dass Politiker besondere Vorbilder sein müssen, sehe ich auch nicht. Sie müssen sich genauso benehmen, wie ich es von meinen Nachbarn oder sonstigen Bekannten erwarte. Kommt mir also nicht mit dem Humbug, dass Politiker es da schwerer haben als der Rest der Welt. -- Politiker sind jedoch tatsächlich ein Spiegel unserer Gesellschaft: Was bei denen regelmäßig schief läuft, wird unter Garantie woanders auch nicht funktionieren. Vielleicht ist (neben der "Märtyrer"-Masche) dieser Umstand eine Erkärung dafür, warum jetzt Krokodilstränen vergossen werden: um so von sich selbst abzulenken?!
Der Rücktritt war überfällig, denn Konsequenzen müssen sein, um jedem klar zu machen, dass Unehrlichkeit nicht toleriert wird. Das hat nichts damit zu tun, ihn "auf ewig" zu bestrafen für sein Tun. In ein paar Jahren kann er ja gerne wiederkommen. Aber ganz ohne Federn zu lassen geht es bei dieser Art von Betrug nicht, das wäre sonst ein Desaster für unsere Gesellschaft und unser moralisches Fundament gewesen.
Leider habe ich bei Guttenbergs Worten nicht wirklich den Eindruck gewonnen, dass er sein Fehlverhalten einsieht; er stilisiert sich eher als Opfer denn als Täter. Sehr schade, er hätte die Chance gehabt, wahre Größe zu zeigen und seine Schuld einzugestehen. Statt dessen zeigt er mit dem Finger auf andere. Das ist auch der Grund, weshalb ich mich auf sein (vermutlich baldiges) Wiederkommen nicht freuen kann. Hätte er das anders gehandhabt, wäre ich de Meinung gewesen, dass er diese Angelegenheit ausgestanden hat und ihm für die Zukunft nichts mehr im Weg stehen sollte. Ein bisschen mehr Einsicht und Demut hätte ihn in meinen Augen zu einem wahrhaft guten Politiker werden lassen - denn genau daran fehlt es sehr in unserem Land.
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